Sinti-Verfolgung in der NS-Zeit: Auf Spurensuche in Auschwitz

Die sehr junge Frau blickt ernst in die Kamera. Sie sitzt auf einem Sofa in einem Hotel in der Stadt Auschwitz. Das Sprechen kostet sie Überwindung: „Erst dachte ich, wir machen einen Ausflug“, sagt sie. „Aber als wir durch das Tor gingen, habe ich realisiert: Wir besuchen unsere Verwandten auf dem Friedhof.“ Sie hat gerade mit anderen Familienmitgliedern an diesem Herbsttag 2019 die steinernen Reste des sogenannten Zigeunerfamilienlagers im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. Viele ihrer Vorfahren, zuvor ansässig in Zetel, wurden hier ermordet. Ihre Urgroßmutter Margot Schwarz überlebte.

Eine Szene aus dem Film „Auf Spurensuche: Jever – Sachsenhausen – Auschwitz“ von Omid Mohadjeri und Michael Telkmann, der am Mittwoch, 22. Januar 2020, in der „Filmpalette“ in Jever, Bahnhofstraße 44, gezeigt wird (Einlass ab 19.30 Uhr, Filmbeginn 20.05 Uhr).

Der Film begibt sich auf die Spuren der Sinti-Familien Schwarz und Laubinger, von denen siebenundzwanzig Angehörige im März 1943 aus Zetel und Oldenburg zusammen mit 250 anderen Sinti über den Sammelpunkt Bremer Schlachthof nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden – nur wenige überlebten. Der 2019 entstandene Film wird in einer Premiere von den Kino-Freunden Friesland e.V. und dem GröschlerHaus Jever aus Anlass des bevorstehen 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz gezeigt. 

Initiator und verbindendes Element des Films ist Christel Schwarz, 71, der Vorsitzende des Freundeskreises der Sinti und Roma e.V. in Oldenburg. Sein Vater Friedrich Schwarz wurde 1938 in Jever verhaftet und war bis 1945 im KZ Sachsenhausen, seine Mutter Margot Franz durchlitt Auschwitz-Birkenau, Flossenbürg und Buchenwald. Ursprünglich geplant war eine große, gemeinsame Reise der Nachkommen an die Stationen der Verfolgung und des Mordes. Realisiert wurden schließlich zwei kürzere, mehrtägige Reisen: eine von Jever über die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg bis zur Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald – und eine nach Auschwitz-Birkenau.

Obwohl es ein vergleichbares Projekt, in dem Sinti ihre Geschichte selbst darstellen, noch nicht gegeben hat, hielten die großen deutschen Stiftungen ihre Taschen zu. Der Film konnte schließlich durch Unterstützung des Landkreises Friesland und der Städte Jever und Oldenburg sowie durch private Spenden doch noch realisiert werden. Das Filmteam arbeitete praktisch unbezahlt. „Das kleine Budget macht ja das Thema nicht unwichtiger“, sagt Filmemacher Michael Telkmann. „Die Zeitzeugen werden nicht jünger. Wir haben gesagt: Wir machen das trotzdem.“

„Es geht im Film viel mehr um die Gegenwart, als wir am Anfang gedacht haben. Es ist kaum jemandem bewusst“, so Telkmann, „wie sehr die Erfahrungen der NS-Zeit bis heute auch in der jungen Generation nachwirken. Jeder einzelne Gesprächspartner berichtet von massiven Diskriminierungen.“Auf dem Weg nach Oranienburg kündigte ein Campingplatzbesitzer plötzlich den gebuchten Stellplatz – er habe ja nicht gewusst, dass es sich um „Zigeuner“ handele. Konsterniert berichtet der Vater eines kleinen Jungen, wie sich beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau seine Gedanken an die ermordeten Verwandten mischten mit der Erinnerung an die Beleidigungen, die er selbst als Jugendlicher zu hören bekam. Und heute werde eben sein Sohn als „Zigeuner“ beschimpft.

