„Ich habe meinen Vater neu kennengelernt“

Iko Andrae über das Jubiläumsjahr 100 Jahre Oswald Andrae und die Abschlussveranstaltung am 8. November

Von Helmut Burlager

Jever – 100 Jahre Oswald Andrae – mit einer Veranstaltung am Sonntag, 8. November, um 19 Uhr im Graf-Anton-Günther-Saal geht das Jubiläumsjahr zu Ende. Die Besucher erwartet ein Kaleidoskop aus Bildern, Erzählungen, O-Tönen, Songs und Beiträgen der mitwirkenden Gäste. Wer war Oswald Andrae? Wer es bisher nicht wusste, kann es an diesem Abend erfahren und erleben. Und wer den Schriftsteller und Lyriker kannte, ist herzlich eingeladen, zu diesem Abschlussabend mit seinen Erinnerungen beizutragen.

Oswald Andrae an seinem Lieblingsort Schillig. An der Nordsee fühlte der niederdeutsche Dichter sich wohl. Foto: privat

Dabei ist es nicht so, dass an Oswald Andrae, der 1926 in Jever geboren wurde und bis zu seinem Tod 1997 hier lebte, nicht schon erinnert würde. Eine Straße in einem Neubaugebiet ist ebenso nach ihm benannt wie ein Raum im Mariengymnasium. Und der vielleicht markanteste Grabstein auf dem Friedhof steht auf seinem Grab: ein aufrecht stehender Bleistift aus Stein. Zum 100. Geburtstag, am 25. Juni, gab es einen Oswald-Andrae-Abend im Lokschuppen. „Riet dien Muul up“ war das Konzert überschrieben, das Andraes Sohn mit seiner Band gab. Fragen an Iko Andrae:

Wenn man bedenkt, dass Oswald Andrae einer der bedeutendsten Literaten war, die Jever hervorgebracht hat, ist es in seiner Heimatstadt rund um das Jubiläum recht ruhig geblieben, auch von Seiten der Stadt selbst. Oder täuscht der Eindruck?

Ich kann das so nicht sagen. Wir hatten mit dem Jubiläumsprogramm bis jetzt sieben Auftritte im ganzen Nordwesten. In Jever war es vielleicht nicht ganz so voll. Die beste Resonanz hatten wir tatsächlich in Oldenburg, wo mein Vater mit seinen Verbindungen zur Uni und zum Theater sicher einen besonderen Namen hatte. Aber die Veranstaltung in Jever war sehr intim und intensiv, wir waren damit sehr zufrieden. Zum Abschlussabend am 8. November hat sich auch der Bürgermeister angesagt.

Sie haben sich seit Jahren als Liedermacher mit eigenem plattdeutschen Repertoire einen Namen gemacht. Wie ist es dann, vor allem Lieder und Texte des eigenen bekannten Vaters vorzutragen?

Es war jedenfalls sehr intensiv. Ich habe das vor fünfzehn, zwanzig Jahren schon einmal gemacht. Ich hatte damals noch nicht so viele eigene plattdeutsche Texte, und irgendwann fragte  meine Mutter mich, ob ich nicht weitere Gedichte von Oswald vertonen könnte. Zu einigen hatte er ja selbst schon die Musik geschrieben. Ich habe dann damit angefangen und bin auf diese Weise auch meinem Vater wieder näher gekommen, der ja leider früh gestorben ist.

Wieder nähergekommen? Vater-Sohn-Verhältnisse sind nicht immer einfach, oder?

Mein Vater war ja in mancher Hinsicht in seinem Denken recht radikal. Ein in seiner frühen Jugend überzeugter Nationalsozialist, der später daran verzweifelte, wie er politisch verführt und missbraucht worden war. Und der eine ziemlich deutlich linke Sicht auf die Dinge entwickelte. Als Jugendlicher war ich mit vielem von dem, was er sagte und schrieb, nicht einverstanden und bin es bis heute nicht in jedem Fall. Aber das hat nichts mit den Inhalten zu tun, sondern eher mit seiner manchmal schulmeisterlichen Art. In mancher Hinsicht war er aber auch politisch etwas naiv. Vielleicht hätte er selbst heute einen anderen Blick auf die Dinge.

Heute sehen Sie ihn anders?

