Von der Straßenverkäuferin zur Hühnerzüchterin

Celina Yelpoe und Moses Lambon aus Ghana kommen nach Jever

Kreditbetreuer und  Klientin erzählen von ihren Erfahrungen mit Mikrokrediten.

Celina Yelpoe hat mit Mikrokrediten eine Hühnerfarm aufgebaut. Foto: OID
Celina Yelpoe hat mit Mikrokrediten eine Hühnerfarm aufgebaut. Foto: OID

Jever – „It is freezing cold here!“, schnatterten Celina und Moses, als sie vor einigen Tagen am Frankfurter Flughafen landeten. Gegen die Kälte sind die beiden mittlerweile aber mit dicken Winterjacken gewappnet. Celina Yelpoe und Moses Lambon aus Ghana sind zweieinhalb Wochen lang in Deutschland unterwegs und erzählen in etlichen Veranstaltung der Entwicklungshilfeorganisation Opportunity International von ihren ganz persönlichen Erfahrungen mit Mikrokrediten. Auf Einladung des Freundeskreises Weser-Ems von Opportunity kommen sie am Dienstag, 12. November, nach Jever. Ab 18.30 Uhr geben sie im Evangelischen Gemeindehaus, Am Kirchplatz 13, Einblicke in ihr Leben in Westafrika.

Moses Lambon. Wenn er einen Fluss überquert, um zu seinen Klienten zu gelangen, nimmt er sein Motorrad mit. Foto: OID
Moses Lambon. Wenn er einen Fluss überquert, um zu seinen Klienten zu gelangen, nimmt er sein Motorrad mit. Foto: OID

Können Sie sich jemand vorstellen, dass ein Bankmitarbeiter hierzulande mit einem Kanu einen Fluss überquert, um zu seinen Kunden zu gelangen? Für Moses Lambon ist das völlig normal. An Bord hat er meist sogar noch sein Motorrad, denn mit der Überquerung des Flusses ist es in der Regel nicht getan. So liegen zwischen dem Mitarbeiter von Opportunity International und seinen Klienten häufig sehr große Distanzen, die er dann noch mit dem Motorrad zurücklegt. Er nimmt dies aber gern auf sich. Denn er weiß, dass er mit seiner Arbeit einen entscheidenden Beitrag dazu leistet, die Frauen in Ghana zu befähigen, sich selbst aus der Spirale der Armut zu befreien – und das effektiv und langfristig.

Celina Yelpoe, die mit ihm nach Deutschland gekommen ist, bezeichnet er als besondere „Erfolgsstory“. Und das ist die dreifache Mutter in der Tat. Anfangs verkaufte sie ähnlich wie Tausende anderer Frauen in Ghana lediglich Kleinigkeiten, etwa Schokolade und Getränke, an der Straße. Damit konnte sie ihre Familie allerdings nur schwer über Wasser halten. Nachdem sie in Kontakt mit Partnerorganisation von Opportunity,  Sinapi Aba Trust, und somit auch mit Kreditbetreuer Moses gekommen war, nahm sie erstmals einen Mikrokredit auf.

Mit diesen umgerechnet 70 Euro, die Celina in den folgenden fünf Monaten von ihrem Einkommen an die Bank zurückzahlte, vergrößerte sie zunächst ihr Kleinunternehmen. Moses hielt stets Rücksprache mit ihr und schlug ihr schließlich vor, auf die Viehzucht umzusteigen, um noch mehr Einkommen zu generieren. Und das tat Celina dann auch. Mithilfe der Ratschläge eines Landwirtes baute sie sich eine Hühnerfarm auf, die mittlerweile bis zu 1000 Eier pro Tag abwirft. Ihr kleines Unternehmen läuft so gut, dass sie sechs Angestellte hat und damit nicht nur sich selbst und ihre Familie aus der Armut befreien konnte, sondern auch sechs weiteren Menschen aus Ghana eine berufliche Perspektive geben konnte.

Diese und zahlreiche weitere Geschichten verdeutlichten eines sehr klar: Die Herausforderungen an die Bevölkerungen in Ghana, um sich aus der Armut befreien zu können, sind enorm und vor allem vielschichtig. So lässt sich Moses Lambon durchaus als Kreditbetreuer und Sozialarbeiter in einer Person bezeichnen. Celina Yelpoe zeigt mit ihrer Geschichte, dass die Arbeit von Opportunity wirkt.

