Engagement und Intensität der Landesbühnen gewürdigt

Wanderbühnen erhielten den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ / “Stella” für Regiepreis nominiert

Wilhelmshaven/Essen – Die Landesbühne Niedersachsen-Nord ist in Essen zusammen mit 23 anderen deutschen Landesbühnen mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet worden. Gestern wurde die dreistündige Gala zur Preisverleihung, die im Aalto-Theater über die Bühne ging, im Fernsehen auf 3Sat ausgestrahlt.

Video von der Preisverleihung, Landesbühne ab Min. 106

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Fast preisgekrönt: die “Stella”-Inszenierung von Jan Steinbach.
Foto: Landesbühne Nord

„Der Faust“ ist ein nationaler, undotierter Theaterpreis, der die Leistungskraft und künstlerische Ausstrahlung der Theater würdigt. Er wird vom Deutschen Bühnenverein gemeinsam mit den Bundesländern, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergeben. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeit wegweisend für das deutsche Theater ist. Der Preis wird in acht Kategorien verliehen. Zudem gibt es den Preis für das Lebenswerk und den Preis des Präsidenten. Letzterer wurde in diesem Jahr den 24 Landesbühnen in der Bundesrepublik zuerkannt, darunter die Wilhelmshavener Landesbühne.

In seiner Laudatio würdigte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Prof. Klaus Zehelein, „das Vermögen, die Kraft, das Engagement und die Intensität“ der 24 über die Lande ziehenden Wanderbühnen in ganz Deutschland, die an 900 Spielorten jährlich 3,2 Millionen Zuschauer erreichten. Zehelein, der in den siebziger Jahren Chefdramaturg am Staatstheater in Oldenburg war, erinnerte an das Entstehen der Landesbühnen nach den Katastrophen der beiden Weltkriege und deren Auftrag es war, ein demokratisch inspiriertes Angebot von Kunst für möglichst alle Bürger im Land zu sichern und damit dem Ungeist zu begegnen, der zuvor Kultur verfolgt, missbraucht und korrumpiert habe.

In einem Filmbeitrag über die Arbeit der Landesbühnen wurde auch die Aktion der Landesbühne Niedersachsen-Nord hervorgehoben, die in der vergangenen Spielzeit die Zuschauer vor jeder Aufführung aufgefordert hatte, gemeinsam den Satz „Lang lebe die Landesbühne“ zu deklamieren, um damit Druck gegen die Sparpläne des Kulturministers zu machen.

Für die Landesbühne in Wilhelmshaven nahm der Pressesprecher Torben Schumacher zusammen mit Vertretern anderer Bühnen den Preis entgegen, mit dabei waren Regisseur Jan Steinbach, der mit seiner Inszenierung von „Stella“ für den Regiepreis nominiert worden war, aber leer ausging, sowie Intendant Gerhard Hess, Aufsichtsratsvorsitzender Walter Theuerkauf und die Schauspieler Aom Flury, Kathrin Ost, Peter Lindhorst und Lenja Busch in Essen dabei. Nach kurzer Enttäuschung über den „zweiten“ Platz für Steinbach überwog dann doch die Freude, wie Schumacher gestern schilderte, „denn wir sind schon stolz über die Nominierung, eine der drei besten Inszenierungen 2010 zu haben. Somit war auch auf der Feier nach der Verleihung keine Enttäuschung zu spüren, schließlich konnten wir nach der Nominierung bereits im Schauspielhaus Hamburg spielen und sind unter den Theaterleuten im Gespräch.“

Quelle: Jeversches Wochenblatt / Friesisches Tageblatt