NDR-Diskussion über Streit um das Bismarck-Denkmal in Wilhelmshaven

NDRDer Leiter des Gröschler-Hauses – Zentrum für die Zeitgeschichte der Region –  in Jever, Hartmut Peters, hat vorgeschlagen, den Bismarckplatz in Wilhelmshaven umzubennen, statt dort wie geplant ein Bismarck-Denkmal aufzustellen. Peters war Teilnehmer einer Diskussion über den Denkmalstreit, die am Dienstagabend vom NDR aufgezeichnet wurde und heute (Donnerstag, 15. Januar 2015) ab 19 Uhr auf NDR 1 Niedersachsen gesendet wird.

Auf dem Podium waren außerdem Werner Bohlen-Janßen (Ratsherr, CDU), Reiner Beckershaus (Club zu Wilhelmshaven) und Ursula Aljets (Arbeitskreis Banter Geschichte). Zu Wort kamen auch  der ehemalige Oberbürgermeister Eberhard Menzel, der frühere Landtagsabgeordnete Wilfrid Adam und der Initiator der Denkmalssetzung,  Drehorgelspieler August Desenz.

Es ging um die Bewertung von Bismarcks politischem Erbe, den Sinn eines solchen Denkmals und die Art und Weise, wie es durchgesetzt wurde. Natürlich wurde sehr kontrovers diskutiert. Hartmut Peters schlug vor, den Bismarck-Platz in „Platz der Revolution von 1918“  umzubennen und eine Informationsstätte über die Novemberrevolution 1918 und ihre Bedeutung für die erste deutsche Demokratie (Weimarer Republik) zu errichten. Der Aufstand der Arbeiter und Matrosen in der Kriegsmarinestadt sei eine der Initialzündungen zur Demokratie gewesen. Kein obrigkeitsstaatliches Memento, sondern ein Zeichen der republikanischen Tradition würde einer Stadt mit sonst überwiegend negativ besetzter Geschichte guttun und den Beitrag der Region Wilhelmshaven-Friesland zur Demokratiegeschichte verdeutlichen, so Peters.

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Tag 360 | Fern der Heimat

Ekkehart Woykos, Militärpfarrer bei der Marine und zurzeit auf der Fregatte „Niedersachsen“ im Einsatz, ist zu einer besonderen Ehre gekommen. In einer Serie über Spiritualität und Glauben im Internet-Magazin Baltimore-Post-Examiner wird der Seelsorger ausführlich porträtiert. Eine Geschichte, die so recht zu Weihnachten passt: „Weihnachten ist auf der ganzen Welt traditionell eine Zeit für die Familie und für die Freunde. Aber was, wenn Deine Arbeit eine Trennung erforderlich macht und dich irgendwo hinführt, wo schon ein einfacher Telefonanruf außerhalb jeder Vorstellung ist? Ekkehart Woykos hat die Verzweiflung und den Herzschmerz, die ein solches Leben hervorrufen kann, in seiner Eigenschaft als Priester bei der deutschen Marine gesehen:

German Navy Chaplain serves God while touching lives on the high sea

Baltimore

Tag 203 | Kaiserlich

Bis auf den Umstand, dass der Deutschlandfunk hier Dr. Jens Graul zum SPD-Ratsherrn macht, ist das hier ganz lesenswert: Zur Kaiserzeit zur Blüte gebracht

Es geht um Wilhelmshaven und seine Marinegeschichte.

Tag 102 | Kranke Akten

Im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven hat die Oldenburgische Landschaft jetzt den Band „Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven“ von Roman Behrens vorgestellt. Erschienen ist das Buch als Band 76 der von der Oldenburgischen Landschaft herausgegebenen Reihe Oldenburger Studien.

Das heutige Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, während des Weltkrieges Militärlazarett. Titelseite des Buches von Roman Behrens. Isensee-Verlag.
Das heutige Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, während des Weltkrieges Militärlazarett. Titelseite des Buches von Roman Behrens. Isensee-Verlag.

