Die Südzentrale – der Film

Premiere am 2. Februar 2014 im UCI Wilhelmshaven

Von Imke Zwoch

Wilhelmshaven – „In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“ So beginnt der Trailer für den Film des Vereins zum Erhalt der Südzentrale. Eigentlich sollte es wirklich nur ein kleiner, kurzer Film werden. Doch den Wilhelmshavener Filmemachern von „puzzle pictures“ ging es wie so vielen, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen: Sie konnten nicht mehr aufhören. Zu groß ist die Faszination, zu vielseitig sind die Facetten des Themas.

Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch

Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch

Denn wie kann es angehen, dass so ein bedeutsames Industriedenkmal, das einst eines der größten Kraftwerke Europas war, in Vergessenheit geraten konnte? Dass die Natur sich dieses stolze, unverwüstliche Gebäude zurückerobern kann? Dass dieses Gedächtnis Wilhelmshavens – das schon stand, bevor der erste große Krieg die noch junge Stadt traf; das noch stand, als der zweite große Krieg vorüber war; das ihre Bewohner all die Zeit hindurch versorgte und mit Strom, Licht und Wärme beschenkte – jetzt einfach zerfällt?

Schnell war der Verein begeistert von der Idee, die Geschichte der Südzentrale, von der es so viele bewegende Fotos gibt, in einem längeren Dokumentarfilm nun endlich auch in Bewegtbildern festzuhalten. Viele Wilhelmshavener glauben, dass dieses Jahr 2014 ein Jahr der Entscheidung für die Südzentrale werden könnte. Der Verein hat sich 2011 gegründet und zählt aktuell bereits über 300 Mitglieder aus allen Kreisen der Bevölkerung. Unterstützung gibt es auch von Geschäftsleuten, so gibt es den Südzentralen-Ring und Südzentralen-Wein. Fotografen stellen ihre Fotos von der Südzentrale aus, in Aurich, in der VHS Wilhelmshaven und aktuell in der Bistro-Galerie. Und mit unermüdlicher Kontaktarbeit hat der Vereinsvorstand Bewegung in die lange Zeit festgefahrenen Gespräche zwischen Stadt und Eigentümern gebracht.

Wirklich vergessen war die Südzentrale nie. Es gab immer Menschen, die sich für sie eingesetzt haben. So wie Corinna Nickel. Die in Wilhelmshaven aufgewachsene diplomierte Denkmalpflegerin kämpft mit Sachverstand und Herzblut für den Erhalt des alten Kraftwerks der kaiserlichen Marine. Mittlerweile stellen sich mit ihr viele Menschen aus Wilhelmshavenern und Umgebung schützend vor ihre Südzentrale. Sie glauben fest an das Potenzial dieses stolzen Erbes und ihre belebende Kraft für die Zukunft Wilhelmshavens. Ein Neubeginn in der Südzentrale würde mehr bedeuten als nur den Erhalt eines der Gründerbauten der Stadt. Die Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Südzentrale einsetzen, glauben an die Zukunft dieser Stadt. Auch überregional, ob bei der Oldenburgischen Landschaft, ob bei Denkmal- und Architekturfachleuten oder Wilhelmshaven-Fans in ganz Deutschland, genießt die Südzentrale große Aufmerksamkeit.

„Ich will wieder blühen. Ich will wieder im Glanz erstrahlen. Seid für mich da, wie ich einst für euch da war“. Der dreiminütige Trailer für den Südzentralen-Film hat schon viele Wilhelmshavener bewegt, beim Landeskulturfest, auf der Stadtpartie oder auf YouTube. Das Team von puzzle pictures, Christopher Groß und Andree Betten, verantwortlich für Regie und Produktion, arbeitete zusammen mit der Journalistin und Moderatorin Carola Schede. Sie hat die Idee für den Film mit entwickelt und ist für die Recherchen und Interviews verantwortlich. Zu Wort kommen verschiedenste Menschen, die ihre ganz persönliche Beziehung zur Südzentrale haben, Zeitzeugen, Prominente, darunter einer der berühmtesten Söhne der Stadt. Über Wilhelmshaven hinaus gibt es Begegnungen an mehreren – auch historisch bzw. thematisch bedeutsamen – Schauplätzen in Norddeutschland.

Für das eingespielte Dreierteam, das sich vor allem von der Jade Hochschule kennt, ist ein Film dieser Länge auch eine Premiere. Ob sie geglückt ist, ist am 2.2. im UCI zu sehen. „Auf jeden Fall war es für uns drei eine große und großartige Herzensmission“, so Carola Schede. Fast ein Jahr haben die Wilhelmshavener an dem nun gut 30minütigen Film gearbeitet und würden am liebsten noch weitermachen. „Aber jetzt soll der Film raus und etwas bewegen. Damit das Jahr 2014 ein gutes für die Südzentrale wird.“

Seit Rüdiger Nietiedt, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der Südzentrale, vor einigen Jahren erstmals wieder in der Maschinenhalle stand, das Licht durch die großen Kathedralenfenster fallen sah und sich von der Stärke und Robustheit der Architektur überzeugen konnte, kämpft er mit viel Einsatz für das alte Kraftwerk. Der Film ermöglicht nun allen diesen gleichzeitig sachlichen und emotionalen Zugang zu dem Baudenkmal. Das Filmteam ist sich sicher: „Wer den Film gesehen hat, wird nicht länger glauben, dass die Südzentrale nur ein verfallendes Bauwerk ist. Sie ist viel mehr. Sie weiß alles, sie hat alles miterlebt und überlebt und sie spürt, wie sich etwas in der Stadt tut.“ Corinna Nickel ergänzt: „Auf diesen Moment hat sie gewartet. Ich denke, wir schaffen das!“

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Die Südzentrale – Der Film. Premiere am Sonntag, 2. Februar 2014, um 12 Uhr in der UCI Kinowelt Wilhelmshaven, Bahnhofstr. 22. Einführung und anschließendes Gespräch mit Vertretern des Vereins zum Erhalt der Südzentrale und den Filmemachern. Danach fährt der historische Bus des Wilhelmshavener Verkehrsgeschichte e.V. zur K-W-Brücke. Treffen auf der  Brücke für alle Interessierten. Ausklang bei (Glüh)Wein und Flammkuchen in der „Weinprobe“, Rheinstraße 14.

3 Gedanken zu „Die Südzentrale – der Film

  1. Pingback: Tag 26 | Südzentrale | Friesenblog

  2. Ein verdammt guter Film und über 1000 Menschen haben ihn gesehen – überwältigend. Sehr beeindruckend, einfühlsam, Mut machend. Jetzt müssen die Politik und der Besitzer Farbe bekennen.

  3. Gedreht von einem Team, das widerrechtlich in das Gebäude eingedrungen ist. Eine Dreherlaubnis liegt vom Eigentümer nicht vor. Das Betreten des Geländes ist verboten.

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