Tag 119 | Spielregeln

Morgen ist der 1. Mai, da werden wieder überall Maibäume aufgestellt. Was zumindest in Friesland überhaupt nicht der Tradition entspricht. Hier stellt man sie nämlich eigentlich am Vorabend auf und bewacht sie über Nacht. Und klauen darf man Maibäume auch, wenn man bestimmte Regeln einhält.

„Der Maienbaum und seine Regeln“

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Tag 118 | Vielseitig

Zu viele Stationen im Lebenslauf können in Bewerbungsunterlagen genauso tödlich sein wie zu wenige. Gilt der eine als Job-Hopper, setzt der andere sich dem Verdacht aus, wenig Mut und Neugier zu zeigen und ein Langweiler zu sein. Der Top-Fotograf, der mit knapp 30 Jahren die Ausbildungs- und Arbeitsorte Düsseldorf, London, Tokio, Jever, Shanghai, Singapur, Los Angeles und Berlin angeben kann, sollte sich keine Sorgen machen müssen. „Was machen Sie denn zurzeit?“, fragt man ihn ganz arglos. „Oh, zurzeit“, sagt er. „Zurzeit arbeite ich als Barkeeper in einem Fünf-Sterne-Hotel“.

Tag 117 | Humor

Über den subtilen Humor eines Unternehmers, der mit Getränken handelt und Unckenboldt heißt, hab ich mich ja schon immer gewundert, wenn ich auf meiner Lieblingsradtour im Kanalhafen in Wilhelmshaven am Depot dieser Firma vorbeikam. Aber der Mann versteht wirklich Spaß, wie gestern vor dem „Tatort“ auf Twitter zu lesen war.

Unckenboldt

Tag 116 | Die Hütte

Mein Lieblingsgastwirt gehört nicht zu den Aufschneidern. La Casetta hat er sein Lokal ganz bescheiden genannt, und von außen sieht es ganz genau so aus. Eine Holzbude mitten auf einem hässlichen Parkplatz, aber mit einer schönen Außenterasse, wo der Verkehr vorbeirauscht, doch es wird einem wenigstens nicht langweilig, wenn man dort sitzt und auf seine Pizza wartet. Man kann in der Zeit die jungen männlichen Angeber angucken, die auf der Bahnhofstraße noch mal richtig Gas geben, bevor sie am Bahnübergang abheben und mit einem heftigen „Plupp“ auf der Schützenhofstraße wieder aufsetzen. Man kann den viel zu leicht bekleideten Mädchen nachschauen, die die ersten Aprilsonnenstrahlen mit Sommer verwechselt haben und nun gegen halb acht hübsche Gänsehautpickel bekommen, wie sie da vorbeiflanieren oder viel zu gerade auf ihren Hollandrädern sitzen. Und dann die Speisekarte. Quattro Stagioni für sechs Euro, Insalata Italia für sechs zwanzig, der Wein immer gut gekühlt, einen Grappa oder “ ’n klein‘ Marsala“  gibt’s hinterher. Man muss allerdings erst mal einen Platz bekommen bei Stefano, und das sieht schon mal schlecht aus. So wie gestern. Nur noch ein Tisch frei, und da steht „reserviert“ drauf. Man geht also rein zu Stefano, er strahlt wie immer. „Moin Helmut, wie geht’s? Wollt Ihr essen? Drinnen oder draußen?“ „Am liebsten draußen, aber da ist ja alles voll und der eine Tisch reserviert.“ „Ja“, strahlt Stefano weiter. „Für Dich!“ – Was soll man sagen?

La Casetta

Tag 115 | Verlierer

Meine Facebook-Freundin Marinela, die inzwischen in Santiago de Chile lebt, hat mir gestern so richtig aus dem Herzen gesprochen, denn sie gehört, wie ich, zu den Verlierern. Sie schrieb:

„I proudly announce that it took me almost one year (with a LOT of help of my friends) until I finally lost my umbrella – I think this is a personal record!“ 

Schirme besitze ich schon seit Jahren nicht mehr. Aber Ich suche gerade mal wieder eine Schirmmütze …

Tag 114 | Viehhändler

Ein Programmtipp vom NDR. In der „nordstory“ geht es um Viehhändler:

Viehhandel vom Ammerland bis nach Ostfriesland: erst werden Sprüche geklopft, dann wird zwischen den Vertragspartnern lautstark geschachert, am Schluss einigt man sich per Handschlag. Und der zählt seit über 500 Jahren. Die traditionellen Viehmärkte sind Anziehungspunkt für Tausende Schaulustige und Landwirte aus ganz Deutschland. Rund drei Dutzend Familien in der Region bestreiten schwerpunktmäßig ihren Lebensunterhalt durch den Handel mit Vierbeinern, auch wenn die Geschäfte schwieriger werden.

