Sinti-Verfolgung in der NS-Zeit: Auf Spurensuche in Auschwitz

Die sehr junge Frau blickt ernst in die Kamera. Sie sitzt auf einem Sofa in einem Hotel in der Stadt Auschwitz. Das Sprechen kostet sie Überwindung: „Erst dachte ich, wir machen einen Ausflug“, sagt sie. „Aber als wir durch das Tor gingen, habe ich realisiert: Wir besuchen unsere Verwandten auf dem Friedhof.“ Sie hat gerade mit anderen Familienmitgliedern an diesem Herbsttag 2019 die steinernen Reste des sogenannten Zigeunerfamilienlagers im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. Viele ihrer Vorfahren, zuvor ansässig in Zetel, wurden hier ermordet. Ihre Urgroßmutter Margot Schwarz überlebte.

Eine Szene aus dem Film „Auf Spurensuche: Jever – Sachsenhausen – Auschwitz“ von Omid Mohadjeri und Michael Telkmann, der am Mittwoch, 22. Januar 2020, in der „Filmpalette“ in Jever, Bahnhofstraße 44, gezeigt wird (Einlass ab 19.30 Uhr, Filmbeginn 20.05 Uhr).

Der Film begibt sich auf die Spuren der Sinti-Familien Schwarz und Laubinger, von denen siebenundzwanzig Angehörige im März 1943 aus Zetel und Oldenburg zusammen mit 250 anderen Sinti über den Sammelpunkt Bremer Schlachthof nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden – nur wenige überlebten. Der 2019 entstandene Film wird in einer Premiere von den Kino-Freunden Friesland e.V. und dem GröschlerHaus Jever aus Anlass des bevorstehen 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz gezeigt. 

Initiator und verbindendes Element des Films ist Christel Schwarz, 71, der Vorsitzende des Freundeskreises der Sinti und Roma e.V. in Oldenburg. Sein Vater Friedrich Schwarz wurde 1938 in Jever verhaftet und war bis 1945 im KZ Sachsenhausen, seine Mutter Margot Franz durchlitt Auschwitz-Birkenau, Flossenbürg und Buchenwald. Ursprünglich geplant war eine große, gemeinsame Reise der Nachkommen an die Stationen der Verfolgung und des Mordes. Realisiert wurden schließlich zwei kürzere, mehrtägige Reisen: eine von Jever über die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg bis zur Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald – und eine nach Auschwitz-Birkenau.

Obwohl es ein vergleichbares Projekt, in dem Sinti ihre Geschichte selbst darstellen, noch nicht gegeben hat, hielten die großen deutschen Stiftungen ihre Taschen zu. Der Film konnte schließlich durch Unterstützung des Landkreises Friesland und der Städte Jever und Oldenburg sowie durch private Spenden doch noch realisiert werden. Das Filmteam arbeitete praktisch unbezahlt. „Das kleine Budget macht ja das Thema nicht unwichtiger“, sagt Filmemacher Michael Telkmann. „Die Zeitzeugen werden nicht jünger. Wir haben gesagt: Wir machen das trotzdem.“

„Es geht im Film viel mehr um die Gegenwart, als wir am Anfang gedacht haben. Es ist kaum jemandem bewusst“, so Telkmann, „wie sehr die Erfahrungen der NS-Zeit bis heute auch in der jungen Generation nachwirken. Jeder einzelne Gesprächspartner berichtet von massiven Diskriminierungen.“Auf dem Weg nach Oranienburg kündigte ein Campingplatzbesitzer plötzlich den gebuchten Stellplatz – er habe ja nicht gewusst, dass es sich um „Zigeuner“ handele. Konsterniert berichtet der Vater eines kleinen Jungen, wie sich beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau seine Gedanken an die ermordeten Verwandten mischten mit der Erinnerung an die Beleidigungen, die er selbst als Jugendlicher zu hören bekam. Und heute werde eben sein Sohn als „Zigeuner“ beschimpft.

 „Ich habe etwas über Schmerz gelernt, über Trauer und Wut“, sagt der Kameramann Omid Mohadjeri, 23. „Ich möchte mit dem Film ohne Umwege das Herz treffen. Damit die Zuschauer über das Gefühl verstehen, wie wichtig das Thema ist.“ Die beiden Filmemacher staunen immer noch darüber, mit welcher Offenheit die Angehörigen ihnen begegnet sind.