Der Freundeskreis Weser-Ems von Opportunity International hat in den sechs Jahren seit seiner Gründung mehr als 500.000 Euro an Spenden für die Mikrofinanzorganisation eingeworben, die auf Hilfe zur Selbsthilfe statt auf Almosen  setzt. Das Geld, einmal in den Kreislauf der Mikrokredite gebracht, wirkt wieder und wieder.

Zu dem Informationsabend sind alle Interessierten herzlich eingeladen.

www.oid.org

Minister Niebel lobt Bürger-Engagement

Gute Laune beim Ministerbesuch. Von links Stefan Knüppel, Vorstand von Opportunity International Deutschland, Entwicklungsminister Dirk Niebel und der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Werner Kammer, der die Begegnung vermittelt hatte. Foto (c): Helmut Burlager
Gute Laune beim Ministerbesuch. Von links Stefan Knüppel, Vorstand von Opportunity International Deutschland, Entwicklungsminister Dirk Niebel und der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Werner Kammer, der die Begegnung vermittelt hatte. Foto (c): Helmut Burlager

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, hat am Montagabend bei einem Treffen mit dem Freundeskreis Weser-Ems von Opportunity International in Wiesmoor das zivilgesellschaftliche Engagement dieses losen Zusammenschlusses von Förderern der Mikrofinanz-Arbeit gelobt.  Mikrokredite und die damit verbundenen Finanzdienstleistungen für die ärmsten Menschen in Entwicklungsländern seien ein wichtiger Baustein auch in der Arbeit des Bundesministeriums. Der Freundeskreis hat seit 2006 rund 470.000 Euro für Projekte in Ghana gesammelt. Hier geht es zum Bericht

Armut nachhaltig bekämpfen

„Die Möglichkeit zu sparen, Geld zu überweisen und Kredit aufzunehmen ist eine entscheidende Voraussetzung, um Armut nachhaltig zu bekämpfen.“ Das hat der Vorstandsvorsitzende der Sparkassenstiftung, Heinrich Haasis, auf einer Tagung anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Stiftung gesagt. Finanzdienstleistungen als Entwicklungsmotor

Mit Kleinkrediten heraus aus dem Elend

Gaeten Dery macht die Arbeit von Opportunity International anschaulich

Jever – „Leute, das wird kein Urlaub hier!“ Ein Bankberater, der ein Gespräch bei uns so anfangen würde, wäre seine Kunden und seinen Job ziemlich schnell los. „That’s no holiday here“, genau so beginnt Gaeten Dery in der Volksbank Jever sein Treffen mit einer Kreditnehmergruppe. Und so geht es auch weiter: Dem Kunden, der seine Rate nicht zahlen kann, weil sein Kind krank war, gibt er mit auf den Weg, dann werde es Zeit, dass er sich eine Police der nationalen Krankenversicherung besorgt. Dem anderen, der einen höheren Kredit möchte, veranschaulicht er drastisch, was passieren wird, wenn er sein Geschäft zu schnell aufbaut und den Überblick verliert. Gaeten Dery ist ein Mann der klaren Ansage, er redet eindringlich, er gestikuliert, er wirkt bestimmend, wie ein strenger Lehrer. Aber er lächelt und überhaupt, er kann auch anders: Der Frau, die Schwierigkeiten hat, ihr Kind unterzubringen, wenn sie arbeitet, verspricht er: Bis zum nächsten Mal hab ich eine Lösung.

