Friesenblog

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Schwarze Schafe schaden einer guten Idee

Von Stefan Knüppel

Die kommerzielle Mikrofinanzierung steht in der Kritik – zu Recht, denn einige Organisationen betreiben damit Missbrauch an einer guten Idee. Verzweifelte Kreditnehmerinnen in Indien sitzen in der Schuldenfalle. Trauriger Höhepunkt sind Selbstmorde von Frauen, die keinen Ausweg mehr wussten. Um diese Fehlentwicklungen zu verstehen, müssen wir an die Anfänge der Mikrofinanzierung zurückgehen.

Stiftungstag 2008 126

Vor ca. 40 Jahren gab es an verschiedenen Stellen dieser Welt – Muhammad Yunus in Bangladesch, Opportunity International in Südostasien, Accion in Lateinamerika – die fantastische Erkenntnis, dass Menschen, die bisher keinen Zugang zu Kapital hatten, vertrauenswürdig waren und einen kleinen Kredit nutzten, um sich aus der Armut zu befreien. Diese revolutionäre Idee setzten vor allem kleine gemeinnützige Vereine und kirchliche Gruppen erfolgreich um. Die erste gemeinnützige Stiftung Opportunity International gründete der australische Geschäftsmann David Bussau in seinem Heimatland.

Sowohl kommerzielle Banken als auch die allgemeine Öffentlichkeit nahmen jahrzehntelang keine Notiz davon. Wenn Mikrofinanz wahrgenommen wurde, dann wurde sie belächelt und in Frage gestellt, und gerade die kommerziellen Banken konnten sich nicht vorstellen, dass dies funktionieren kann. Doch der Erfolg war unaufhaltsam. Es wurde immer deutlicher, dass es für die ehemals „Unbankables“ einen großen Unterschied machte, ob ihnen jemand Vertrauen entgegen bringt und sich ihr Leben somit grundlegend verändern kann. Es entstanden die Trustbanks mit gegenseitiger Gruppenhaftung, und auch Opportunity konnte zeigen, dass Mikrofinanz gut funktioniert. Dabei war von Anfang an klar: Es geht nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, Armut zu bekämpfen – mit dem Effekt, dass das zurückgezahlte Geld wieder eingesetzt werden kann, aber keine Aktionärsinteressen befriedigt werden müssen.

In Untersuchungen wurde ermittelt, dass rund eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Mit dieser Erkenntnis begann die Kommerzialisierung der Mikrofinanzierung. Das hatte nicht nur negative Auswirkungen, da mit guten Programmen auch mehr Menschen erreicht werden. Aber der Erfolg hat leider viele „schwarze Schafe“ angelockt. Diese nutzen die gute Idee aus und missbrauchen die Armut der Menschen für unmoralisches Verhalten. Opportunity lehnt dieses Verhalten scharf ab. Opportunity ist in großer Sorge, dass unter diesem Verhalten nicht nur die betroffenen Klienten leiden, sondern auch die Bereitschaft zurückgehen könnte, diese wichtige Arbeit der Armutsbekämpfung weiter zu unterstützen. Somit würden auch die bestraft, die dringend auf die Hilfe warten.

Wo findet Missbrauch statt?

1. Zinshöhe
Es gibt Beispiele, bei denen die Notlage der Kreditnehmer ausgenutzt wird und von kommerziellen Banken über 100 Prozent Zinsen p. a. genommen werden. Muhammad Yunus meint dazu, dass wir diese Idee nicht entwickelt haben, damit in unserem Namen die Kredithaie durch die Hintertür wiederkommen. Opportunity nimmt einen marktüblichen Zins, der in unsern 25 Ländern sehr unterschiedlich ist. Als Richtwert kann man festhalten, dass der Zins p. a. in etwa 10 Prozent über der Inflation liegt.

2. Überschuldung
Gerade in Indien wird nicht darauf geachtet, ob die Menschen überhaupt in der Lage sind, einen Kredit zurückzuzahlen. Kommerzielle Banken sind von Aktionären getrieben und haben Wachstumsziele von über 100 Prozent. Diese erreichen sie nur, wenn sie ohne ordentliche Vorprüfung einfach Kredite vergeben. Das führt dazu, dass Kreditnehmerinnen sich doppelt und dreifach verschulden, ihre Lage völlig aussichtslos ist und es zu diesen schrecklichen Ereignissen kommt. Dies erinnert an die US-amerikanische Schuldenkrise, die durch die leichtsinnige Vergabe von Immobilienkrediten vor ein paar Jahren ausgelöst wurde.