Man merkt dem Film die vertrauensvolle Atmosphäre an; dass Begegnungen und Gespräche auch weitergingen, als die Kameras ausgeschaltet waren. Die Aussagen der kleinen Reisegruppe erreichen tiefere Schichten des Verständnisses für die Auswirkungen des Völkermordes in der Gegenwart, als das  die meisten TV-Dokus hinbekommen.

„Ich möchte die zum Nachdenken bringen, die mit dem Thema sonst nichts zu tun haben“, sagt Christel Menni Schwarz. „Der Film soll eine Warnung sein, dass so etwas nie wieder passieren darf“. 

22. Januar 2020, 20.05 Uhr, Filmpalette Jever, Bahnhofstraße 44: Auf Spurensuche: Jever – Sachsenhausen – Auschwitz. Dokumentarfilm Omid Mohadjeri und Michael Telkmann, 40 Minuten. Mit Christel Menni Schwarz und vielen Familienangehörigen. Moderation: Christel Menni Schwarz und Hartmut Peters. Musikalischer Rahmen: Sinti Swing Oldenburg. Karten (10 Euro) an der Abendkasse

Bluesman Ralph de Jongh gastiert in Neuenburg

  • Sonntag, 5. Mai 2019
  • Galerie S. Wachter, Neuenburg, Am Urwald 2
  • Konzert und Ausstellung
  • Eintritt 18,.50 Euro, Schüler 13 Euro
Quelle: Galerie S. Wachter

Ralph de Jongh gilt manchen als die größte Entdeckung in der niederländischen Blues-Szene des beginnenden 21. Jahrhunderts. In seinen Konzerten nimmt der „Bluesman“ die Zuhörer mit auf eine Zeitreise vom Blues der Zwanziger des letzten Jahrhunderts der amerikanischen Südstaaten bis zur Musik der Sixties von Keith Richards und Mick Jagger. Wie in Trance gewährt de Jongh seinem Publikum während seiner Konzerte und Aufnahmen Zugang ins Labyrinth seiner Seele. Der Singer/Songwriter ist Preisträger des Dutch Blues Award 2011 und der Dutch Blues Challenge 2014.

Nach Neuenburg, wo er am kommenden Sonntag, 5. Mai 2019, um 19.30 Uhr in der Galerie Sonja Wachter auftreten wird, kommt Ralph de Jongh jedoch nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seinen Bildern, denn das Multitalent ist auch Maler expressiver, farbenfroher abstrakter Gemälde und Pastellzeichnungen, die oft einen Bezug zu seiner Musik haben. In der aktuellen Ausstellung bei S. Wachter (Am Urwald 2, Neuenburg) sind neben Werken de Jonghs auch neue Arbeiten von Sonja Wachter und Dagmar Hauswald zu sehen.

Wir Weltmeister

Dieser Beitrag erschien zuerst im Jeverschen Wochenblatt (Ausgabe vom 6. April 2019) in der Serie „Mein Europa“.

Immer diese Klischees. Der Franzose, der morgens mit dem Baguette unterm Arm über den Marktplatz läuft. Der, statt richtig zu frühstücken, lieber in seiner Stammkneipe einen kleinen pechschwarzen Kaffee im Stehen nimmt und eine Zigarette raucht. Der um halb elf dorthin zurückkehrt und sich schon mal ein Gläschen Rosé genehmigt, um sich dann wieder in seinen verbeulten Citroen zu setzen. Den er dann hundert Meter weiter mitten auf der schmalen Altstadtgasse jäh zum Stillstand bringt, um bei heruntergekurbeltem Fenster mit einem Bekannten zu schwatzen, während sich hinter ihm der Verkehr staut.

Dominique und Hamid, unsere Apero-Freunde. Foto: Helmut Burlager

Mittags geht er selbstverständlich nicht nach Hause, sondern setzt sich mit Kollegen ins Restaurant, verspeist in aller Ruhe sein Drei-Gänge-Menü, zu dem er sich (natürlich) eine Karaffe Wein bestellt. Ohne Kaffee und Zigarette geht es danach nicht weiter, und wenn er dann endlich Feierabend hat, muss er dringend wieder in seine Bar und einen Apéro zu sich nehmen, mit seinen Kumpels über Gott und die Welt diskutieren. Denn es ist ja noch Zeit bis zum Abendessen mit der ganzen Familie, das sich so lange hinzieht, dass Deutsche in dieser Zeit nicht nur die Tagesschau und den Krimi, sondern auch noch die Tagesthemen und Sandra Maischberger angeguckt haben.

