Tag 165 | #WM2014

Man sagt den Schweizern ja ein leicht unterkühltes Temperament nach, und so herrscht hier im beschaulichen Murten am Tag des ersten WM-Spiels der Nati (gesprochen: „nazi“), wie man die Elf hier unbefangen nennen darf, auch kein wirkliches WM-Fieber, sondern allenfalls leicht erhöhte Temperatur. Die rotweißen Fahnen hängen ja auch sonst in jedem dritten Vorgarten. Für Nationalstolz braucht es hier keine Weltmeisterschaft. Nun, da wir ja gefühlt längst einen Zweitwohnsitz in der Schweiz haben, werden wir uns also gleich um sechs ein Fläschli „Felsschlösschen“ aufmachen und das Spiel anschauen. Fragt sich nur noch, ob mit deutschem oder schweizerischem Kommentator…

Tag 10 | Gesunde Ernährung

Jetzt, nach den vielen Feiertagen, ist es an der Zeit, über eine Ernährungsumstellung nachzudenken. Die Volkshochschule in Leer hat da auch das Richtige im Programm. Sie startet am 15. Januar den Kursus „Ostfriesische Küche“. Petra Siehl vermittelt leckere Rezepte für Grünkohl, Schnippelbohnen, Steckrübeneintopf, Rote Grütze & Co. Drei Abende, zwölf Stunden – fünf Kilo? Zur Anmeldung geht es hier: VHS Leer

Tag 9 | Jan Temme

Spiel 69, Temme 1969, Mischtechnik
Spiel 69, Temme 1969, Mischtechnik

Lehrer können nichts ausrichten? Dass ich gerne Bilder an die Wand hänge und Ausstellungen besuche, schreibe ich jenen Frauen und Männern zu, die mich an der Friesenschule (das unvergessene Ehepaar Bonow) und am Teletta-Groß-Gymnasium (der ebenso unvergessene Jan Temme) unterrichtet haben. Und auch dem Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke, dessen abstrakten, erotisch angehauchten Steinskulpturen wir staunend betrachteten und berührten, oder dem Maler und Kunsterzieher Siegfried Kunstreich, allesamt seinerzeit in Leer (Ostfriesland) aktiv.  Nicht dass auch nur einer von ihnen es geschafft hätte, mir selbst irgendein künstlerisches Talent zu entlocken. Aber die Liebe zum Betrachten und Entdecken von Bildern haben sie in uns Schülern der sechziger und siebziger Jahre zu wecken verstanden. Auch weil sie selbst sich mit moderner Kunst beschäftigten und Dinge machten, die so ganz „anders“ waren. Im Kunsthaus in Leer läuft nun eine Ausstellung mit Arbeiten von Jan Temme, der 1923 in Veldhausen nahe der niederländischen Grenze geborene Maler und Zeichner Jan Temme wäre nämlich im vergangenen Jahr 90 Jahre alt geworden. Bis zum 2. März 2014 sind sind seine Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen noch im Turnerweg 5 zu sehen.

Jan Temme hatte in Nordhorn das Malerhandwerk erlernt und für die Städtischen Bühnen als Bühnenbildner gearbeitet, bevor er von 1951 bis 1953 an der Akademie der Bildenden Künste in Münchenstudierte. Im Anschluss betrieb er wiederum in Nordhorn ein Atelier für angewandte Kunst und schloss ein weiteres Studium zum Gewerbelehrer in Wilhelmshaven ab. Diesen Beruf übte er ab 1959 in Wittmund sowie in Leer aus, ehe er 1970 Kunsterzieher in Leer, später in Brinkum wurde. Temme trat dem Bund Bildender Künstler Ostfriesland bei und hatte dessen Vorsitz von 1971 bis 1981 inne. 1986 verzog der Künstler nach Hannover, wo er nach langer Krankheit 2005 starb. Sein zwischen Realismus und Surrealismus anzusiedelndes künstlerisches Werk entfaltete sich vollends erst in Ostfriesland, nachdem Temme 1960 nach Leer übergesiedelt war. Hier entstanden seit den späten 1960er Jahren gesellschaftskritische Gemälde, Interieurs, detailreiche Zeichnungen, sehnsuchtsvolle Fensterbilder und Landschaften. In den 1980er Jahren experimentierte der Künstler mit der Aquarellmalerei

