Franz Radziwill – Die Halbinsel der Seligen

Ausstellungen widmen sich dem Spätwerk des Dangaster Malers

Friesland – Im Rahmen eines engagierten Kooperationsprojekts widmen sich das Franz Radziwill Haus und das Schlossmuseum Jever dem zivilisationskritischen Spätwerk des Malers Franz Radziwill. Als Fortsetzung der Ausstellung „In der Nähe des Paradieses“ 2013 werden im Dangaster Künstlerhaus herausragende Gemälde präsentiert, die eine deutliche Stellungnahme des Malers zur Naturgefährdung durch den Menschen vermitteln. Parallel dazu wird in Jever das umweltpolitische Wirken des Künstlers ausführlich dokumentiert. „Die Halbinsel der Seligen – Franz Radziwill in der Natur“ heißt das Projekt. In Dangast läuft die Ausstellung vom 30. März bis zum 11. Januar kommenden Jahres. Im Schlossmuseum Jever wird sie am 6. April eröffnet und dauert bis zum 31. August.

Franz Radziwill. Die Halbinsel der Seligen.  (c) Franz Radziwill Haus

Franz Radziwill. Die Halbinsel der Seligen.
(c) Franz Radziwill Haus

Seit sich der norddeutsche Maler Franz Radziwill (1895-1983) im Jahr 1923 in Dangast niederließ, stand die Natur im Zentrum seiner künstlerischen Aufmerksamkeit. Wenngleich sich seine Formensprache über die Jahrzehnte mehrfach änderte, so blieben Landschaft, Flora und Fauna stets das fundamentale Thema der Malerei. Das Spektrum der Darstellungen tendiert zwischen den Polen von Idylle und Bedrohung.

Während das Frühwerk noch eine harmonische Verbindung von Natur und Menschenwerk vermittelt, zeichnet sich sein spätes Schaffen durch eine sichtbare Kritik an umweltzerstörenden Eingriffen aus, die Radziwill einer profitgesteuerten Gesellschaft vorhält. Mit großer Skepsis registrierte er den Wandel seiner Umgebung, als mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Tourismus in seine Wahlheimat einbrach und Wohnwagenkolonien den Küstenstreifen bedeckten. Radziwills „realistischer Symbolismus“ wurde zur eindringlichen Botschaft seiner Anklage.


„Eine gute Landschaft zu erhalten ist genauso wertvoll und wichtig wie gute Bilder zu malen“ (Franz Radziwill, 1958)


Über das bildnerische Schaffen hinaus setzte sich Radziwill bereits seit den 50er Jahren als früher Umweltaktivist für den Naturschutz am Jadebusen ein und war dort als Vogelschutzwart tätig. Briefe, Zeitungsberichte und Fotografien belegen sein vehementes Handeln für den Erhalt einer ursprünglichen und unverbauten Landschaft.

In beiden Häusern werden rund 50 Gemälde und Aquarelle präsentiert. Die Leihgaben aus Museen und Privatbesitz bezeugen eine intensive Hingabe an den Naturraum. Ansichten der nordwestlichen Küstenlandschaft bilden den Schwerpunkt der Werke, die aus der Nachkriegszeit bis 1971 stammen.

Die Gesamtschau gibt Anlass, die Vielfalt des Oeuvres Franz Radziwills zu erfahren und sich mit dessen grundsätzlicher Kritik am vermeintlichen Fortschritt zu befassen, die bis heute nicht an Aktualität verloren hat.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog, in dem die in 2013 und 2014 ausgestellten Werke abgebildet sind. Einzelne Beiträge behandeln Radziwills künstlerische Wahrnehmung der Natur, sein umweltpolitisches Engagement und dessen Einbindung in die Naturschutzbestrebungen in der Region der 1950er und 1960er Jahre.

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