Lebendiger Beweis für gelungene Entwicklungsarbeit

Das Stipendienwerk Samenkorn hat in den zurückliegenden 17 Jahren viel geleistet

Von Brigitte Meiners

Jever – Da, wo sie herkommen, können viele Menschen noch nicht lesen und schreiben. Viele leben von der Hand in den Mund, in ärmsten Verhältnissen, ohne fließendes Wasser oder elektrischen Strom. DSC_8107Ihre Heimat ist Guatemala, und die vier jungen Leute, die in ihrer farbenfrohen Landeskleidung im Wohnzimmer der jeverschen Ärzte Ulrike und Matthias Vincenz ein wenig verloren wirken, sind der lebendige Beweis dafür, wie nachhaltige und damit gelungene Entwicklungsarbeit aussehen kann.

Foto: Die jungen Mayas Maria, Alma, Irma und Robelio haben dank der Projekts Samenkorn eine berufliche Zukunft, von der sie sonst nur hätten träumen können.
© Brigitte Meiners

Mari, 20 Jahre alt, ist bald Grundschullehrerin, für eine Frau aus ihrem winzigen Dorf etwas ganz Besonderes. Die 22-jährige Alma studiert Jura, Irma ist 19, macht demnächst Abitur und kann damit wie Maria als Grundschullehrerin unterrichten, und Robelio hat sein Herz an die Musik verloren. Welch ein Glück, dass er dieses Fach studieren darf.

Allen vier Mayas ist eines gemeinsam: Ohne finanzielle Hilfe von außen, ohne ein Stipendium des Hilfsprojekts „Samenkorn“ würden sie sich als Weberin oder Näherin, als Landarbeiter einen Job suchen müssen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Projekt Samenkorn: Da schließt, oder besser, da beginnt der Kreis zwischen Jever und dem südamerikanischen Andenstaat und da ist der Bezug zu den Eheleuten Vincenz.

1994 gründeten sie zusammen mit anderen Engagierten, allen voran Maria-Christine Zauzich, aus Varel stammende Journalistin, deren Herz schon lange für Guatemala schlug, den eingetragenen Verein. Das Stipendienwerk Samenkorn, so die Idee, sollte helfen, jungen Mayas, eine qualifizierte Ausbildung zu geben, die es ihnen ermöglicht, an Schlüsselstellen zu arbeiten und damit die friedliche Demokratisierung ihres Landes voran zu bringen. Mehr als 350 junge Menschen haben bislang vom Stipendienwerk Samenkorn profitiert. Sie sind Jurist, Mediziner, Ingenieur, Lehrer oder haben einen anderen akademischen Beruf. Und sie alle, dazu mussten sie sich verpflichten, sind in ihrem Land geblieben, um sozusagen im Schneeballsystem andere Bedürftige zu unterstützen und weiter daran zu arbeiten, der Unterdrückung der Mayas entgegen zu wirken.

Das Stipendienwerk, das in Deutschland für die Spendengelder sorgt, arbeitet eng mit dem Projekt „Itja`tz“ in Guatemala zusammen, was nichts anderes als Samenkorn in der Maya-Sprache heißt. Bis zu ihrem tragischen Tod vor zwei Jahren war Maria-Christine Zauzich dort die Triebfeder, jetzt wird das Projekt in Guatemala geleitet von dem deutschen Juristen Christian Stich, der sich mit den vier genannten Stipendiaten auf den Weg nach Deutschland gemacht hat, um das „Mutterhaus“ des Stipendienwerks in Jever zu besuchen und um vier Wochen lang eine Rundreise durch Deutschland zu machen, von Förderer zu Förderer.

Der entwicklungspolitische Ansatz des Vereins Samenkorn sei genau der richtige, erklärte Stich im Hause Vincenz, wo etliche Samenkorn-Förderer und -Interessierte zusammengekommen waren. „Ein Haus kann verfallen, Bildung aber geht nie verloren.“

Stich war nicht ohne Zahlen gekommen: In diesem Jahr erhalten 51 junge Menschen ein Stipendium, 90 Euro montlich gibt es für den Besuch der Oberschule, ein Studium wird mit 160 Euro bezuschusst. Und auch in Guatemala zeigt sich, ähnlich wie in anderen Ländern auch, dass die Entwicklung von Frauen ausgeht. So sind 32 der 51 Stipendiaten weiblich.

Sowohl Stich als auch Dr. Ulrike Vincenz zeigten sich überzeugt davon, dass das Samenkorn, das vor nunmehr 17 Jahren mit der Gründung des deutschen Vereins in Jever gelegt wurde, auf jeden Fall aufgegangen ist. Die vier jungen Mayas, die eindrucksvoll im adventlichen Jever ihren Werdegang schilderten, sind der Beweis. –

Das Projekt Samenkorn hat ein Spendenkonto bei der Volksbank Jever, Kto-Nr. 1179006003, BLZ 28262254.

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