Gaeten Dery mit Statisten bei der simulierten Versammlung einer Kreditnehmergruppe. Der Kreditberater redet Klartext. Wer einen Mikrokredit haben will, muss zwar keine Sicherheiten bieten, aber gewisse Ansprüche erfüllen. Der Berater gibt zugleich Lebenshilfe. Foto (c): Helmut Burlager

Um Geld geht es nur am Rande, das ist das Besondere an dieser Art des „Bankings“, die rund 40 Zuschauern im Immobilienzentrum vorgeführt wurde. Eingeladen hatte die Volksbank zu einer Veranstaltung mit der Mikrofinanzorganisation Opportunity International, die auf Spendenbasis mit einem System von Dienstleistungen (Kredite, Sparen, Versicherungen, Bildung) den Ärmsten der Armen in Afrika, Asien und Lateinamerika hilft. Opportunity hat den Besuch von Mitarbeitern aus Ghana genutzt, in einer Reihe von Vor-Ort-Terminen zu zeigen, wie diese ganzheitliche Arbeit praktisch läuft.

Einen Besseren als Gaeten Dery hätten sie dafür kaum finden können. Er hat die positiven Wirkungen der Sozialen Mikrofinanz am eigenen Leibe erfahren. In ärmsten Verhältnissen aufgewachsen, kaum dass die Eltern den Schulbesuch finanzieren konnten, wurde er früh Waise und musste sich selbst durchschlagen. Als Straßenkind von der Hand in den Mund lebend, brachte ihn eine Marktfrau mit Opportunity zusammen. Mit seinem ersten Kleinstkredit kaufte er Telefonkarten und verkaufte sie wieder. Ganz langsam baute er sich so eine Existenz auf, konnte sich Kleidung, ein Zimmer, eine Ausbildung leisten und schaffte es, als einziger Nichtakademiker die Banklaufbahn bei Opportunity einzuschlagen.

Für die Zuschauer beeindruckend wie auch ein wenig befremdlich, wie sehr Menschen wie Gaeten Dery ihren Beruf als Berufung sehen und wie stark die religiösen Motive für ihren Einsatz sind. Am Ende des Rollenspiels, das so harsch begonnen hatte, ein Gebet und ein „God bless you“ – „Gott segne dich!“ Und dann ein befreites Lachen.

„Business in Afrika“, sagt Kai Becker, der die Öffentlichkeitsarbeit von Opportunity
leitet, „ist was anderes als hier.“ (hbu)

Mehr über die Arbeit von Opportunity International erfahren: www.oid.org

Opportunity vor Ort in Jever

Gaeten Dery simuliert mit den Teilnehmern die Versammlung einer Kreditnehmergruppe in Ghana. Opportunity International ist in der Entwicklungshilfe durch Instrumente der Mikrofinanz engagiert.

Jever – Wenn sich in einem Dorf in Ghana die Kreditnehmerinnen von Opportunity International treffen, dann geht es fröhlich zu. Da wird denn auch schon mal gesungen, getanzt und gebetet, bevor der „Loan Officer“, der Kreditberater der Bank, zur Sache kommt. Wie das funktioniert mit den Kleinkrediten, die Opportunity International an arme Menschen in Entwicklungsländern vergibt, wie die Frauen gemeinsam geschult werden, ihre Geschäftsideen entwickeln und über kleinste Darlehen den Weg in die wirtschaftliche Selbstständigkeit finden, das soll an diesem Freitag die Veranstaltung „Opportunity vor Ort“ (18 Uhr, Immobilienzentrum der Volksbank Jever in der Mühlenstraße 31) veranschaulichen. Die Entwicklungshilfeorganisation mit Sitz in Köln und einem engagierten Freundeskreis Weser-Ems in Jever lädt dazu gemeinsam mit der Volksbank Jever alle Interessierten herzlich ein. Aus Ghana angereist ist Gaeten Dery, der in einer ganzen Reihe solcher Veranstaltungen nicht nur anschaulich über die Arbeit der Mikrofinanz-Organisation vor Ort berichtet, sondern in einer simulierten Versammlung von Kreditnehmerinnen auch zeigt, wie Beratung und Abwicklung des Mikrokreditgeschäfts ganz praktisch ablaufen. Zu den Mikrofinanz-Angeboten von Opportunity, die durch Spenden aus den Industrieländern finanziert werden, gehören neben Kleinkrediten auch Mikrosparen, Mikroversicherungen, Mikroschulen und andere Dienstleistungen, die Hilfe zur Selbsthilfe geben sollen.

