Klootschießer warten auf den Länderkampf

Bei Kahlfrost gehen Oldenburger und Ostfriesen in Stollhamm an den Start

Von Rolf Blumenberg

Jever – Erst lernen die Friesen das Klootschießen, dann das Laufen, ist eine Weisheit, die aus grauer Vorzeit überliefert ist. Wenn diese Aussage heute auch ein wenig vermessen klingen mag, so hat doch der Friesensport in dem Land zwischen Weser und Ems immer noch einen extrem hohen Stellenwert. Immerhin gehören dem von Jan-Dirk Vogts angeführten Friesischen Klootschießerverband (FKV) mehr als 40.000 Mitglieder an. Während in der Breite das Boßeln im Vordergrund steht, gilt nach wie vor das Klootschießen als Krone des Friesensports. Das mag an der ausgefeilten Technik liegen, ganz sicher aber auch an der Urwüchsigkeit, die sich insbesondere zeigt, wenn sich Oldenburger und Ostfriesen in einem Länderkampf auf freiem Gelände gegenüber stehen.

Bei einem solchen Kräftemessen, dass demnächst in Stollhamm (Landkreis Wesermarsch) stattfinden soll, ist vieles noch so, wie es auch vor 200 Jahren war. Da wird die Anlaufmatte noch von Mattenträgern über zwei Kilometer getragen, da sorgen „Düsselmeister“ auf hart-gefrorenem Boden für eine glatte Anlaufbahn, da kündigen Trompeter mit den jeweiligen „Nationalhymnen“ die Werfer an, da sind einige tausend „Käkler und Mäkler“ dabei und – wenn es sein muss, gibt es auch mal verbale Auseinandersetzungen, natürlich in deftigem plattdeutsch. Und zwischendurch stärkt man sich bei Erbsensuppe und Grogg.

Derzeit trainieren die Werfer der beiden Landesverbände Woche für Woche und lassen sich nur wenig in die Karten kucken. Taktik spielt eine große Rolle. Sicher scheint, dass die Oldenburger eine Reihe von bekannten Namen aufbieten werden, darunter den amtierenden Europameister Thore Fröllje aus Grabstede. Dagegen haben die Ostfriesen möglicherweise einen „Joker“ in der Hinterhand, nämlich den langjährigen oldenburger Paradewerfer Bert Stroje.

In diesen Wochen wird viel darüber gefachsimpelt, mit welchen Stars die alten Rivalen antreten werden und wer die besten Siegchancen hat. Noch haben die Weiden von Carsten Meiners in Stollhamm nicht die nötige Wettkampf-Härte. Doch wenn der ersehnte Kahlfrost kommt, dann wird die Spannung steigen und dann wird es für einen echten Friesen nichts Wichtigeres geben als dabei zu sein.

Quelle: Pressemitteilung des Klootschießer- und Boßelvereins Stollhamm

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