Tag 31 | Papier

Seit gestern ist mir doch etwas mulmig, was die Zukunft der gedruckten Zeitung angeht. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Papierausgaben journalistischer Produkte bald knapp werden. Ich erfahre es von meiner Blumenhändlerin. Beim Kauf eines Tulpenstraußes offenbart sie mir, was der ganzen Branche zu denken geben müsste. Die Zeitung sei für sie unverzichtbar, erklärt die Verkäuferin. Bei Temperaturen um null ginge es ja noch mit normalem Blumenpapier. Aber wenn es kälter werde… Sie zieht einen schwarzweiß bedruckten Bogen  unter der Ladentheke hervor, wickelt die Blumen sorgfältig ein. „Was machen Sie denn, wenn die Leute die Zeitung nur noch im Internet lesen“, frage ich die Dame, um das Gespräch in Gang zu halten. „Ach, das ist nicht so schlimm, wir haben noch einen ziemlichen Vorrat“, erklärt sie. „Lassen Sie mich schauen.“ Sie zieht den nächsten Bogen Zeitungspapier hervor, schaut in die obere linke Ecke der Ausgabe des Blattes und verkündet stolz: „März 2003!“. Man mag sich das Papierlager hinten in der Gärtnerei gar nicht vorstellen. Zehn, zwanzig Jahre wird sie damit locker überstehen, das reicht bis zu ihrer Rente. Aber warum hortet sie Zeitungen? Weiß sie mehr als wir?

Tag 30 | Autos

 „Ein Betrag jenseits der Million“, sagt Burlager. So steht es im Weser-Kurier. Wenigstens einer in der Familie, der mit den ganz großen Summen hantiert und auch noch glücklich dabei ist. Unsereiner bewegt ja nur Millionen von Buchstaben, um glücklich zu sein. So hat jeder seine Leidenschaften: Autos mit Geschichte(n)

Tag 29 | Abgefahren

Wie viele Stunden meines Lebens habe ich auf Bahnhöfen verbracht? Vor allem als Kind, wenn wir Fahrschüler auf den Bus warteten, war die Bahnhofsmission mit ihren Spielen und Büchern ein angenehmer Zufluchtsort. Das kam mir wieder in den Sinn, als ich den Beitrag von Bischof Jan Janssen (Oldenburg) bei der Kirche im NDR sah. Erstaunlich, und auch ein bisschen amüsant, wie viele Bezüge er zwischen Bahnhof und Glauben findet.

Auch wir sind nur auf der Durchreise

Bischof Jan Janssen bei den Dreharbeiten im Oldenburger Hauptbahnhof. Foto: ELKiO, Hans-Werner Kögel
Bischof Jan Janssen bei den Dreharbeiten im Oldenburger Hauptbahnhof.
Foto: ELKiO, Hans-Werner Kögel

Tag 28 | Monözie

Mein persönliches Wort des Jahres steht schon fest, es ist die „Einhäusigkeit“. Laut Duden ist das die „Mo|n|ö|zie, die; – <griech.> (Bot. Einhäusigkeit, Vorkommen männl. u. weibl. Blüten auf einer Pflanze)“. Verwendet wurde es jetzt anlässlich einer Pressekonferenz der Stadt Wilhelmshaven, und es ging dabei nicht um den Botanischen Garten, sondern um die Krankenhäuser in der Stadt. Zwei gibt es davon, ein städtisches und ein katholisches, und die beiden sollen in den nächsten Wochen fusionieren. Das ist ja auch so eine Art gleichgeschlechtlicher Vereinigungsvorgang mit nachfolgenden Geburtswehen. Jedenfalls ziehen die beiden Krankenhäuser im Sommer dann unter ein Dach, anders ausgedrückt in ein Haus, oder um es mit den Worten der Klinikchefin und des Oberbürgermeisters auszudrücken: Es kommt die Einhäusigkeit. Welch ein schönes Wort. Ich sehe meinen Arbeitskollegen vor mir, der demnächst mit seiner Freundin zusammenziehen will, wie er sie an einem romantischen Abend bei Kerzenschein fragt: „Könntest Du Dir für unsere Zukunft eine Einhäusigkeit vorstellen?“ Und sie haucht: „Ja, ich habe schon lange von Monözie geträumt!“

Tag 27 | Schnee

Wochenenddienst in der Redaktion und erster Schnee in Friesland. Die Leute schicken Fotos, erzählen auf Facebook, was sie alles unternommen haben, wie sehr die Kinder sich freuen. Die Autos fahren, die Leute gehen spazieren, Väter ziehen Schlitten, Familien bauen Schneemänner. Alles geht. Gegen Abend kippt die Stimmung: Sehr besorgt fragen Kids und Eltern, die den ganzen Sonntag schön draußen unterwegs gewesen sind: „Ist morgen Schulausfall?“

Tag 26 | Südzentrale

Fassade Corinna Nickel DSC_0431„In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“ 

Na, neugierig geworden? Am 2. Februar wird in Wilhelmshaven der Film über die Südzentrale, ein vom Verfall bedrohtes wunderschönes Industriedenkmal gezeigt. Hier geht’s zur Ankündung, enthalten ist auch ein Link zu dem Trailer, der auf Youtube zu sehen ist: Südzentrale – der Film

Tag 25 | Werbeblock

Nicht dass es hier in Friesland wirklich jeden Tag nur um Tee, Seehunde, Windmühlen, Kirchenorgeln und Inselfähren ginge. Aber in der Tourismuswerbung können die Klischees gar nicht klischeehaft genug sein, und nett anzuschauen ist es auch. Nicht umsonst steht „Hin und weg“ über dem Video der Deutschen Welle über Ostfriesland: Seehunde, Tee und Windmühlen

Dwelle