Dieser Franzose also ist mein Nachbar. Na ja, nicht wirklich, denn die Nachbarn in der Grand‘ Rue sind alle ganz verschieden, keiner entspricht exakt dem Klischee. Pierre zum Beispiel, der alleinstehende Rentner von schräg gegenüber, geht nie in die Kneipe. Er sitzt abends auch nicht mit der Familie zusammen, denn seine Tochter schaut nur ab und zu vorbei. Er schaltet lieber den Fernseher ein. Das würde der früh verwitweten Dame mit den erwachsenen Töchtern im Haus vis-à-vis nicht im Leben einfallen: Das tägliche gemeinsame Abendessen ist ihnen heilig, und wenn ihre und unsere Wohnzimmerfenster im ersten Stock offen stehen, könnten wir die angeregten Gespräche leicht mithören, wenn wir wollten und unser Französisch besser wäre. Das trainieren wir beim Einkaufen, zum Beispiel beim jovialen Dorfschlachter, der mit liebenswürdigen Sprüchen seine meist etwas älteren Kundinnen umgarnt.  Der mürrische Hobbywerkstattbetreiber von der anderen Ecke dagegen käme nie auf die Idee, ein Schwätzchen mit Nachbarn zu halten. „Der grüßt nicht“, beklagen sich die anderen.

Wir aber werden immer gegrüßt, wenn wir durch die Straße, über den Marktplatz, ins Café, zum Supermarkt gehen: „Bonjour, M’sieur’dame“. Nicht dass man uns wirklich kennt, „les Allemands“, die Deutschen mit ihren sonderbaren Macken, ihrer notorischen Pünktlichkeit, ihren sauberen Autos, den gefegten Hauseingängen, den kurzen Hosen und Trekkingsandalen, die – wie verrückt kann man nur sein – schon früh morgens freiwillig mit Fahrrädern durch die Gegend fahren oder durch die Berge joggen. „C’est fou“, das ist ja verrückt, sagt Pierre und tippt sich an die Stirn, wenn wir um 11 Uhr verschwitzt und glücklich von der morgendlichen Tour zurückkommen, um dann ein ordentliches deutsches Frühstück zu genießen, mit Käse und Wurst, Ei und Schinken, Honig und Marmelade. Immer diese Klischees …

Ich möchte das Leben in zwei Ländern nicht mehr missen. Es bedeutet, das Beste aus zwei Kulturen zu verbinden, den teutonischen Ernst und die südländische Leichtigkeit. Es bedeutet, mich auf unterschiedlichste Menschen einzulassen. Malika, die dunkelhäutige Wirtin mit ihrem fröhlichen Temperament. Lionel, der arbeitslose Dolmetscher, der sieben Sprachen spricht und im Dorfcafé vergeblich auf einen Job wartet. Hamid, der marokkanischstämmige Bauunternehmer, der so herrlich lachen und erzählen kann, Dominique, die fast ihr ganzes Leben auf Martinique verbracht hat und wehmütig den schönen Zeiten dort nachhängt. Der schüchterne, stets höfliche Ali aus Tunesien. Oder sein  Freund Patrice, der gutaussehende und (in wievielter Ehe nochmal?) verheiratete Schlachter, den es wieder nicht zu Hause hält, weil er so gesellig ist und seine Feierabend-Männerrunde in der Kneipe braucht.

Unsere Freunde? Das wär zu viel gesagt. Doch immerhin sind wir letztes Jahr am französischen Nationalfeiertag zusammen Fußballweltmeister geworden und haben das auf dem Marktplatz gefeiert. Welcher Deutsche konnte das 2018 schon von sich sagen?

