Tag 263 | Arztbesuch

Habe heute übrigens zum ersten Mal die Hilfe eines Beulendoktors in Anspruch genommen. Ist so eine Art Schönheitschirurg fürs Auto, rechnet nur privat ab, die Kasse zahlt so etwas nicht. Immerhin,  er macht das ohne Narkose, hat ein überdimensionales OP-Besteck dabei, arbeitet mikroinvasiv und das Ergebnis ist frappierend. Das Auto sieht aus wie neu.

Tag 262 | Abschied

Aufhören zu können, wenn es nicht mehr geht, das ist nicht jedem vergönnt. Nicht nur, aber gerade auch Journalisten laufen Gefahr, ein beachtliches Lebenswerk am Ende ins Lächerliche zu verlängern, weil sie nicht sehen, dass sie der Aufgabe mental wie manchmal auch physisch nicht mehr gewachsen sind. Bitter, wenn einer dann am Ende alles verliert, das Selbstwertgefühl ebenso die Hochachtung der anderen, und sich selbst zur tragischen Figur macht. Es gibt aber auch die anderen, die erkennen, dass alles seine Zeit hat (was man für sich selbst später dann auch erhofft). So einer ist der große Feuilletonist Fritz J. Raddatz, der soeben seinen Abschied vom Journalismus erklärt hat. Respekt für einen Großen unserer Zunft. Die Welt | Kultur

Tag 261 | Tiefgang

Screenshot 2014-09-19 13.24.50Von wegen, die Junge Union sei immer nur brav und bieder. Dass der CDU-Nachwuchs auch anders kann, zeigt ein Beitrag auf Spiegel online. Tief rein gegriffen in die Sexismus-Kiste hat zum Beispiel die Junge Union Wittmund. Na sowas…

Tag 260 | Freie Friesen

Die Landkarte der Separatistenbewegungen in Europa. Friesland ist dabei.
Die Landkarte der Separatistenbewegungen in Europa. Friesland ist dabei.

Die Schotten machen die Probe aufs Exempel, die Katalanen träumen schon lange davon, und auch anderswo in Europa streben Teilgesellschaften von größeren Nationen nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Die Friesen übrigens auch, wenn auch nur eine kleine Minderheit von ihnen und nicht wirklich militant. Immerhin: Auf einer fiktiven Landkarte, die zeigen soll, wie Europa aussähe, wenn all die Unabhängigkeitsbestrebungen verwirklicht würden, ist auch Friesland eingezeichnet.

Map of separatist movements in Europe

Tag 259 | Blackout

Früher war alles einfacher. Wenn man da von der Pressestelle der Deutschen Telekom etwas wissen wollte, öffnete man das Kästchen mit den Visitenkarten oder die Kladde mit den Telefonnummern und rief einfach an. Heute geht man ins Internet und sucht nach der aktuellen Telefonnummer des zuständigen Sprechers. Es sei denn, das Internet funktioniert nicht, so wie heute Vormittag in Jever. Man will also den Pressesprecher anrufen und fragen,was denn los sei mit dem Netz. Man öffnet den Browser – ach so, das funktioniert ja gerade nicht. Man sucht seine alten Kladden und Visitenkarten heraus, und die Kollegen tun es ebenso, aber es findet sich nicht eine einzige noch brauchbare Nummer, bei jedem neuen Versuch tutet es „Kein Anschluss unter dieser …“ Genervt gibt man auf und wartet geduldig, bis man wieder online ist. Und nimmt sich fest vor, sein gutes altes Adressbuch aus Papier mal wieder auf Vordermann zu bringen…

Tag 258 | Nackte Tatsache

Volksweisheiten sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren. „Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche fassen“ zum Beispiel – ein Spruch, dessen Wahrheitsgehalt niemand bezweifelte. Aber das ist nun auch passé. Der Deutsche Sauna-Bund hat heute darauf hingewiesen, dass die 16,3 Millionen Besucher öffentlicher Sauna-Bäder nach dem Willen der Länderfinanzminister mit drastischen Preiserhöhungen rechnen müssen, weil die seit 1968 geltende Umsatzsteuerermäßigung für diese Branche abgeschafft wird. Ab 1. Januar 2015 müssen die Badbetreiber 19 Prozent statt bisher 7 Prozent vom Umsatz aus dem Saunaeintritt an den Finanzminister abführen. Einem nackten Mann kann man also sehr wohl in die Tasche fassen.