Einmal Afrika und zurück – Volksbank Jever lädt zu „Opportunity vor Ort“ ein

Gaeten Dery aus Ghana zeigt am praktischen Beispiel, wie die Arbeit der Mikrofinanzorganisation funktioniert

Der „Loan Officer“ Gaeten Dery arbeitet in Accra, der Hauptstadt von Ghana, als Spargeld-Einsammler für die gemeinnützige Mikrofinanz-Organisation Opportunity International. Er nimmt das Geld entgegen, das Marktfrauen zurücklegen können. Opportunity verschafft armen Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu Finanzdienstleistungen wie Kleinkrediten, Sparkonten und Mikroversicherungen. Foto: OID

Jever – Einmal Afrika und zurück, ohne die Koffer packen zu müssen. Das ermöglicht eine öffentliche Veranstaltung der Volksbank Jever in Zusammenarbeit mit der Entwicklungshilfeorganisation Opportunity International Deutschland. „Microfinance live“ heißt es am Freitag, 5. Oktober, um 18 Uhr im Immobilien- und Finanzzentrum in der Mühlenstraße.

Die Arbeit von Opportunity International findet in Weser-Ems und speziell in Jever seit einigen Jahren besondere Unterstützung. Rund um die Unternehmer Jochen Ewald und Dr. Karl Harms sowie Pastor Rüdiger Möllenberg bildete sich ein Freundeskreis von Opportunity, der erfolgreich Spenden für die Unterstützung armer Menschen in Ghana durch Mikrokredite und andere Dienstleistungen der Mikrofinanz eingeworben hat – Sparmöglichkeiten, Versicherungen, Schulgründungen, Ausbildungshilfen und vieles mehr. Im Nordwesten wurden dafür bislang mehr als 400.000 Euro gespendet.

Das Veranstaltungsformat „Opportunity vor Ort“ bietet die außergewöhnliche Möglichkeit, kurzzeitig in die Welt der Sozialen Mikrofinanz einzutauchen. In einem interaktiven Prozess simulieren die Teilnehmer das Treffen einer Kreditnehmergruppe in Afrika und lernen dabei die Arbeit von Opportunity kennen.

So richtig spannend wird es dabei für vier Freiwillige, die in die Rolle von Kreditnehmern schlüpfen. Sie stehen dann stellvertretend für eine echte Kreditnehmer-Gruppe, die im Alltag füreinander sorgt und sich gegenseitig bei ihren individuellen Geschäftsideen unterstützt.

Nach einer kurzen Einführung mit Rollenverteilung geht das Meeting auch schon los. Dann wird die Gruppe hautnah erleben, welchen Herausforderungen sich beispielsweise die Straßenhändlerin Regina täglich stellen muss, und wie hilfreich ihr die kleine Genossenschaftsbank (Trustbank) bei alltäglichen Sorgen und Problemen zur Seite steht. So können die Gäste live erleben, wie Opportunity-Mikrofinanz das Leben der Klienten nachhaltig verändert.

Für die authentische Stimmung und den realistischen Ablauf sorgt Gaeten Dery, ein echter Loan-Officer (Kreditbetreuer) aus Ghana. Loan-Officer sind die Spezialisten der Entwicklungsorganisation vor Ort, sie sind Banker, Unternehmensberater, Sozialarbeiter und Seelsorger in einer Person. Sie vergeben die Kredite und schulen die Kreditnehmer intensiv zu allen Themen der Unternehmens- und Lebensführung. Gaeten Dery wird die Gruppe instruieren und das Meeting leiten.

Opportunity International Deutschland ist eine gemeinnützige Stiftung deutschen Rechts, Teil eines weltweiten Netzwerkes der führenden Organisationen im Bereich Mikrofinanzierung und derzeit in 20 Ländern weltweit tätig. Soziale Mikrofinanz ist mehr als nur reine Kreditvergabe. Es gehören Mikrokredite, Sparkonten, Versicherungen und Schulungen für die Ärmsten der Armen dazu, die aufgrund fehlender Sicherheiten keinen Zugang zu gewöhnlichen Krediten haben. Damit erhalten sie die Möglichkeit, sich eine eigene Existenz aufzubauen und ein Kleinstunternehmen zu gründen, sowie sich gegen Ernteschäden und andere Risiken abzusichern und Ersparnisse anzulegen. Um einen besonders nachhaltigen Effekt zu erzielen, werden die Kreditnehmer gleichzeitig sowohl in Unternehmensführung und Buchhaltung als auch in Themen der allgemeinen Lebensführung wie Gesundheit, Familienplanung oder Aids-Prävention geschult.