Anke Luckja neuer Vorstand bei Opportunity International

Vor 22 Jahren wurde Opportunity International Deutschland aus der Überzeugung heraus gegründet, durch den Ansatz der sozialen Mikrofinanz mit dem Ziel der „Hilfe zur Selbsthilfe“ Armut an der Wurzel nachhaltig zu bekämpfen. Die Stiftung hat ihren Sitz in Köln, in Jever wird ihre Arbeit durch den Freundeskreis Weser-Ems um die Unternehmer Dr. Karl Harms und Jochen Ewald sowie Pastor Rüdiger Möllenberg von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Jever aktiv unterstützt. Der Freundeskreis hat seit 2007 Spenden in Höhe von nahezu 800.000 Euro für die Arbeit von Opportunity, vor allem im westafrikanischen Ghana, eingeworben.
Mit dem heutigen 1. Februar gibt es eine personelle Veränderung in der Stiftung. Anke Luckja, die seit Jahren in engem Kontakt zum Freundeskreis in Jever steht und die aus dem Nordwesten finanzierten Projekte entwickelt und betreut hat, ist durch den Stiftungsrat zum Vorstand von Opportunity International Deutschland bestellt worden. Anke Luckja ist seit mehr als zwölf Jahren in verschiedenen Funktionen für OID tätig und leitete zuletzt die internationale Projektarbeit der Stiftung. Seit drei Jahren war sie zudem Mitglied der Geschäftsleitung. Sie ist Nachfolgerin von Mark Ankerstein, der zu einer anderen Entwicklungsorganisation wechselt. „Wir freuen uns sehr, mit Anke Luckja eine ausgewiesene Expertin für Entwicklungszusammenarbeit als neuen Vorstand gewonnen zu haben. Anke Luckja ist aufgrund ihrer internationalen Erfahrung und ihres jahrelangen Engagements für Opportunity der Garant für eine erfolgreiche Weiterführung unserer gemeinnützigen Stiftungsarbeit“, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrates, Dr. Andre Stoffels.
OID ist eine christlich motivierte Organisation, die seit 22 Jahren „Hilfe zur Selbsthilfe“ leistet. Mit dem Glauben an die Fähigkeit armer Menschen, sich selbst dauerhaft aus dem Kreis der Armut befreien zu können, bekämpft OID Armut im globalen Süden. In Kooperation mit erfahrenen Partnerorganisationen vor Ort werden Bildung und Unternehmertum als Investition in die Zukunft gefördert. Durch persönliche Betreuung, Vermittlung von fachlichem und unternehmerischem Wissen, den Zugang zu Schul- und Berufsausbildung sowie zu finanziellen Ressourcen wird armen Menschen die Chance gegeben, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten auf- und auszubauen. Dadurch werden diese Menschen und ihre Familien dauerhaft in die Lage versetzt, ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu führen – frei von Armut.

Opportunity International Deutschland

„Ars Cantandi“ in der Banter Kirche in Wilhelmshaven

Das Ensemble Ars Cantandi.    (Foto: Kirchengemeinde Wilhelmshaven-Bant)

Vater unser

Die evangelische Kirchengemeinde Bant in Wilhelmshaven lädt zu einem Konzert am Sonntag, 25. November 2018, um 17 Uhr in der Banter Kirche, ein, das ganz im Zeichen des „Vater unser“ steht.

Das „Gebet des Herrn“ inspirierte unzählige Komponisten aller Epochen zu Vertonungen und Kompositionen in unterschiedlichsten Besetzungen. Kein Werk gleicht dem anderen, und immer wird in der ganz individuellen Musik auch die persönliche Glaubens-Überzeugung und Tradition spürbar: vom opulenten romantischen Chorsatz bis zur litaneihaften Rezitation.

Beim Konzert in der BanterKirche erklingen einige der berühmtesten Stücke der A-Cappella-Literatur von Duruflé, Gounod, Strawinsky, Verdi und anderen sowie die „Vaterunser“-Sonate für Orgel Nr. VI in d-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Ensemble Ars Cantandi musiziert unter der Leitung von Stadtkantor Markus Nitt. Der Eintritt ist frei.

Kopenhagen für Kurzentschlossene

Oldenburgische Spuren in Dänemarks Hauptstadt

Rosenborg
Schloss Rosenborg. Copyright: Giuseppe Liverino / Visitcopenhagen

Die Arbeitsgemeinschaft Kulturtourismus der Oldenburgischen Land schaft bietet auch in diesem Jahr wieder eine Reise nach Kopenhagen an. Die Reise „Auf den Spuren der Oldenburger durch Kopenhagen“ findet vom 13. bis zum 17. September statt. Seit 1448 stellt das Haus Oldenburg die Regenten des Königreichs Dänemark. Außerdem wurde die Grafschaft Oldenburg zwischen 1667 und 1773 von dänischen Statthaltern verwaltet, weil die dänischen Könige damals auch Grafen von Oldenburg waren. Grund genug, sich von Oldenburg aus auf Spurensuche nach Kopenhagen zu begeben. Auf dem Programm stehen unter anderem die Kopenhagener Innenstadt, das Schloss Rosenborg mit den dänischen Kronjuwelen und dem Oldenburger Wunderhorn sowie Ausflüge zur Grablege der dänischen Könige im Dom von Roskilde und zu weiteren Zielen in der Umgebung Kopenhagens.

