Die Fachsprache der Küstenfischer

„Von Kamerunern, Pilgrims und Tobiaswaden”: Ein neues Buch von Klaus Siewert unter Mitarbeit von Wilko Theessen

Fischersprache Carolinensiel – Um die Fachsprache der Küstenfischer geht es in einem neuen Buch, das der Sprachwissenschaftler Klaus Siewert in Zusammenarbeit mit Wilko Theesen herausgegeben hat: „Von Kamerunern, Pilgrims und Tobiaswaden. Die Fachsprache der Küstenfischer in Ostfriesland“. Am Donnerstag wird es in Carolinensiel vorgestellt. Hier weiterlesen

Der Strandkorbkönig und der Seenotretter

Am 14. Oktober um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen: Menschen am Meer

Ob am Festland oder auf der Insel, die niedersächsische Nordseeküste ist ein beliebtes Ziel für Urlauber aus ganz Deutschland. Und das soll auch so bleiben, sagen die Einheimischen. Die Mitarbeiter in den Kurverwaltungen und Gemeinden sind in der Saison jeden Tag damit beschäftigt, dass es den Gästen am Deich, Hafen oder am Strand gut geht und sie auch im nächsten Jahr wiederkommen. Denn davon leben sie hier die Menschen am Meer.

Drei Männer, drei echte Typen, drei Geschichten von der Küste: Das ist zum einen Enno König aus Neuharlingersiel. Der schwergewichtige Leiter des Bauhofes ist der „König der Strandkörbe“. Im Frühjahr hat er Hochsaison , dann kommen die Gäste und es muss alles stimmen. 550 Strandkörbe werden am Strand und im Hafen aufgestellt, Stress pur.

Im gleichen Dorf lebt Wolfgang Gruben. Er ist Hafenmeister und Seenotretter. Als Vormann des Rettungsbootes „Neuharlingersiel“ ist er ständig auf Abruf und sobald ein Notruf eingeht, ist er zur Stelle. Wolfgang Gruben kennt jedes Schiff, jeden Kapitän im kleinen Sielhafen. Sein Leben lang war er für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) tätig. Das ist seine Berufung.

Ähnlich gewissenhaft ist Rufus Handschuh von der Insel Juist. Seit fast 50 Jahren steht er jeden Tag am Hafen und wartet auf die Fähren. Denn Rufus ist der letzte freischaffende Gepäckträger der Insel. In großen goldenen Lettern prangt sein Name auf seiner Dienstmütze, doch notwendig ist das kaum. Denn jeder Insulaner und alle Stammgäste kennen ihn seit vielen Jahren. Und ans Aufhören denkt er noch lange nicht, dafür macht es ihm noch viel zu viel Spaß.

Quelle: NDR

Neuer Kalender: Vareler Stimmungen 2012

Unterstützung für Hoffmann-Stiftung und Hospizbewegung –
Fotos von Anke Kück

Ankekueck Varel. Der im letzten Jahr herausgegebene Kalender Vareler Stimmungen wurde sehr gut angenommen. Mehr als 700 Exemplar konnten zu Gunsten der Hospizbewegung Varel verkauft werden, einige davon schmücken heute Wände in Kanada, Australien oder Frankreich.

Daher gibt es auch für das Jahr 2012 einen Kalender Vareler Stimmungen – herausgegeben von der Journalistin und Fotografin Anke Kück und in Zusammenarbeit mit der Hospizbewegung und der Hans-Joachim-Hoffmann-Stiftung. Er kostet wie im Vorjahr 12 Euro, fünf Euro pro Kalender gehen an die Hospizbewegung Varel.

Der Kalender im Format DIN A3 zeigt Varel und Dangast im Wandel der Jahreszeiten von seinen schönsten Seiten: Aufnahmen vom Mühlenteich, Winterstimmungen aus Dangast oder vom Vareler Hafen gehören ebenso dazu wie die von typischen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen. Die Schlosskirche, die Windmühle und die „Etta von Dangast“ fehlen ebenso wenig wie stimmungsvolle Sonnenuntergänge. Zu allen Fotos gibt es passende Sprüche.

