Karl Harms

Abschied von „Kalli“

Der Jeveraner war neun Jahre Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer

David McAllister verlieh im das Niedersächsische Verdienstkreuz

Oldenburg/Jever/HBU – Nach neun Jahren als Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer ist Dr. Karl Harms aus Jever am Mittwochabend (12. Januar 2011) beim Neujahrsempfang der IHK aus seinem Amt verabschiedet worden. Zugleich wurde ihm eine der bedeutendsten Ehrungen zuteil, die das Land Niedersachsen zu vergeben hat. Ministerpräsident David McAllister höchstpersönlich überreichte dem IHK-Chef das Verdienstkreuz Erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens.

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Vor rund 850 Gästen des Neujahrsempfangs in der Oldenburger Weser-Ems-Halle würdigte McAllister den Unternehmer als „eine Persönlichkeit, die beruflichen Erfolg und ehrenamtliches Engagement miteinander verbunden hat.“ Auf beeindruckende Weise habe Dr. Harms nicht nur seine Unternehmen aufgebaut, sondern sich auch um berufsständische Belange in Handel und Industrie gekümmert. Besonders ging der Ministerpräsident auf den Einsatz für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur des Nordwestens, für die Stärkung der Innenstädte sowie für die Ausbildung ein, die Harms „ein Herzensanliegen“ sei. Dr. Harms nahm den Orden unter stehenden Ovationen der Gäste entgegen und versprach, sich weiter für Region und Wirtschaft einzusetzen.

Seine Abschiedsrede stellte er unter das Motto „Kurs halten“ und verlangte dies auch von der Politik, „damit wir unsere bedeutenden Projekte weiter befördern können“. An erster Stelle nannte er den Jade-Weser-Port, der 2012 in Betrieb gehen wird und eine gute Hinterlandanbindung brauche. „Wir zählen bei diesen Infrastrukturprojekten auf Ihre Unterstützung“, wandte er sich direkt an McAllister und den Wirtschaftsminister Jörg Bode. Die Belange der Industrie dürften nicht verkannt, rechtmäßig vorbereitete Projekte nicht durch opportunistische Skeptiker und überfrachtete Planungsgesetze verhindert werden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters dankte Harms für sein „fast grenzenloses Engagement für die regionale Wirtschaft“. Harms seinerseits bedankte sich bei allen Partnern für die langjährige gute Zusammenarbeit. „Wir waren ein kraftvolles Gespann.“

Dr. Karl Harms ist Unternehmer in Jever, Inhaber der Firma Certus Warensicherungssysteme, Investor des neuen Altstadtquartiers in Jever. Er ist Schirmherr von Opportunity International Deutschland, einer Nichtregierungsorganisation, die in Entwicklungsländern Mikrokredite vergibt.Opportunity International

Quelle: Jeversches Wochenblatt / Friesisches Tageblatt vom 13. Januar 2010

„Die Arbeit zum Teil des Lebens machen“

 

IHK-Präsident Dr. Karl Harms trennt nicht scharf zwischen Beruflichem und Privatem: Alles muss Spaß machen

 

Von Helmut Burlager

Jever. Mit Besuchern in Groß Scheep geht er gerne in den großen Garten hinaus und zeigt ihnen die Geheimnisse dieses landschaftlichen Kleinods, das er von der Aufreinigung der einst völlig verschlammten Graft bis zum Anlegen der Blumenrabatten selbst gestaltet hat. Das geht heute nicht, es blühen nur Eisblumen an den Fenstern des Stallgebäudes. Aber drinnen im 1582 erbauten Herrenhaus ist es warm, gemütlich und nicht weniger stilvoll.

Ein Ort zum Wohlfühlen, den Dr. Karl Harms sich selbst aus einer Ruine geschaffen hat. Rückzugsgebiet für einen, von dem in letzter Zeit viel die Rede war: Präsident der Oldenburgischen IHK. Gründer des High-Tech-Unternehmens Certus. Investor des Altstadtquartiers. Kaufmann, Projektentwickler, Funktionär und Lobbyist des Einzelhandels, Mäzen der Kirchengemeinde, Schirmherr von Opportunity International. Und „Unternehmer des Jahres 2009“.

