Tag 130 | Junge Welt

Zum 1. Mai hat mir jemand eine Zeitung in die Hand gedrückt, die ich schon lange nicht mehr wahrgenommen habe. Frisch kommt sie daher, modernes Layout in Rot und in Schwarz, als Tageszeitung wurde sie im Jahr 1947 gegründet, als jedermann noch wusste, welcher Klasse er sich zugehörig zu fühlen hat. Die Welt hat sich seitdem verändert, der Klassenkampf anscheinend nicht. „Moskau und Brüssel werben um Kuba“ lese ich auf Seite 1, und „Britische Transportarbeitergewerkschaft kämpft gegen Sparpläne und Stellenabbau“. „Rußland zieht Truppen ab“, heißt es auf Seite 2, auf Seite 3 wird berichtet, dass in Venezuela regierungsnahe Gewerkschafter zur Großdemonstration am 1. Mai aufrufen, die Stadt werde „ganz im Zeichen des Feiertags der Arbeiterklasse stehen“. „Klassenbewusstsein ist Voraussetzung für Erfolg, wird Nicolás Maduro zitiert, der das „Erbe von Hugo Chávez“ verteidigt. Die Erfolgsgeschichte von Griechenland sei „eine Propagandalüge“, heißt es auf Seite 5. Die US-Regierung bereite eine „“Wirtschaftskrieg“ gegen Russland vor. Und auf der letzten Seite ruft die antifaschistische Linke Berlin zu einer „revolutionären 1.-Mai-Demonstration in der Hauptstadt“ auf. Nun ja, genug gelesen. Einer kommt immerhin gut weg in der „Jungen Welt“. Das ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der Putin umarmt und geherzt  hat. Das finden die Linken gut: „Kaum drückt Schröder Putin, beendet die russische Armee ihr Militärmanöver an der ukrainischen Grenze.“

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