Iko Andrae hat sich von früher Jugend an als Liedermacher und mit seinen verschiedenen Bands einen Namen gemacht. Am 8. November führt er durch den Abschlussabend der Oswald-Andrae-Gedächtnistour. Foto: privat

In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich noch einmal besonders intensiv mit seinem Nachlass beschäftigt. Mit seiner Lyrik und den vielen Aktenordnern aus seinem Arbeitszimmer. Es liegt ja alles im Landesarchiv in Oldenburg, völlig ungeordnet, so wie es zu Hause in seinem Arbeitszimmer auch herumstand. Ich habe viel gelesen und manches gefunden, von dem ich nichts wusste. Zurzeit lese ich sein Buch „Strand der verlassenen Häuser“, mit dem ich früher nichts anfangen konnte und es gerade neu entdecke. Ich lerne ihn noch einmal anders kennen, als ich ihn damals als Vater erlebt habe. Er zeigte seinen drei Kindern gegenüber seine Gefühle nicht so sehr. Die vielen Bögen, die ich über die Jahre um ihn herum gemacht habe, die habe ich beim Lesen wiedergefunden, aber auch verstanden, wie sehr ihn die Trauer über das, was in seiner Kindheit und mit seinen jüdischen Nachbarn und Spielkameraden passiert ist, geprägt hat.

Was erwarten Sie von dem Abschlussabend am 8. November?

Es wird kein klassisches Konzert, sondern ein Abend, an dem so unterhaltsam wie möglich an Oswald erinnert wird. Hartmut Peters wird über das Skandalgedicht „De Fahn“ erzählen, Volker Landig als ehemaliger Nachbar und Pastor. Wolfgang Steinborn, Walter Russ und Bahli Bahlmann werden kurze Texte lesen und ich natürlich ein paar Songs zu jedem Abschnitt vortragen. Es geht um seine Lebensthemen, „Laway“ und die Küste, Kindheit und Jugend, den  Blick zurück in die NS-Zeit, um literarische Vorbilder und Weggefährten, um Krankheit und den Blick nach innen, um das „Leed för den Häftling #562“, Carl von Ossietzky. Und die Frage: Was bedeutet das Werk von Oswald Andrae, seine Streitkultur, der Umgang mit der niederdeutschen Sprache und er als Mitmensch und Mitstreiter für uns heute? Ich freue mich jedenfalls sehr auf den Abend.

Dieses Interview erschien zuerst im Jeverschen Wochenblatt und der Wilhelmshavener Zeitung

Schätze aus dem Kartenraum

Ausstellung über historische Lehrkarten in der Bibliothek des Mariengymnasiums

Wenn ein Schüler heute etwas über das soziale Leben der Braunbären wissen will, kann er sich bei Wikipedia schlau machen, bei Google Bilder anschauen oder auf Youtube Videos gucken. Und für einen Aufsatz darüber gibt es ja sowieso KI. Das war vor ein paar Jahrzehnten noch deutlich schwieriger. Vielleicht stand „Brehms Tierleben“ zu Hause im Bücherregal, vielleicht wurde zufällig eine Folge von Bernhard Grzimeks „Ein Platz für Tiere“ mit dem Thema Bären ausgestrahlt oder man hatte ein Abenteuerbuch von James Fenimore Cooper gelesen, in dem ein Trapper so ein Wildtier besiegt hatte. Ansonsten half nur das Biologie-Buch. Oder der Kartenraum der Schule.

Ursus arctos (Braunbär), Wandtafel / Pappe, um 1880; gezeichnet vom Lithographen und Tiermaler Friedrich Specht (1839 – 1909). Bild: Förderverein der Bibliothek des Mariengymnasiums

An diese alten Zeiten knüpft eine Veranstaltung des Fördervereins der Bibliothek des Mariengymnasium Jever an. Am Sonntag, 8. November, von 15 bis 18 Uhr und am darauffolgenden Sonntag, 15. November, zur gleichen Zeit präsentiert er in einer neuen Ausstellung einen seltenen Einblick in die Geschichte des Schulunterrichts. Gezeigt werden in den Räumen der Bibliothek historische Lehrkarten, die bis in das Jahr 1860 zurückreichen.

Raupe des Großen Kohlweißlings, Wandtafel / Leinwand, um 1900; gezeichnet vom Zoologen  Prof. Dr. Paul Pfurtscheller (1855 – 1927). Bild: Förderverein der Bibliothek des Mariengymnasiums

Den zeitlichen Schwerpunkt der bunten Auswahl von 30 Karten bildet die Epoche um 1900, doch sind auch spätere Karten mit dabei. Die Ausstellung umfasst vor allem Motive aus der Biologie, aber auch lange nicht mehr gezeigte regionale Landkarten. Bei den Exponaten handelt es sich meist um Rollkarten auf Leinwand, während die ältesten Stücke als stabile Papptafeln gefertigt sind.

Die Eröffnung findet Sonntag, 8. November 2026, um 15 Uhr in der Bibliothek des Mariengymnasiums, Terrasse 3, statt. Hans-Jürgen Klitsch, Christian Omonski, Werner Menke und Hartmut Peters berichten exemplarisch über die Künstler und Wissenschaftler hinter den Karten oder stellen ihre „Lieblingskarte“ vor.

