Die Wohlwollenden und die Bösartigen

Gerade in dem Moment, als ich diese Geschichte erzählen will …

20 Cent.jpgHeute Nachmittag im Drogeriemarkt Rossmann in Jever. Ein junges Flüchtlingspaar aus der nahe gelegenen Notunterkunft will einen Nagelknipser für 1,89 Euro kaufen. Der Ehemann gibt sein ganzes Kleingeld hin, die Verkäuferin zählt einen Berg Cent-Stücke. „Das reicht nicht, es fehlen 20 Cent“, sagt die Verkäuferin, keineswegs unfreundlich. Zwei Stimmen gleichzeitig aus der Warteschlange hinter den beiden Flüchtlingen, zweimal dieselben Worte: „Das zahl‘ ich!“ Das Ehepaar, überrascht, nickt etwas verschämt, ein stiller Dank, und zieht seines Weges.

… lese ich diese gemeinsame Erklärung der Stadt Wilhelmshaven und der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland

„In virtuellen Netzwerken macht seit dem 22. Januar 2016 eine Meldung die Runde, nach der Flüchtlinge in einem Einzelhandelsgeschäft in der Wilhelmshavener Innenstadt versucht haben sollen, großen Mengen Waren zu kaufen. Die Polizei soll gerufen worden sein, die Stadt Wilhelmshaven habe gemäß der Darstellung erklärt, sie würde die Rechnung bezahlen. Vertretern der Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland und der Stadt Wilhelmshaven ist dieser Vorgang nicht bekannt. Kein Vertreter der Polizei oder der Stadt ist mit dem Vorgang befasst gewesen und hat Erklärungen abgegeben oder die Bezahlung von Waren-Rechnungen für Großeinkäufe von Flüchtlingen zugesagt. In einer gemeinsamen Presseerklärung verweisen Polizei und Stadt darauf, dass für die Ausstattung von Asylbewerbern klare gesetzliche Regelungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gelten und konsequent eingehalten werden. Beide Behörden äußerten ihr Unverständnis darüber, dass mit gezielten Falschmeldungen immer wieder Stimmung gegen Migranten gemacht werden soll und riefen dazu auf, entsprechende Meldungen nicht ungeprüft in den sogenannten sozialen Medien (wie z.B. Facebook) weiter zu verbreiten.“

 

Carola Schede: Worum dreht sich deine Welt!

Foto – und Audioausstellung im Mehrgenerationenhaus Zetel

Der Ursprungsgedanke entstand in der Planungsphase für das Mehrgenerationenhaus in Zetel vor vier Jahren. Auf einem Treffen sprach Carola Schede erstmals ihre Idee an, die Bürgerinnen und Bürger mitten in das Mehrgenerationenhaus zu holen, nämlich in Form einer Ausstellung.

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Carola Schede im Gespräch mit Dareen Kanaan. Sie ist seit zwei Jahren deutsche Staatsbürgerin. Foto: Tanja Finke

Es sollte eine Ausstellung werden, die Fotos und Hörgeschichten kombiniert. Die Idee: Die Besucher entdecken Menschen, die sie kennen, oder denen sie vielleicht einfach nur häufig im Ort über den Weg laufen, ganz neu. Die Geschichten, produziert wie professionelle Radiobeiträge, könnten, so die Hoffnung der Zetelerin, sogar im besten Fall Hemmschwellen abbauen und ein bisschen den Blick aufeinander ändern oder füreinander öffnen. „Ich würde gerne Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sonst keine Berührungspunkte haben“, sagt Carola Schede.

Sie fand Unterstützung bei Joann Hagen von der Gemeinde, die zusammen mit der freien Journalistin das Konzept beim Landkreis Friesland einreichte. Vor allem wegen des inklusiven Grundgedankens gab es sofort eine breite Zustimmung.

Zehn Menschen hat die Hörfunk – und Fernsehautorin nun in den vergangenen Wochen besucht und interviewt. Tanja Finke, noch Studentin der Jade Hochschule und angehende Medienwirtin, hat die Porträtaufnahmen gemacht. Sie trafen Menschen, die sie zum Teil gar nicht selber kannten. Engagierte Jugendliche, Ältere, die aus alten Zeiten berichten und Familien, die erzählen, warum sie sich entschieden haben, genau hier Zuhause zu sein. Sie sind Zurückgekehrte, Zugezogene und Hiergebliebene. Sogar eine blinde Frau ist dabei, die sich selbst das Klavierspielen beigebracht hat. Oder eine Syrerin, die schon seit Jahren hier lebt. Sie  erzählt, dass sie Wirtschaft studiert hat, wie das Leben vor dem Krieg in Damaskus war, und wie es für sie war, hier ganz anzukommen.

