Tag 196 | Praktikanten

Der Mindestlohn soll der „Generation Praktikum“ ein Ende bereiten? Als ob es allen, die Praktikanten einstellen, darum ginge, sie auszubeuten. Es ist doch in den meisten Betrieben völlig anders: Nicht die Unternehmen brauchen die Praktikanten, sondern die Praktikanten das Praktikum. Beinahe täglich meldet sich zurzeit jemand in der Redaktion, der schon letztes Jahr sein Abitur gemacht und danach eine ganze Weile herumgedaddelt hat und dem nun bei der Bewerbung für den Studiengang „Medienwirtschaft und Journalismus“ kurz vor Toresschluss siedend heiß einfällt, dass er gar nicht angenommen wird, wenn er nicht ein vierwöchiges Praktikum nachweisen kann. Geld? Gar kein Thema, dabei bezahlen wir die „Praktis“ ja durchaus. Wir haben nur leider auf Monate überhaupt keine Plätze mehr frei. Es tut einem in der Seele weh, dass man die Bewerber alle wieder wegschicken muss – ohne über das Thema Mindestlohn überhaupt nur nachgedacht zu haben.

Lokale Zeitungen: Mitgestalter der Demokratie

Jever– Aus Anlass des 220-jährigen Bestehens des Jeverschen Wochenblatts wird im Schlossmuseum Jever vom 30. April bis zum 8. Mai die Ausstellung „Über 60 Jahre Bundesrepublik. Lokale Zeitungen, Mitgestalter der Demokratie“ gezeigt. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verbandes Deutscher Lokalzeitungen (VDL), dem das Jeversche Wochenblatt angehört, und der Bundeszentrale für politische Bildung. Sie wurde Anfang 2010 in Berlin zum ersten Mal gezeigt und hat seitdem in etlichen deutschen Städten Station gemacht. Die Bedeutung der lokalen Tageszeitungen steht im Mittelpunkt einer Präsentation, die zahlreiche Beispiele vorstellt, wie Lokalzeitungen sich für das politische und gesellschaftliche Leben in der Bundesrepublik einsetzen. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Schlossmuseums im Steinsaal des Schlosses zu sehen.

Eine unerzählte Geschichte über Norbert Schatz, den Käptn der Gorch Fock

http://seefahrer.blog.de/2011/02/14/unerzaehlte-geschichte-norbert-schatz-10592588/

DJV solidarisch mit dänischen Journalisten

Berlin – Nach dem geplanten Terroranschlag auf die dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ hat sich der Deutsche Journalisten-Verband  solidarisch mit den dänischen Kollegen erklärt. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken erinnerte daran, dass die freie Meinungsäußerung ein Grundwert der Demokratie ist. Er rief die dänischen Journalisten und ihre Kollegen in anderen Ländern dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Berichten sie auch weiter frei. Jetzt erst recht!“

Die Pressefreiheit sei ohne die Freiheit der Karikaturisten nicht denkbar, sagte Konken. „Karikaturen gehören zu den wirksamsten Formen der Kritik in der Presse. Es ist nicht hinzunehmen, dass das Leben der Journalisten bedroht wird, weil ihre Zeitung Karikaturen veröffentlicht hat.“

Die Tageszeitung „Jyllands-Posten“ hatte 2005 zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed abgedruckt. Auf einen der Karikaturisten, Kurt Westergaard, war bereits vor zwölf Monaten in seinem Haus ein Mordanschlag verübt worden, dem Westergaard gerade noch entkommen konnte.

Quelle: Deutscher Journalisten-Verband, Pressemitteilung vom 30.12.2010

DJV unterstützt Appell von Tageszeitungen gegen Angriffe auf Wikileaks

Der Deutsche Journalisten-Verband unterstützt den Appell einiger Tageszeitungen gegen die Angriffe auf Wikileaks. „Es ist mit den Grundsätzen der Meinungsfreiheit nicht vereinbar, wenn Politik und Wirtschaft versuchen, Zensur auszuüben“, kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Dies wird im Fall Wikileaks in massiver Weise praktiziert.“ Es sei deshalb gut und notwendig, dass sich einige Zeitungen jetzt klar zu den gegen Wikileaks gerichteten Zensurversuchen positionierten.

