Toyismus stellt sich in Jever vor

Grell und bunt und anders

Lions-Clubs Jever und Emmen geben deutsch-niederländischen Kunstkalender 2015 heraus

"Big Five" nennt sich dieses Werk, das auch in Jever zu sehen sein wird. Foto: Toyism Studio
„Big Five“ nennt sich dieses Werk, das auch in Jever zu sehen sein wird. Foto: Toyism Studio

Jever/Emmen – In einer kleinen holländischen Stadt gleich hinter der Grenze zu Deutschland ist vor gut zwanzig Jahren eine neue Kunstrichtung ins Leben gerufen worden, die danach ihren Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. „Toyismus“, vom englischen Toy (Spielzeug), nennt sich die Bewegung. Und Dejo nennt sich der Mann, der sie mit zwei anderen Künstlern im Februar 1993 in Emmen gegründet hat. Am Donnerstag, 11. September, kommt der inzwischen international angesehene Maler nach Jever, um eine Reihe von Arbeiten vorzustellen, in das spektakuläre Werk der Toyisten einzuführen und für ein gemeinsames Projekt der Lions Clubs Jever und Emmen zu werben.

Die beiden seit 25 Jahren in einer Partnerschaft verbundenen Serviceclubs geben nämlich einen großen Kunstkalender für das Jahr 2015 mit einem Dutzend Bildern von Toyisten aus verschiedenen Ländern und Erdteilen heraus. Er wird am 11. September, ab 18 Uhr, im Finanz- und Immobilienzentrum der Volksbank Jever in der Mühlenstraße im Rahmen einer Vernissage und Vortragsveranstaltung vorgestellt.

Die anreisenden Künstler werden an dem Abend außerdem eine ganze Reihe teils großformatiger Originale in einer nur wenige Stunden dauernden Ausstellung präsentieren. Jever ist erst die zweite deutsche Stadt überhaupt, in der Bilder der Toyisten gezeigt werden. Bisherige Ausstellungsorte außerhalb der Niederlande waren unter anderem New York, Peking, Cincinatti, Houston, Miami Beach, Taichung City (Taiwan) und Kevlavik auf Island. Bilder der Toyisten werden zu Preisen im vier- bis fünfstelligen Bereich gehandelt, sie sind Sammlerobjekte und nur selten auf dem freien Markt erhältlich.

Die Künstler verwenden Pseudonyme und verwenden bei öffentlichen Auftritten grundsätzlich Masken, so wie Dejo, einer der Begründer des Toyismus. Foto: Toyism Studio
Die Künstler verwenden Pseudonyme und verwenden bei öffentlichen Auftritten grundsätzlich Masken, so wie Dejo, einer der Begründer des Toyismus. Foto: Toyism Studio

Der Emmener Künstler Dejo hat natürlich auch einen bürgerlichen Namen. So wie alle anderen Toyisten gibt er seinen Namen und auch sein Gesicht jedoch nicht preis. Beim Toyismus soll allein die Kunst im Vordergrund stehen und nicht der Kunstler – das ist eine der wichtigsten Philosophien der Toyisten. Deswegen tragen sie Masken, wenn sie fotografiert oder gefilmt werden. Dies und anderes steht in dem Manifest, in dem sie nach der Gründung im Jahr 1992 die Ziele ihrer neuen Kunstrichtung festgeschrieben haben. Es wurde 2001 von Dejo erneuert und legte – nur den Künstlern bekannt – auch die Spielregeln des Toyismus und seine besondere Farb- und Formensprache fest.

Zu den Regeln gehört, dass die Toyisten unter Pseudonym auftreten und jeder Buchstabe des Alphabets nur einmal als Anfangsbuchstabe für einen Namen verwendet werden darf, so dass die Zahl der Mitglieder auf 26 begrenzt ist. Diese Zahl ist noch nicht erreicht, obwohl sich die Bewegung mittlerweile über den ganzen Globus ausgebreitet hat. Toyisten arbeiten derzeit unter anderem in Thailand, Südafrika, Malaysia, Island, Mexiko, Peru, Italien, Australien, Kanada, Belgien, den USA und natürlich in den Niederlanden.

Dejo, der Begründer der Bewegung, hat Gleichgesinnte bei seinen vielen Reisen um die ganze Welt aufgespürt und zum Mitmachen bewegt. Oft war es aber umgekehrt. „Nicht wir haben die Künstler gefunden, sie haben uns gefunden“. Es sind durchweg Profis, zumeist akademisch ausgebildet, und die meisten haben sich längst ausschließlich dem Toyismus verschrieben.

„Narrative Kunst“, sagt Dejo auf die Frage, wie er den Toyismus beschreiben würde. Mit Anleihen bei den Comics, aus der Pop Art, dem Expressionismus, vor allem aber aus dem Surrealismus haben die Toyisten eine sehr farbintensive, großflächige, formenreiche, meist fröhliche Bildersprache entwickelt. Dabei beschränken sie sich nicht auf das Bemalen von Leinen auf Spannrahmen und schrecken vor großen und größten Aufgaben nicht zurück. Zu den spektakulärsten Werken gehören die Außen- und Innengestaltung des Hotels Ten Cate in Emmen, an dem 13 Toyisten nach intensiver Planung fünf Wochen lang arbeiteten. „Dreams for Breakfast“ war das Thema der Gemeinschaftsarbeit, Träume zum Frühstück. Das Hotel macht seither durch den Besuch von Kunstfreunden aus aller Welt 40 Prozent mehr Umsatz.

De Stip oder Der Punkt. VonToyisten gestalteter Gasbehälter in Emmen. Foto: Toyism Studio
De Stip oder Der Punkt. VonToyisten gestalteter Gasbehälter in Emmen. Foto: Toyism Studio

Zuvor hatten die Toyisten ebenfalls in Emmen einen riesigen Gasbehälter („The Dot“ – der Punkt) gestaltet. Jüngstes großes Gemeinschaftswerk ist die Bemalung eines neun Meter hohen Wassertanks mit 36 Metern Umfang in der isländischen Stadt Keflavik, der 2013 unter teils extremen Wetterbedingungen von einer Künstlergruppe umgestaltet wurde und jetzt statt eines Schandflecks im Stadtbild eine Touristenattraktion ist. „Uppspretta“ (Ausbruch von Energie) ist der Titel dieses spektakulären Werks.

In Emmen betreibt der Buchhändler Henk Goslinga im Obergeschoss seines großen Buchladens eine permanente Ausstellung, das Toyismus-Studio. Auf 130 Quadratmetern zeigt er beispielhafte Arbeiten der Toyisten. Auf ähnlich großer Fläche werden am 11.September ab 18 Uhr im Immobilienzentrum der Volksbank Werke der Toyisten gezeigt. Henk Goslinga wird gegen 19 Uhr auf Deutsch in einem interessanten Vortrag die Welt des Toyismus vorstellen. Der neue Kunstkalender 2015 wird an dem Abend erhältlich sein, ebenso Bildbände über die Arbeit der Künstlergruppe, die Originale und Siebdrucke der Toyisten-Werke können erworben werden.

"Dreams for Breakfast" nannten die Künstler dieses spektakuläre Werk, die Bemalung des Hotels Ten Cate in Emmen außen wie innen. Foto: Toyism Studio
„Dreams for Breakfast“ nannten die Künstler dieses spektakuläre Werk, die Bemalung des Hotels Ten Cate in Emmen außen wie innen. Foto: Toyism Studio
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1 Kommentar zu „Toyismus stellt sich in Jever vor“

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