Wissenschaft trifft Kunst und wird Didaktik

Die Lehrkarten bestechen durch ihre künstlerisch-detailreiche  Gestaltung, häufig handelt es sich um echte Farblithographien. Die Vorlagen für diesen aufwändigen Steindruck stammen von seinerzeit namhaften Wissenschaftlern  wie  dem Wiener Zoologen Paul Pfurtscheller (1855 – 1927) und wurden von Illustratoren wie dem bekannten niederländischen Vogellithographen John Gerrad Keulemans (1842 – 1912) umgesetzt. Um 1900 begegneten sich Wissenschaft, kunsthandwerkliche Ästhetik und Didaktik auf Augenhöhe.

Rettung und Erschließung durch den Förderverein

Lange schlummerten die Lehrmittel ausgesondert und unbeachtet in stillen Ecken des Schulgebäudes, ehe sie von den Aktiven des Fördervereins Bibliothek wiederentdeckt wurden. In zeitintensiver Kleinarbeit haben die Ehrenamtlichen rund 200 Karten gesichtet, fotographisch dokumentiert und archivarisch erschlossen. Jetzt sind  sie wieder für die Öffentlichkeit und die Schulgeschichte zugänglich.

Um auch diesen Bestand der Lehr- und Lerngeschichte des Mariengymnasiums für die Zukunft zu bewahren, ist die Restaurierung besonders beschädigter Exemplare geplant.

Vom Klassenzimmer zum nostalgischen Erinnerungsstück

Im Zeitalter digitaler Whiteboards und der Verfügbarkeit von allem im Internet spielen physisch erlebbare Karten keine Rolle mehr. Gerade deshalb entfalten sie ihre nostalgische Wirkung: Generationen von Schülerinnen und Schülern haben an ihnen gelernt, bevor sie aus dem Kartenraum, den es inzwischen gar nicht mehr gibt,  in den Ruhestand verabschiedet wurden. Die Ausstellung einer kollektiven Erinnerung schlägt eine Brücke von der analogen Lernkultur von damals zur Schule von heute.

Moderne Didaktik damals: Ausstellung historischer Lehrkarten des Mariengymnasiums Jever

Veranstalter: Förderverein Bibliothek des Mariengymnasiums e.V.

Bibliothek des Mariengymnasiums Jever, 26441 Jever, Terrasse 3

Sonntag, 8. November 2026, 15 – 18 Uhr, Eröffnung 15 Uhr

Sonntag, 15. November 2026, 15 – 18 Uhr

Eintritt frei

Hein Bredendiek und der Nationalsozialismus

Vortrag von Andreas Wojak im Gröschlerhaus

Von Helmut Burlager

Hein Bredendiek in Jever im Jahr 1996. Foto: Helmut Burlager

Zu den bleibenden Erinnerungen unserer Familie, von uns Eltern und den damals noch halbwüchsigen Kindern, gehört ein Besuch von Hein Bredendiek in unserem Haus in Jever, das fünf Jahre älter ist als der damals schon hochbetagte Maler und Schriftsteller. Wir saßen am Kaffeetisch im Garten, unter großen Kirschbäumen, und während unser Freund Hein, der ein großer Erzähler war, tief in seine jeversche Vergangenheit eintauchte, saßen unsere Kinder oben in den Ästen und hörten aufmerksam zu.

Die NS-Zeit sparte Hein Bredendiek in solchen privaten Gesprächen nicht aus, sprach von der „dunklen Zeit“ und in Andeutungen auch davon, dass er selbst dem Treiben der Braunen nichts entgegengesetzt habe, was er im Nachhinein als beschämend, als einen Fehler ansah. Erwähnte er, dass er Parteimitglied gewesen ist? Ich glaube nicht, aber er behauptete auch nicht, es nicht gewesen zu sein. Wir haben ihn auch nicht gefragt, so wie wir unsere etwa gleichaltrigen Großeltern zeitlebens (leider) nicht gefragt haben, nicht fragen konnten. In Kürze wird man mehr wissen.

Hein Bredendiek (1906 – 2001), so heißt es in einer Pressemitteilung des Gröschlerhauses Jever, zählt zu den großen Fi­guren der niederdeutschen Literatur. Der Oldenburger Gymnasiallehrer, der aus Jever stammte und hier auch kurz am Mariengymnasium unterrichtete, machte sich zunächst vor allem als Kunstmaler einen Namen. Zu Lebzeiten erhielt er hohe Auszeichnungen und Preise; die Stadt Jever verlieh ihm 1986 die Ehrenbürgerschaft, die Stadt Oldenburg das Große Stadtsiegel, und posthum erfolgten in Jever und in drei weiteren Ortschaften Straßenbenennungen nach ihm.

