Schätze aus dem Kartenraum

Ausstellung über historische Lehrkarten in der Bibliothek des Mariengymnasiums

Wenn ein Schüler heute etwas über das soziale Leben der Braunbären wissen will, kann er sich bei Wikipedia schlau machen, bei Google Bilder anschauen oder auf Youtube Videos gucken. Und für einen Aufsatz darüber gibt es ja sowieso KI. Das war vor ein paar Jahrzehnten noch deutlich schwieriger. Vielleicht stand „Brehms Tierleben“ zu Hause im Bücherregal, vielleicht wurde zufällig eine Folge von Bernhard Grzimeks „Ein Platz für Tiere“ mit dem Thema Bären ausgestrahlt oder man hatte ein Abenteuerbuch von James Fenimore Cooper gelesen, in dem ein Trapper so ein Wildtier besiegt hatte. Ansonsten half nur das Biologie-Buch. Oder der Kartenraum der Schule.

Ursus arctos (Braunbär), Wandtafel / Pappe, um 1880; gezeichnet vom Lithographen und Tiermaler Friedrich Specht (1839 – 1909). Bild: Förderverein der Bibliothek des Mariengymnasiums

An diese alten Zeiten knüpft eine Veranstaltung des Fördervereins der Bibliothek des Mariengymnasium Jever an. Am Sonntag, 8. November, von 15 bis 18 Uhr und am darauffolgenden Sonntag, 15. November, zur gleichen Zeit präsentiert er in einer neuen Ausstellung einen seltenen Einblick in die Geschichte des Schulunterrichts. Gezeigt werden in den Räumen der Bibliothek historische Lehrkarten, die bis in das Jahr 1860 zurückreichen.

Raupe des Großen Kohlweißlings, Wandtafel / Leinwand, um 1900; gezeichnet vom Zoologen  Prof. Dr. Paul Pfurtscheller (1855 – 1927). Bild: Förderverein der Bibliothek des Mariengymnasiums

Den zeitlichen Schwerpunkt der bunten Auswahl von 30 Karten bildet die Epoche um 1900, doch sind auch spätere Karten mit dabei. Die Ausstellung umfasst vor allem Motive aus der Biologie, aber auch lange nicht mehr gezeigte regionale Landkarten. Bei den Exponaten handelt es sich meist um Rollkarten auf Leinwand, während die ältesten Stücke als stabile Papptafeln gefertigt sind.

Die Eröffnung findet Sonntag, 8. November 2026, um 15 Uhr in der Bibliothek des Mariengymnasiums, Terrasse 3, statt. Hans-Jürgen Klitsch, Christian Omonski, Werner Menke und Hartmut Peters berichten exemplarisch über die Künstler und Wissenschaftler hinter den Karten oder stellen ihre „Lieblingskarte“ vor.

Wissenschaft trifft Kunst und wird Didaktik

Die Lehrkarten bestechen durch ihre künstlerisch-detailreiche  Gestaltung, häufig handelt es sich um echte Farblithographien. Die Vorlagen für diesen aufwändigen Steindruck stammen von seinerzeit namhaften Wissenschaftlern  wie  dem Wiener Zoologen Paul Pfurtscheller (1855 – 1927) und wurden von Illustratoren wie dem bekannten niederländischen Vogellithographen John Gerrad Keulemans (1842 – 1912) umgesetzt. Um 1900 begegneten sich Wissenschaft, kunsthandwerkliche Ästhetik und Didaktik auf Augenhöhe.

Rettung und Erschließung durch den Förderverein

Lange schlummerten die Lehrmittel ausgesondert und unbeachtet in stillen Ecken des Schulgebäudes, ehe sie von den Aktiven des Fördervereins Bibliothek wiederentdeckt wurden. In zeitintensiver Kleinarbeit haben die Ehrenamtlichen rund 200 Karten gesichtet, fotographisch dokumentiert und archivarisch erschlossen. Jetzt sind  sie wieder für die Öffentlichkeit und die Schulgeschichte zugänglich.

Um auch diesen Bestand der Lehr- und Lerngeschichte des Mariengymnasiums für die Zukunft zu bewahren, ist die Restaurierung besonders beschädigter Exemplare geplant.