Neben den zwölf Monatsfotos mit Kalendarium sind Informationen über die Hospizbewegung Varel und die Hoffmann Stiftung enthalten.

Wer den Kalender erwerben möchte, erhält ihn bei der Hospizbewegung Varel, Oldenburger Straße 30 (04451/804733), oder beim Friesländer Boten, Elisabethstraße 13 (04451/911911). Mehr Informationen auch unter anke.kueck@ewetel.net.

Voransicht des Kalenders hier: Vareler Stimmungen

(c) Anke Kück

In 25 Jahren Tonnen von Münzen gesammelt

Lions Club Jever unterstützt die DGzRS mit Fremdwährungs-Aktion

Von Dietmar Bökhaus

Jever/Wilhelmshaven – Der Lions Club Jever hat die Möglichkeit, Münzen in ausländischer Währung, die von den Geschäftsbanken nicht eingetauscht werden, in Euro zu tauschen. Diese Aktion läuft seit einigen Jahren in Jever, im Wangerland und Wilhelmshaven mit großem Erfolg. An der Sammlung beteiligen sich auch die Soldaten der Deutschen Marine, die mit ihren Einheiten fast nur noch im Auslandseinsatz sind.

Unserem Fotografen stellten sich unter dem "Eisernen Kreuz" das nur die Fregatte Emden fahren darf, v.l: Hans- Joachim Katenkamp (DGzRS), der symbolisch die Spende von Udo König und Andreas Kreye übernahm. Zeuge des ganzen war der Kommandant der Emden, Fregattenkapitän Jörg- Mchael Horn. Foto: Dietmar Bökhaus

Im Jahr 2010 hat sich so eine Summe in Höhe von 1500 Euro angesammelt, die vor wenigen Tagen an Bord der Fregatte „Emden“ im Marinestützpunkt Wilhelmshaven an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) übergeben wurde. Udo König und Andreas Kreye vom Lions Club Jever sind sich sicher, das die Retter der DGzRS, die bei jedem Wetter
hinausfahren, um anderen in Seenot befindlichen Menschen Hilfe zu bringen, die Hilfe großzügiger Menschen an Land brauchen. Die Arbeit und das moderne Material der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger kostet Geld, und die DGzRS finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Deshalb war es für den Lions Club auch in diesem Jahr klar, dass mit den 1500 Euro die Arbeit der DGzRS unterstützt werden soll. Hans-Joachim Kattenkamp von der DGzRS nahm diese Spende dankend an und meinte: „In dieser schnelllebigen Zeit ist es nicht selbstverständlich, dass sich Menschen langfristig zur Unterstützung von Hilfsorganisationen bereitfinden. In den vergangenen 25 Jahren sind bei der Sammel- und Tauschaktivität der Jeveraner einige Tonnen Fremdwährung zusammengekommen und bisher zu in einem Gesamtbetrag von 46.000 Euro eingetauscht worden.“ Dieser Betrag ist im genannten Zeitraum an die DGzRS übergeben worden.

Für den Kommandanten der „Emden“, Fregattenkapitän Jörg- Michael Horn, und seine Besatzung ist es eine Ehrensache, die harte und gefahrvolle Arbeit der Seenotretter zu unterstützen. Das gleiche gelte für die Besatzungen der  anderen Einheiten der Marine, schob der Kommandant nach.  In díesem Jahr wurde die Fregatte Emden als Übergabeschiff der Spende an die DGzRS ausgewählt, weil sie das Patenschiff der Seestadt an der Emsmündung ist. Vor genau 150 Jahren wurde hier in Emden der „Verein zur Rettung Schiffbrüchiger  in Ostfriesland“ durch Georg Breusing gegründet. Daher passe es gut, diese Bürgerspende auf der Fregatte Emden zu übergeben, sagte der Präsident des Lions Clubs, Andreas Kreye.

