Effi Briest – viel mehr als ein Pflichtstück fürs Abitur

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Landesbühne glänzt mit Klassiker

Intendant Olaf Strieb hat ein glückliches Händchen. Ausverkaufte Häuser, umjubelte Inszenierungen, Ausweitung der Spielzeit wegen übergroßer Nachfrage. Ob „Dantons Tod“, „Die Feuerzangenbowle“, „Die Schutzbefohlenen“ oder „Luther – Rebell wider Willen“. Dem Theater des Nordwestens scheint in dieser Saison alles zu gelingen. Na ja, sehen wir mal vom Trash-Theater „Fletsch – Saturday Bite Fever“ ab, das in Emden dermaßen durchfiel, dass Teile des Publikums das Eintrittsgeld zurückverlangten und auch bekamen.

Bei „Effi Briest“ freilich, das am Freitag in Jever gespielt wurde, ist der Publikumszuspruch schon deshalb garantiert, weil der Klassiker von Theodor Fontane zum Pflichtprogramm der Abiturienten zählt, die 2018 ihre Prüfung ablegen werden. Doch mögen deshalb viele der zahlreichen jungen Besucher nur halb freiwillig ins Theater gegangen sein, so erlebten sie doch einen grandiosen Abend, an dem das von Regisseurin Tanja Weidner glänzend eingestellte Ensemble in einem sparsam-raffinierten Bühnenbild von Stefan Bleidorn das Schauspiel um Liebe und Ehre, persönliche Erfüllung und gesellschaftliche Konventionen so anrührend und unprätentiös auf die Bühne brachte, dass es zum Schluss langen Applaus gab.

Alina Müller glänzt in der Rolle der Effi, die kindlich-naiv die ihr von den Eltern zugedachte Rolle als Ehefrau annimmt und ihr wahres Unglück erst fasst, als sie den Major Crampas (Orhan Müstak) kennenlernt. Als ihre kurze Liaison nach etlichen Jahren auffliegt, fordert Effis Ehemann Baron von Instetten (Aom Flury) ihn zum Duell. So antiquiert das Gesellschaftsmodell, mit dem Fontane sich in seinem Erfolgsroman und -stück auseinandergesetzt hat, heute erscheint, so anschaulich wird es in der Inszenierung, die geschickt  längere Erläuterungen eines auktorialen Erzählers (dessen Part von allen Figuren des Stücks abwechselnd übernommen wird) mit dialogischer Handlung verknüpft. Ramona Marx in der Rolle der Mutter Briest, Helmut Rühl in der des Vaters und Aida-Ira El-Eslambouli liefern genauso überzeugende Leistungen ab wie die bereits erwähnten Hauptdarsteller. Sie teilen sich den kaum differenzierenden Beifall des Publikums.

Das Stück wird in Wilhelmshaven und im Spielgebiet noch ein Dutzend Mal gezeigt. Nach den Erfahrungen der bisherigen Spielzeit empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu kaufen.

Landesbühne – Effie Briest

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