Bredendiek verfasste viele Hörspiele und trat als Autor zahlreicher Bücher und Erzählungen in niederdeutscher Sprache hervor. Fünfundzwanzig Jahre lang führte er den Schrieverkring Weser-Ems. Auch der Nationalsozialismus spielte in seinen Texten hin und wieder eine Rolle; allerdings räumte er seine eigene Beteiligung erst im hohen Alter ein. In seinen Lebenserinnerungen, 1998 veröffentlicht, gibt er an, seit 1933 Mitglied der NSDAP und der paramilitärischen SA gewesen zu sein. Nicht lange davor noch hatte er in einem Interview eine Partei-Mitgliedschaft verneint. Das Eingeständnis in seiner Autobiografie blieb jedoch bisher fast ohne jede öffentliche Resonanz. Bis in die jüngste Zeit hinein wurde in ehrenden Rückblicken Bredendieks NS-Vergangenheit ausgespart. Dabei lassen Texte, davon einer aus der Nazizeit, der bisher unbeachtet blieb, deutliche Rück­schlüsse auf seine Haltung zu.

Der Arbeitskreis Gröschlerhaus im Heimatverein Jever freut sich sehr, mit Dr. Andreas Wojak einen engagierten Journalisten und Autor, begrüßen zu dürfen, der sich in Radiofeatures, Vorträgen und Veröffentlichungen intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus und seinen Folgen auseinandergesetzt hat. Wojak, geboren 1952, stammt aus Ostfriesland, ist plattdeutsch aufgewachsen und lebt in Oldenburg. Seine 1992 veröffentlichte sozialhistorische Dissertation über Moordorf in Ostfriesland erregte über die Region hinaus Aufsehen. In seinem Projekt „Kriegsbriefe“ ging es auch um die Verstrickung seiner eigenen Familie.

Ein Vortrag Wojaks über die Ehrung des ehemaligen SS-Mediziners Arend Lang durch die Ostfriesische Landschaft 1976 mit der „Ubbo-Emmius-Medaille“ führte erst vor kurzem zur posthumen Aberkennung dieser höchsten Auszeichnung Ostfrieslands. Neben Hein Bredendiek hat sich Wojak mit weiteren niederdeutschen Schriftstellerinnen und Schriftstellern beschäftigt, so mit Wilhelmine Siefkes, Oswald Andrae, Johann Schoon und Greta Schoon.

Im Anschluss an den Vortrag wird Gelegenheit sein, mit dem Referenten und untereinander ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt ist frei.

Ein ganzes Leben voller Bücher

Verleger Hermann Lüers starb im Alter von 92 Jahren

Von Helmut Burlager

Jever – Sollte man das Leben von Hermann Lüers mit einem Wort charakterisieren, es lautete: Bücher. Nun ist das letzte Kapitel beendet. Im Alter von 92 Jahren ist der Verleger am 10. Januar im „Pflegebutler“ friedlich eingeschlafen. Er war dort erst vor wenigen Wochen eingezogen. Der 1933 als Sohn eines Binnenschiffers in Thedinghausen geborene und 1959 in der Marienstadt angekommene Wahl-Jeveraner lebte bis fast zum Schluss in seiner eigenen Wohnung und hatte noch bis vor einem Jahr seinen Ein-Mann-Verlag geführt.

Hermann Lüers umgeben von Büchern. Das war seine Welt. Foto: Christoph Hinz (+)

Mehr als hundert Bücher hat er im Laufe vieler Jahre publiziert, nicht mitgezählt die unzähligen Werke, deren Erscheinen er zuvor im Verlag C. L. Mettcker & Söhne verantwortet hatte. Denn Hermann Lüers startete nach seiner Ausbildung zum Schriftsetzer und dem Meisterlehrgang an der Muthesius-Werkschule in Kiel nicht in die Selbstständigkeit, sondern bewarb sich in Jever. Als Lehrmeister eingestellt, wurde er 1963 Technischer Betriebsleiter für die Setzerei und Druckerei mit Verantwortung für bis zu 80 Mitarbeiter. 1997 ging er in den Ruhestand.

Gedruckt wurde alles von der Zeitung über Prospekte und Visitenkarten bis zu Büchern. Doch der Verlag konnte nicht alle Autoren aufnehmen, die Manuskripte einreichten. Manchmal schien der Geschäftsleitung ein Projekt zu riskant. Da konnte Hermann Lüers als Privatmann eine Alternative bieten. Ab 1982 veröffentlichte er solche Bücher, das Risiko mit den Autoren teilend, in seinem eigenen Verlag. Und machte weiter, als Mettcker mit der Buchproduktion aufhörte.

Mit seinem profunden Wissen begleitete er viele Autoren von der Idee bis zum fertigen, nach allen Regeln der Kunst erstellten Buch. Heimatkundliches, Historisches, Plattdeutsches, Erinnerungen, Romane, Bildbände, Gedichte, Kalender – es gibt fast nichts, was im Hermann Lüers Verlag nicht gedruckt werden konnte. Seine Autoren dankten es ihm, auch wenn nicht jedes Projekt den erwünschten Erfolg brachte. Dann hatte Hermann Lüers in seiner ruhigen, freundlichen, aber immer ehrlichen Art wenigstens davor gewarnt.