Mikrofinanz-Netzwerk verurteilt Verstaatlichung der Grameen-Bank

Willkürliche Übernahme steht gegen Eigentumsrechte der Kunden

Bonn – Die Mikrofinanzplattform Deutschland – das Netzwerk deutscher
Mikrofinanzspezialisten – verurteilt die willkürliche Übernahme der Grameen
Bank durch den Staat in Bangladesh.

Unterstützung aus der deutschen Mikrofinanz-Szene: Muhammad Yunus, dessen Lebenswerk sich der Staat aneignen will, mit dem Vorstand von Opportunity International, Stefan Knüppel. Foto: OID

Die Regierung von Bangladesh hat das bisherige Management der Grameen Bank abgesetzt und per Dekret verfügt, dass sie selbst über die Auswahl eines neuen Generaldirektors der Grameen Bank entscheiden kann. Damit setzt sich der Prozess der Verstaatlichung der „Bank der Armen“ fort. Die Eigentumsrechte der Kundinnen und Kunden, die  gemeinschaftlich 95 Prozent der Grameen Bank besitzen, werden damit in eklatanter Weise übergangen.

Im Mai 2011 war der Gründer und langjährige Generaldirektor der Grameen Bank, Muhammad Yunus, zum Rückzug gezwungen worden. Dies geschah fünf Jahre, nachdem Prof. Yunus und seine 1983 gegründete Bank gemeinsam den Friedensnobelpreis erhalten hatten. Die Regierung warf Prof. Yunus erst den Missbrauch von norwegischen Entwicklungshilfegeldern vor – unabhängige Untersuchungen in Norwegen und auch in Bangladesh haben dies widerlegt. Schließlich erklärte die Regierung, dass die Grameen Bank aufgrund einer 5%igen staatlichen Beteiligung als staatliche Institution zu bewerten sei und daher die staatliche Altersgrenze von 60 Jahren auch für den Generaldirektor Yunus anzuwenden sei: Muhammad Yunus war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt. Der Finanzminister, der dies verkündete und auch heute noch im Amt ist, ist sechs Jahre älter als Prof. Yunus. Die Mikrofinanzplattform Deutschland verurteilt das Vorgehen in Bangladesh. Die aktuelle Entwicklung gibt Anlass zu den schlimmsten Befürchtungen für die Zukunft der international hoch anerkannten Grameen Bank und ihrer mehr als acht Millionen Kundinnen und Kunden.

Bangladesch gehört zu den ärmsten Ländern der Erde und nimmt den 146. Platz von 182
Ländern beim Human Development Index ein. Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption : Bangladesch liegt auf Platz 134 von 178 im globalen Korruptionsindex von Transparency International.

Die Mikrofinanzplattform Deutschland setzt sich für die Stärkung des Mikrofinanzwesens und der Finanzsektorentwicklung in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern ein. Die Mitglieder der Mikrofinanzplattform Deutschland sind staatliche und nichtstaatliche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, Finanzinstitute und ihre Einrichtungen (z.B. Verbände und Bildungseinrichtungen), Unternehmen der Privatwirtschaft und ihre Einrichtungen und Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das Webportal www.mikrofinanzwiki.de, welches Wissen zum Thema Mikrofinanz bündelt, wird von vielen Akteuren der Mikrofinanzplattform Deutschland gefördert.

Die Mitglieder der Mikrofinanzplattform Deutschland sind: Die Absolute Portfolio Management GmbH (APM), die Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG), die AFOS-Stiftung, die Bank im Bistum Essen eG, der Bund Katholischer Unternehmer (BKU), der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. (DGRV), die Frankfurt School of Finance & Management gGmbH, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die KfW Entwicklungsbank, die Kölner Gesellschaft zur Förderung der Entwicklungsländerforschung e.V. (KGFE), die Invest in Visions GmbH, Oikocredit, Opportunity International Deutschland, die Pax-Bank, PlaNet Finance Deutschland e.V.  (sa:ve),  die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, die W. P. Schmitz-Stiftung und World Vision Deutschland e.V..

