Rebell im schwarzen Anzug

Umweltpolitik: Klimaaktivist und Fahrradlobbyist Heinrich Strößenreuther ist in die CDU eingetreten

Von Helmut Burlager

Wilhelmshaven – Fahrradlobbyist und Klimaaktivist, Gründer der Initiative German Zero und Erfinder der Falschparker-Melde-App Wegeheld, Initiator des Berliner Fahrrad-Volksentscheids und Chef des Vereins Changing Cities. Ein bundesweit bekannter Tausendsassa auf dem Gebiet erfolgreicher  Umweltkampagnen – welche Parteizugehörigkeit würde man bei einem solchen Mann wohl vermuten? Richtig!

(c) Heinrich Strößenreuther

Doch weit gefehlt, seit dem 17. März ist Heinrich Strößenreuther (53) Mitglied der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Und die ist mächtig stolz auf den Neuzugang, denn der gebürtige Wilhelmshavener, der in Berlin lebt und sich dem CDU-Ortsverband Alt-Tempelhof anschloss, gilt wahlweise als der „erfolgreichste deutsche Verkehrslobbyist“ (taz) oder „Verkehrsrebell im schwarzen Anzug“ (Die Zeit).

Das unerwartete Bekenntnis Strößenreuthers zu einer Partei, die sich bislang nicht so als Speerspitze der Klimabewegung hervorgetan hat, löste ein enormes Medienecho aus. Zeitungen vom Tagesspiegel bis zur Süddeutschen berichteten ausführlich, vielfach mit Spekulationen darüber, ob die Entscheidung des „Ober-Radlers“ ein Vorbote von Schwarz-Grün wenige Monate vor den Wahlen sein könnte. Manche sparen auch nicht mit Kritik. Die CDU wolle jetzt „die Grünen kopieren“, und CDU-Wähler hätten zurzeit andere Sorgen, als 2035 „klimaneutral“ zu sein, hieß es.

Für Heinrich Strößenreuther war es hingegen ein Wandel bei der CDU, der ihn zu der Entscheidung gebracht hat. „Das Bekenntnis von 29 CDU-Bundestagsabgeordneten zur Grünen Null war die Motivation, mich in der Union zu engagieren. In der Klimapolitik ist die Union aus CDU und CSU der entscheidende Hebel, um die 1,5-Grad-Klimapolitik voranzubringen. Es gibt in der Union längst starke klimapolitische Ambitionen“, äußerte er in einer Pressemitteilung. Er wolle die gesamte Partei für das Ziel der Klimaneutralität 2035 gewinnen. In einem Interview hat Strößenreuther zugleich Kritik an der rot-rot-grünen Regierung in Berlin geübt. Sie habe viel versprochen und wenig gehalten.

Ganz fern ist dem Klimaaktivisten die CDU nie gewesen. Heinrich Strößenreuther wuchs in Breddewarden bei Sengwarden auf. Er hat, wie er sich in einem Gespräch erinnert, als Jugendlicher bei Wind und Wetter das Jeversche Wochenblatt ausgetragen und ist bis heute ein großer Jever-Fan. Er stammt aus einer bürgerlich-konservativen Familie, in der schon in den 1970er-Jahren Müll getrennt und wenig Auto gefahren wurde. Seine Eltern waren nicht nur in der CDU, sondern auch sonst sehr engagiert, seine Mutter als Stadtelternratsvorsitzende und der Vater in Ehrenämtern. „Das hat mir immer imponiert“, erzählt er. Er selbst war in der evangelischen Jugend aktiv und während seines Studiums der Wirtschaftsinformatik in Mannheim Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Doch sein Weg führte in eine ganz andere Richtung. Seit Studententagen verband er persönliches Engagement in Sachen Klimaschutz mit seinen beruflichen Ambitionen und wechselte zwischen verschiedenen Rollen: Mitarbeiter des Bundestags, Vorstand eines Wirtschaftsforschungsinstituts, Campaigner für Ökosteuern bei Greenpeace, Projektmanager im Vorstand der Deutschen Bahn, Gründer eines Fernbusunternehmens, jetzt Berater, Interims-Manager, Inhaber der Agentur für clevere Städte, Buchautor und „Business Angel“. Womit nur ein kleiner Teil seiner vielen Aktivitäten genannt ist. Und ja, er war tatsächlich auch etliche Jahre Mitglied der Grünen.

Eine schillernde Persönlichkeit also, und in der CDU sicher ein Paradiesvogel. Man habe ein prominentes und spannendes Mitglied gewonnen, schrieb der Spitzenkandidat der Union für die Abgeordnetenhauswahl, Kai Wegner: „Herr Strößenreuther hat in Deutschland maßgeblich dazu beigetragen, den Diskurs zu den notwendigen Klimaschutz-Bemühungen ideologiefrei und wertebasiert zu verändern“. Diesen Weg will die CDU nun mitgehen. Ob es für beide Seiten ein Spaziergang wird, muss sich herausstellen.

(Der Beitrag erschien zuerst im Jeverschen Wochenblatt)

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