Der neue Fotokalender von Klaus Schreiber ist da

Schreiber Kalender Seite1

Die Fotografie, schrieb vor ein paar Jahren Prof. Dr. Ingo Sommer, sei das Lebensthema von Klaus Schreiber, die Kamera sein Lebensbegleiter. “Er hält fest, was droht, verloren zu gehen. Viele seiner Bilder sind höchst populär, finden sich als  Serien in Kalendern und Bildbänden der Region und man vergisst leicht, wer sie gemacht hat. Ein Mensch hinter der Kamera, der die Welt nicht mit gleichgültigem Blick betrachtet. Er sieht, was anderen oft für immer verborgen bleibt. Und die ist keinesfalls immer nur die Wirklichkeit.” Soeben ist der neue Bildkalender von Klaus Schreiber erschienen, “Lichtküste" Friesland”, erhältlich im Direktvertrieb des Fotografen (einfach aufs Bild oben klicken, dort kann man alle zwölf Motive betrachten). Wer mehr über den 63-jährigen Fotodesigner aus Wilhelmshaven erfahren will, klickt hier: Laudatio

Inselsommer auf Langeoog

NDR-Fernsehen: Sendung am Freitag, 30. September, um 20.15 Uhr

Friesland – Urlaub auf Langeoog: Viele Menschen können sich nichts Schöneres vorstellen, als einmal im Jahr für zwei oder drei Wochen auf die autofreie ostfriesische Insel zu fahren.
Doch wie sieht das Leben der Insulaner aus, die auf Langeoog zuhause sind?
Wie verändert sich ihr Alltag in der Hochsaison, wenn die Touristen im Rhythmus von Ebbe und Flut kommen und gehen, wo tanken die Insulaner auf, wenn kein einziges Bett auf der Insel mehr frei ist und die Gäste von früh bis spät ihren Alltag bestimmen?

Bärbel Fening hat einige von ihnen den Sommer über begleitet: Uwe Garrels, der  die Urlauber auf unvergessliche Art und Weise durchs Watt führt und kurze Zeit später als Standesbeamter im Seemannshus die Heiratswilligen traut, Anselm Prester, den Inselmaler, der in der Saison zahlreiche Malkurse für kleine und große Künstler gibt, sich in allem Trubel noch die Zeit nimmt, eigene Werke zu vollenden und mitten in der Saison sogar noch das Kleinste Museum der Welt auf Langeoog eröffnet, den Biohändler Gerrit Agena, der jede freie Minute der Musik widmet und nach Ladenschluss mit dem Langeooger Shantychor „De Flinthörners“ und seiner Band, der „Washhouse Company“, zahlreiche Auftritte hat, Jonny Vestering, der die Gäste im Wahrzeichen der Insel, dem Wasserturm empfängt und Jörg Börgmann, den Strandmeister, der den langen Sandstrand für die Gäste herausputzen muss und weit mehr zu tun hat, als nur die 1600 Strandkörbe aufzustellen.

Mit den Seenotrettern durchs Jahr

Neuer Kalender der DGzRS:  „…wir kommen! 2012“

Friesland – Sie fahren raus, wenn andere Schiffe den schützenden Hafen anlaufen – bei Wind und Wetter. Gemeint sind die Seenotretter, deren Arbeit im neuen Kalender „…wir kommen 2012“, soeben erschienen im DSV-Verlag (Vertrieb: Delius Klasing Verlag), in 13 eindrucksvollen Aufnahmen festgehalten ist.

Der DGzRS-Kalender 2012

In enger Zusammenarbeit mit der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger) ist es dem Hamburger Seefotografen Peter Neumann (YPS/ Yacht Photo Service) erneut gelungen, die vielfältigen Aufgaben im Seenotrettungsdienst im Wechsel der Jahreszeiten fotografisch zu dokumentieren. Das Spektrum reicht von der Kontrollfahrt im Eis über Detailbilder bis zum echten Einsatz für die Sport- oder Handelsschifffahrt.

Wenngleich Technik eine große Rolle spielt, steht im Mittelpunkt der DGzRS nach wie vor der Mensch. Professionelles Handeln in extremen Situationen, eine umfassende Qualifikation und eine Portion Mut sind unerlässlich, wenn es über 2000 Mal pro Jahr heißt: „wir kommen!“

Die Arbeit der DGzRS wird ausschließlich durch freiwillige Beiträge und Spenden finanziert. Im Verkaufspreis von Euro 19,90 (in Österreich Euro 20,50, in der Schweiz sFr 29,90) ist somit eine Spende für die Seenotretter in Höhe von Euro 2,60 pro Exemplar enthalten.

