Dr. Heinz Behrends

Ich bin ein hoffnungsloser Jeveraner

Ans Aufhören denkt der Rechtsanwalt noch  nicht. Er hat in etlichen Ehrenämtern für seine Heimatstadt gewirkt.

Von Helmut Burlager – Jever, am 19. November 2013

Über die Rente mit 67 muss man mit ihm nicht diskutieren. Morgens um sieben verlässt er das Haus und geht zu Fuß ins Büro. Abends um fünf geht er den gleichen Weg zurück. In seiner Kanzlei ist es nicht mehr so hektisch wie in den Jahren, als sie noch 20 Mitarbeiter hatte, und eine Pause gönnt sich Dr. Heinz Behrends auch mal. Aber ohne Arbeit zu sein, das kann der Rechtsanwalt und Notar sich nicht vorstellen. Also macht er weiter, auch wenn er ab sofort den Titel Notar a.D. führt, denn er wird heute 70 Jahre alt. Kein Grund, tatsächlich aufzuhören, dafür hängt er viel zu sehr an seinem Beruf.

Dr. Heinz Behrends, bekannter Rechtsanwalt und Notar, langjähriger Kommunalpolitiker und Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Jever. Foto ©: Helmut Burlager
Dr. Heinz Behrends, bekannter Rechtsanwalt und Notar, langjähriger Kommunalpolitiker und Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Jever.
Foto ©: Helmut Burlager

Dabei ist der nur einer von mehreren Leidenschaften des Geburtstagskindes. Die größten sind, neben der Arbeit, seine Familie und seine Heimatstadt. „Ich bin ein hoffnungsloser Jeveraner“, sagt Behrends, der in Rahrdum geboren wurde, in Jever aufwuchs, am Mariengymnasium das Abitur machte und dann in Hamburg, Göttingen und Würzburg Jura studierte.Für ihn stand außer Frage, dass er zurückkehren würde. Als er damals in Franken seiner Freundin Marlies den Heiratsantrag machte, tat er das mit den Worten: „Möchtest du in Jever wohnen?“ So kehrte 1973 der Akademiker zurück, der als Handwerkersohn weggegangen war.

Von seiner Kindheit und Jugend in einem lebendigen und aufregenden Haushalt, in deren Mittelpunkt der Vater, der Bauunternehmer Heinrich Behrends, stand, erzählt der Sohn bis heute mit Vorliebe. Die Tür stand jedem offen, vom kleinen Arbeiter bis zum betuchten Kunden, so lernten die vier Kinder Toleranz. „Das hat mich sehr geprägt, auch im späteren Umgang miteinander in der Politik“, sagt Heinz Behrends. 1980 war er für die CDU in den Kreistag und 1982 in den Stadtrat gewählt worden. Als er seinen Fraktionskollegen nach einem SPD-Wahlsieg sagte, Paul Sillus habe mit Abstand die meisten Stimmen bekommen, also sollte man den Sozialdemokraten bei der Bürgermeisterwahl unterstützen, haben sich wohl einige an die Stirn getippt. Aber auch der Handwerksmeister Sillus hatte zu denen gehört, die im Elternhaus ein und aus gegangen waren.

Der Rückkehrer Dr. Heinz Behrends war 1974 in die renommierte Kanzlei von Dr. Harro Damm in der Lindenallee eingetreten, womit sich für ihn ebenso ein Traum erfüllte wie mit dem Einzug in das Wohnhaus ganz in der Nähe. Eines Tages in diesem Haus zu wohnen, hatte er sich schon als Jugendlicher gewünscht. Beruflich legte er den Schwerpunkt auf das Notariat: „Ich habe nie den Wunsch gehabt, Strafrechtler zu werden. Mein größtes Interesse galt immer der vorsorgenden Rechtspflege. Streit vermeiden, nicht Streit suchen.“

Dies war seine Maxime auch in Ehrenämtern. Ob als langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Jever, als Vorsitzender des Fördervereins vom MTV Jever oder in anderen Funktionen – stets sorgte er redegewandt und humorvoll für Ausgleich.

Die Bereitschaft, solche Aufgaben zu übernehmen, hat viel mit seiner Liebe zur Heimatstadt zu tun. Eigentlich waren 25 Jahre Stadtrat und zwölf Jahre Kreistag überhaupt nicht mit seinem Beruf zu vereinbaren, und die eineinhalb Jahre als Bürgermeister schon gar nicht. Doch gerade diese kurze Zeitspanne hat Dr. Heinz Behrends zu einem der bekanntesten und angesehensten Jeveraner gemacht, denn sie fiel mit dem 450-jährigen Stadtjubiläum zusammen – ein Traumsommer mit unzähligen schönen Veranstaltungen im Jahr 1986. Als Bürgermeister hat er jede einzelne davon begleitet, die meisten zusammen mit seiner Frau Marlies, Tochter Berit und Sohn Jan-Henrik.

Dass er das Amt nach der nächsten Wahl wieder verlor, damit hat er nie gehadert. „Es war im Nachhinein eine Riesen-Erleichterung“, sagt Behrends. „Ich bin danach gerne weiter einfaches Ratsmitglied gewesen.“

Bei allem Engagement blieb immer genug Zeit für die Familie, die „handballverrückt“ ist und unzählige Stunden in Sporthallen verbracht hat. Als großes Glück empfindet Heinz Behrends, dass Kinder und Enkelkinder alle wieder in Jever wohnen, in seiner Nähe. Man glaubt ihm, wenn er sagt: „Ich lebe hier unheimlich gerne.“

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