Hans-Joachim Walde

Der Zehnkämpfer

Höchstleistungen in Sport und Medizin: Achim Walde ist 70 geworden

Von Helmut Burlager

Zehnkämpfer Hans-Joachim Walde, Olympiateilnehmer 1964, 1968 und 1972 und zweifacher Medaillengewinner.
Foto (c): Helmut Burlager

Jever – Die sportliche Aktivität beschränkt sich heute auf zwei bis drei Runden Golf pro Woche und aufs Radfahren. Beruflich aber ist Hans-Joachim Walde immer noch auf Höchstleistungen getrimmt. Das Doppeltalent – Spitzensportler und Spitzenmediziner – ist am 28. Juni 70 Jahre alt geworden. Die sportliche Fachwelt kennt ihn als ehemaligen Zehnkämpfer, die medizinische als noch aktiven Spezialisten für Schulterchirurgie.


Am 18. April 2013 ist Hans-Joachim Walde plötzlich und unerwartet verstorben. Hier geht es zum Nachruf


Jeveraner ist Hans-Joachim Walde, der mit seiner Frau Gabriele im Gartensweg lebt, seit 1984. Er kam damals als Leitender Abteilungsarzt ans Nordwest-Krankenhaus. Geboren wurde er 1942 in Gläsersdorf in Schlesien. Kaum dreijährig flüchtete er mit seiner Mutter nach Dresden, wo beide den Bombenangriff miterlebten. Der Vater, verwundeter Soldat, holte sie in den Westen. In Bomlitz bei Walsrode wuchs Achim Walde auf. Volksschule, Gymnasium, Freundin (die später seine Frau wurde) und Sport. Als er mit 16 bei den Bundesjugendspielen sechs Meter weit sprang, stellten Mitschüler ihn dem Trainer des TSV Dorfmark, Hasso Kornemann, vor. Der motivierte Achim zu trainieren. 1960 sprang Walde mit einer Höhe von 1,93 Meter deutschen Jugendrekord. Der bekannte Zehnkämpfer Friedel Schirmer nahm sich des Talents an, und Achim Walde packte der Ehrgeiz. Zu Hause übte er mit selbst gebauten Hürden, probierte Stabhochsprung an einer Eigenbau-Anlage. Da war er schon 18. „Wer heute vorn dabei sein will, der muss mit 14 die technischen Grundformen beherrschen“, sagt Walde.

Naturwissenschaftlich und handwerklich interessiert, wollte der junge Mann ein technisches Studium beginnen, entschied sich dann aber für das Medizinstudium, weil es ihm mehr Freiheiten bot – Freiheit für den Sport. So fiel auch die Entscheidung für den Studienort Mainz, wo Walde dem USC beitrat. Als Deutscher Hochschulmeister flog er 1962 mit zur Studentenweltmeisterschaft nach Brasilien, holte den fünften Platz im Weitsprung. Dennoch war es für ihn selbst eine Überraschung, dass er 1964 für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert wurde: „Ich habe nicht mehr trainiert als andere, aber bei mir explodierte die Leistung.“ Er hatte außerdem mit einer Länge von 1,91 Metern und knapp 90 Kilo Gewicht die perfekten Maße für die Kombination so unterschiedlicher Sportarten wie 100 Meter, 400 Meter, 1500 Meter, 110 Meter Hürden, Weitsprung, Hochsprung, Stabhochsprung, Speerwerfen, Diskuswerfen, Kugelstoßen.

Er holte Bronze. Freundin Gabriele versuchte derweil, in nächtlichen Sitzungen vor dem Schwarzweißfernseher ein paar Bilder aus Tokio zu erhaschen. Als der Lokalheld nach dem Olympiaerfolg zurückkehrte und Empfänge in Hannover, Walsrode, Dorfmark und Bomlitz gegeben wurden, musste sie beim Gratulieren hinten anstehen. Das war bei den Spielen 1968 schon anders, als Walde die Silbermedaille holte und strahlend zurückkehrte. Die beiden hatten wenige Monate zuvor geheiratet, der erste Sohn war drei Tage vor dem Abflug des Sportlers zur Welt gekommen.

Dass Hans-Joachim Walde in Mexiko dabei sein konnte, war eine Überraschung, nachdem er 1966 einen schweren Autounfall gehabt hatte und ein Jahr lang nicht richtig trainieren konnte. Friedel Schirmer überredete ihn Anfang 1967, wieder mitzumachen.

Auch der dritten Olympiateilnahme, 1972 in München, ging eine Verletzung voraus. Bei den Spielen im eigenen Land wollte er unbedingt dabei sein, verletzte sich während des Wettbewerbs aber erneut – mit 30 war die Karriere vorbei.

Da hatte die neue schon begonnen. Nach dem Examen hatte Walde an einem Bundeswehrkrankenhaus erste Erfahrungen gesammelt, dann kehrte er an die Uniklinik Mainz zurück, machte sich einen Namen in der Handchirurgie, Endoprothetik, Sportchirurgie und Arthroskopie. Ihn interessierte alles, was es an technisch neuen Möglichkeiten gab.

1984 kam der Ruf nach Sanderbusch, zwei Jahre später setzte Walde durch, dass die Unfallchirurgie eine selbstständige Abteilung des Hauses wurde, er spezialisierte sich auf das Thema Schulter. So sehr, dass er über seinen Ruhestand hinaus, der 2007 begann, bis heute in Sanderbusch operiert. Außerdem ist er bei der Wangerland-Reha in Horumersiel tätig.

Von den drei Söhnen Henrik, Tim und Jan hat einer die medizinische Laufbahn eingeschlagen. Mit Tim zusammen hat Hans-Joachim Walde nach seiner Pensionierung auch wissenschaftlich geforscht und publiziert. Beide entwickelten computergestützte Operationen weiter. Denn eines hat Achim Walde immer umgetrieben, im Sport wie in der Chirurgie: „Das muss“, sagte er sich stets, „doch irgendwie besser gehen!“

Nachtrag: Hans-Joachim Walde ist am 18. April 2013 plötzlich und unerwartet verstorben. Nachruf

3 Gedanken zu „Hans-Joachim Walde“

  1. Moin Friesenblogger!

    Ich las als aktiver ;-) Nichtsportler heute etwas über Hans-Joachim Walde
    in der NWZ.. Nachschau in der Wikipedia (WP) ergab: Es könnte mehr drin stehen, z. B.
    Deutsche Meisterschaft 64 und 69. Ein ,Lebenslauf’, wie Du ihn hier beschrieben
    hast, wäre auch nicht schlecht. Die Texte hier werden evtl. nicht ein ,Leben lang’ greifbar sein, aber in der
    WP doch länger. Nun will ich nicht deinen Text abkupfern und dort wieder unterbringen, Thema:
    Urheberrecht. Aber wenn Du es in der WP – war ja auch deine Arbeit – unterbringst,
    wäre es besser.
    Viele Grüße von einem ,Halbostfriesen’ aus Nordenham

    Gerd Taddicken – 2012-07-11_Dienstag, ca. 09.34 h MESZ

    http://friesenblog.com/menschen/der-zehnkampfer

    1. Danke für das Kompliment. Der Text soll schon dauerhaft hier stehen. Was “Ein Leben lang” bedeutet, weiß man ja nie. Ich habe nichts dagegen, wenn Fakten aus diesem Artikel bei Wikipedia verbaut werden, schon gar nichts dagegen, wenn dort jemand einen Link auf diesen Beitrag setzt. Der Friesenblogger

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