Seine Leidenschaft für das Gedruckte und das Wort hat er übrigens vererbt, von den drei Kindern des früh verwitweten Hermann Lüers haben zwei den Weg in die Verlagsbranche gefunden und zwei Enkel bereiten sich gerade darauf vor. An Hermann Lüers wird auch der Name seines Verlages weiter erinnern. Den führt sein Sohn Kai-Uwe fort.

Die Nazis und die Eliten der Mitte im Jeverland

Es gibt nur wenige Regionen, die der NSDAP so früh und so massiv folgten wie das Jeverland. 1924 gaben ihr hier 22,6 Prozent (Deutsches Reich 6,6 %) der Wähler die Stimme, 1933 waren es dann 62,8 % (Reich 43,9 %). Aber damit nicht genug. Bei den Niedersächsischen Landtagswahlen 1951 machten 22,1 % der Wähler die Sozialistische Reichspartei zur zweitstärksten politischen Kraft des Jeverlands. Kurz danach wurde die NS-Nachfolgepartei vom Bundesverfassungsgericht verboten.

Das Gröschlerhaus Jever veranstaltet am Donnerstag, 29. August 2024, um 19 Uhr einen Vortragsabend mit dem Historiker Hartmut Peters über das Thema „Extremismus in der Mitte. Der Sufstieg der NSDAP im Jeverland bis zur Machtübefnahme 1933“. Der Eintritt ist frei.

Hartmut Peters sieht den Schlüssel zur Erklärung der frühen Effolg  er deff tv Nationalsozialisten im Jeverland nicht allein in den Rahmenbedingungen Weimars und in der begünstigenden Sozialstruktur des Jeverlands, sondern bei namhaften Exponenten der eingesessenen bürgerlichen Eliten: „Der Aufstieg war hausgemacht, getragen von Studienräten des Mariengymnasiums, leitenden Verwaltungsbeamten, dem Jeverschen Wochenblatt, Kaufleuten, Wortführern des Landvolks und den evangelischen Pastoren. Das möchte ich an Biografien und Dokumenten aufzeigen.“ Als verbindenden Kitt sieht Peters Judenhass und Ablehnung von Demokratie und kultureller Moderne quer durch beinahe alle etablierten politischen Lager. Laut Peters wurde bisher aber fast manisch nur auf die NSDAP gestarrt, während die im historischen Schatten der offenen Verbrecher operierenden Eliten der „Mitte“ ungeschoren davon kamen. Obwohl sie dieselben extremistischen Grundüberzeugungen besaßen .

Am Ende Vortrags stehen offensichtliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten der politischen Zeiten damals und heute zur Diskussion. Der langjährige Lehrer am Mariengymnasium Jever Hartmut Peters hat die NS-Geschichte des Jeverlands und der Juden der Region erforscht und seit 1984 darüber publiziert. Seine Aufsätze sind auch über die Webseite groeschlerhaus.eu zugänglich.

Quelle: Pressemitteilung Gröschlerhaus Jever

Sinti-Verfolgung in der NS-Zeit: Auf Spurensuche in Auschwitz

Die sehr junge Frau blickt ernst in die Kamera. Sie sitzt auf einem Sofa in einem Hotel in der Stadt Auschwitz. Das Sprechen kostet sie Überwindung: „Erst dachte ich, wir machen einen Ausflug“, sagt sie. „Aber als wir durch das Tor gingen, habe ich realisiert: Wir besuchen unsere Verwandten auf dem Friedhof.“ Sie hat gerade mit anderen Familienmitgliedern an diesem Herbsttag 2019 die steinernen Reste des sogenannten Zigeunerfamilienlagers im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besucht. Viele ihrer Vorfahren, zuvor ansässig in Zetel, wurden hier ermordet. Ihre Urgroßmutter Margot Schwarz überlebte.

Eine Szene aus dem Film „Auf Spurensuche: Jever – Sachsenhausen – Auschwitz“ von Omid Mohadjeri und Michael Telkmann, der am Mittwoch, 22. Januar 2020, in der „Filmpalette“ in Jever, Bahnhofstraße 44, gezeigt wird (Einlass ab 19.30 Uhr, Filmbeginn 20.05 Uhr).

Der Film begibt sich auf die Spuren der Sinti-Familien Schwarz und Laubinger, von denen siebenundzwanzig Angehörige im März 1943 aus Zetel und Oldenburg zusammen mit 250 anderen Sinti über den Sammelpunkt Bremer Schlachthof nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden – nur wenige überlebten. Der 2019 entstandene Film wird in einer Premiere von den Kino-Freunden Friesland e.V. und dem GröschlerHaus Jever aus Anlass des bevorstehen 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz gezeigt. 