 „Ich habe etwas über Schmerz gelernt, über Trauer und Wut“, sagt der Kameramann Omid Mohadjeri, 23. „Ich möchte mit dem Film ohne Umwege das Herz treffen. Damit die Zuschauer über das Gefühl verstehen, wie wichtig das Thema ist.“ Die beiden Filmemacher staunen immer noch darüber, mit welcher Offenheit die Angehörigen ihnen begegnet sind.

Man merkt dem Film die vertrauensvolle Atmosphäre an; dass Begegnungen und Gespräche auch weitergingen, als die Kameras ausgeschaltet waren. Die Aussagen der kleinen Reisegruppe erreichen tiefere Schichten des Verständnisses für die Auswirkungen des Völkermordes in der Gegenwart, als das  die meisten TV-Dokus hinbekommen.

„Ich möchte die zum Nachdenken bringen, die mit dem Thema sonst nichts zu tun haben“, sagt Christel Menni Schwarz. „Der Film soll eine Warnung sein, dass so etwas nie wieder passieren darf“. 

22. Januar 2020, 20.05 Uhr, Filmpalette Jever, Bahnhofstraße 44: Auf Spurensuche: Jever – Sachsenhausen – Auschwitz. Dokumentarfilm Omid Mohadjeri und Michael Telkmann, 40 Minuten. Mit Christel Menni Schwarz und vielen Familienangehörigen. Moderation: Christel Menni Schwarz und Hartmut Peters. Musikalischer Rahmen: Sinti Swing Oldenburg. Karten (10 Euro) an der Abendkasse

Bluesman Ralph de Jongh gastiert in Neuenburg

  • Sonntag, 5. Mai 2019
  • Galerie S. Wachter, Neuenburg, Am Urwald 2
  • Konzert und Ausstellung
  • Eintritt 18,.50 Euro, Schüler 13 Euro
Quelle: Galerie S. Wachter

Ralph de Jongh gilt manchen als die größte Entdeckung in der niederländischen Blues-Szene des beginnenden 21. Jahrhunderts. In seinen Konzerten nimmt der „Bluesman“ die Zuhörer mit auf eine Zeitreise vom Blues der Zwanziger des letzten Jahrhunderts der amerikanischen Südstaaten bis zur Musik der Sixties von Keith Richards und Mick Jagger. Wie in Trance gewährt de Jongh seinem Publikum während seiner Konzerte und Aufnahmen Zugang ins Labyrinth seiner Seele. Der Singer/Songwriter ist Preisträger des Dutch Blues Award 2011 und der Dutch Blues Challenge 2014.

Nach Neuenburg, wo er am kommenden Sonntag, 5. Mai 2019, um 19.30 Uhr in der Galerie Sonja Wachter auftreten wird, kommt Ralph de Jongh jedoch nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seinen Bildern, denn das Multitalent ist auch Maler expressiver, farbenfroher abstrakter Gemälde und Pastellzeichnungen, die oft einen Bezug zu seiner Musik haben. In der aktuellen Ausstellung bei S. Wachter (Am Urwald 2, Neuenburg) sind neben Werken de Jonghs auch neue Arbeiten von Sonja Wachter und Dagmar Hauswald zu sehen.