Der neue Kalender ist zu beziehen im Buchhandel oder unter der Hotline 0521-559955 beim Delius Klasing Verlag, Bielefeld (ISBN 978-3-88412-480-2).

Großbaustelle im Meer

Der Riesen-Windpark vor Borkum
Ein Radio Bremen-Film von Frank Schulte

Borkum/Bremen – Sie rammen Fundamente in 40 Metern Tiefe in den Meeresboden, sie montieren Rotoren in 80 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Sie bewegen Teile, die bis zu 500 Tonnen schwer sind. Und das alles, um den Wind einzufangen und Strom zu produzieren. Radio Bremen zeigt am Freitag, 15. Juli, von 21.15 Uhr bis 21.45 Uhr den Film “Großbaustelle im Meer – der Riesen-Windpark vor Borkum”. Ein Radio-Bremen Film von Frank Schulte.

BARD Offshore 1, Projektgebiet, Flug mit Wiking-Helicopter, 9 WEAs errichtet, 7 davon komplett. (13. September 2o1o) 

Der Windpark Bard Offshore 1 am 13. September 2010, fotografiert aus einem Hubschrauber von Wiking Helicopter Service aus Sande-Mariensiel. Foto: BARD-Gruppe

80 Windräder wollen die Techniker und Ingenieure der Firma BARD nördlich von Borkum in die Nordsee stellen. Es sind Großprojekte wie diese, die die dringend gewünschte Energiewende ermöglichen sollen. Doch der Weg von der Atomkraft hin zur alternativen Energieversorgung ist ein steiniger. Immer wieder müssen die Techniker und Ingenieure ihre Arbeiten einstellen, zu hoch sind die Wellen, zu heftig wird der Wind.

Einer mit besonders viel Verantwortung ist Kranführer Dietmar Machnitzke. Wenn die Rotoren, Fundamentrohre und Gondeln auf speziellen Pontons angeliefert werden, muss er sie an den Haken nehmen und im Takt der Wellen an die richtige Stelle manövrieren. Sein Kran steht auf der "WindLift 1", einem 50 Millionen Euro teuren Spezialschiff, das sich mit Stelzen auf dem Boden der Nordsee abstützen kann. Zwölf Stunden arbeiten die Techniker und Ingenieure jeden Tag auf der Nordsee, 14 Tage lang. Dann haben sie 14 Tage frei. Sie wohnen auf einer eigenen Plattform, mit Zwei-Bett-Zimmern, Kantine und Fitness-Raum. Es ist eine eigene Welt, mitten im Wasser.

Als das Unternehmen 2003 in Bremen mit einer Handvoll Mitarbeitern gegründet wird, lächelt die Branche über den Neuling. Mittlerweile beschäftigt BARD rund 1000 Menschen und setzt die Vision eines Mannes um, der im Hintergrund wirkt: Millionär Arngolt Bekker, ein ehemaliger Aufsichtsrat des russischen Gazprom-Konzerns.

BO1_WEA10_BARD1_032011Der erste Cluster in "BARD Offshore 1" ist am Netz. Zwölf Windkraftanlagen speisen seit Mitte Mai 2011 Strom ein. Foto: BARD-Gruppe

Die Reportage zeigt die außergewöhnliche Logistik, die notwendig ist, um mitten in der Nordsee Windräder zu installieren. Sie zeigt, mit welchen Schwierigkeiten die Techniker und Ingenieure zu kämpfen haben. Und sie liefert ein eindrucksvolles Bild davon, was passieren muss, damit die politischen Ziele des Ausbaus der erneuerbaren Energien erreicht werden können.