Initiator und verbindendes Element des Films ist Christel Schwarz, 71, der Vorsitzende des Freundeskreises der Sinti und Roma e.V. in Oldenburg. Sein Vater Friedrich Schwarz wurde 1938 in Jever verhaftet und war bis 1945 im KZ Sachsenhausen, seine Mutter Margot Franz durchlitt Auschwitz-Birkenau, Flossenbürg und Buchenwald. Ursprünglich geplant war eine große, gemeinsame Reise der Nachkommen an die Stationen der Verfolgung und des Mordes. Realisiert wurden schließlich zwei kürzere, mehrtägige Reisen: eine von Jever über die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg bis zur Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald – und eine nach Auschwitz-Birkenau.

Obwohl es ein vergleichbares Projekt, in dem Sinti ihre Geschichte selbst darstellen, noch nicht gegeben hat, hielten die großen deutschen Stiftungen ihre Taschen zu. Der Film konnte schließlich durch Unterstützung des Landkreises Friesland und der Städte Jever und Oldenburg sowie durch private Spenden doch noch realisiert werden. Das Filmteam arbeitete praktisch unbezahlt. „Das kleine Budget macht ja das Thema nicht unwichtiger“, sagt Filmemacher Michael Telkmann. „Die Zeitzeugen werden nicht jünger. Wir haben gesagt: Wir machen das trotzdem.“

„Es geht im Film viel mehr um die Gegenwart, als wir am Anfang gedacht haben. Es ist kaum jemandem bewusst“, so Telkmann, „wie sehr die Erfahrungen der NS-Zeit bis heute auch in der jungen Generation nachwirken. Jeder einzelne Gesprächspartner berichtet von massiven Diskriminierungen.“Auf dem Weg nach Oranienburg kündigte ein Campingplatzbesitzer plötzlich den gebuchten Stellplatz – er habe ja nicht gewusst, dass es sich um „Zigeuner“ handele. Konsterniert berichtet der Vater eines kleinen Jungen, wie sich beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau seine Gedanken an die ermordeten Verwandten mischten mit der Erinnerung an die Beleidigungen, die er selbst als Jugendlicher zu hören bekam. Und heute werde eben sein Sohn als „Zigeuner“ beschimpft.

 „Ich habe etwas über Schmerz gelernt, über Trauer und Wut“, sagt der Kameramann Omid Mohadjeri, 23. „Ich möchte mit dem Film ohne Umwege das Herz treffen. Damit die Zuschauer über das Gefühl verstehen, wie wichtig das Thema ist.“ Die beiden Filmemacher staunen immer noch darüber, mit welcher Offenheit die Angehörigen ihnen begegnet sind.

Man merkt dem Film die vertrauensvolle Atmosphäre an; dass Begegnungen und Gespräche auch weitergingen, als die Kameras ausgeschaltet waren. Die Aussagen der kleinen Reisegruppe erreichen tiefere Schichten des Verständnisses für die Auswirkungen des Völkermordes in der Gegenwart, als das  die meisten TV-Dokus hinbekommen.

„Ich möchte die zum Nachdenken bringen, die mit dem Thema sonst nichts zu tun haben“, sagt Christel Menni Schwarz. „Der Film soll eine Warnung sein, dass so etwas nie wieder passieren darf“. 

22. Januar 2020, 20.05 Uhr, Filmpalette Jever, Bahnhofstraße 44: Auf Spurensuche: Jever – Sachsenhausen – Auschwitz. Dokumentarfilm Omid Mohadjeri und Michael Telkmann, 40 Minuten. Mit Christel Menni Schwarz und vielen Familienangehörigen. Moderation: Christel Menni Schwarz und Hartmut Peters. Musikalischer Rahmen: Sinti Swing Oldenburg. Karten (10 Euro) an der Abendkasse

Muss man gesehen haben

Nathan_der_Weise_03Ein Theatererlebnis, das lange nachwirkt, beschert die Landesbühne Niedersachsen-Nord in dieser Saison mit Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“. Gestern Abend gastierte das Ensemble mit dem Klassiker in Jever und hinterließ beim Publikum am ausverkauften Dannhalm in jeder Hinsicht großen Eindruck: Eine großartige schauspielerische Gesamtleistung, aus der lediglich Johannes Simons als Nathan herauszuheben wäre, ein außergewöhnliches, durchdachtes Bühnenbild und ein Umgang mit Lessings „Dramatischem Gedicht in fünf Aufzügen“, der einen eigentlich sperrigen und antiquierten Text recht modern und jedenfalls verdaulich präsentiert. Das Thema selbst, der Wettstreit der großen Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam und die Frage, welche davon „wahr“ ist, könnte aktueller nicht sein.