Anke Luckja neuer Vorstand bei Opportunity International

Vor 22 Jahren wurde Opportunity International Deutschland aus der Überzeugung heraus gegründet, durch den Ansatz der sozialen Mikrofinanz mit dem Ziel der „Hilfe zur Selbsthilfe“ Armut an der Wurzel nachhaltig zu bekämpfen. Die Stiftung hat ihren Sitz in Köln, in Jever wird ihre Arbeit durch den Freundeskreis Weser-Ems um die Unternehmer Dr. Karl Harms und Jochen Ewald sowie Pastor Rüdiger Möllenberg von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Jever aktiv unterstützt. Der Freundeskreis hat seit 2007 Spenden in Höhe von nahezu 800.000 Euro für die Arbeit von Opportunity, vor allem im westafrikanischen Ghana, eingeworben.
Mit dem heutigen 1. Februar gibt es eine personelle Veränderung in der Stiftung. Anke Luckja, die seit Jahren in engem Kontakt zum Freundeskreis in Jever steht und die aus dem Nordwesten finanzierten Projekte entwickelt und betreut hat, ist durch den Stiftungsrat zum Vorstand von Opportunity International Deutschland bestellt worden. Anke Luckja ist seit mehr als zwölf Jahren in verschiedenen Funktionen für OID tätig und leitete zuletzt die internationale Projektarbeit der Stiftung. Seit drei Jahren war sie zudem Mitglied der Geschäftsleitung. Sie ist Nachfolgerin von Mark Ankerstein, der zu einer anderen Entwicklungsorganisation wechselt. „Wir freuen uns sehr, mit Anke Luckja eine ausgewiesene Expertin für Entwicklungszusammenarbeit als neuen Vorstand gewonnen zu haben. Anke Luckja ist aufgrund ihrer internationalen Erfahrung und ihres jahrelangen Engagements für Opportunity der Garant für eine erfolgreiche Weiterführung unserer gemeinnützigen Stiftungsarbeit“, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrates, Dr. Andre Stoffels.
OID ist eine christlich motivierte Organisation, die seit 22 Jahren „Hilfe zur Selbsthilfe“ leistet. Mit dem Glauben an die Fähigkeit armer Menschen, sich selbst dauerhaft aus dem Kreis der Armut befreien zu können, bekämpft OID Armut im globalen Süden. In Kooperation mit erfahrenen Partnerorganisationen vor Ort werden Bildung und Unternehmertum als Investition in die Zukunft gefördert. Durch persönliche Betreuung, Vermittlung von fachlichem und unternehmerischem Wissen, den Zugang zu Schul- und Berufsausbildung sowie zu finanziellen Ressourcen wird armen Menschen die Chance gegeben, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten auf- und auszubauen. Dadurch werden diese Menschen und ihre Familien dauerhaft in die Lage versetzt, ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben zu führen – frei von Armut.

Opportunity International Deutschland

Kopenhagen für Kurzentschlossene

Oldenburgische Spuren in Dänemarks Hauptstadt

Rosenborg
Schloss Rosenborg. Copyright: Giuseppe Liverino / Visitcopenhagen

Die Arbeitsgemeinschaft Kulturtourismus der Oldenburgischen Land schaft bietet auch in diesem Jahr wieder eine Reise nach Kopenhagen an. Die Reise „Auf den Spuren der Oldenburger durch Kopenhagen“ findet vom 13. bis zum 17. September statt. Seit 1448 stellt das Haus Oldenburg die Regenten des Königreichs Dänemark. Außerdem wurde die Grafschaft Oldenburg zwischen 1667 und 1773 von dänischen Statthaltern verwaltet, weil die dänischen Könige damals auch Grafen von Oldenburg waren. Grund genug, sich von Oldenburg aus auf Spurensuche nach Kopenhagen zu begeben. Auf dem Programm stehen unter anderem die Kopenhagener Innenstadt, das Schloss Rosenborg mit den dänischen Kronjuwelen und dem Oldenburger Wunderhorn sowie Ausflüge zur Grablege der dänischen Könige im Dom von Roskilde und zu weiteren Zielen in der Umgebung Kopenhagens.

Kurzentschlossene können noch mitfahren. Informationen gibt es bei der Oldenburgischen Landschaft unter Tel. 0 44 1 – 77 91 816.

Festival für buntes und offenes Friesland

sinti
Sinti Swing aus Oldenburg.

Das Gröschler-Haus Jever veranstaltet am 1. September 2018 unter dem Motto „buntes Friesland offen“ eine mehrstündiges Open-Air-Festival bei der Gaststätte „Waldschlösschen“, Addernhausener Straße 51, am Upjeverschen Forst. Der Eintritt ist frei.

