Gunther Holtorf: Mit „Otto“ über den ganzen Globus

Fast am Ende einer 25-jährigen Reise kommt der Weltenbummler nach Jever

Von Helmut Burlager

Weltreisender Gunther Holtorf in seinem Mercedes 300 GD von 1988. Foto©: Helmut Burlager
Weltreisender Gunther Holtorf in seinem
Mercedes 300 GD von 1988.
Foto©: Helmut Burlager

Einer, mit dem man 25 Jahre durch dick und dünn geht, den nennt man beim Vornamen. In diesem Fall ist es „Otto“. Ein Mercedes-Geländewagen vom Typ 300 GD, 1988 gebaut, der ein Jahr später als Jahreswagen für 45 300 D-Mark bei Mercedes Schwarting in Oldenburg vom Hof rollte. Und rollt, und rollt, und rollt.

872 000 Kilometer stehen aktuell auf dem Tacho, und er fährt weiter, auf einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde und auf einen Ehrenplatz im Daimler-Benz-Museum in München zu. „Otto“ wird in wenigen Monaten, am Ende seiner Laufbahn, geschafft haben, was kein anderes Fahrzeug vor ihm geschafft hat: in nahezu allen Ländern dieser Erde gefahren zu sein. Von Afghanistan bis Zimbabwe, von Feuerland bis zum Mount Everest in Tibet, von Eritrea bis Vanuatu – wo immer das sein mag.

Gunther Holtorf weiß, wo das ist. Er ist nämlich seit 25 Jahren mit „Otto“ unterwegs. Die meiste Zeit war seine Frau Christine die Dritte im Bunde. Zusammen haben sie erst Afrika, dann Amerika von Süd bis Nord,  schließlich Australien und Asien bereist. Europa sowieso. Als Christine Holtorf vor drei Jahren starb, hatte sie ihrem Mann noch einen Wunsch mitgegeben: „Mach weiter!“ So fuhr er weiter und wird es noch bis Mitte 2014 tun. Dann hat er alle Länder dieser Welt gesehen, die mit einem Auto erreichbar sind.

„Geplant war es nicht, es hat sich so ergeben“ 

Foto ©: Helmut Burlager
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Beabsichtigt war das alles nicht. Gunther Holtorf war Manager bei der Lufthansa, mit wechselnden Dienstorten auf der ganzen Welt. Später wurde er Geschäftsführer von Hapag Lloyd und wieder überall auf dem Globus unterwegs.

Mit 51 hatte er genug. Vom Job – nicht vom Reisen. Beim Autohaus Schwarting (heute Rosier) in Oldenburg kaufte er sich den Geländewagen, richtete ihn wie ein Wohnmobil her und startete zu einer Afrika-Durchquerung von Nord nach Süd. Das abenteuerliche Vagabunden-Leben gefiel den beiden so gut, dass aus zwei Jahren Afrika am Ende fünf wurden, und als fast alle Länder des Kontinents bereist waren, überlegten sie sich, die Sache in Südamerika fortzusetzen.

So ging das immer weiter über Mittelamerika nach Nordamerika. Wann genau sie sich überlegt haben, es tatsächlich mit der ganzen Welt aufzunehmen und alle Länder zu bereisen, in denen diesmöglich ist, weiß Gunther Holtorf gar nicht mehr: „Es war nicht geplant, das hat sich so ergeben.“

„Was nicht dran ist, kann nicht kaputtgehen“

Foto ©: Helmut Burlager
Foto ©: Helmut Burlager

Das unterscheidet ihn von anderen Weltreisenden, die so etwas sorgfältig vorbereiten, sich Sponsoren suchen, mit GPS und Mobiltelefon unterwegs sind und täglich in ihr Reise-Blog im Internet schreiben. Das alles haben die Holtorfs nicht gehabt und gemacht: keine Satellitennavigation, kein Telefon, kein Luxus in ihrem Auto, im Gegenteil. Klimaanlage und Zentralverriegelung haben sie schon in Afrika ausgebaut. Was nicht dran ist am Auto, kann auch nicht kaputtgehen.

Auch sonst ging nichts kaputt: Der Drei-Liter-Fünf-Zylinder-Motor ist noch die Originalmaschine, das Getriebe hat all die Kilometer mitgemacht, von denen unzählige nicht auf Straßen heruntergefahren wurden, sondern auf Strecken, die Fahrwerk und Antrieb aufs Extremste belasteten. Liegengeblieben ist er nie. Kein Wunder, dass Mercedes den Wagen ins Museum stellen will.

Ein Heim auf vier Rädern. Gunther Holtorf an seinem "Otto", der zum Wohnmobil umgebaut wurde. Foto©: Helmut Burlager
Ein Heim auf vier Rädern. Gunther Holtorf an seinem „Otto“, der zum Wohnmobil umgebaut wurde.
Foto©: Helmut Burlager

Gesponsert hat Daimler-Benz den Weltenbummler übrigens nie so richtig, der wollte unabhängig bleiben. Wohl aber hat Mercedes die Ankunft der Abenteurer in vielen Ländern genutzt, daraus große Events zu machen, und natürlich hat man das Ehepaar Holtorf vor Ort nach Kräften unterstützt. So wie dem weltgewandten Manager, der etliche Sprachen spricht, auch seine Erfahrung aus der Lufthansa-Zeit zugute kam. Von den meisten Ländern wusste er vorher schon so viel, dass er nicht völlig ahnungslos ankam. Den Rest las er sich an. Heute ist er derjenige, der anderen Tipps für fast jedes Land des Welt geben kann.

Jever hätte schon viel früher auf seiner Reiseroute liegen sollen. Dr. Fritz Kleinsteuber ist ein guter Freund; den Jeveraner lernte er in Jakarta kennen, wo beide gearbeitet haben, und der Kontakt riss nie ab.

Vor dem Leben nach „Otto“ ist Gunther Holtorf nicht bange. In 25 Jahren auf der Piste ist immer alles gut gegangen. Oft war Glück dabei. Man muss es nicht überstrapazieren. Für die nächsten Jahre hat er tausend Ideen, und nach Jever kommt er sicher zurück. Die Stadt hat ihm gefallen. Aber erstmal muss er wieder los: Burma, Madagaskar und Weißrussland fehlen noch auf der Landkarte, in der seine Fahrtrouten eingezeichnet sind. Sie sieht aus wie ein Schnittmusterbogen.

3 Kommentare zu „Gunther Holtorf: Mit „Otto“ über den ganzen Globus“

  1. Auf http://www.berndtesch.de findest Du eine Übersicht über die Eroberung aller Kontinente per Motorrad-Reisen 1887-2014. Auch Aut-Infos. Die Australier Kay und Peter Forwoodund sind die einzigen Menschen der Welt, die alle 193 Staaten (bis 2011) mit dem Motorrad /HD) bereist haben.
    Unter http://www.tuktuku.de gibt es ca. 1450 Motorrad-REISE-Bücher inklusive aller Motorrad-Weltumrundungen in allen Sprachen 1910-2014!
    Günthers G-Reise ist eifach fantastisch!
    Bernd Tesch in der EIFEL/Germany.

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