Detlef Ferdinand aus Ostfriesland handelt mit Rindern. Der Ferdinand-Clan ist ein professionell aufgezogenes Familienunternehmen. Ehefrau Elke kümmert sich um das Büro. Sohn Eike, inzwischen 24 Jahre alt, hat eine Ausbildung im Fleischhandel absolviert und mehrere Jahre in Lübbecke gearbeitet. Nun ist Eike zurück und im Betrieb seines Vaters angestellt. Vorerst wohnt er auch wieder bei seinen Eltern. Seine erste Bewährungsprobe wird der Gallimarkt sein.

Dirk Sandstede besitzt im Ammerland einen Betrieb mit fast 300 Tieren. Der Pferdehandel läuft schleppend. Nebenbei züchtet Sandstede Limousin-Rinder, die er an den Mann bringt. Handeln liegt ihm im Blut. Bereits als Elfjähriger verschacherte er Tauben in der Schule. In der Region ist Dirk Sandstede wie bunter Hund bekannt. Nach dem Motto „man muss im Gespräch bleiben“, setzt er sich gerne in Szene, nimmt bei den jährlichen Landesmeisterschaften in der Kutschvielseitigkeit teil, veranstaltet legendäre Viehabtriebe im Herbst und auch er lässt den Gallimarkt nie aus.

„die nordstory“ begleitet die beiden Viehhändler und ihre Familien in ihrem Kampf um lebendige Tradition und blickt mit ihnen hinter die Kulissen des Gallimarktes.

die nordstory – Die  Viehhändler | Sendung am Freitag, 25. April 2014 um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen

 

 

 

Hinweis an die Redaktion:

Für Rückfragen steht Ihnen gerne zur Verfügung:

NDR Landesfunkhaus Niedersachsen, Programmbereich Fernsehen, Redaktion,

Telefon: 0511/988 2453.

 

 

Fotos: www.ard-foto.de

Tag 113 | Roboter

Alle Welt redet von Roboterjournalismus. Da geht es um Nachrichten vom Fließband. Computerprogramme machen aus standardisierten Informationsbrocken standardisierte Beiträge. Also nichts anderes als wir Menschen in Redaktionen leider in viel zu vielen Arbeitsstunden machen müssen. Was sollten wir also gegen Maschinen haben, die uns diese lästige Arbeit abnehmen?

Tag 112 | Hier und Jetzt

Von Alexander Langkals

Thorsten Schütt: "Stupid Neck II". Foto (c): Schütt
Thorsten Schütt: „Stupid Neck II“. Foto (c): Schütt

Wilhelmshaven – Zwischen dem Hier und Jetzt – unter diesem recht ungreifbaren Titel stellt der in Horsten/Friedeburg lebende Thorsten Schütt hingegen sehr greifbare Kunstwerke ab dem 1. Mai in der Sezession Nordwest aus. Greifbar insofern, da es sich um körperhafte – und den menschlichen Körper darstellende – Objekte aus Holz, Stein und Eisen handelt. Mit eigenen Worten formuliert er in einem Begleittext für diese Ausstellung: „Das Gefühl, die Aufmerksamkeit wahrzunehmen. Inmitten des Hier und Jetzt steht die Wahrnehmung. Aufmerksam können wir die Dinge um uns herum fühlen – auf welche Art auch immer. Davor, währenddessen und danach finden wir die Entscheidungen.“

Der Bildhauer Thorsten Schütt setzt sich in seiner Arbeit mit diesen Entscheidungen auseinander. Wo und wie stehe oder bewege ich mich, während ich was tue? So entstehen Skulpturen, die das Echte darstellen. Ungeschminkt, nur auf die Aussage bedacht. Die Objekte werden mal spontan, mal mit vielen Überlegungen und Korrekturen erarbeitet. Die Bewegung der Wahrnehmung, wie auch der Stillstand, das Verweilen derselben sind das Wesentliche für ihn. Der Arbeitsvorgang kann und darf durchaus zur Eigendynamik führen. Ein Prozess, der fließend ist und dem Künstler in seinem Schaffen eine Parallelität zum Leben bietet – mit allen Konsequenzen. Über die Vielfalt der Materialien, mit denen er auch gern in Kombinationen arbeitet, bietet sich ihm eine schier unendliche Ideenwelt. Vieles passiert über den Grundausdruck des vorhandenen Werkstoffes in Verbindung mit Situationen und Gesprächen aus seinem Alltag.

