Starke Frauen braucht das Land

Afrika:  Im Wirtschaftsleben des Kontinents dominiert vielfach das „schwache“ Geschlecht“. Mikrofinanzierer berücksichtigen dies: Die meisten Kleinkredite werden an weibliche Klienten vergeben.

Von Brigitte Meiners

Die Straßenverkäuferin in Kumasi, der Millionenstadt mitten in Ghana, lacht. Sie freut sich, dass sie ihr Gebäck an den Mann gebracht hat. Das Geld verschwindet in den Weiten ihres Rockes, geschickt setzt sie ihr „Geschäft“, eine mit Glas versehene Holzvitrine, auf den Kopf und setzt anmutig ihren Weg fort, Ausschau haltend nach dem nächsten Kunden.

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Im Wirtschaftsleben vieler afrikanischer Länder dominieren die Frauen. Sie sind es, die auf den Märkten zu finden sind, sie treiben Handel mit den unterschiedlichsten Produkten. Während in der Politik die Frauen wenig zu sagen haben, verweisen sie die Männer im wirtschaftlichen Leben auf die Plätze. Wen wundert es da, dass Opportunity International, eine gemeinnützige Entwicklungshilfeorganisation, die mit der Vergabe von Mikrokrediten versucht, die Menschen in Entwicklungsländern aus der Armut zu führen, die meisten Kleinkredite an Frauen vergibt. Denn dadurch, das weiß der ghanaische Opportunity-Partner, Sinapi Aba Trust, aus Erfahrung, profitieren die Familien am unmittelbarsten.
Die Frauen sind es, die das Familieneinkommen verwalten, etwa sechs Familienmitglieder werden davon versorgt. Und auch wenn die meisten Kleinstunternehmerinnen mit ihren Familien von der Hand in den Mund leben, so tragen doch viele ihre mageren Ersparnisse auf die Bank. Die meisten der über 90000 Klienten, die in Ghana von Sinapi Aba Trust mit einem Mikrokredit versorgt werden, haben auch ein Sparbuch. Dies ist zwar ein Verlustgeschäft, frisst doch die Inflationsrate die Sparzinsen auf, doch immerhin ist das Geld auf dem Sparbuch sicher. Denn solange Geld im Haus ist, würden die Frauen nach ghanaischer Tradition es auch für weiter entfernte Verwandte hergeben.
Nicht selten setzen die Frauen auf verschiedene Einkommensquellen, da sind sie erfinderisch. Denn Erfolg zu haben, das verschafft ihnen Respekt. Die „Queenmothers“, die in den Dörfern das Sagen haben, sind der Beweis dafür. Das hat in Ghana eine lange Tradition, schon immer setzten die Frauen auf Selbstständigkeit. Gut bezahlte Arbeitsplätze in der Stadt, vielleicht sogar in einer gehobenen Position, sind für Frauen aber eher selten. Häufig nämlich ermöglichen die kinderreichen Familien, die sich weder das Schulgeld für weiterführende Schulen noch gar eine Universitätsausbildung leisten können, eher den Jungen der Familie eine Ausbildung. Kein Wunder, dass mehr als ein Drittel der Frauen nicht lesen und schreiben können, bei den Männern liegt die Rate dagegen bei unter 20 Prozent.
Bei der Rundreise durch Ghana, die der Opportunity-Freundeskreis Weser-Ems Mitte März unternommen hat, bestand die Gelegenheit, mit etlichen Frauen zu sprechen. Hier sind ihre Geschichten.