Journalistinnen und Journalisten seien darauf angewiesen, insbesondere bei kritischen Themen Insiderinformationen zu bekommen, sagte der DJV-Vorsitzende. Wikileaks habe sich in Bezug auf die amerikanische Außenpolitik als wichtige Quelle erwiesen. Das Wikileaks-Material entbinde Journalisten nicht von ihrer Pflicht zur Recherche. „Die Leser und Zuschauer müssen sich darauf verlassen können, dass das Material authentisch ist.“ Deshalb ersetze Wikileaks keineswegs den Journalismus, sondern bereichere ihn. „Wer die Quelle unterdrückt, schadet dem Journalismus“, so DJV-Vorsitzender Konken.

Quelle: DJV-Pressemitteilung, 16.12.2010

Mit gutem Auge und wachem Geist

Rede anlässlich der Buchvorstellung “Wegen Reichtums geschlossen”, Bildband mit 450 Fotos des legendären Wochenblatt-Reporters Hugo Rase, herausgegeben von Ingo Hashagen und Klaus Andersen

Von Helmut Burlager

Ich möchte Ingo Hashagen und Klaus Andersen zu diesem Buch gratulieren, haben sie doch etwas geschafft, was weder das Verlagshaus, für das Hugo Rase so viele Jahre gearbeitet hat, noch seine Journalistenkollegen, noch das Schlossmuseum Jever in den 15 Jahren nach Hugos Tod geschafft haben: Aus dem typischerweise flüchtigen Werk eines Journalisten, in das schlimmstenfalls am nächsten Tag Fisch eingewickelt wird, etwas Bleibendes zu machen: ein Buch.

Das hätte Hugo Rase sich gewünscht. Wenn überhaupt eines in seinem langen Arbeitsleben offengeblieben ist, dann dies: ein Buch zu schreiben.

Hugo_Rase_303 Ich bin gebeten worden, ein paar Sätze über den Journalisten und meinen Kollegen Hugo Rase zu sagen, und wenn mir eines besonders am Herzen liegt, dann dies: Herauszustellen, dass Hugo eben nicht der „rasende Reporter“ war, zu dem er wegen der so naheliegenden Wortspielerei gerne gemacht wurde.

Er hatte viel um die Ohren, aber er war nicht hektisch. Er musste viele Termine wahrnehmen und eine Menge schreiben, aber er war dabei nicht oberflächlich. Im Gegenteil. Er feilte an seinen Sätzen herum, er diskutierte darüber mit seinen Kollegen, er war sorgfältig im Umgang mit der deutschen Sprache und auch mit dem, was zwischen den Zeilen zu lesen war. Er war – das wissen viele sicherlich nicht – ein Schöngeist. Belesen und klug.

Und schon habe ich den Bezug zu diesem schönen Buch, das Ingo Hashagen und Klaus Andersen gemacht haben. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mit zwei möglichen Missverständnissen aufzuräumen, die entstehen könnten, wenn jemand das Buch durchblättert und durchliest, der Hugo Rase nicht gekannt hat.

Erstens könnte der Eindruck entstehen, Hugo Rase sei in erster Linie ein Fotograf gewesen. Das war er auch. Ein guter sogar, mit einem Auge für den richtigen Bildausschnitt und den richtigen Moment, auf den Auslöser zu drücken – auch wenn es ihn zeitlebens geärgert hat, dass nicht er, sondern Franzl Tuhy es war, der im genau richtigen Moment abdrückte, als der Dachreiter der Stadtkirche beim traurigen Kirchenbrand herunterstürzte. Dafür hat er bei vielen anderen Gelegenheiten den Finger „am Abzug“ gehabt, wenn’s drauf ankam. Nur so konnte dieses Buch entstehen.