Das berufliche Leben des Mannes zu beschreiben, der heute 60 Jahre alt wird, würde die Seite füllen, und man wüsste noch nichts über den Privatmann „Kalli“ Harms, in dessen Lebenslauf ganz andere Stationen eine Rolle spielten als jene, die in der offiziellen Biografie so nüchtern klingen: Geboren 6. Februar 1950 in Jever, Schulbesuch 1956-1968, Studium der Betriebswirtschaft an der Uni Hamburg 1969-1973, Promotion 1975 über „Die Bedeutung der Besteuerung für unternehmerische Entscheidungen in Risikosituationen“, 1975-1976 Product Manager bei Glücksklee in Hamburg, seit 1977 Unternehmer in Jever …

Wer weiß schon, dass der Mann in seiner Jugend ein Rock ‚n’ Roller war? Mit 13 lernte er bei Rudi Rettkowski Gitarre. Gründete mit anderen Schülern des Mariengymnasiums eine Band, die „Ramblers“, die in Gasthöfen die Beat-Generation zum Tanzen brachte. Sein anderes Ding war Handball. Er spielte von Kindesbeinen an bis zu den 1. Herren in der Nordseeliga. Kreisläufer war er, Defensive ist seine Sache nicht. Neben Musik und Sport noch Politik. Kreisvorsitzender der Jungdemokraten, bis ihm die Truppe zu links wurde. Während des Studiums in Hamburg lernte er Felix von Eckardt kennen, der Bundestagsabgeordneter in Friesland gewesen war. Der holte ihn in den Wirtschaftsrat der CDU. Politische Karriere wäre möglich gewesen, ebenso die in einem Großkonzern. Er war bei Glücksklee in Hamburg, stand, jung verheiratet und Vater eines Sohnes, vor der Frage, nach Amerika zu gehen oder nicht, als sein Vater schwer erkrankte und  er die Weichenstellung seines Leben vornehmen  musste: zurück nach Jever?

Er entschied sich dafür und hat es nie bereut. War mit 27 plötzlich Chef einer Firma mit 70 Mitarbeitern, ohne dass er wirklich Ahnung von dem Metier hatte.  Ein Sprung ins kalte Wasser, doch Harms machte aus dem Lebensmittelladen einen kleinen Konzern. Und verkaufte ihn 2003 wieder. Keine leichte Entscheidung nach 100 Jahren Handelstradition der Familie, aber erstens war der Zeitpunkt richtig, als Dr. Harms seine Ladenkette an Edeka abgab. Und außerdem blieb er ja im Handelsgeschäft: Sein junges,  1992 gegründetes Technologieunternehmen Certus tut nichts anderes, als innovative Anti-Diebstahl- und Logistikkonzepte für den Einzelhandel zu entwickeln, zu bauen und zu vermarkten.

Freude am Bauen und Gestalten gehört zum Leben von Karl Harms dazu. Als Groß Scheep fertig war, brach er auf zu neuen Ufern und fing an, in Istrien auf dem kargen Grundstück eines Schafstalls ein Ferienhaus zu bauen, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist. Verliebt in das Land und seine Menschen, erlaubte er der Schule in Brsec, den Kindern in seinem privaten Pool Schwimmunterricht zu geben. Es ist das einzige Schwimmbecken im Ort.

Ein Beispiel dafür, dass Dr. Karl Harms immer alles Mögliche miteinander verband: Geld verdienen und investieren, scharf rechnen und großzügig abgeben, beruflich erfolgreich und ehrenamtlich tätig sein, hart arbeiten und Zeit für Familie und Hobbys aufbringen. Das Geheimnis ist, Dinge zu tun, die Spaß machen. „Es ist wichtig, die Arbeit zum Teil des Lebens zu machen“, ist Harms überzeugt.

Der Beitrag erschien aus Anlass des 60. Geburtstages von Dr. Karl Harms im Jeverschen Wochenblatt

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