Huhn auf Dose und Schlickwurmpfanne

Das Seenotretter-Kochbuch – Autorin Silke Arends blickt in Kombüsen und Kochtöpfe

2011-06-22  Seenotretter-Kochbuch Norden – Helden wollen sie nicht sein. Aber wenn andere Schiffe Schutz im sicheren Hafen suchen, fahren sie hinaus aufs offene Meer, um Menschenleben zu retten: die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Weiterlesen: zum Artikel

Einmal um die ganze Welt

Wer nimmt sich heute noch die Zeit, in 80 Tagen um die Welt zu reisen? In Bremerhaven erledigt sich das in ein paar Stunden: im Klimahaus 8 Grad Ost, der Attraktion der Havenwelten Bremerhaven. Deutschlands größte Stadt an der Nordsee gilt inzwischen als beispielhaft für einen gelungenen Strukturwandel: „Fischtown“ war gestern, die Havenwelten sind heute – und die sind längst sogar ausgezeichnet als eines der besten deutschen Tourismusprojekte. Der Wirtschaftsverlag N.W. in Bremerhaven gibt Tipps für ein Wochenende in der Stadt:

Fotos Havenwelten 002 

Das Lichtkonzept der Havenwelten wurde international mit Design- und Architekturpreisen ausgezeichnet. Foto: BEAN Bremerhaven

Freitag

14 Uhr: Ankommen – das heißt an der Weser: Erst einmal an den Deich, „unsere gute Stube“ sagen die Bremerhavener selbst über ihre Weserpromenade zwischen der neuen Kaiserschleuse mit dem Schlepperhafen davor und dem historischen Weser-Strandbad mit seinem Wasserstandsanzeiger, dessen Bälle und Kegel aus Korbgeflecht anzeigen, wie hoch das Wasser im Fluss steht. Tief einatmen: Bessere Luft gibt’s kaum im Land. Am Eingang zur Nordsee riecht es schon nach Meer. Der Spaziergang führt vorbei am Deutschen Schiffahrtsmuseum, einem der nur sieben nationalen Forschungsmuseen, dem runderneuerten Zoo am Meer als Europas kleinstem, wissenschaftlich geleiteten Zoo, vorbei an Deutschlands ältestem noch funktionierenden Leuchtturm auf dem Festland und der Seebäderkaje, von der zwischen Mai und Oktober die „Fair Lady“ täglich Kurs auf Helgoland nimmt.

15.30 Uhr: Der Dampfer „Lahn“ fuhr einst bis nach Amerika – mit seiner in Originalgröße nachgebauten Bordwand beginnt noch heute jede Reise im Deutschen Auswandererhaus. Ebenso eindrucksvoll wie anschaulich erzählt das Erlebnismuseum am Neuen Hafen die Geschichte der Auswanderung nach Amerika zwischen 1830 und 1974. ^

Fotos Havenwelten 011Im Auswandererhaus erfahren die Museumsbesucher in der „Galerie der 7 Millionen“, welche verschiedenen Gründe es für die  Auswanderung gab. Hier lernen sie auch die Biografien der realen Auswanderer kennen. Foto: DAH Bremerhaven, Werner Huthmacher

 7,2 Millionen Menschen brachen in dieser Zeit von Bremerhaven aus auf nach Übersee. Die Ausstellung erzählt von ihrem Abschied, von der beklemmenden Enge an Bord der Segler und der hoffnungsvollen Ankunft auf Ellis Island in New York und nimmt die Besucher mit auf die Reise. Seit der Eröffnung vor sechs Jahren hat das Deutsche Auswandererhaus schon mehr als 1,2 Millionen Besucher aus aller Welt bewegt und wurde 2007 sogar als Europas Museum des Jahres ausgezeichnet.

Sonnabend

10 Uhr: Jetzt geht’s auf die einzigartige Weltreise. Im Klimahaus, einem spektakulären Bau aus Glas, Stahl und Beton, erleben die Besucher Wind und Wetter auf fünf Kontinenten.

Fotos Havenwelten 006Eine Flotte historischer Schiffe liegt im Neuen Hafen direkt vor der Haveninsel mit Tourist-Info, historischer Schiffswerft und dem Anleger der Hafenrundfahrt. Dahinter erhebt sich die eindrucksvolle Architektur des Klimahauses Bremerhaven 8 Grad Ost. Foto: BEAN Bremerhaven

