Tag 116 | Die Hütte

Mein Lieblingsgastwirt gehört nicht zu den Aufschneidern. La Casetta hat er sein Lokal ganz bescheiden genannt, und von außen sieht es ganz genau so aus. Eine Holzbude mitten auf einem hässlichen Parkplatz, aber mit einer schönen Außenterasse, wo der Verkehr vorbeirauscht, doch es wird einem wenigstens nicht langweilig, wenn man dort sitzt und auf seine Pizza wartet. Man kann in der Zeit die jungen männlichen Angeber angucken, die auf der Bahnhofstraße noch mal richtig Gas geben, bevor sie am Bahnübergang abheben und mit einem heftigen „Plupp“ auf der Schützenhofstraße wieder aufsetzen. Man kann den viel zu leicht bekleideten Mädchen nachschauen, die die ersten Aprilsonnenstrahlen mit Sommer verwechselt haben und nun gegen halb acht hübsche Gänsehautpickel bekommen, wie sie da vorbeiflanieren oder viel zu gerade auf ihren Hollandrädern sitzen. Und dann die Speisekarte. Quattro Stagioni für sechs Euro, Insalata Italia für sechs zwanzig, der Wein immer gut gekühlt, einen Grappa oder “ ’n klein‘ Marsala“  gibt’s hinterher. Man muss allerdings erst mal einen Platz bekommen bei Stefano, und das sieht schon mal schlecht aus. So wie gestern. Nur noch ein Tisch frei, und da steht „reserviert“ drauf. Man geht also rein zu Stefano, er strahlt wie immer. „Moin Helmut, wie geht’s? Wollt Ihr essen? Drinnen oder draußen?“ „Am liebsten draußen, aber da ist ja alles voll und der eine Tisch reserviert.“ „Ja“, strahlt Stefano weiter. „Für Dich!“ – Was soll man sagen?

La Casetta

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6 Gedanken zu „Tag 116 | Die Hütte

  1. Eine tolle Sonntagslektüre – ohne viel denken zu müssen. Nur nachdenken, schmunzeln, sich freuen.

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