Iko Andrae über das Jubiläumsjahr 100 Jahre Oswald Andrae und die Abschlussveranstaltung am 8. November
Von Helmut Burlager
Jever – 100 Jahre Oswald Andrae – mit einer Veranstaltung am Sonntag, 8. November, um 19 Uhr im Graf-Anton-Günther-Saal geht das Jubiläumsjahr zu Ende. Die Besucher erwartet ein Kaleidoskop aus Bildern, Erzählungen, O-Tönen, Songs und Beiträgen der mitwirkenden Gäste. Wer war Oswald Andrae? Wer es bisher nicht wusste, kann es an diesem Abend erfahren und erleben. Und wer den Schriftsteller und Lyriker kannte, ist herzlich eingeladen, zu diesem Abschlussabend mit seinen Erinnerungen beizutragen.

Dabei ist es nicht so, dass an Oswald Andrae, der 1926 in Jever geboren wurde und bis zu seinem Tod 1997 hier lebte, nicht schon erinnert würde. Eine Straße in einem Neubaugebiet ist ebenso nach ihm benannt wie ein Raum im Mariengymnasium. Und der vielleicht markanteste Grabstein auf dem Friedhof steht auf seinem Grab: ein aufrecht stehender Bleistift aus Stein. Zum 100. Geburtstag, am 25. Juni, gab es einen Oswald-Andrae-Abend im Lokschuppen. „Riet dien Muul up“ war das Konzert überschrieben, das Andraes Sohn mit seiner Band gab. Fragen an Iko Andrae:
Wenn man bedenkt, dass Oswald Andrae einer der bedeutendsten Literaten war, die Jever hervorgebracht hat, ist es in seiner Heimatstadt rund um das Jubiläum recht ruhig geblieben, auch von Seiten der Stadt selbst. Oder täuscht der Eindruck?
Ich kann das so nicht sagen. Wir hatten mit dem Jubiläumsprogramm bis jetzt sieben Auftritte im ganzen Nordwesten. In Jever war es vielleicht nicht ganz so voll. Die beste Resonanz hatten wir tatsächlich in Oldenburg, wo mein Vater mit seinen Verbindungen zur Uni und zum Theater sicher einen besonderen Namen hatte. Aber die Veranstaltung in Jever war sehr intim und intensiv, wir waren damit sehr zufrieden. Zum Abschlussabend am 8. November hat sich auch der Bürgermeister angesagt.
Sie haben sich seit Jahren als Liedermacher mit eigenem plattdeutschen Repertoire einen Namen gemacht. Wie ist es dann, vor allem Lieder und Texte des eigenen bekannten Vaters vorzutragen?
Es war jedenfalls sehr intensiv. Ich habe das vor fünfzehn, zwanzig Jahren schon einmal gemacht. Ich hatte damals noch nicht so viele eigene plattdeutsche Texte, und irgendwann fragte meine Mutter mich, ob ich nicht weitere Gedichte von Oswald vertonen könnte. Zu einigen hatte er ja selbst schon die Musik geschrieben. Ich habe dann damit angefangen und bin auf diese Weise auch meinem Vater wieder näher gekommen, der ja leider früh gestorben ist.
Wieder nähergekommen? Vater-Sohn-Verhältnisse sind nicht immer einfach, oder?
Mein Vater war ja in mancher Hinsicht in seinem Denken recht radikal. Ein in seiner frühen Jugend überzeugter Nationalsozialist, der später daran verzweifelte, wie er politisch verführt und missbraucht worden war. Und der eine ziemlich deutlich linke Sicht auf die Dinge entwickelte. Als Jugendlicher war ich mit vielem von dem, was er sagte und schrieb, nicht einverstanden und bin es bis heute nicht in jedem Fall. Aber das hat nichts mit den Inhalten zu tun, sondern eher mit seiner manchmal schulmeisterlichen Art. In mancher Hinsicht war er aber auch politisch etwas naiv. Vielleicht hätte er selbst heute einen anderen Blick auf die Dinge.
Heute sehen Sie ihn anders?