In der Schweiz, auf Sardinien, der Sahelzone, in Kamerun, der Antarktis, Samoa, Alaska und durchs Wattenmeer zurück nach Bremerhaven – neun Stationen immer am achten östlichen Längengrad entlang, der auch quer durch die Großstadt an der Wesermündung läuft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und der Einfluss, den der Klimawandel bereits heute auf ihr Leben hat. 4,5 Stunden ist im Durchschnitt bisher jeder Besucher in der Erlebnis- und Wissenswelt geblieben, denn es ist auch ein kleines Abenteuer, das seine Zeit braucht. Eine Expedition – wissenschaftlich fundiert, unterhaltsam und spannend, aber auch ohne den Zeigefinger zu erheben mahnend, künftig behutsamer mit unserer Erde umzugehen. „Ein Liebesbrief an unseren Planeten“ sei die Ausstellung, lobte der Umweltaktivist und Rocksänger Bob Geldof nach seinem Rundgang durchs Klimahaus. Von der erfrischend kühlen Alm in Isenthal in der Schweiz sind es nur ein paar Stationen bis in die 35 Grad heiße Wüste Nigers oder die tropische Wärme Kameruns. Der westafrikanische Regenwald bei Nacht bietet Gerüche und Geräusche von faszinierender Exotik – und Einblicke in das Geschäft mit der Abholzung. Platzregen und grüne Schluchten erwarten die Besucher auf Samoa, bevor ihr Weg sie in eine Unterwasserwelt aus lebenden Korallen führt, deren Pracht schon durch einen Anstieg der Wassertemperatur um nur wenige Grad für immer zerstört werden könnte.

„Diese Reise macht deutlich, wie das Leben der Menschen auf unserem Planeten vom Klima beeinflusst wird und welche Veränderungen uns bevorstehen“, erläutert Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker. Für den Umwelt- und Klimaschutz möchte er seine Besucher sensibilisieren.

Begeistert waren die Bremerhavener anfangs gar nicht von den Plänen. Klimaschutz als Thema für eine Touristenattraktion? Das passt, wissen sie heute: Seit der Eröffnung im Sommer 2009 kamen mehr als eine Million Besucher in die weltweit einmalige Erlebnis- und Wissenswelt, viel mehr, als erwartet worden waren. „Unser Anspruch war es, eine vollkommen neue Freizeitattraktion zu entwickeln“, sagt Ausstellungsmacher Carlo Petri. Das Klimahaus passt als zentrale Attraktion zu den Havenwelten. „Auf die Themen Klima und Wetter kamen wir, weil heute schon viele Menschen allein wegen des intensiven Naturerlebnisses an die Nordseeküste kommen“, weiß Petri. Aber Bremerhaven ist durch das renommierte Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung AWI auch einer der führenden internationalen Standorte der Klimaforschung.

15.30 Uhr: Inmitten der Havenwelten startet auch die Hafenrundfahrt, und die ist für jeden Besucher natürlich ein Muss. Eine Stunde lang erschließen die Barkassen „Hein Mück“ und „Lady Sunshine“ die Überseehäfen. Es geht vorbei an schwimmenden Autogaragen mit Platz für 6000 Pkw, an Frachtern voll südamerikanischer Bananen und Passagierschiffen, die in den Werften flott gemacht werden für die nächsten Reisen. Das Seemannsgarn spinnt der Rundfahrt-Kapitän gratis dazu und er schwärmt auch von der Sail Bremerhaven, dem alle fünf Jahre in Bremerhaven stattfindenden Windjammer-Treffen. Die größten und schönsten Segelschiffe aus aller Welt laufen zur Sail in die Häfen ein, das nächste Mal im August 2015. Eine Million Besucher werden dann wieder allein in fünf Tagen an den Hafenbecken entlang schlendern.

19 Uhr: Das Abendessen wird in einer ehemaligen Fischpackhalle serviert: Das Schaufenster Fischereihafen wird in diesem Jahr schon 20 Jahre alt, aber die Laden- und Kneipenzeile mit dem TiF – Theater im Fischereihafen, Atlanticum mit Meerwasseraquarium und dem Seefischkochstudio könnte als ein Vorläufer der Havenwelten betrachtet werden. Es war der erste erfolgreiche Versuch des Landes Bremen, eine Industriebrache zum Touristenmagneten umzubauen.

