Mikrofinanz ist für die Menschen da

Stefan Knüppel von Opportunity International fordert klare Regeln

Von Jan Binder

Frankfurt – Selbstmorde im indischen Andhra Pradesh, eine Premierministerin in Bangladesh, die den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus als „Blutsauger der Armen“ bezeichnet und aus der von ihm gegründeten Grameen Bank drängte – die vergangenen Monate waren turbulent für die Mikrofinanzbranche.

KnüppelStefan Knüppel, Vorstand von Opportunity International Deutschland. Foto: Helmut Burlager

Jahrelang galten Mikrokredite als das Patentrezept im Kampf gegen die Armut. Umso tiefer war der Fall in der Öffentlichkeit, als sich die negativen Schlagzeilen häuften.

So mancher Kommentator trug den Hilfsansatz bereitwillig zu Grabe. Zwischenzeitlich hat die Pauschalkritik zwar einer differenzierteren Berichterstattung Platz gemacht, dennoch: „Ein Reputationsverlust ist feststellbar“, sagt Stefan Knüppel, Vorstand von Opportunity International. Die gemeinnützige Stiftung organisiert mit Spenden Mikrofinanzprojekte in Afrika und Asien.

Finanzielle vs. soziale Rendite

Der Bedarf für Mikrofinanz ist immer noch riesig: Geschätzte 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen, etwa eine Milliarde Menschen leben laut UNO von weniger als einem Dollar am Tag. Nicht nur um diesen Menschen zu helfen, sind weltweit über 3.000 Mikrofinanzinstitutionen aktiv. Die Bandbreite reicht dabei von kleinen Initiativen, die hauptsächlich ehrenamtlich getragen werden, bis hin zum börsennotierten Unternehmen. Ebenso unterschiedlich sind die Motive: Manche möchten die Not lindern, andere eine möglichst hohe Rendite erzielen. Lassen sich diese Akteure alle über einen Kamm scheren? „Die Unterschiede in der Qualität der Arbeit sind gewaltig“, so Stefan Knüppel. Es müsse genau hingeschaut werden. „Werden nur Kredite vergeben oder die Kreditnehmer auch geschult? Wird die Möglichkeit zum Sparen und auf Mikroversicherungen gegeben? Kommt der Kreditbetreuer nur zum Abkassieren oder ist er Ansprechpartner bei Problemen?“, zählt Knüppel Punkte auf. Einige „schwarze Schafe“ seien nur auf Rendite aus und machten ein lukratives Geschäft mit der Not der Armen. Dies sei nicht akzeptabel. So warb etwa SKS Microfinance vor seinem Börsengang mit einer Eigenkapitalrendite von 24 Prozent um Investoren. Von solchen Praktiken grenzt sich Knüppel entschieden ab: „Unser Anspruch ist es, soziale Mikrofinanz zu machen, das heißt, Menschen zu helfen.“ Das christlich motivierte Hilfswerk rund um den ehemaligen Vorstand eines Unternehmens mit Milliardenumsatz könne an der Not anderer nicht vorbeigehen. Dennoch sei es richtig, keine Almosen zu verteilen. „Wir müssen den Menschen helfen, sich eigenständig etwas aufzubauen. Dieser Paradigmenwechsel in der Entwicklungshilfe hat weiter Bestand.“ Es stelle sich lediglich die Frage, ob Super-Profite für Investoren realisiert werden sollten, denn die gingen auf Kosten der Kreditnehmer.

Klare Regeln müssen her

Eine Möglichkeit, Kreditnehmer zu schützen, sind klare Regeln. Indien macht es aktuell vor. So dürfen in Zukunft nicht mehr beliebig hohe Zinssätze verlangt werden und auch die maximale Kredithöhe wird gedeckelt. Ähnliche Regelungen stehen in vielen anderen Ländern jedoch noch aus. An dieser Stelle müssen die GIZ und die KfW als die weltweit größten Finanziers der Mikrofinanzbranche ihren Einfluss geltend machen. Zentral kann dabei nur sein, den Gründungsgedanken der Mikrofinanz zu stärken: Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und nicht ein gutes Geschäft auf Kosten der Schwachen zu machen.

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2 Gedanken zu “Mikrofinanz ist für die Menschen da

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