Tag 257 | Abgesang

Man muss sich wohl keiner Illusion mehr hingeben, die FDP ist Geschichte. Für Menschen, die mit dem Liberalismus große Namen wie Ralf Dahrendorf, Martin Bangemann, Hildegard Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch,Günter Verheugen, Hans-Dietrich Genscher, Walter Scheel, Wolfgang Mischnik oder Lieselotte Funcke und große Ideen wie die von einer freiheitlichen, möglichst wenig regulierten Gesellschaft und selbstbestimmten, mündigen Bürgern verbinden, ist das eine gewöhnungsbedürftige Situation. Aber es ist wohl so: Die FDP in der Verfassung, wie sie sich seit etlichen Jahren zeigt und mit dem Restpersonal, das noch zur Verfügung steht, braucht keiner mehr. Möge sie sanft in den Geschichtsbüchern ruhen…

Tag 256 | Medien

Stefan Bergmann tritt zum 1. November in die Chefredaktion der Emder Zeitung ein. Foto: EZ
Stefan Bergmann tritt zum 1. November in die Chefredaktion der Emder Zeitung ein. Foto: EZ

Veränderung an der Spitze der Emder Zeitung: Der 46 Jahre alte Stefan Bergmann tritt zum 1. November in die Chefredaktion des Blattes ein. Er ist seit 2006 Chefredakteur der Münsterschen Zeitung, die jüngst an den örtlichen Konkurrenten Westfälische Nachrichten verkauft worden ist.

Stefan Bergmann übernimmt in Emden eine von der Größe her vergleichbare Zeitung. Die Münstersche Zeitung hat eine Auflage von 19.500 Exemplaren, die Emder Zeitung verkauft etwas mehr als 10.000 Exemplare. Sie gehört zu den wenigen Zeitungen dieser Größenordnung, die mit einer Vollredaktion arbeiten.

Seit Anfang der Achtzigerjahre produziert die Redaktion den überregionalen Teil wieder selbst, nachdem das Blatt bis dahin einen Mantel eingekauft hatte. Dies und ein aufsehenerregender Relaunch, der die EZ bis heute zu einem Exoten unter den Lokalzeitungen macht, war unter anderem das Werk des amtierenden Chefredakteurs Klaus Fackert (61).

Prägt die EZ seit Jahrzehnten: Klaus Fackert. Hier auf dem Cover seines Buches.
Prägt die EZ seit Jahrzehnten: Klaus Fackert. Hier auf dem Cover seines Buches.

Der war 1981 mit dem neuen Chefredakteur Herbert Kolbe nach Emden gekommen, hatte mit ihm zusammen die Zeitung umgekrempelt und in der Branche neue Maßstäbe gesetzt. 2006 übernahm Fackert die Chefredaktion. Seine Kolumne „Die Woche ist um“ war so erfolgreich, dass Fackert zum 25-jährigen Jubiläum ein Buch aus den besten Beiträgen machte. Nachdem er seit Monaten aus familiären Gründen sein Amt nicht mehr ausüben kann, wird die Chefredaktion nun um Stefan Bergmann erweitert.

Tag 255 | Interview

Bin auf eine neue Möglichkeit gestoßen, ohne viel Aufwand an Promi-Interviews zu kommen. Habe mich einfach mal gestern Abend nach der heute-Sendung beim Facebook-Chat mit dem neuen heute-Moderator Christian Sievers eingeklinkt und ein paar Fragen eingestreut. Wegen des großen Andrangs im Chat wurden nicht alle beantwortet, aber immerhin… ausbaufähig.

Sievers„Hallo Herr Sievers, erstmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Job. Sie machen das gut!

Christian Sievers: (Schickt als Antwort einen Smiley)

Isis, Ukraine, Ebola, Europa, Schottland, Katalanen – unruhige Zeiten, in denen Sie die heute-Sendung übernehmen. Welches Thema berührt Sie persönlich zurzeit am meisten?