Psychische Erkrankungen von Soldaten wurden in der NS-Zeit durchweg nicht im Zusammenhang mit deren Kriegserlebnissen gesehen, sondern auf Charaktermängel der Betroffenen zurückgeführt. Die jetzt vorgestellte Veröffentlichung beruht auf einer Auswertung von vier Krankenakten von Marinesoldaten, die im Zweiten Weltkrieg in den Marinelazaretten Wilhelmshaven und Sanderbusch und in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wegen psychischer Erkrankungen behandelt worden sind. Die als Masterarbeit an der Universität Oldenburg entstandene Untersuchung umreißt anhand der vier Fallbeispiele den Umgang mit psychisch erkrankten Marinesoldaten. Außerdem gibt sie Belege für die Verstrickung von Kriegsmarine und Marinesanitätsdienst in die Sterilisationsverfahren und den Krankenmord in der NS-Zeit.

„Roman Behrens hat mit seiner Studie eine wichtige Anregung für die Wissenschaft gegeben, auf einem bisher nicht untersuchten Gebiet intensiv zu forschen“, charakterisierte Landschaftspräsident Thomas Kossendey die Arbeit.

Roman Behrens, Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven, Oldenburger Studien Band 76, herausgegeben durch die Oldenburgische Landschaft, 90 S., Isensee Verlag, Oldenburg 2014, lSBN 978-3-7308-1009-5, Preis: 19,80 €.

Blühende Schifffahrt

Seefahrtbegeisterung und nationaler Stolz. Man fuhr mit dem Schiff zur „Kaiserparade“ im September 1912

Wie merkwürdig sich manche Dinge im Laufe der Geschichte wiederholen. Es war im September 1912, genau hundert Jahre vor der Einweihung des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven, an den die ganze Region so große Hoffnungen knüpft, als das Jeversche Wochenblatt in seiner Ausgabe vom 1. September einen gewaltigen Boom meldete. In Wilhelmshaven blühten die Geschäfte, weil die Schifffahrt florierte. „Die gegenwärtige Zeit der geschäftlichen Hochflut gibt den Wilhelmshavener und Rüstringer Geschäftsleuten, insbesondere den Kaufleuten, Schlachtern, Bäckern usw. Gelegenheit, den Beweis ihrer Leistungsfähigkeit zu erbringen. Die Anforderungen, die jetzt an sie herantreten, sind nicht gering und manchem mag der Kopf schwirren. Sind doch in diesen Tagen 27 Linienschiffe und Kreuzer und mehrere Torpedobootsflottillen mit einer Kriegsschiffbesatzung von insgesamt rund 20.000 Mann hier anwesend. Erschwerend fällt dabei ins Gewicht, daß ein solcher Geschäftsandrang nur ein kurzer vorübergehender ist, Vorausbestellungen bei den meisten Lebensmittel-Bedürfnissen von den Schiffen wenig oder gar nicht erfolgen können und die Geschäftsleute sich daher mit vielen Artikeln aufs Geratewohl ausrüsten müssen, wobei sie immerhin einige Gefahr laufen, damit sitzen zu bleiben. Es wurden bisher jedoch im allgemeinen alle Ansprüche befriedigt. Eine kolossale Anfuhr von landwirtschaftlichen Produkten aller Art war heute auf dem Wochenmarkte auf dem Bismarckplatz zu verzeichnen; fast alle Artikel waren gut am Preise und fanden leicht Absatz. Sehr willkommen wäre den Geschäftsleuten das Vorhandensein eines Privat-Verkehrsdampfers zur Bedienung der auf Reede liegenden Kriegsschiffe gewesen, doch leider existiert ein solcher seit dem Verkauf des Schleppers August Bahr nicht mehr.“

Während man sich an Land also Gedanken über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Schiffffahrts-Booms machte und sich auf höhere Umsätze freute, ging es auf der Wasserseite wie in diesen Tagen des September 2012 auch vor hundert Jahren um das Thema Sicherheit auf See. In derselben Ausgabe des Wochenblatts wurde über die Seeamtsverhandlung nach einem Schiffsunfall im Emder Hafen berichtet, bei dem der Frachtdampfer Ems bei der Einfahrt von dem Regierungsdampfer Logum gerammt und beschädigt worden war. „Der Dampfer Logum wurde geführt von dem Matrosen Heikes an Stelle des beurlaubten Kapitäns. Hiervon ausgehend kritisierte der Reichsbevollmächtigte Kontreadmiral Lilie (Oldenburg) scharf den Umstand, daß die Logum von einem einfachen Matrosen geführt wurde, der nach eigner Angabe die Vorschriften des Seestraßenrechts nicht kennt. Die Verantwortung sei der Behörde zuzuschieben, die den Matrosen mit der Führung betraut habe.“

Lustfahrt – die Stimmung war gut im kaiserlichen Wilhelmshaven. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges boomte die Marinestadt.