Gezeigt werden Skulpturen aus Holz und Eisen (teilweise kombiniert) und Holzdrucke im Hirnholzschnitt. Bei den Drucken spiegelt sich das Thema Wege – wohin? als rahmengebender Bestandteil der Ausstellung wider.

Inspiration zum individuellen Denken und Handeln findet Schütt in seinem sozialen Umfeld (mit allen Nebenwirkungen …), in der Natur, durch Reisen und den dadurch stattfindenden Kontakten zu anderen Kulturen und Lebensformen ebenso wie in der Auseinandersetzung mit Kolleginnen und Kollegen auf Bildhauersymposien.

Die erste sich weitgehend der Gattung Skulptur widmende Ausstellung des Schaufensters für aktuelle und regionale Kunst im Jahr 2014 ist bis zum 3. Juni geöffnet.

Künstler: Thorsten Schütt

Ausstellungstitel: Zwischen dem Hier und Jetzt

Ausstellungsort: Sezession Nordwest e.V, Virchowstraße 37, Wilhelmshaven

Ausstellungsdaten: 1. Mai bis 3. Juni 2014

Ausstellungseröffnung: 1. Mai, 19 Uhr

Tag 111 | Robust

Der Jenaer Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Seufert glaubt, dass die Regionalzeitungen nicht aussterben werden. Zwar sind seit 1991 rund hundert Lokalausgaben eingestellt worden und ihre Zahl werde noch weiter sinken. Die meisten Verlage haben aber trotz sinkender Einnahmen und Leserschwund geschafft, kaum Gewinneinbußen hinnehmen zu müssen, so Seufert im Interview mit newsroom.de

Tag 110 | Wattsegler

Verleger Florian Isensee und Autor Detlef Hinz bei der Buchvorstellung in Harlesiel. Foto (c): Isensee
Verleger Florian Isensee und Autor Detlef Hinz bei der Buchvorstellung in Harlesiel. Foto (c): Isensee

Das ostfriesische Wattenmeer ist ein Lebensraum, der von der Natur beherrscht und geprägt wird. Jeder, der das Wattenmeer mit all seinen Facetten erleben möchte, muss sich über die Dynamik und stetigen Veränderungen in dieser Welt klar sein und eine Portion Skepsis walten lassen. Das Buch „Segeln im Watt – Als Wattstrieker des 21. Jahrhunderts“  ist ein Ratgeber zum Segeln in eben diesem Gebiet. Es gibt wichtige Hinweise zum Lebensraum Wattenmeer und zu der Ausrüstung, die ein wattgehendes Schiff benötigt. Zudem werden die rechtlichen Grundlagen und Verkehrsregeln im niedersächsischen Wattenmeer erläutert. Detlef Hinz hat sein Buch jetzt in Harlesiel vorgestellt.

Hinz berichtet  aus eigener Erfahrung. Schon seit vielen Jahren segelt er im Watt, er kennt alle Eigenarten dieses anspruchsvollen Gebiets und gibt nützliche Tipps und Tricks. Zusätzlich kann er mit einem abgeschlossenen Meeresökologie- und Nautikstudium ein breites Fachwissen vorweisen. Der Autor betreibt eine eigene Segelschule in Harlesiel. Mit seinem Buch möchte er auf einem weiteren Weg seine Erfahrungen teilen und interessierten Seglern das Wattenmeer in seiner Einzigartigkeit näher bringen.

Detlef Hinz: Segeln im Watt. Als Wattstrieker des 21. Jahrhunderts. 228 Seiten, 120 farbige und 32 s/w Abb., 31 Tabellen, broschiert, 2014, 18,80€. ISBN 978-3-7308-1061-3