3. Gewinnmaximierung
Wenn man mit diesem Ansatz Menschen helfen möchte, müssen Missernten, Naturkatastrophen, aber auch persönliche Schicksale berücksichtigt werden. Nur die schwarzen Schafe unter den Mikrofinanz-Institutionen ignorieren dies und erpressen den Kredit von den Kreditnehmern zurück. Ich persönlich konnte es nicht glauben, als ich schon vor Jahren bei den Opfern des Tsunamis erlebt habe, dass kommerzielle Banken keine Rücksicht genommen haben. Sie haben Naturkatastrophen einfach ignoriert und die Kreditnehmer zur Rückzahlung gezwungen.

4. Kredite ohne Begleitung

Auch das ist für viele Kreditnehmer nicht gut. Sie sind häufig Analphabeten und brauchen eine gute Begleitung durch die Gruppe und die Kreditbetreuer. Zudem müssen sie die Möglichkeit haben, wieder aus dem Programm auszusteigen. Wenn ich jedoch alles unter dem Gesichtspunkt eines maximalen Gewinns sehe, dann werde ich die Kreditnehmer nicht begleiten, denn es kostet ja Geld. Opportunity International arbeitet mit über zwei Millionen Klienten zusammen. Dabei gibt es für uns nur ein Ziel: die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern! Wir wollen niemals Geld damit verdienen! Deshalb haben wir ein breites Schulungs- und Trainingsprogramm. Bevor der Kredit vergeben wird, beschäftigen wir uns mehrere Wochen lang mit den Kreditnehmern: Passt das Programm zu dir? Was kannst du machen? Was ist notwendig, damit du einen Schritt aus der Armut machen kannst? Durch diese intensive Vorbereitung schließen wir diejenigen von dem Programm aus, die schon woanders einen Kredit bekommen haben. Aber dies braucht natürlich die Hinwendung zu den Menschen. Wir sind nicht dort, wo schon große kommerzielle Angebote bestehen, sondern wir gehen dahin, wo die Menschen wirklich Not leiden. Durch diese intensive Begleitung wissen sie auch, was es heißt, das Geld so anzulegen, dass sie den Kredit mit einem angemessenen Zins zurückzahlen können. Wir kümmern uns auch um die Aspekte, die vielleicht den unternehmerischen Erfolg gefährden. Im Bereich Mikrofinanz für den ländlichen Raum („Agrifinance“) gründen wir mit den Bauern zum Teil Vermarktungsgenossenschaften oder helfen ihnen, Abnehmer zu finden. Unser ganzheitlicher Ansatz geht in eine völlig andere Richtung als die Gewinnmaximierung von kommerziellen Banken.

Opportunity ist tief erschüttert über die Fehlentwicklungen und in großer Sorge, dass diese brillante und so wirksame Idee der Mikrofinanzierung in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir haben gerade in Afrika so viel neu angestoßen und sind auf Spenden angewiesen. Wir sind besorgt, dass Freunde und Förderer sich wegen dieser schrecklichen Fehlentwicklungen in einigen Regionen abwenden. Wir alle wissen, dass Mikrofinanz kein Allheilmittel für alle Probleme dieser Welt ist. Aber wem die Reduzierung der Armut am Herzen liegt und dieser mit einem wirkungsvollen, nachhaltigen Konzept begegnen möchte, findet im Bereich der sozial orientierten Mikrofinanzierung eine gute Antwort.

Stefan Knüppel ist Vorstand der Stiftung Opportunity International Deutschland

www.oid.org

Weihnachtsoratorium in Jever

Die Stadtkantorei Jever, ergänzt um die Solisten Susanne Martin, Sopran, Melanie Frenzel, Alt, Henning Klocke, Tenor, Dietmar Sander, Bass, und dem Ensemble „concertino jever“, führen am 11. und 12. Dezember in der Stadtkirche Jever das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, Kantaten I-III, auf. Die Leitung hat Kantor Klaus Wedel. Für die beiden Konzerte der Stadtkantorei Jever am Sonnabend, dem 11. Dezember, um 17 Uhr und am Sonntag, 12. Dezember, um 17 Uhr in der Stadtkirche zu Jever sind ab sofort Karten in den Buchhandlungen „Am Kirchplatz“ und „Babatz“ in Jever sowie „Lohse-Eissing“ in Wilhelmshaven erhältlich. Der Vorverkauf endet am 9. Dezember. Die Eintrittspreise der vier Kategorien liegen bei € 20, 15, 12 und 8 Euro; Ermäßigung in Höhe von drei Euro€ erhalten Schüler, Studenten, Auszubildende, behinderte und sozial schwach gestellte Menschen (Ausweis). Die Stadtkantorei, namhafte Solisten und Orchester musizieren unter der Leitung von Kreiskantor Klaus Wedel. In beiden Konzerten erklingen die ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Unterstützt wird das Konzert durch die Annegret-Ruge-Stiftung, die Philipp-Orth-Stiftung, die Stadt Jever sowie von Noten Bartels (Bremen).