Nützt oder schadet Entwicklungshilfe?

Opportunity International erstmals beim Oldenburger Afrikatag vertreten

Oldenburg – Klein aber fein, so ließe sich der erste Auftritt des Freundeskreises Weser-Ems von Opportunity International beim Oldenbuger Afrikatag umschreiben. Zu der dritten Veranstaltung dieser Art in der Universätsstadt, getragen von 22 Oldenburger Insitutionen, die in irgendeiner Weise mit Afrika verbunden sind, hatten die Organisatoren erstmals auch Opportunity eingeladen.

Musik, Austausch, Information. Zum dritten Mal fand in Oldenburg ein Afrikatag statt. Erstmals war Opportunity International dabei vertreten. Foto (c): Helmut Burlager

Vor einem überschaubaren, aber sehr interessierten Teilnehmerkreis haben Schirmherr Dr. Karl Harms und Botschafter Helmut Burlager in einem der nachmittäglichen Workshops über Soziale Mikrofinanz im Allgemeinen und die Arbeit von OID im Besonderen vorgetragen und diskutiert. Sie berichteten in einem Klassenraum der Helene-Lange-Schule über die Entstehung des Freundeskreises Weser-Ems, die Projekte, die er in Ghana finanziert hat, über die Besuche vor Ort und über aktuelle Entwicklungen der Mikrofinanz.

Letztere boten auch den Ansatz für durchaus kritische Nachfragen und eine interessante Diskussion mit den Teilnehmern der Gesprächsrunde. Was unterscheidet „gute“ von „schlechter“ Mikrofinanz, wodurch hebt sich Opportunity von denjenigen ab, die Mikrokredite in Verruf gebracht haben? Die beiden Vortragenden stellten den sozialen, ganzheitlichen Ansatz und die Graswurzel-Arbeit von OID und der ghanaischen Partnerorganisation Sinapi Aba Trust heraus, sie betonten das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe anstelle von Almosen, das Prinzip der Nachhaltigkeit anstelle von Renditeerwartung und Gewinnmaximierung.

In Oldenburg war die Arbeit von Opportunity International vor wenigen Jahren bereits durch die erfolgreiche Weihnachtsaktion der Nordwest-Zeitung bekanntgeworden, die mehr als 100.000 Euro an Spenden für die Arbeit von OID einbrachte.

Ob Entwicklungshilfe überhaupt notwendig ist, darüber gab es allerdings auf dem 3. Oldenburger Afrikatag heftige Kontroversen. Während etliche der beteiligten Veranstaltergruppen mit unterschiedlichsten Projekten versuchen, Entwicklung in Afrika zu fördern, gab es in Podiumsdiskussionen Ansätze, solche Bemühungen als Einmischung in die ureigensten Angelegenheiten des Kontinents anzusehen. Ein entschiedener Gegner von Entwicklungshilfe ist der Oldenburger Professor Nico Paech, Beiratsmitglied von „attac“, ein Verfechter der sogenannten Postwachstumsökonomie, die davon ausgeht, dass statt Wirtschaftswachstum weltweit und besonders in den Industrieländern eine Wachstumsrücknahme notwendig ist. Er nannte es in einer Podiumsdiskussion anmaßend, wenn Europäer den Afrikanern sagten, was „Entwicklung“ für sie sein solle, und dass sie ihnen ihre Vorstellungen von Wohlstand und Glück aufdrängten.

Dem hielt Wolfgang Blum von der Norddeutschen Mission entgegen, Unterstützung für die afrikanischen Länder sei sehr wohl wichtig und sinnvoll, wenn sie auf der Ebene einzelner lokaler Projekte ansetze, die auf die Bedürfnisse der Bevölkerung träfen, und wenn diese von Partnern vor Ort entwickelt und umgesetzt würden. Dass staatliche, monetäre Entwicklungshilfe eher schade als nütze, dass sie Korruption und den Abfluss von Devisen aus Afrika begünstige, darin waren sich die Diskutanten überwiegend einig.