Kurzentschlossene können noch mitfahren. Informationen gibt es bei der Oldenburgischen Landschaft unter Tel. 0 44 1 – 77 91 816.

Festival für buntes und offenes Friesland

sinti
Sinti Swing aus Oldenburg.

Das Gröschler-Haus Jever veranstaltet am 1. September 2018 unter dem Motto „buntes Friesland offen“ eine mehrstündiges Open-Air-Festival bei der Gaststätte „Waldschlösschen“, Addernhausener Straße 51, am Upjeverschen Forst. Der Eintritt ist frei.

Live-Musik satt von sechs Bands-, Kulturbeiträge und Informationsangebote unterschiedlicher Art sollen ein Forum des gegenseitigen Austausches schaffen, bei dem die Freude über die  Musik und das kulinarische Angebot im Mittelpunkt stehen. Wie Oswald Andrae, der jeversche Schriftsteller, es formulierte: „Kaamt tosamen – Begegnungen und Gespräche sind die kürzesten Wege der Verständigung“.

Der 1. September, Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939,  ist der Weltfriedenstag. In einer Zeit, in der überall eine gefährliche Renationalisierung voranschreitet, setzt das Gröschler-Haus, das Zentrum für Zeitgeschichte, ein Zeichen für Frieden und Integration und gegen Rassismus. „Nationalismus ist der Versuch, vor der Zukunft in die Vergangenheit zu entfliehen“, sagte Manfred Rommel. Diese Vergangenheit ist bekannt.

Das GröschlerHaus arbeitet in der Planung mit dem Freundeskreis der Sinti und Roma Oldenburg, den Integrationslotsen von Jever und Schortens, dem Jugendhaus Jever, dem Jugendparlament Friesland, dem Grafiker Andreas Reiberg, der Musikerinitiative Schortens, einzelnen Schulen und dem Wirteehepaar Esther und Thomas Tjarks vom „Waldschlösschen“zusammen.

Musikalisch gesehen wird es so bunt wie die gesamte Veranstaltung. Es spielen (in dieser Reihenfolge):

– Sinti Swing Oldenburg mit Barono Schwarz

– jam Junkies

– Iko Andrae – Eckhard Harjes – Andreas Bahlmann

– Lost Lines (die Rock-AG des Mariengymnasiums)

– GreaseTime Blues Band

– Hellhead

Pressefreiheit in Gefahr: Aktuelle Herausforderungen erforscht

Wissenschaftlerinnen der Jade Hochschule geben Publikation zu „Freiheit und Journalismus“ heraus

Wilhelmshaven. Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo, die Inhaftierung von Deniz Yücel, die Medienangriffe von Staatschefs wie Erdogan oder Trump – die Bedrohung und die Grenzen von Freiheit im Journalismus gehören zu den großen aktuellen politischen Themen. Diesem Thema widmet sich auch das jetzt erschienene Buch „Freiheit und Journalismus“. Herausgegeben wird es von vier Wissenschaftlerinnen der Jade Hochschule: Prof. Dr. Andrea Czepek, Melanie Hellwig, Prof. Dr. Beate Illg und Prof. Dr. Eva Nowak in der Reihe „Aktuell. Studien zum Journalismus“ des Nomos-Verlages.

Pressefreiheit_Karikatur
Karikatur: Ruedi Widmer 

„Die aktuellen Ereignisse, aber auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die die journalistische Berichterstattung einschränken können, machen deutlich, dass unabhängiger, freier Journalismus als Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie immer wieder verteidigt werden muss“, erklärt Czepek.

Wissenschaftler_innen verschiedener Disziplinen aus unterschiedlichen Ländern diskutieren in ihren Beiträgen die diversen Facetten von Pressefreiheit, wie beispielsweise „Freiheit und Politik“, „Autonomie und Qualität“ sowie „Internationale Perspektiven“. Was darf Journalismus? Was sollte Journalismus dürfen, und wo sind gerechtfertigte Grenzen der Freiheit? Welche Einflüsse behindern eine unabhängige Berichterstattung? „Die Artikel sind als Anstoß zu weiterer Diskussion und Forschung gedacht“, so die Herausgeberinnen. „Die komplexen Fragestellungen zeigen den Bedarf an handlungsleitenden, wissenschaftlichen Erkenntnissen in Journalismus.“

Das Buch „Freiheit und Journalismus“ basiert auf den Ergebnissen der Jahrestagung der Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), die 2016 an der Jade Hochschule stattfand. Die Beiträge wurden erweitert, ergänzt und aktualisiert.