Wer das Stück noch sehen möchte, hat an diesen Terminen noch die Gelegenheit:

Stadttheater Wilhelmshaven:
So, 03.12.2017 / 15.30 Uhr
Sa, 16.12.2017 / 20.00 Uhr
Fr, 02.02.2018 / 20.00 Uhr
Fr, 09.02.2018 / 20.00 Uhr

Im Spielgebiet:
Mi, 22.11.2017 / 19.30 Uhr / Aurich, Stadthalle
Mi, 29.11.2017 / 19.30 Uhr / Nordenham
Mo, 11.12.2017 / 19.30 Uhr / Leer, Theater an der Blinke
Do, 14.12.2017 / 20.00 Uhr / Wittmund, Aula Brandenburger Straße
Sa, 17.02.2018 / 19.00 Uhr / Papenburg, Forum alte Werft
Di, 06.03.2018 / 19.30 Uhr / Norderney, Kurtheater
Mo, 12.03.2018 / 20.00 Uhr / Vechta, Metropol-Theater
Di, 13.03.2018 / 11.30 Uhr / Vechta, Metropol-Theater

Der Utah-Teapot: Weltberühmte Kanne kommt aus dem friesischen Varel

Der Utah-Teapot ist übrigens gerade Objekt des Monats im Teemuseum Norden. https://www.teemuseum.de/ausstellungen/objekt-des-monats/

TeapotIm Computer History Museum in Mountain View, Kalifornien (USA) steht im Spannungsfeld zwischen technischen Errungenschaften und grauen Röhrenmonitoren eine Teekanne, die in der Friesland Porzellanfabrik in Varel hergestellt wurde. Womit hat dieses alltägliche Objekt so viel Aufmerksamkeit verdient? Der Zufall will es, dass der damalige Doktorand Martin Newell an der University of Utah diese Teekanne im Jahr 1975 als eine der ersten dreidimensionalen Computeranimationen umsetzte. Seitdem hat sie auch über die Szene hinaus als „Utah Teapot“ Kultstatus erlangt. Zu sehen war sie in schon Animationsklassikern wie „Toy Story“ und den „Simpsons“. Manche kennen ihn auch noch aus dem Bildschirmschoner „3D-Pipes“ unter Windows 98, wo er gelegentlich auftauchte. In vielen Rendering-Programmen, wie sie von Designer/innen und Architekt/innen benutzt werden, ist die Teekanne als Prototyp einprogrammiert. An der University of Utah gibt es seit 2012 jährlich einen „Utah Teapot Rendering“-Wettbewerb.

Tatsächlich wird die Teekanne bereits seit 1954 in der Friesland Porzellanfabrik hergestellt und hat sich bis heute nicht verändert. Damals wurde der heutige Klassiker noch unter der Marke „Melitta“ verkauft, zu deren Konzern die Porzellanfabrik bis Anfang der 1980er Jahre gehörte. Bis vor Kurzem wusste niemand bei Friesland, dass die Kanne ein so bekanntes Objekt ist. Die Kanne hieß hier bisher nur „Haushaltsteekanne“. Auch Fans des Utah Teapots, die sich ein Original anschaffen wollten, konnten die Herstellerfirma nicht ausmachen.

Um die Kanne mit der besonderen Biografie gebührend zu feiern, spendet Friesland Porzellan einen „Utah Teapot“ an das Oldenburger Computer Museum. Dort wird sie direkt in die Ausstellung integriert. Die Rechner, mit denen in den 70er Jahren diese ersten Computeranimationen umgesetzt wurden, sind dort schon vorhanden.

Die Teekanne besteht aus glasiertem Porzellan und wird über das Gießverfahren mit hohem Handarbeitsanteil hergestellt. Erhältlich ist sie ab 18,90€ in Weiß, sowie in den Volumengrößen von 0,35 Litern, 0,8 Litern und 1,4 Litern. Das Original im Museum entspricht dem Volumen von 1,4 Litern.

Die Friesland Porzellanfabrik GmbH & Co. KG ist ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen mit rund 70 Mitarbeiter/innen im norddeutschen Varel, das sich seit über 60 Jahren auf die Herstellung von Porzellan- und Steingutgeschirr spezialisiert hat. Die Produkte werden unter einem Dach gefertigt, kontrolliert und versendet. Ein Großteil geschieht in Handarbeit. Die Firma wurde 1953 von Horst Bentz gegründet, um Gebrauchsgeschirr für die Marke „Melitta“ herzustellen. Seit 1982 wird der Name „Friesland“ auch für die Produkte benutzt. Zu den Klassikern zählen die Porzellan-Serie „Jeverland“ und das Ceracron-Service „Ammerland“, auch der Melitta- Porzellanfilter für den Handgebrühten Kaffeegenuss wird hier immer noch hergestellt. Die Produktpalette wird stets durch neue Dekore und Trendfarben ergänzt.

Beim Geisterschiff in Dangast gibt es keine Statisten

39 Schauspieler, 39 Rollen, 39 Charaktere

Dangast. In der Inszenierung „Das Geisterschiff“ gibt es keine Statisten. Das Markenzeichen der Inszenierungen des Hamburger Regisseurs Frank Düwel ist es, dass er die Textbücher parallel zu den Probenarbeiten mit den Schauspieler entwickelt. Klar, der Stoff, „der Fliegende Holländer“, der verdammt ist, für alle Ewigkeit über die Weltmeere zu kreuzen, ist vorgegeben.

