Tag 59 | Saniunfair

Eins haben die Dixi-Klos auf dem Rastplatz an der Sauerlandlinie A 45, die als Ersatz für ein in Renovierung befindliches Toilettenhäuschen dienen, ja für sich. Wer sie benutzen muss, wird sich nie wieder über die 70 Cent Eintritt bei Sanifair in deutschen Raststätten beschweren.

Tag 58 | Radio Eriwan

"Legionär" heißt die Plastik von Albert Vardanyan. Foto: Sezession Nordwest
„Legionär“ heißt die Plastik von Albert Vardanyan.
Foto: Sezession Nordwest

Frage an Radio Eriwan: Kann man in Wilhelmshaven armenische Kunst anschauen? Antwort: Im Prinzip ja. Man muss sich allerdings aufraffen, die Ausstellung bei der Sezession Nordwest zu besuchen. Ab heute zeigen vier Künstler aus Jerewan ihre Arbeiten im Schaufenster für regionale Kunst. Es ist ein Gegenbesuch, nachdem Wilhelmshavener Künstler sich in Armenien für ein soziales Projekt eingesetzt haben.

Neues aus Eriwan

Tag 57 | Glückskeks

Angebot eines Bäckers in Stein am Rhein, Schweiz. Foto: Helmut Burlager
Angebot eines Bäckers in Stein am Rhein, Schweiz.
Foto: Helmut Burlager

Das Bäckerhandwerk hat’s schwer gegen die Konkurrenz der Industriebrothersteller und Backstationen in Supermärkten, bei Aldi und Lidl. Da heißt es Nischen suchen, und warum nicht eine Anleihe nehmen bei Kollegen, die schon neue Wege gehen? Mit Glückskeksen aus Hanfprodukten ließen sich bestimmt neue Kundenkreise erschließen. Und wer hat’s erfunden? Natürlich die Schweizer!

Tag 56 | Kitsch

Ich bin ja für so Kitschpostkarten nicht zu haben, deshalb ist es mir auch ein bisschen peinlich, dieses Foto aus Stein am Rhein (Schweiz) zu veröffentlichen. Aber so war das halt auf der Radtour am Sonntag…

Stein am Rhein, Schweiz. Foto: Helmut Burlager
Stein am Rhein, Schweiz. Foto: Helmut Burlager

 

Tag 55 | Je oller …

Alma Rodyk (82) reist mit Tochter, Enkelin und Urenkelin nach Gambia.  Foto: Helmut Burlager
Alma Rodyk (82) reist mit Tochter, Enkelin und Urenkelin nach Gambia.
Foto: Helmut Burlager

Wo wir doch vorgestern gerade beim Thema Respekt für ältere Menschen waren, da hätte ich noch einen anzubieten. Da gibt es mitten in Ostfriesland, in Spetzerfehn, eine 82-Jährige, die hört Weihnachten, dass ihre Tochter mit Enkelin und Urenkelin nach Gambia reisen will. Und erklärt kurzerhand: „Ich fahre mit.“ Morgen, Dienstag, startet diese ungewöhnliche Reise von vier Generationen Frauen zu den Wurzeln der Jüngsten des Quartetts. Der Vater der kleinen Jaye stammt vom schwarzen Kontinent:  Alma will naa Afrika

Tag 54 | Prognose

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Das Zitat wird dem Physiker Niels Bohr zugeschrieben. Die Klimaforscher sind noch nicht ganz soweit, es ähnlich zusehen. Sie malen düstere Szenarien davon, wie es mit unserer guten alten Erde weitergehen wird. Aber so düster nun auch wieder nicht wie der slowakische Künstler Jay Simons.  Der malt die Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Rheinische Post in einem kurzen Beitrag (hier nachzulesen) berichtete.

2100Simons zeichnet Landkarten aus verschiedensten Epochen, und eben auch für die Zukunft, und da liegt, wie die Zeitung schreibt, Düsseldorf plötzlich an der Nordsee, während die Nachbarstadt Köln in der überfluteten Kölner Bucht untergegangen ist, was höchstens Fortuna-Fans erfreuen dürfte. In der Konsequenz ist natürlich ganz Norddeutschland verschwunden, Dänemark auch und überhaupt weite Teile des Kontinents, wie auf dieser Karte zu sehen.  Sollte man also schon mal über den Verkauf seiner Immobilie nachdenken? Düsseldorf ist, wegen der Kinder, ja schon länger eine Alternative, und wenn die Nordsee nicht mehr so fern ist…

Preiswerter ist es natürlich, sich an Niels Bohr zu halten.

Tag 53 | Die Lehrerin

Die alte Dame mit dem Rollator sieht so aus, als ob sie in dieser süddeutschen Touristenstadt wohnen könnte, das würde die Suche nach einer Apotheke erleichtern. Bevor ich sie anspreche, sehe ich schon ein Arztrezept im offenen Korb ihres Stützwägelchens liegen, so dass sich die Frage eigentlich erübrigt. „Guten Tag, Entschuldigung. Sie kennen sich hier doch bestimmt aus…?“ „Ich wohne seit fünf Jahren hier“, erklärt die Dame. Also komme ich auf mein Anliegen zu sprechen: „Ich suche eine Apotheke.“ „Dann können Sie mich begleiten, ich bin gerade auf dem Weg dorthin“, antwortet sie.

Gut, das wird also etwas länger dauern als geplant, denn die Schnellste ist sie nicht, dafür sehr nett und auskunftsfreudig, wenn die Stimme auch schon etwas brüchig ist und die Ohren nicht mehr gut hören, so dass ich laut antworten muss. Ich erfahre also auf zweihundertfünfzig Metern, dass sie an der Ostsee geboren wurde, auf einer Insel, deren Namen ich nicht kenne („Sie haben wohl in der Schule nicht aufgepasst, junger Mann?“), dass sie früher in Lübeck gelebt hat, Lehrerin von Beruf war, schon lange hier in der Gegend ansässig ist. Hergezogen, um näher bei ihrem jüngsten Sohn zu sein, und neuerdings, also seit fünf Jahren, wohne sie eben hier in einer Seniorenresidenz. Da sei es recht schön, das Essen lasse sie sich aufs Zimmer kommen. Mal sei es gut, mal nicht, denn es gebe zwei Köche. Der eine könne gut kochen, der andere… Ihr Vater sei Arzt gewesen auf Poel, jener Insel, von der sie stamme, die liege vor Wismar, er habe dort als erster ein Auto gehabt. In die Stadt sei man natürlich mit dem Schiff gefahren.

Wir unterhalten uns blendend. „Oh, Sie können ja lachen, das ist schön“, freut sie sich, als ich eine Bemerkung witzig finde. Doch, erzählt sie auf Nachfrage, ihr gehe es gut, besser jedenfalls als ihren Kindern. Der Älteste sei ja nun auch schon über siebzig und der jüngere mit Anfang sechzig aus gesundheitlichen Gründen bereits im Ruhestand. Ich muss gar nicht fragen, sie erzählt es mir von selbst: Sie ist 95. In der Apotheke angekommen, verlangt sie erstmal freundlich, aber bestimmt, von einer ganz bestimmten Mitarbeiterin bedient zu werden. Als ich aus der Apotheke herauskomme, wartet sie draußen, um sich zu verabschieden, wie es sich gehört. Respekt!