Live-Musik satt von sechs Bands-, Kulturbeiträge und Informationsangebote unterschiedlicher Art sollen ein Forum des gegenseitigen Austausches schaffen, bei dem die Freude über die  Musik und das kulinarische Angebot im Mittelpunkt stehen. Wie Oswald Andrae, der jeversche Schriftsteller, es formulierte: „Kaamt tosamen – Begegnungen und Gespräche sind die kürzesten Wege der Verständigung“.

Der 1. September, Tag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939,  ist der Weltfriedenstag. In einer Zeit, in der überall eine gefährliche Renationalisierung voranschreitet, setzt das Gröschler-Haus, das Zentrum für Zeitgeschichte, ein Zeichen für Frieden und Integration und gegen Rassismus. „Nationalismus ist der Versuch, vor der Zukunft in die Vergangenheit zu entfliehen“, sagte Manfred Rommel. Diese Vergangenheit ist bekannt.

Das GröschlerHaus arbeitet in der Planung mit dem Freundeskreis der Sinti und Roma Oldenburg, den Integrationslotsen von Jever und Schortens, dem Jugendhaus Jever, dem Jugendparlament Friesland, dem Grafiker Andreas Reiberg, der Musikerinitiative Schortens, einzelnen Schulen und dem Wirteehepaar Esther und Thomas Tjarks vom „Waldschlösschen“zusammen.

Musikalisch gesehen wird es so bunt wie die gesamte Veranstaltung. Es spielen (in dieser Reihenfolge):

– Sinti Swing Oldenburg mit Barono Schwarz

– jam Junkies

– Iko Andrae – Eckhard Harjes – Andreas Bahlmann

– Lost Lines (die Rock-AG des Mariengymnasiums)

– GreaseTime Blues Band

– Hellhead

Hannes word negenuntachentich – Feiern in Rahe und Berumerfehn

Autogrammkarte Hannes Flesner (2)Anlässlich des 89. Geburtstages des ostfriesischen „Schangsoniers“ Hannes Flesner finden gleich zwei Feiern statt. Am eigentlichen Geburtstag findet traditionell eine Zusammenkunft in der Gaststätte „Kukelorum“ in Aurich-Rahe statt. Die Feier in Berumerfehn ist am Folgetag.

Hannes Flesner, der am 8. Dezember 89 Jahre alt geworden wäre, starb 1984 im Alter von erst 55 Jahren. Er wurde bekannt mit Liedern wie „Bottermelk Tango“, „Nei hum, Rieka“ oder „Teewalzer“. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod gibt es noch immer eine treue Fangemeinde – auch bei jüngeren Ostfriesen.

Während es für die Feierstunde im „Kukelorum“ keine Karten mehr gibt, gibt es für die erstmals im „Kompaniehaus“ in Berumerfehn stattfindende Feier noch Plätze. Dort beginnt die Veranstaltung unter dem Motto „Hannes un Grönkohl“ am Sonnabend (9. Dezember) um 19.30 Uhr (Anmeldungen unter 04936-91360).

 

Muss man gesehen haben

Nathan_der_Weise_03Ein Theatererlebnis, das lange nachwirkt, beschert die Landesbühne Niedersachsen-Nord in dieser Saison mit Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“. Gestern Abend gastierte das Ensemble mit dem Klassiker in Jever und hinterließ beim Publikum am ausverkauften Dannhalm in jeder Hinsicht großen Eindruck: Eine großartige schauspielerische Gesamtleistung, aus der lediglich Johannes Simons als Nathan herauszuheben wäre, ein außergewöhnliches, durchdachtes Bühnenbild und ein Umgang mit Lessings „Dramatischem Gedicht in fünf Aufzügen“, der einen eigentlich sperrigen und antiquierten Text recht modern und jedenfalls verdaulich präsentiert. Das Thema selbst, der Wettstreit der großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam und die Frage, welche davon „wahr“ ist, könnte aktueller nicht sein.