Von Geschäftemachern und Missionaren

In derselben Woche, in der dem Freundeskreis Weser-Ems von Opportunity International in Jever eine stattliche Spende von 5000 Euro für die Gründung von Mikrobanken in Ghana übergeben wurde, ist international eine heftige Debatte über das Thema Mikrofinanzierung entbrannt. Eine geniale Idee, die vor wenigen Jahren mit einem Nobelpreis für Muhammad Yunus ausgezeichnet worden ist, droht durch unseriöse Geschäftemacher ruiniert zu werden, die statt der Hilfe für bitterarme Menschen in den Entwicklungsländern nur den eigenen Profit im Sinn haben und Kredite herausgeben ohne Rücksicht auf Verluste.

Skrupellose Banker haben sich den guten Ruf, den Mikrokredite haben, zunutze gemacht, um miese Geschäfte zu machen. Es soll zu einer Selbstmordwelle unter Kreditnehmern in Indien gekommen sein, das hat auch diejenigen erschreckt, die – wie der Freundeskreis Weser-Ems – mit seriösen, geprüften Organisationen zusammenarbeiten.

Die Vorweihnachtszeit, die nach diesem Wochenende beginnt, ist auch die Zeit der Wohltätigkeit. Die Menschen öffnen ihre Herzen und ihre Portemonnaies, um die Not in der Welt und auch in unserem Land zu lindern.

Die Spender sollten aber genau hinschauen. Nicht jede Aktion, die vordergründig Gutes tut, hat Gutes im Sinn. Es häufen sich die Hinweise, dass hinter mehreren der Hilfswerke, die Geschenke für Kinder in ärmeren Ländern einsammeln und in Schuhkartons dorthin liefern, Organisationen mit handfesten Missionsinteressen von evangelikalen Christen stehen, denen es mindestens so sehr um die Verbreitung ihrer teils radikalen Glaubensüberzeugungen geht wie um humanitäre Hilfe. Wenn Spenden missbraucht werden, ist das schlimm. Genauso schlimm ist, wenn gutwillige Menschen – in diesem Fall sogar Schulkinder – für falsche Zwecke eingespannt werden.

Quelle: Jeversches Wochenblatt, Ausgabe vom 20. November 2010, Wochenrückblick „Freitag 19 Uhr 30“

Andere Länder, andere Sorgen

Aus einer Publikation des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Thema: Soziale Wohnraumförderung in der Bundesrepublik Deutschland (Illustrierende Fotos dazu aus der Ashanti-Region in Ghana, Westafrika):

“Auch wenn die Wohnungsmärkte – wie gegenwärtig – insgesamt ausgeglichen sind, gibt es Haushalte, die sich aus eigener Kraft nicht angemessen mit Wohnraum versorgen können.

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Die Gründe können zum einen darin liegen, dass das Haushaltseinkommen zu niedrig ist, um die Miete einer am Markt angebotenen Wohnung zu bezahlen, aber auch darin, dass bestimmte Gründe die Akzeptanz bei den Vermietern erschweren, oder dass geeigneter Wohnraum der erforderlichen Größe und Ausstattung nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung steht.

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So haben es etwa kinderreiche Haushalte, Alleinerziehende und behinderte Menschen häufig schwer, eine ihren Bedürfnissen angemessene Wohnung zu finden.

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Die Unterstützung dieser Haushalte bei der Wohnraumversorgung ist Aufgabe des Sozialstaates. Seine wesentlichen Ansatzpunkte sind die Gewährung von Wohngeld zur Stärkung der Mietzahlungsfähigkeit und die soziale Wohnraumförderung. Zweck der sozialen Wohnraumförderung ist zum einen die Bereitstellung preiswerter Mietwohnungen für Haushalte mit Zugangsschwierigkeiten am allgemeinen Wohnungsmarkt und zum anderen die Unterstützung bei der Bildung selbst genutzten Wohneigentums, vor allem für Haushalte mit Kindern.

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Der traditionelle soziale Wohnungsbau hatte in einer Zeit allgemeinen Wohnungsmangels vor allem das Wohnungsangebot ausgeweitet. Mit der sozialen Wohnraumförderung ist der vorhandene Wohnungsbestand stärker zur Lösung von Wohnraumversorgungsproblemen einbezogen worden. Zugleich leistet die soziale Wohnraumförderung auch einen Beitrag zur Stadtentwicklung insbesondere in benachteiligten Quartieren.”

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Die Situation in Ghana und anderen Ländern verbessern: www.oid.org

Mein Ghana-Blog: http://ghanaseite.wordpress.com

Ghana – ein Reisebericht

Foto: Burlager

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Meine Ghana-Seite musste umziehen: http://ghanaseite.wordpress.com

Wasserwege

Kanal

Ems-Jade-Kanal bei Reepsholt, Ostfriesland.  Foto: Helmut Burlager