Weihnachten für alle

Jeder sollte die Freiheit haben, zu feiern oder nicht zu feiern.

„Ich wünsch’ dir ein schönes Weihnachtsfest“, sage ich zu dem jungen Mann, nachdem wir in der Kassenzone des Einkaufszentrums eine Weile geplaudert haben und uns nun verabschieden.

IMG_1393„Hmm …“, entgegnet er. „Danke. Wir feiern Weihnachten ja nicht.“ Ja, das war mir schon klar, denn der adrette, selbstbewusste Abiturient, der geradewegs auf ein Studium zusteuert, ist Muslim. Seine Eltern stammen aus dem Libanon. Durfte ich ihm trotzdem frohe Weihnachten wünschen? Hatte er mir nicht gerade erst erzählt, dass er abends zu einer Weihnachtsfeier mit seinen Freunden geht? „Ja, stimmt“, sagt er. „Ich habe sie sogar organisiert. Ich war diesmal dran.“ Er wünscht mir ebenfalls frohe Weihnachten und wir gehen unseres Weges.

Einige Tage später lese ich von der Schule in Lüneburg, die angeblich eine Weihnachtsfeier aus der regulären Schulzeit auf den Nachmittag verlegen musste, weil eine muslimische Schülerin Kritik am Singen christlicher Lieder geübt habe. Die sozialen Netzwerke und manche Medien machen eine Riesengeschichte daraus. In Wirklichkeit war es wohl etwas anders gewesen, die Schülerin hatte widersprochen, als eine Lehrkraft im Fachunterricht das Singen von Weihnachtsliedern ansetzen wollte. Sagt jedenfalls der Schulleiter.

War es klug von der Schülerin? Welcher Jugendliche im pubertierenden Alter ist schon klug? Und war es klug von der Lehrerin? Ich weiß es nicht.

„In Erziehung und Unterricht ist die Freiheit zum Bekennen religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen zu achten und auf die Empfindungen Andersdenkender Rücksicht zu nehmen“, heißt es im niedersächsischen Schulgesetz. Besser hätte man es nicht ausdrücken können. Es gilt schließlich beides: Religionsausübung muss möglich sein. Schulen können davon nicht ausgenommen werden. Doch ist dabei auch auf diejenigen zu achten, die anderen Glaubens oder gar nicht religiös sind. Niemand soll mich hindern, christliche Lieder zu singen. Aber es soll mich auch niemand zwingen. Jeder muss selbst entscheiden können, ob er Weihnachten feiert und zur Weihnachtsfeier geht. Oder ob er das eine tut und das andere lässt. Und wir alle könnten bei dem Thema entspannter sein.

Wenige Tage vor dem Fest erzählt mir eine Bekannte jesidischen Glaubens, wie sehr sich die ganze Familie auf Weihnachten freut. Das Zimmer, in dem die Geschenke liegen, ist seit Tagen verschlossen, den Schlüssel nimmt sie immer mit, wenn sie aus dem Haus geht. Die Kinder seien so gespannt und so neugierig, sagt sie. Jesiden feiern übrigens kein Weihnachten. Eigentlich.

(Dieser Beitrag von Helmut Burlager erschien zuerst am 23. Dezember 2017 im Jeverschen Wochenblatt)

Hannes word negenuntachentich – Feiern in Rahe und Berumerfehn

Autogrammkarte Hannes Flesner (2)Anlässlich des 89. Geburtstages des ostfriesischen „Schangsoniers“ Hannes Flesner finden gleich zwei Feiern statt. Am eigentlichen Geburtstag findet traditionell eine Zusammenkunft in der Gaststätte „Kukelorum“ in Aurich-Rahe statt. Die Feier in Berumerfehn ist am Folgetag.

Hannes Flesner, der am 8. Dezember 89 Jahre alt geworden wäre, starb 1984 im Alter von erst 55 Jahren. Er wurde bekannt mit Liedern wie „Bottermelk Tango“, „Nei hum, Rieka“ oder „Teewalzer“. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod gibt es noch immer eine treue Fangemeinde – auch bei jüngeren Ostfriesen.

Während es für die Feierstunde im „Kukelorum“ keine Karten mehr gibt, gibt es für die erstmals im „Kompaniehaus“ in Berumerfehn stattfindende Feier noch Plätze. Dort beginnt die Veranstaltung unter dem Motto „Hannes un Grönkohl“ am Sonnabend (9. Dezember) um 19.30 Uhr (Anmeldungen unter 04936-91360).