Wer das Stück noch sehen möchte, hat an diesen Terminen noch die Gelegenheit:

Stadttheater Wilhelmshaven:
So, 03.12.2017 / 15.30 Uhr
Sa, 16.12.2017 / 20.00 Uhr
Fr, 02.02.2018 / 20.00 Uhr
Fr, 09.02.2018 / 20.00 Uhr

Im Spielgebiet:
Mi, 22.11.2017 / 19.30 Uhr / Aurich, Stadthalle
Mi, 29.11.2017 / 19.30 Uhr / Nordenham
Mo, 11.12.2017 / 19.30 Uhr / Leer, Theater an der Blinke
Do, 14.12.2017 / 20.00 Uhr / Wittmund, Aula Brandenburger Straße
Sa, 17.02.2018 / 19.00 Uhr / Papenburg, Forum alte Werft
Di, 06.03.2018 / 19.30 Uhr / Norderney, Kurtheater
Mo, 12.03.2018 / 20.00 Uhr / Vechta, Metropol-Theater
Di, 13.03.2018 / 11.30 Uhr / Vechta, Metropol-Theater

Friesland-Bücher

Buecher006Habe meinen Bücherschrank aufgeräumt. Vielleicht hat jemand Interesse an ein paar heimatkundlichen und literarischen Raritäten?

Carl Woebcken, Karl Fissen, Oswald Andrae, Wilhelmine Siefkes, Heinrich Wille, Wolfgang Heilscher, Arthur Eden-Sillenstede, Historien-Kalender seit den 1970er-Jahren und mehr.

Hier findet Ihr die Übersicht:
https://friesenblog.com/friesland-buecher/

Besucherrekord: Mehr als 30.000 Menschen beim Tag der Seenotretter an Nord- und Ostsee

Mehr als 30.000 Menschen haben sich heute, Sonntag, 30. Juli 2017, am Tag der Seenotretter über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) an Nord- und Ostsee informiert. Ihren Aktionstag hat die DGzRS in diesem Jahr zum 19. Mal veranstaltet, unter anderem auch in Wilhelmshaven, Horumersiel und auf Norderney.

2017-07-30 Tag der Seenotretter, Norderney (Foto NOUN)
Seenotrettungskreuzer „Bernhard Gruben“/Station Norderney mit Tochterboot „Johann Fidi“. Foto: DGzRS

Zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten besuchten dieses Mal mehr Freunde und Förderer der DGzRS „ihre“ Seenotretter als an allen vorherigen Tagen der Seenotretter seit der Premiere 1999. Die Besatzungen der rund 60 ihrer Seenotrettungskreuzer und -boote zeigten Rettungsübungen, luden zur Besichtigung an Bord ein und informierten über ihre vielfältige Arbeit.

Groß war das Interesse an den jüngsten Seenotrettungskreuzern: An den Liegeplätzen der im Dezember 2016 und Juni 2017 getauften „Berlin“/Station Laboe und „Anneliese Kramer“/Station Cuxhaven sammelten sich schon früh Besucher. Die meisten Gäste wiederum zählten die Stationen Fedderwardersiel (Niedersachsen), Maasholm, Laboe und Neustadt i. H. (Schleswig-Holstein), Timmendorf und Zingst (Mecklenburg-Vorpommern). Allein dorthin kamen jeweils 2.000 bis 3.000 Menschen. An einigen Orten erstreckte sich die Veranstaltung über zwei Tage.

Auf zahlreichen Stationen mussten die Seenotretter die Besichtigung ihrer Schiffe wegen Alarmierungen unterbrechen. Durchziehende Gewitterfronten und Starkwind brachten vor allem Wassersportler an diesem Wochenende in Schwierigkeiten. Die Besucher zeigten dafür viel Verständnis.

Für die Seenotretter, die den Tag mit der Unterstützung vieler freiwilliger Helfer ausrichten, hat der Tag eine große Bedeutung, um möglichst vielen Menschen ihre Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die DGzRS die ihr freiwillig anvertrauten Mittel verwendet. Denn die gesamte Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wird nach wir vor ausschließlich durch Spenden und freiwillige Beiträge finanziert.