Vom Klassenzimmer zum nostalgischen Erinnerungsstück

Im Zeitalter digitaler Whiteboards und der Verfügbarkeit von allem im Internet spielen physisch erlebbare Karten keine Rolle mehr. Gerade deshalb entfalten sie ihre nostalgische Wirkung: Generationen von Schülerinnen und Schülern haben an ihnen gelernt, bevor sie aus dem Kartenraum, den es inzwischen gar nicht mehr gibt,  in den Ruhestand verabschiedet wurden. Die Ausstellung einer kollektiven Erinnerung schlägt eine Brücke von der analogen Lernkultur von damals zur Schule von heute.

Moderne Didaktik damals: Ausstellung historischer Lehrkarten des Mariengymnasiums Jever

Veranstalter: Förderverein Bibliothek des Mariengymnasiums e.V.

Bibliothek des Mariengymnasiums Jever, 26441 Jever, Terrasse 3

Sonntag, 8. November 2026, 15 – 18 Uhr, Eröffnung 15 Uhr

Sonntag, 15. November 2026, 15 – 18 Uhr

Eintritt frei

Jever: Gedenken an Auschwitz-Befreiung

Von der Synagoge in Jever, die in der Pogromnacht zerstört wurde, blieb ein Gedenkstein, eingemauert in ein kleines Denkmal auf dem jüdische Friedhof im Ortsteil Schenum. Foto: Helmut Burlager
Von der Synagoge in Jever, die in der Pogromnacht zerstört wurde, blieb ein Gedenkstein, eingemauert in ein kleines Denkmal auf dem jüdische Friedhof im Ortsteil Schenum. Foto: Helmut Burlager

Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Seit 1996 ist dieser Tag ein offizieller Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland (Holocaust-Gedenktag). In Jever sind zwei Veranstaltungen zur Erinnerung an den Jahrestag der Befreiung geplant.

Das Gröschler-Haus, die Bibliothek des Mariengymnasiums, die Kino-Freunde Friesland,  die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg und der Jeverländische Altertums- und Heimatverein laden dazu ein.
Am Dienstag, 27. Januar, um 19.30 Uhr wird Hartmut Peters in der Aula des Mariengymnasiums den bebilderten Vortrag „Die Ermordung der Juden aus Jever“ halten. Anschließend werden die Teilnehmer zum Gedenken am Mahnmal für die Ermordeten Juden in der Fräulein-Marien-Straße gehen.
Am Donnerstag, 29. Januar, wird in der „Film-Palette“ Jever um 19.30 Uhr der Spielfilm „Im Labyrinth des Schweigens“ gezeigt. Zur Einführung spricht Volker Landig über „Die deutsche Justiz und die Verfolgung von NS-Verbrechern“.

Tag 269 | Ehrung

Landrat Sven Ambrosy hat den pensionierten Oberstudienrat Hartmut Peters (rechts) am Donnerstagabend mit der Frieslandmedaille für seine Verdienste um die Erforschung der NS-Vergangenheit des Jeverlandes geehrt.  Foto: Helmut Burlager
Landrat Sven Ambrosy hat den pensionierten Oberstudienrat Hartmut Peters (rechts) am Donnerstagabend mit dem Frieslandtaler für seine Verdienste um die Erforschung der NS-Vergangenheit des Jeverlandes geehrt.
Foto: Helmut Burlager

Das hätte er sich vor 30 Jahren auch nicht träumen lassen, dass er, der damals mit seinen Forschungsarbeiten zur NS-Geschichte des Jeverlandes und zur Verfolgung der Juden in der Nazizeit die Kleinstadtgesellschaft von Jever aufmischte, eines Tages mit der höchsten Auszeichnung geehrt werden würde, die der Landkreis Friesland zu vergeben hat. Hartmut Peters, Oberstudienrat i.R., ist am Donnerstagabend der Frieslandtaler verliehen worden. Der Landkreis würdigt damit seine Verdienste um die Aufarbeitung eines düsteren Kapitels der Regionalgeschichte. An diesem Wochenende wird am Ort der früheren Synagoge in Jever das Gröschler-Haus eingeweiht, ein Dokumentationszentrum und außerschulischer Lernort mit einer Ausstellung, die sich weitgehend auf Peters‘ Forschungen und die Arbeit der Schülergruppe fußt, die sich in den Achtzigerjahren daran machte, die NS-Vergangenheit offenzulegen. Ein  Bericht über die Ehrung am Sonnabend im Jeverschen Wochenblatt. Das Porträt von Hartmut Peters, das aus Anlass seiner Verabschiedung vom Mariengymnasium entstand, ist hier nachzulesen.