Aber er war eben nicht nur Fotograf, sondern auch ein guter Schreiber, der anschaulich schildern konnte, wie sich ein Ereignis zugetragen hat, warum es so war und wohin es führen könnte. Er wurde oftmals verkannt …

Das zweite Missverständnis, das entstehen könnte, ist Folgendes: Die teilweise pointierten Kommentare unter und neben den Fotos, die aus der Feder von Ingo Hashagen und teils auch von Klaus Andersen stammen, könnten dazu verleiten zu glauben, auch Hugo Rase hätte Texte dieser Art geschrieben. Das hat er nicht. Es wäre Hugo Rase eher nicht in den Sinn gekommen, zu kommentieren, wo er seine Aufgabe doch darin sah, zu beschreiben. Zu beschreiben, was war und was er gesehen und was er gehört hatte. Ein Foto vom Alten Markt mit dem Johann-Ahlers-Haus – Hugo hat sich sicher seinen Teil gedacht über das Bauwerk, das man dort in den Siebzigern hingestellt hat. Ich weiß nicht, ob er es eher schön fand oder eher hässlich. Aber geschrieben hätte er nur, dass es dort steht und nicht, dass es weg muss…

Apropos Ahlers-Haus. Das war nur eine von Hugos Wirkungsstätten, wo er sich Informationen holte. Anders als mancher Journalistenkollege heute ist Hugo kein Schreibtischtäter gewesen. An seinem Schreibtisch, der so groß war wie ein größerer Umzugskarton von Obi, gab es auch keinen Grund sich wohlzufühlen. Er brauchte ihn, um dort auf seiner Olympia herumzuhacken, was bei Hugos voluminösen Händen einigen Lärm verursachte, und er brauchte ihn, um seinen Aschenbecher für die unvermeidlichen Filterlosen abzustellen oder auch mal ein Whiskyglas. Wobei ich miterlebt habe, dass mal dies, mal jenes über Bord ging, weil der Tisch gar zu winzig war, und in einem Fall geriet schließlich der danebenstehende Papierkorb in Brand, was einigen Alarm auslöste.

Zu den anderen Wirkungsstätten gehörten – neben den Sportplätzen übrigens, Hugo war ja auch Sportreporter – vor allem die Gaststätten. Hier fanden erstens die meisten Termine statt, hier holte er sich zweitens seine Informationen ab, die er oftmals exklusiv besaß, weil er sie am Tresen als erster erfahren hatte. Stand er bei Hans Dardemann an der Theke, so holte dieser zuerst zwei Gläser hervor, um sie mit Jägermeister zu befüllen, und dann seine Terminkladde, aus der Hugo sich sorgfältig notierte, was dort an interessanten Terminen für ihn stand.

Hugo_Rase_289

Hugo Rase mit seinen Kollegen Helmut Burlager, Helmut “Theo” Bath und Wilfried “Ackermann” Zucht.

Soll ich am Ende noch verraten, dass Hugo mich, den 20-jährigen Jungredakteur, der da von Ostfriesland nach Jever kam und – wie er, der damals schon fast Siebzigjährige, anfangs glaubte – an seinem Stuhl sägte, dass er mich also zunächst nicht besonders mochte und mir nichts von seinen vielfach exzellenten Informationen verriet. Allenfalls eine Telefonnummer, denn das Telefonbuch von Jever hatte er im Kopf.

Umso besser haben wir uns später verstanden, als wir beide begriffen hatten, dass wir keine Konkurrenten sind, sondern Brüder im Geiste eines guten, seriösen Journalismus. Ich freue mich aufrichtig, dass Hugo nun endlich „sein“ Buch bekommen hat.

Das Buch “Wegen Reichtums geschlossen”, Herausgeber Ingo Hashagen und Klaus Andersen, Brune-Mettcker-Verlag Jever (ISBN 978-3-87542-074-6, 22,90 Euro) ist für 22,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Lesetipp: Reporterglück oder die Männer der Leicas – Erinnerungen von Hugo Rase