Der Utah-Teapot: Weltberühmte Kanne kommt aus dem friesischen Varel

Der Utah-Teapot ist übrigens gerade Objekt des Monats im Teemuseum Norden. https://www.teemuseum.de/ausstellungen/objekt-des-monats/

TeapotIm Computer History Museum in Mountain View, Kalifornien (USA) steht im Spannungsfeld zwischen technischen Errungenschaften und grauen Röhrenmonitoren eine Teekanne, die in der Friesland Porzellanfabrik in Varel hergestellt wurde. Womit hat dieses alltägliche Objekt so viel Aufmerksamkeit verdient? Der Zufall will es, dass der damalige Doktorand Martin Newell an der University of Utah diese Teekanne im Jahr 1975 als eine der ersten dreidimensionalen Computeranimationen umsetzte. Seitdem hat sie auch über die Szene hinaus als „Utah Teapot“ Kultstatus erlangt. Zu sehen war sie in schon Animationsklassikern wie „Toy Story“ und den „Simpsons“. Manche kennen ihn auch noch aus dem Bildschirmschoner „3D-Pipes“ unter Windows 98, wo er gelegentlich auftauchte. In vielen Rendering-Programmen, wie sie von Designer/innen und Architekt/innen benutzt werden, ist die Teekanne als Prototyp einprogrammiert. An der University of Utah gibt es seit 2012 jährlich einen „Utah Teapot Rendering“-Wettbewerb.

Tatsächlich wird die Teekanne bereits seit 1954 in der Friesland Porzellanfabrik hergestellt und hat sich bis heute nicht verändert. Damals wurde der heutige Klassiker noch unter der Marke „Melitta“ verkauft, zu deren Konzern die Porzellanfabrik bis Anfang der 1980er Jahre gehörte. Bis vor Kurzem wusste niemand bei Friesland, dass die Kanne ein so bekanntes Objekt ist. Die Kanne hieß hier bisher nur „Haushaltsteekanne“. Auch Fans des Utah Teapots, die sich ein Original anschaffen wollten, konnten die Herstellerfirma nicht ausmachen.

Um die Kanne mit der besonderen Biografie gebührend zu feiern, spendet Friesland Porzellan einen „Utah Teapot“ an das Oldenburger Computer Museum. Dort wird sie direkt in die Ausstellung integriert. Die Rechner, mit denen in den 70er Jahren diese ersten Computeranimationen umgesetzt wurden, sind dort schon vorhanden.

Die Teekanne besteht aus glasiertem Porzellan und wird über das Gießverfahren mit hohem Handarbeitsanteil hergestellt. Erhältlich ist sie ab 18,90€ in Weiß, sowie in den Volumengrößen von 0,35 Litern, 0,8 Litern und 1,4 Litern. Das Original im Museum entspricht dem Volumen von 1,4 Litern.

Die Friesland Porzellanfabrik GmbH & Co. KG ist ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen mit rund 70 Mitarbeiter/innen im norddeutschen Varel, das sich seit über 60 Jahren auf die Herstellung von Porzellan- und Steingutgeschirr spezialisiert hat. Die Produkte werden unter einem Dach gefertigt, kontrolliert und versendet. Ein Großteil geschieht in Handarbeit. Die Firma wurde 1953 von Horst Bentz gegründet, um Gebrauchsgeschirr für die Marke „Melitta“ herzustellen. Seit 1982 wird der Name „Friesland“ auch für die Produkte benutzt. Zu den Klassikern zählen die Porzellan-Serie „Jeverland“ und das Ceracron-Service „Ammerland“, auch der Melitta- Porzellanfilter für den Handgebrühten Kaffeegenuss wird hier immer noch hergestellt. Die Produktpalette wird stets durch neue Dekore und Trendfarben ergänzt.