Und dann war in Norddeich noch die Funkstation ausgefallen: „Zur Sicherung der Schifffahrt hat die Reichspostverwaltung für die Telefunkenstelle zu Norddeich besondere Maßnahmen getroffen“, heißt es in einem Korrespondentenbericht. „Die Schadhaftwerdung des Rufzeichengebers im Korrigierwerk hatte unmittelbar eine bedrohliche Gefährdung der Schifffahrt durch Unterbrechung zur Folge“, berichtete das Jeversche Wochenblatt. Es wurden Ersatzapparate gebaut, um den unterbrechungsfreien Seefunkverkehr zu sichern. So lernte man vor hundert Jahren auch schon aus Pleiten, Pech und Pannen.

Der Text erschien zuerst in der Beilage „Friesische Heimat“ des Jeverschen Wochenblatts vom 15. September 2012 www.jeversches-wochenblatt.de

Südzentrale – war’s das?

Suedzentrale

Wilhelmshaven – Die Südzentrale in Wilhelmshaven wurde 1908/09 als Kraftwerk der Marine in luftiger Jugendstil-Architektur erbaut und ist seit 1991 eingetragenes Baudenkmal. Seit Betriebsaufgabe 1993 ist es Verwahrlosung und Verfall ausgesetzt.Der stadtgeschichtliche Wert des Bauwerks ist bei den Entscheidungsträgern in den Hintergrund gestellt worden. In den vergangenen Jahren ist weder eine erforderliche Nachnutzung noch notwendige Substanzsicherung ernsthaft angedacht worden. Einem erneuten Abrissantrag wurde Anfang des Jahres entsprochen, obwohl konkrete Planungen über eine zukünftige Nutzung des Areals fehlen.

Sued Ein Panoramabild (Innenansicht) der Südzentrale gibt’s hier (links). Einfach draufklicken.

Mit Vorträgen, Ausstellungen, Architekten-Workshop und Theater-Performance hat das Forum zum Erhalt der Südzentrale in den vergangenen zehn Jahren immer wieder versucht, auf die Besonderheit und einzigartige Qualität des Gebäudes hinzuweisen.Das Symposium, zu dem das Forum am Samstag, 18. Juni 2011, ab 11 Uhr einlädt, zeigt Potentiale des Ortes und (verpasste) Chancen auf. Es soll deutlich werden, inwieweit die Südzentrale heute noch Ausgangspunkt einer zukünftigen Planung und Entwicklung sein kann.

Fachredner werden mit Kurzreferaten den Auftakt der Veranstaltung begleiten. Darunter u. a. Axel Föhl, Wolfgang Neß und Hermann Schiefer aus der staatlichen Denkmalpflege, Prof. Dr. Uwe Meiners (Museumsdorf Cloppenburg), Martin Thumm und Christoph Gerlach (Hochschule für Wissenschaft und Kunst Hildesheim), Jörg Michael Henneberg, Vorsitzender der Stiftung für wilhelminische Studien, Tom Nietiedt, Micaela-Schweers-Sander, Ernst-André Winter u. a. Statements von Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Ingo Sommer und Henning Venske unterstützen den Dialog. Im Anschluss an die Vorträge gibt es eine offene Diskussion.

Eingeladen sind alle Interessierten, die sich in dieser Diskussion um die Südzentrale mit einbringen möchten.

Veranstalter: Forum Wilhelmshaven – Erhaltet die Südzentrale sowie die Oldenburgische Landschaft

Ort: Deutsches Marinemuseum, Südstrand 125, Wilhelmshaven

Bitte kurze Anmeldung zur Veranstaltung, Kontakt: Corinna Nickel 0172.432 46 58

Gorch Fock: Etwas Interessantes über Rituale…

Etwas über den Zusammenhang von Bundeswehr und Dschungelcamp. Lasst den Soldaten die Rituale, fordert der Seefahrer-Blogger:

http://seefahrer.blog.de/2011/01/28/marinesoldat-holt-raaaaauuuuus-10449967/