Diedel Klöver

Neues Leben für altes Eisen

Yard Art: Beeindruckende Ausstellung im ländlichen Garten

Von Brigitte Meiners

Rallenbüschen. Der Dschungelpfad ist voller Überraschungen. Unvermittelt sieht  sich der Besucher einem riesigen Gorilla gegenüber, eine Kobra hebt erwartungsvoll den Kopf und das Chamäleon wartet auf einem Ast auf die Dinge, die da kommen sollen.

Diedel Klöver mit einem seiner typischen Werke, einem Löwen aus Schrauben und Fahrradketten.  Foto (c): Brigitte Meiners
Diedel Klöver mit einem seiner typischen Werke, einem Löwen aus Schrauben und Fahrradketten.
Foto (c): Brigitte Meiners

Der Gang durch den Garten hinter der ehemaligen Dorfgaststätte ist nichts für Eilige. Genau hinschauen muss man schon, um all die Besonderheiten zu entdecken. Die Tier-Skulpturen, die sich mal verstecken, mal stolz mitten auf dem Rasen präsentieren, strotzen vor Leben. Der Schwan scheint gleich abzuheben, das Krokodil gleich unterzutauchen und die Flamingos verharren auf einem Bein, manche auch auf zweien.

Yard Art. Zum zehnten Mal hat der Künstler Diedel Klöver das Gelände hinter seinem Elternhaus am dritten Augustwochenende 2013 für die Besucher freigegeben, um sie vertraut zu machen mit der unkonventionellen Art seiner Arbeit. Seit 2004 nämlich verarbeitet Klöver, der auch leidenschaftlicher Reggae-Musiker ist, im „normalen Leben“ mal als Busfahrer, mal als Volleyballtrainer, mal als Lkw-Fahrer gearbeitet hat, altes Eisen. Er haucht ihm sozusagen neues Leben ein. Tiere in Originalgröße, das sind dem 52-Jährigen die liebsten Figuren. Die Mähne aus alten Fahrradketten, das Gesicht aus verrosteten Schrauben, so zeigt sich der Lion so lebensecht, als sähe man ihn durch die Massai Mara streifen. Das prächtigste Tier steht mitten auf dem Hof, vor der Werkstatt. Ein Nashorn, aus Industrieresten hergestellt, ausdrucksstark, herrisch, mächtig, gefährlich. Drei Tonnen schwer. „Eine Auftragsarbeit“, sagt Diedel Klöver. Und wenn der Koloss abtransportiert wird, dann muss wohl der Kran anrollen. Klöver liebt seine Tiere und er freut sich, dass die dreitägige Ausstellung Yard Art einen solch guten Zuspruch hatte.

Und der Haifisch, der hat Zähne.  Foto (c): Brigitte Meiners
Und der Haifisch, der hat Zähne.
Foto (c): Brigitte Meiners

Viele aus dem Dorf haben ihn unterstützt:  Kuchen wurden gebacken, helfende Hände… Man ist stolz auf diesen Bewohner, stolz auf den Künstler, der Schrott in solche Formen zu bringen weiß, dass man wahlweise beeindruckt ist, wahlweise schmunzelt: Man nehme einen alten Fleischwolf, setze ihm Ohren auf, verwandle Schrauben in Augen und gebe ihm den Namen Wolfgang oder Wolfram. Daran merkt man: Köver sprüht vor Ideen, seine Hände verwandeln rostige Hammer in die Skulptur „Dr. Eisenhammer“, mit dem Untertitel „ Klitschko, sein Arm“. Sie lassen den Papst boxen, alte Badewannen zu originellen Garten-Sitzmöbeln werden, machen, dass ein Haifisch aus der Wand wächst. Und der Haifisch, der hat Zähne.

Hier boxt der Papst.  Foto (c): Brigitte Meiners
Hier boxt der Papst.
Foto (c): Brigitte Meiners

Zur zehnten Yard Art hat Klöver Künstlerkollegen eingeladen, die ihm im Laufe seines Künstlerlebens begegnet sind, „Menschen, mit denen die Chemie stimmt“. Mit Willy Büsing zum Beispiel hat er im Garten die Sonderausstellung „Großes Kino“ konzipiert. Alles aus Schrott: Von „Rostcar“ über das „Schweigen der Lämmer“ bis zur „Rollenverteilung“, alte Rost-Rollen auf einem Brett.

Zu den weiteren mit ausstellenden Künstlern gehörten der Darmstädter Jürgen Heinz, der unter anderem Windobjekte zeigte, Hilke Büsing mit unglaublichen Kissen aus Beton, Gunnar S, Voigt eröffnete mit seinen Fotografien neue Perspektiven, der Sandkruger Hartwig Doden zeigte Skulpturen, bunte Bilder gab es vom Afghanen Said Tiraei, mit indianischer Kunst beeindruckte Stormy Reddoor, und dass man aus Sand Kunst machen kann, stellte Hans-Gerd Schumacher unter Beweis.

Für die vielen Besucher war dies eine gelungene Mischung, und die meisten gingen wohl mit dem Eindruck nach Hause, etwas Besonderes erlebt zu haben.

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2 Kommentare zu „Diedel Klöver“

  1. wahnsinnig beeindruckende Arbeiten. Gibt es einen Katalog zu den Objekten ggf. mit Preisangabe oder muß vor Ort gekauft werden? Ich komme aus der Eisenhüttenstadt „Völklingen“ im Saarland, wo sich das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte befindet. Im Saarland gab es mal 5 Hüttenwerke mit über 100 Tausend Arbeitern. Heute sind es noch 2 mit weniger als 20.000.
    Aber das Weltkulturerbe wird jhrl. von über 300 Tsd Besucherrn aus aller Welt besucht. Wenn Interesse an einer Ausstellung in der Völklinger Hütte oder in der Innenstadt besteht, kann ich gerne den Kontakt herstellen. Wäre sicherlich für alle Beteiligten interessant. Würde mich freuen von Ihnen zu hören.
    Liebe Grüße aus Völklingen
    Udo Tull

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