Zeitungsverleger über sechs Generationen – Ende einer langen Tradition in Jever

Die Mettcker-Dynastie prägte das Zeitungsgeschäft im Jeverland seit 210 Jahren

Von Helmut Burlager

Es ist nur eine Nachricht unter vielen ähnlichen in diesen Tagen; der Verkauf der Anteilsmehrheit des Brune-Mettcker-Verlages (Wilhelmshavener Zeitung, Jeversches Wochenblatt) an die NOZ-Gruppe in Osnabrück ist vom Kartellamt genehmigt worden. Die Nachricht reiht sich ein in die vielen anderen über Fusionen und Übernahmen, die derzeit den Weg der Medienbranche in eine gravierend veränderte Zukunft säumen. Für die Region stellt der Teilverkauf, der absehbar in eine Komplettübernahme münden wird, allerdings eine historische Zäsur da. Er bedeutet nicht weniger als das absehbare Ende einer 210-jährigen Familientradition. Nach sechs Generationen gibt die Verlegerfamilie Mettcker, heute Allmers, das Ruder aus der Hand.

Das Jeversche Wochenblatt, 1791 gegründet, gehört zu den ältesten Zeitungen in Deutschland. Nicht ganz von Anfang an, aber doch seit 1816, ist der Name der Zeitung untrennbar mit dem Namen Mettcker verbunden. In dem Jahr war der Gründer des Unternehmens, Hinrich Ludolph Borgeest, gestorben. Sein Gehilfe Christian Ludolph Mettcker bewarb sich beim Magistrat der Stadt Jever erfolgreich um die Nachfolge; seinerzeit mussten der Betrieb einer Druckerei und die Herausgabe einer Zeitung noch von der Stadt genehmigt werden.

Christian Ludolph Mettcker, Gründer des Zeitungsverlages in Jever.

So wurde Mettcker (Bild rechts) der neue „oldenburgisch-privilegierte Buchdrucker“ und brachte den bis dahin eher schlecht als recht existierenden Verlag technisch und wirtschaftlich auf Vordermann. Neben dem Jeverschen Wochenblatt, das zunächst „Jeverische wöchentliche Anzeigen und Nachrichten“ hieß, gab er ab 1844 die „Jeverländischen Nachrichten“ als vaterländische Wochenschrift heraus, gewann namhafte Autoren aus der intellektuellen Elite des Jeverlands, erhöhte die Zahl der Erscheinungstage, nahm 1854 seine Söhne Johann Ludolph und Andreas Wilhelm mit ins Boot, die 1890 die beiden Blätter zusammenführten. Seitdem ist das Wochenblatt eine Tageszeitung.

Sie hat, auch politisch, eine wechselvolle Geschichte durchgemacht, von einer fortschrittlich-aufklärerischen Vorkämpferin für Demokratie über eine völkisch-antidemokratische Wegbereiterin des Nationalsozialismus bis zu dem unabhängigen und überparteilichen Informationsmedium, als das die Zeitung sich seit der Gründung der Bundesrepublik versteht. 1862 hatte die Familie Mettcker zudem in Wittmund den „Anzeiger für Harlingerland“ gegründet – so erfolgreich, dass diese Zeitung über Jahrzehnte das wirtschaftliche Rückgrat des Verlagsunternehmens bildete.

1916 hatte mit Enno Mettcker die dritte Generation die Verantwortung übernommen, eine vierte Generation aktiver Verleger gab es nicht, weil beide Söhne von Enno und Maria Mettcker im Zweiten Weltkrieg fielen. Nach einer Interimszeit, in der der aus Rathenow stammende Verleger Dr. Fritz Blume sen. das Unternehmen als Generalbevollmächtigter, Geschäftsführer und Chefredakteur leitete, übernahm mit Hajo Allmers, dem Enkel von Maria Mettcker, und seiner Frau Elisabeth in den Achtzigerjahren die fünfte Generation, vor zehn Jahren ging dann mit Robert Allmers bereits die sechste Generation an den Start.

Die Familie Mettcker im Jahr 1889.

1999 hatte der Mettcker-Verlag mit dem Wilhelmshavener Brune-Verlag fusioniert, seitdem firmiert man unter Brune-Mettcker. Die Wilhelmshavener Zeitung, 1847 gegründet, gehört ebenfalls zu den familiengeführten deutschen Zeitungen mit langer publizistischer Tradition. Nach dem Tod des WZ-Verlegers Manfred Adrian übernahm Mettcker-Nachfahre Robert Allmers 2021 alle Anteile an dem Unternehmen, verkaufte dafür jedoch den „Anzeiger für Harlingerland“ an die NWZ-Mediengruppe (Nordwest-Zeitung) in Oldenburg.

Die Wilhelmshavener Zeitung und das Jeversches Wochenblatt wurden in den vergangenen Jahren organisatorisch und redaktionell ebenfalls stark in die NWZ-Gruppe integriert, blieben aber unternehmerisch selbstständig. Mehr als eine enge Zusammenarbeit ließen die Vorgaben des Bundeskartellamtes, das eine strenge Pressefusionskontrolle ausübt und den Wettbewerb am Zeitungsmarkt erhalten möchte, nicht zu.

Doch ein Ende der Geschichte als Familienunternehmen wurde, auch angesichts der dramatischen Veränderungen in der gesamten Medienbranche, mehr und mehr absehbar. Der Verkauf der NWZ-Gruppe an den Madsack-Konzern in Hannover erforderte endgültig eine Entscheidung über die Zukunft des Hauses. Mit der Verlagsgruppe NOZ/mh:n in Osnabrück wurde ein starker Partner gefunden, der den Fortbestand der traditionsreichen Zeitungstitel  gewährleisten kann, auch wenn es fortan kein Familienunternehmen mehr ist. Wie lange es dann noch auf Papier gedruckte Zeitungen sein werden, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

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