Sievers: Ich habe fünf Jahre lang im Nahen Osten gelebt. Das Schicksal der Flüchtlinge dort, von denen ich einige persönlich getroffen habe, vergisst man so schnell nicht.

Wie gelingt es Ihnen, nüchtern und sachlich zu bleiben, wenn es um Nachrichten geht, die Ihnen persönlich an die Nieren gehen oder über die Sie eigentlich nur lachen oder den Kopf schütteln können?

Sievers: Aus der Sendung raushalten und dann privat lachen oder Kopf schütteln.

Den Rest des Interviews klaue ich einfach aus Fragen anderer Chat-Teilnehmer und den Antworten:

Wie ist so ein typischer Tagesablauf eines heute-Moderators? Wann ist man morgens im Sender, wann geht man? Was macht man den ganzen Tag im Sender?

Sievers: Sitzungen ab 10 Uhr. Viel diskutieren, lesen, telefonieren. Sendung um 19 Uhr, FB-Chat danach…

Wie viele Mitarbeiter hat ihre Redaktion? Ist das die gleiche wie beim heute Journal, oder sind dies getrennte Redaktionen?

Sievers: Das sind getrennte Redaktionen unter einem Dach. (wg. Mitarbeiterzahl frage ich morgen meinen Chef)

Wie viele Meldungen waren heute noch in petto, die dann aus Zeitgründen unter den Tisch fallen mussten? Und welche waren das, wenn’s der Fall war?

Sievers:  Es gibt jeden Tag viele tausend weitere Meldungen. Eine, die schon in der Sendung drin war und dann aus Zeitmangel wieder rausflog, war: „Strompreise stark gestiegen“.

Was sind Ihre (sichersten und schnellsten) Informationsquellen? DPA, AP, etc.?

Sievers: Wir haben alle wichtigen Agenturen hier. Außerdem internationale TV-Sender und den Eurovision News Austausch. Tageszeitungen. Twitter.

Sie waren lange Korrespondent in Israel. Was nehmen Sie aus der Zeit mit? Haben Sie Hebräisch gelernt?

Sievers: Eine große Bewunderung für die Menschen in Nahost. Israelis und Palästinenser. Riesen-Lob für das gute Essen dort. Und Sehnsucht nach der Sonne… Hebräisch habe ich gelernt und kann es trotzdem nicht wirklich.

Wie erfuhren Sie als Deutscher in Israel das deutsch/israelische Verhältnis, insbesondere bei der Unter-50-Generation?

Sievers: Ein superwichtiges Thema. Tel Aviv – Berlin, die Verbindung klappt hervorragend. Beide Städte sind sich sehr ähnlich. Die Menschen auch. Wenn man sagt, man kommt aus Berlin, hört man in Israel immer: „Ah super, da komme ich gerade her.“ oder „Da fahre ich morgen hin.“

Ihre Erfahrungen als Auslandskorrespondent all die Jahre, hilft das bei der Anmoderation der Themen oder steht diese Erfahrung außen vor?

Sievers: Das hilft sehr. Ich glaube, dass man viele Fähigkeiten eines Reporters auch als Moderator gut gebrauchen kann: Die richtigen Fragen stellen. Auf den Punkt bringen.

Eine Frage noch: Gibt es bei heute eigentlich einen Dresscode oder könnten Sie theoretisch auch im Polohemd moderieren?

Sievers: Theoretisch ja, aber praktisch nicht. Die Zuschauer erwarten einen gewissen Look, wenn man Nachrichtensendungen macht.

Beim Spiegel würde jetzt stehen: „Wir danken Ihnen für das Gespräch!“ War ja leider gar keins…

Tag 254 | Seite 1

Um noch mal kurz auf Christian Wulff zu kommen, der am vergangenen Montag in Jever bei der Vorstellung seines Buches vor allem mit den Boulevard-Medien abrechnete: Zu dem Thema gibt es jetzt auch ein Theaterstück. Ingolf Lück ist der Darsteller des Ein-Personen-Stücks, das jetzt in Gütersloh Premiere hatte. Darüber berichtet das Medienmagazin Zapp:

Realistisch? Medienkritik als Theaterstück