Sonntag

11 Uhr: Wer mag, kann bei der Touristen-Information eine Führung durch die Havenwelten buchen. Der Rundgang entlang des Alten und Neuen Hafens dauert etwa zwei Stunden. Die Führer erzählen viel aus der Geschichte der größten deutschen Stadt an der Nordsee, vom „Urknall“ für den Tourismus in Bremerhaven 1975 mit der Eröffnung des Deutschen Schiffahrtsmuseums und seiner Hansekogge und natürlich von dem ehrgeizigen Projekt zwei Jahrzehnte später, Bremerhaven für den Städtetourismus neu zu erfinden. Zehn Jahre lang wurden die Havenwelten geplant, gebaut und 2009 mit der Eröffnung des Klimahauses fertig gestellt – eine Fläche von 1,8 Kilometern Länge und 300 Metern Breite mitten in der Innenstadt und sofort ausgezeichnet mit dem Deutschen Städtebaupreis. Wie ein neuer Stadtteil prägen heute die Havenwelten das Gesicht Bremerhavens, denn hinterm Deich sind auch exklusive Wohnungen, eine Marina für 220 Yachten, Büros mit Weser- und Hafenblick, das Einkaufszentrum Mediterraneo und ein „Conference Center“ entstanden. Rund 320 Millionen Euro haben die Stadt Bremerhaven und das Land Bremen in die Entwicklung der Havenwelten investiert. Zum Rundgang gehört auch der Besuch auf der Aussichtsplattform auf dem Dach des Büro- und Hotel-Hochhauses Sail City, dem höchsten Gebäude der Stadt, gebaut in der Form eines aufgeblähten Segels. Aus 86 Metern Höhe liegt uns die Stadt zu Füßen, und bei guter Sicht kann man von hier aus über 30 Kilometer weit sehen, über die Häfen hinweg auf die Nordsee hinaus oder landeinwärts auf die Flusslandschaften der Weser und der Geeste.

13.30 Uhr: Zum Ausklang gönnen wir uns noch einen kleinen Abstecher ans Mittelmeer: ins Einkaufszentrum Mediterraneo. Von Mai bis Oktober öffnen die 40 Geschäfte und Lokale auch sonntags bis 19 Uhr. Auf der großen Piazza plätschert aber das ganze Jahr hindurch ein Springbrunnen, wie er auch in Italien nicht schöner stehen könnte. Cafés und Restaurants stellen ihre Tische und Stühle vor die Tür, und wenn die Sonne durch die gewaltige, 35 Meter hohe gläserne Kuppel scheint, dann geht auch das mediterrane Experiment an norddeutscher Küste auf.

Fotos Havenwelten 012 

Detailgenaue Rekonstruktionen und multimediale Inszenierungen versetzen die Besucher im Deutschen Auswandererhaus mitten in die Geschichte. Im Ausstellungsraum „An der Kaje“ stehen die Besucher in einer Hafenszene des Jahres 1888 und sehen die Auswanderer, die sich von ihren Familien verabschieden und voller Hoffnung und Wehmut an Bord gehen, um ihre Reise in eine ungewisse Zukunft anzutreten. Foto: DAH Bremerhaven , Stefan Volk

Bremerhaven hat sich neu erfunden als Zentrum maritimen Städtetourismus’. Urlauber gehören inzwischen ganzjährig zum alltäglichen Bild in der Stadt, und allein im vergangenen Jahr schoss die Zahl der Hotelübernachtungen um 20 Prozent in die Höhe. Auch deshalb hat „Merian aktiv“ nun erstmals einen kompletten Reise- und Freizeitführer für Bremerhaven und das Elbe-Weser-Dreieck herausgegeben. Das handliche, 128 Seiten starke Heft gibt den Besuchern Tipps, die sich nicht auf die Attraktionen der Havenwelten beschränken. Für die 77 Ausflugsziele in der Region reicht da ein Wochenende längst nicht aus…

Auskunft: Tourist-Info Bremerhaven, 0471/414141,

Im Internet: www.bremerhaven.de , www.bremerhaven-tourism.de, www.havenwelten.de

Zum Weiterlesen:

MERIAN aktiv Bremerhaven und das Elbe-Weser-Dreieck, 128 Seiten, 9,99 Euro.

Bildband HAVENWELTEN, 136 Seiten, 24,80 Euro