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Alfons Wojakilowski im „Geisterschiff“. Foto: Gaudium Frisia

„Der Holländer“ – der Kapitän des Geisterschiffs – wird von Julian Richter gekonnt und wandlungsfähig gespielt. Er verfügt über eine solide schauspielerische Ausbildung. Über die Theaterschule Neuenburg wirkte er schon 2000 als Jugendlicher bei der ersten Freilichtinszenierung in Dangast mit. Damals verkörperte er den wissbegierigen und aufgeweckten jugendlichen Hauke Haien beim Schimmelreiter im ersten Akt. 17 Jahre später brilliert er in der Rolle des mysteriösen Fremden. „Der Holländer“ stehst charmant und doch ein düsterer Geselle, bis ihn „die Liebe ans Herz greift“ – dorthin wo er doch keines hat. Normalerweise „trinken die Geisterfahrer die Seelen der Lebenden aus“ doch bei seinem Landgang in Dangast ist alles anders – dort begegnet er „Senta“, der Tochter des Kapitäns Daland.

Die Rolle der „Senta“ wird von der Oldenburgerin Kristina Trey dargestellt. Ihre Begeisterung fürs Theater übernahm sie von Ihren Eltern Inge und Dieter Trey, die sich u.a. im Westersteder Weihnachtstheater engagierten. „Das Theater war schon als Kind für mich wie ein zweites Zuhause.“ 1993 – mit neun Jahren – besuchte sie die Theaterschule Neuenburg, blieb dem Theater Neuburg bis heute treu. Ihr Können konnte sie bereits in zahlreichen Inszenierungen der Niederdeutschen Sparte des Oldenburgischen Staatstheaters unter Beweis stellen. Seit 2014 nimmt sie auch Gesangsunterricht, was der Rolle der Senta sehr entgegenkommt.

Senta ist bereits verlobt. Bei der Ankunft des Seglers ihres Vaters, der„Leven“, kann sie es kaum erwarten, ihren Geliebten Hendrik wieder in die Arme zu schließen. Doch im Verlauf des Stückes durchlebt die Figur „Senta“ alle Höhen und Tiefen der Liebe – von kindlicher Freude bis zum melancholischen Zweifel. Diese Bandbreite der Gefühle wird von Kristina Trey mit einer ebenso breiten Palette von künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten mimisch, gestisch und gesanglich verkörpert.

Ob Sentas Liebe den Fluch des Holländers brechen kann?   … können die Gäste des Freilichttheater bei der Premiere am 27. Juli selbst herausbekommen.

Der Kartenverkauf über die Nordwest-Ticket-Vorverkaufsstellen und den Onlineservice  unter 0421 36 36 36  schon recht gut angelaufen. Schon mehr als 8000 Theaterbegeisterte haben sich gute Plätze gesichert.

Informationen zum geplanten Freilichttheater:   www.freilichttheater-dangast.de.

Kniphausen: Ausstellung erinnert an Jörg Immendorff

Ein Malerfürst auf der Burg

friesenblog-screenshot2017 ist nicht nur das Lutherjahr. Im Mai jährt sich auch der Todestag von Jörg Immendorff zum zehnten Mal. Die Stiftung Burg Kniphausen nimmt dies zum Anlass, mit einer Ausstellung an den großen deutschen Künstler zu erinnern. Unter dem Titel „Jörg Immendorff – Alles was Ihr von mir bekommt – Graphische Werke“ werden vom 26. Februar bis zum 23. April 2017 neben Graphiken auch Skulpturen gezeigt. Die Eröffnung ist am Sonntag, 26. Februar, um 17 Uhr.

Immendorff, 1945 im niedersächsischen Bleckede geboren, war Hauptschullehrer, bevor er nach Abschluss der Kunstakademie Düsseldorf zu einem der bekanntesten Maler im Nachkriegsdeutschland avancierte. Einen Platz in der jüngeren Kunstgeschichte sicherte er sich mit seinem Bilderzyklus „Café Deutschland“, an dem er von 1977 bis 1983 arbeitete.

Die großformatigen Bilder befassen sich mit der Teilung des Landes und deren Auswirkung auf Kunst und Gesellschaft. In expressiven Szenerien begegnen sich historische und zeitgenössische Künstler, Politiker und Prominente. Zeit seines Lebens verkörperte der exaltierte Malerfürst Immendorff übrigens perfekt das Klischee des exaltierten Bohemien zwischen Genialität, Triebhaftigkeit und tragischem Ende.

Auf einen Blick

Künstler: Jörg Immendorff

Ausstellungstitel: „Jörg Immendorff – Alles was Ihr von mir bekommt – Graphische Werke“

Daten: 26. Februar bis 23.April 2017

Ort: Burg Kniphausen