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich noch einmal besonders intensiv mit seinem Nachlass beschäftigt. Mit seiner Lyrik und den vielen Aktenordnern aus seinem Arbeitszimmer. Es liegt ja alles im Landesarchiv in Oldenburg, völlig ungeordnet, so wie es zu Hause in seinem Arbeitszimmer auch herumstand. Ich habe viel gelesen und manches gefunden, von dem ich nichts wusste. Zurzeit lese ich sein Buch „Strand der verlassenen Häuser“, mit dem ich früher nichts anfangen konnte und es gerade neu entdecke. Ich lerne ihn noch einmal anders kennen, als ich ihn damals als Vater erlebt habe. Er zeigte seinen drei Kindern gegenüber seine Gefühle nicht so sehr. Die vielen Bögen, die ich über die Jahre um ihn herum gemacht habe, die habe ich beim Lesen wiedergefunden, aber auch verstanden, wie sehr ihn die Trauer über das, was in seiner Kindheit und mit seinen jüdischen Nachbarn und Spielkameraden passiert ist, geprägt hat.
Was erwarten Sie von dem Abschlussabend am 8. November?
Es wird kein klassisches Konzert, sondern ein Abend, an dem so unterhaltsam wie möglich an Oswald erinnert wird. Hartmut Peters wird über das Skandalgedicht „De Fahn“ erzählen, Volker Landig als ehemaliger Nachbar und Pastor. Wolfgang Steinborn, Walter Russ und Bahli Bahlmann werden kurze Texte lesen und ich natürlich ein paar Songs zu jedem Abschnitt vortragen. Es geht um seine Lebensthemen, „Laway“ und die Küste, Kindheit und Jugend, den Blick zurück in die NS-Zeit, um literarische Vorbilder und Weggefährten, um Krankheit und den Blick nach innen, um das „Leed för den Häftling #562“, Carl von Ossietzky. Und die Frage: Was bedeutet das Werk von Oswald Andrae, seine Streitkultur, der Umgang mit der niederdeutschen Sprache und er als Mitmensch und Mitstreiter für uns heute? Ich freue mich jedenfalls sehr auf den Abend.
Dieses Interview erschien zuerst im Jeverschen Wochenblatt und der Wilhelmshavener Zeitung





Ein Theatererlebnis, das lange nachwirkt, beschert die Landesbühne Niedersachsen-Nord in dieser Saison mit Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“. Gestern Abend gastierte das Ensemble mit dem Klassiker in Jever und hinterließ beim Publikum am ausverkauften Dannhalm in jeder Hinsicht großen Eindruck: Eine großartige schauspielerische Gesamtleistung, aus der lediglich Johannes Simons als Nathan herauszuheben wäre, ein außergewöhnliches, durchdachtes Bühnenbild und ein Umgang mit Lessings „Dramatischem Gedicht in fünf Aufzügen“, der einen eigentlich sperrigen und antiquierten Text recht modern und jedenfalls verdaulich präsentiert. Das Thema selbst, der Wettstreit der großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam und die Frage, welche davon „wahr“ ist, könnte aktueller nicht sein.
Im Computer History Museum in Mountain View, Kalifornien (USA) steht im Spannungsfeld zwischen technischen Errungenschaften und grauen Röhrenmonitoren eine Teekanne, die in der Friesland Porzellanfabrik in Varel hergestellt wurde. Womit hat dieses alltägliche Objekt so viel Aufmerksamkeit verdient? Der Zufall will es, dass der damalige Doktorand Martin Newell an der University of Utah diese Teekanne im Jahr 1975 als eine der ersten dreidimensionalen Computeranimationen umsetzte. Seitdem hat sie auch über die Szene hinaus als „Utah Teapot“ Kultstatus erlangt. Zu sehen war sie in schon Animationsklassikern wie „Toy Story“ und den „Simpsons“. Manche kennen ihn auch noch aus dem Bildschirmschoner „3D-Pipes“ unter Windows 98, wo er gelegentlich auftauchte. In vielen Rendering-Programmen, wie sie von Designer/innen und Architekt/innen benutzt werden, ist die Teekanne als Prototyp einprogrammiert. An der University of Utah gibt es seit 2012 jährlich einen „Utah Teapot Rendering“-Wettbewerb.

2017 ist nicht nur das Lutherjahr. Im Mai jährt sich auch der Todestag von Jörg Immendorff zum zehnten Mal. Die Stiftung Burg Kniphausen nimmt dies zum Anlass, mit einer Ausstellung an den großen deutschen Künstler zu erinnern. Unter dem Titel „Jörg Immendorff – Alles was Ihr von mir bekommt – Graphische Werke“ werden vom 26. Februar bis zum 23. April 2017 neben Graphiken auch Skulpturen gezeigt. Die Eröffnung ist am Sonntag, 26. Februar, um 17 Uhr.