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Mit dabei: Björn Richter und seine Mutter. Seit seinem vierten Schlaganfall sitzt Björn im Rollstuhl. Die beiden sind immer zusammen unterwegs. Foto: Tanja Finke

„Jeder von uns hat eine besondere Geschichte, die sich lohnt, erzählt zu werden“, so die 43-jährige Journalistin. „Viel zu selten bleiben wir stehen, und hören hin. Oder nehmen uns mal die Zeit für die anderen. Es gäbe so viele Geschichten, die in diese Ausstellung gehörten. Es war echt hart, sich auf zehn zu reduzieren!“ Die Geschichten, die jetzt in der Ausstellung zu sehen und zu hören sind, sind auf jeden Fall: mitten aus der Gemeinde.

Die Eröffnung ist am 14. Januar im Mehrgenerationenhaus Zetel und öffentlich. Beginn ist um 9.30 Uhr.

Persönliche Weihnachtsgeschichten aus Ostfriesland

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Viele Menschen haben eine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte, die sie mit Heiligabend verbinden. Die NDR Reporterin Hanne Klöver zum Beispiel hat am Heiligabend Geburtstag. Und das brachte sie auf die Idee: Während des Jahres hat sie auf ihren Törns durch Ostfriesland andere nach ihrer ganz privaten Weihnachtsgeschichte gefragt – schöne, aber auch traurige Erinnerungen kamen zusammen.

Zu hören am Montag, 14. Dezember, von 19 bis 20 Uhr in der Sendung „Plattdeutsch“auf NDR 1 Niedersachsen

Geschmackssache

Er sucht was im Küchenschrank. „Da stehen drei angebrochene Flaschen mit Sojasauce. Kann man die nicht zusammenschütten?“ Sie: „Weiß ich nicht so recht. “ Er: „Sind die verschieden?“. Sie: „Eine davon schmeckt nicht. “ Er: „Dann schmeiß sie doch weg.“ Darauf sie: „Ich weiß nicht welche…“

Merkwürdig

Die Frau, die seit einiger Zeit, in der Wohnung oben rechts im Mehrfamilienhaus gegenüber wohnt, die spinnt. Ich hab das schon die ganze Zeit gedacht, wenn sie im Sommer hinter der hohen Brüstung auf dem Balkon saß und merkwürdige Handbewegungen machte. Vorhin hab ich dann auf der Straße vor unserem Haus gesehen, dass sie etwas aus dem Kofferraum holte und ins Haus schleppte. Anscheinend ein neues — Spinnrad.

Tag 360 | Fern der Heimat

Ekkehart Woykos, Militärpfarrer bei der Marine und zurzeit auf der Fregatte „Niedersachsen“ im Einsatz, ist zu einer besonderen Ehre gekommen. In einer Serie über Spiritualität und Glauben im Internet-Magazin Baltimore-Post-Examiner wird der Seelsorger ausführlich porträtiert. Eine Geschichte, die so recht zu Weihnachten passt: „Weihnachten ist auf der ganzen Welt traditionell eine Zeit für die Familie und für die Freunde. Aber was, wenn Deine Arbeit eine Trennung erforderlich macht und dich irgendwo hinführt, wo schon ein einfacher Telefonanruf außerhalb jeder Vorstellung ist? Ekkehart Woykos hat die Verzweiflung und den Herzschmerz, die ein solches Leben hervorrufen kann, in seiner Eigenschaft als Priester bei der deutschen Marine gesehen:

German Navy Chaplain serves God while touching lives on the high sea

Baltimore

Tag 351 | Räuberzivil

Was für ein elendes Mistwetter – und dann noch ein Außentermin auf dem Fliegerhorst, militärischer Appell. Das kennt man ja: Der Wind pfeift um die Ecken, man steht herum und wartet, bis die Zeremonie beginnt, und am Ende ist man durchgefroren wie ein Eiszapfen. Also noch schnell nach Hause, was Warmes drunter- und drübergezogen, sieht ja keiner unter der weiten Winterjacke. Dicke Stiefel an und dann ab zum Flugplatz.  „Wo geht’s denn lang?“ fragt man an der Wache. Der Wachhabende gibt bereitwillig Auskunft: „Der Empfang“, sagt er, „ist im Offiziers-Casino“.

Tag 344 | Missgeschick

„Können Sie einen Krankenwagen schicken? Mir ist ein kleines Malheur passiert.“ Dies waren die ersten Sätze, die eine 47-Jährige aus Norden gegenüber der Rettungsleitstelle äußerte, nachdem sie am Abend des 25. Juni den Notruf gewählt hatte. (…) Mit einem Messerstich in die Brust hatte die Frau ihren 45-jährigen Lebensgefährten tödlich verletzt.
(Prozessbericht im Anzeiger für Harlingerland, heutige Ausgabe.)

Tag 343 | Heimat

AsylEin Altenheim, das zum Asylbewerberheim wurde. Geisenhausen in Niederbayern ist einer von vielen Orten, die sich mit ihren neuen Bewohnern verändern. Die taz präsentiert ab Freitag in Zusammenarbeit mit dem Münchener Journalistenkollektiv „Butterland“ eine Multimediareportage über das Zusammenleben von Alt- und Neubürgern in der Gemeinde. „Warten auf Heimat“ – die Vorschau macht neugierig.

Zum taz-Beitrag