Bericht auf www.oid.org

Marienbank kann an den Start gehen

Entwicklungshilfe: Jetzt ist schon die vierte Mikrobank in Gründung

Von Helmut Burlager

Kreditnehmerinnen in Wa im Norden Ghanas. Sie produzieren Erdnüsse für den Straßenverkauf.

Jever – „Gründe eine Bank mit Herz“, appellierte vor einem Jahr die Entwicklungshilfeorganisation Opportunity International Deutschland, die vom Freundeskreis Weser-Ems starke Unterstützung erfährt. In Jever nahm man den Aufruf sehr wörtlich: Drei Mikrobanken mit einem Startkapital von je 5000 Euro sind schon gegründet, für eine vierte werden schon Spenden gesammelt. An den Start gehen kann jetzt auch die „St.-Marienbank“, deren finanzieller Grundstock vor einem halben Jahr aus Anlass des 475. Stadtjubiläums von Jever gelegt wurde.

Opportunity International leistet weltweit Entwicklungshilfe durch Mikrofinanz-Angebote wie Kleinkredite, Mikrosparen, Mikroversicherungen oder kleine Privatschulen. Der Freundeskreis Weser-Ems unterstützt seit Jahren vor allem Projekte in der Voltaregion im westafrikanischen Ghana, mittlerweile wurden mehr als 400.000 Euro dafür gesammelt. Das Geld fließt im Empfängerland in einem Kreislauf von Ausleihungen und Rückzahlungen, Einzahlungen und Wiederausleihungen. Davon profitieren zahlreiche Familien, die sonst von keiner Bank Geld bekommen würden, und die mit den Darlehen kleine wirtschaftliche Existenzen gründen können. Von dem Erfolg der Arbeit haben sich die Mitglieder des Freundeskreises in Jever bei mehreren Besuchen in Ghana überzeugen können.

„Bank mit Herz“ ist ein neues Instrument, Spenden für diesen guten Zweck zu sammeln. Für jeweils 5000 Euro kann eine neue kleine Genossenschaftsbank ins Leben gerufen werden, die Spender erhalten dann für eine gewisse Zeit Berichte über die Entwicklung genau dieser Mikrobank. Aus Anlass der Grundsteinlegung für das St.-Annen-Quartier hatte Investor Dr. Karl Harms zusammen mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde Jever die erste „Bank mit Herz“ ins Leben gerufen, sie trägt den Namen „St.-Annen-Bank“.

Auf einem gemeinsamen Gemeindefest der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde wurde dann im Sommer als Geschenk der Kirchen zum Stadtjubiläum die St.-Marien-Bank in Erinnerung nicht nur an die Mutter Jesu, sondern auch an das Fräulein Maria von Jever gestartet. Am Silvestertag wurde mit einer Kollekte im letzten evangelischen Gottesdienst des Jahres auch dieser 5000-Euro-Topf voll und wird nun in Ghana zu einer weiteren Bankgründung führen. Doch ebenfalls ausgelöst durch das erwähnte Gemeindefest hatte bereits der Jeveraner Benno Lockmann, der der katholischen Kirchengemeinde St. Benedikt angehört, 5000 Euro für eine weitere Mikrobank gespendet. Die trägt den Namen seiner Ehefrau und heißt „Elisabethbank“.

Inzwischen hat eine Kirchenälteste der lutherischen Gemeinde mit einer Spende den Startschuss für eine vierte „Bank mit Herz“ gegeben, die noch keinen Namen trägt, an der sich aber jeder Interessierte mit Zuspenden beteiligen kann. Die Kontonummer lautet 118 003 9009 bei der Volksbank Jever, Bankleitzahl 28262254, Stichwort „Bank mit Herz“.

Neben diesen Mikrobank-Projekten befasst sich der Freundeskreis Weser-Ems zurzeit mit landwirtschaftlichen Projekten in Ghana und mit der Gründung von Mikroschulen. Opportunity International Deutschland hat außerdem gerade ein neues großes Mikrofinanz-Projekt in Indien gestartet.

Lesen Sie auch: St. Annenbank, eine Bank mit Herz

Zur Seite von Opportunity Inernational:  www.oid.org