Von Geschäftemachern und Missionaren

In derselben Woche, in der dem Freundeskreis Weser-Ems von Opportunity International in Jever eine stattliche Spende von 5000 Euro für die Gründung von Mikrobanken in Ghana übergeben wurde, ist international eine heftige Debatte über das Thema Mikrofinanzierung entbrannt. Eine geniale Idee, die vor wenigen Jahren mit einem Nobelpreis für Muhammad Yunus ausgezeichnet worden ist, droht durch unseriöse Geschäftemacher ruiniert zu werden, die statt der Hilfe für bitterarme Menschen in den Entwicklungsländern nur den eigenen Profit im Sinn haben und Kredite herausgeben ohne Rücksicht auf Verluste.

Skrupellose Banker haben sich den guten Ruf, den Mikrokredite haben, zunutze gemacht, um miese Geschäfte zu machen. Es soll zu einer Selbstmordwelle unter Kreditnehmern in Indien gekommen sein, das hat auch diejenigen erschreckt, die – wie der Freundeskreis Weser-Ems – mit seriösen, geprüften Organisationen zusammenarbeiten.

Die Vorweihnachtszeit, die nach diesem Wochenende beginnt, ist auch die Zeit der Wohltätigkeit. Die Menschen öffnen ihre Herzen und ihre Portemonnaies, um die Not in der Welt und auch in unserem Land zu lindern.

Die Spender sollten aber genau hinschauen. Nicht jede Aktion, die vordergründig Gutes tut, hat Gutes im Sinn. Es häufen sich die Hinweise, dass hinter mehreren der Hilfswerke, die Geschenke für Kinder in ärmeren Ländern einsammeln und in Schuhkartons dorthin liefern, Organisationen mit handfesten Missionsinteressen von evangelikalen Christen stehen, denen es mindestens so sehr um die Verbreitung ihrer teils radikalen Glaubensüberzeugungen geht wie um humanitäre Hilfe. Wenn Spenden missbraucht werden, ist das schlimm. Genauso schlimm ist, wenn gutwillige Menschen – in diesem Fall sogar Schulkinder – für falsche Zwecke eingespannt werden.

Quelle: Jeversches Wochenblatt, Ausgabe vom 20. November 2010, Wochenrückblick „Freitag 19 Uhr 30“