Gegen die Marktschreierei

Ich bin überrascht und erfreut über die Reaktionen auf meinen gestrigen Tagebucheintrag zum Thema Mahnwachen: Vom Brüllen und vom Schweigen.  Mir haben inzwischen etliche Leserinnen und Leser auf verschiedenen Wegen bestätigt, dass sie genauso empfinden: Angesichts der Tragödie in Japan ist die marktschreierische Debatte, die bei uns begonnen hat, einfach unwürdig. Vielen Dank für alle Rückmeldungen. Nach reiflicher Überlegung und durch andere bestärkt werden wir den Tagebucheintrag morgen auch in Print veröffentlichen. #Jeversches Wochenblatt

Vom Brüllen und vom Schweigen

Heute Abend bin ich auf einer dieser spontanen Demos gewesen, die von den Veranstaltern als “Mahnwachen” angekündigt wurden. Ich war als Beobachter da. Etliche Menschen waren nach meinem Eindruck als Zuschauer da. Leute, die in der Vergangenheit sicher eine Meinung zur Atomkraft hatten, aber nie auf die Straße gegangen sind. Ganz junge Leute, ziemlich alte Leute, und neben den üblichen Verdächtigen auch ganz unverdächtige. Gekommen, um irgendwie teilzunehmen an weltweiter Solidarität mit Menschen, in deren Lage man jetzt nicht sein möchte. Um überhaupt irgendetwas zu tun in einer Situation, in der man eigentlich nichts tun kann als sprachlos vor dem Fernseher zu sitzen.

Mahnwache. Wer denkt da nicht an Menschen, die – eine Fackel in der Hand – stumm dastehen und allein durch ihre Anwesenheit für oder gegen eine Sache eintreten. Vielleicht ein paar wohlgesetzte Worte des Mitgefühls erwartend. Ein Gebet gar? Ansonsten Schweigen. Was bleibt einem angesichts der Bilder aus Japan, unter dem Eindruck dieser gewaltigen Katastrophe, auch anderes, als still zu sein und mitzufühlen. Und sich zu sorgen, wie es wohl weitergeht, dort und hier?

Es war ganz anders. Mit bunten Fahnen rückten sie an, mit gelb-schwarzen Totenkopf-Fässern, einem Rinderkopf aus Pappmaché, was immer sie damit ausdrücken wollten. Ein Megafon hatte der Cheforganisator dabei, und als er es einschaltete und loslegte, da was es vorbei mit der “Mahnwache”. Ohne auch nur eine kleine Gedenkminute für die Opfer der Katastrophe in Japan einzulegen, nur einen Halbsatz dem Leid der Menschen widmend, trötete er los, schrie seine Anti-Atom-Überzeugung fast heraus, was nicht allein am Megafon lag. Sätze aus dem Anfängerbaukasten des Funktionärs, ohne Empathie, ohne diejenigen mitzunehmen, die vielleicht erst in diesen Tagen zu der Überzeugung gelangt sind, dass die Menschheit auf dem Holzweg ist, und die nicht zu einer Kundgebung gehen wollten, sondern zu einer Mahnwache.

Wer überzeugen will, muss nicht laut sein. Und viel braucht es in diesen Tagen ohnehin nicht, andere zu überzeugen, dass es so nicht weitergeht in der Energiepolitik, in Deutschland, auf der Erde.

Ich habe später wieder vor dem Fernseher gesessen, habe Bilder aus Japan angeschaut. Bilder von Menschen, die allen Grund hätten, herumzubrüllen, Transparente zu schwenken, ihre Regierung zu beschimpfen, zu sagen, sie wären schon immer dagegen gewesen und hätten Recht behalten. Sie tun es nicht. Sie sind still. So still, wie man sein sollte, wenn über so viele Menschen so viel Leid hereingebrochen ist. Warum nur strahlen die Japaner so viel mehr Würde aus?