„Klang der Erinnerung“ in Jever

Zwei Gedenkveranstaltungen zum 88. Jahrestag der Novemberpogrome

Mit einem Konzert samt Vortrag unter dem Titel „Klang der Erinnerung“ wird am kommenden Montag, 9. November 2026, um 17.30 Uhr im Gröschlerhaus, Große Wasserpfortstraße 19 in Jever, an die Novemberpogrome erinnert. Die Veranstaltung findet aus Anlass des 88. Jahrestags des Pogroms gegen die Juden vom 9. November 1938 statt und schließt an die Gedenkfeier am Nachmittag an.

Von der jeverschen Synagoge blieb der Grundstein erhalten. Er befindet sich heute auf dem jüdischen Friedhof in Schenum bei Jever. Foto: Helmut Burlager

In Jever wurden in der von den Nationalsozialisten als „Reichskristallnacht“ bagatellisierten Pogromnacht jüdische Bürger drangsaliert, Wohnungen und Geschäfte beschädigt und die Synagoge in der Wasserpfortstraße in Brand gesetzt. Sie wurde vom Feuer völlig zerstört.

Heute befindet sich dort in dem Nachfolgerbau ein Erinnerungsort mit Bildungs- und Dokumentationszentrum. Das Gröschlerhaus erinnert mit seiner Namensgebung an Hermann und Julius Gröschler. Die beiden Brüder waren die letzten Vorsteher der jeverschen Synagogengemeinde und wurden von den Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Auschwitz ermordet.

Am Montag gestalten Agnes Grube (Oboe), Yevgeny Sapozhnikov (Cello) und Dr. Roman Salyutov (Klavier/Harmonium) das musikalische Programm. Salyutov, von dem das Konzept stammt, übernimmt die Moderation. Im Mittelpunkt steht ein Harmonium: Es gibt Hinweise darauf, dass ein solches Instrument einst in der Synagoge in Jever zur Unterstützung des Chors der Synagogengemeinde gespielt wurde. Zwischen den Musikstücken lässt Roman Salyutov persönliche Stimmen jüdischer Künstlerinnen und Künstler hörbar werden – ein emotionaler Zugang zu Zugehörigkeit, Verlust und Erinnerung, der Raum für Stille und Nachdenken bietet.

Veranstalterin ist die Volkshochschule Friesland / Wittmund in Kooperation mit dem Gröschlerhaus. Der Eintritt ist frei.

Bereits um 16 Uhr findet am selben Tag an der Synagogen-Gedenktafel am selben Ort die Gedenkfeier für die Opfer des Pogroms statt. Vorgesehen sind eine Gedenkrede und eine Kranzniederlegung durch die Stadt Jever, den Landkreis Friesland und die Kirchen in Jever. Organisatorin ist die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Im Anschluss an die Gedenkfeier ist das Gröschlerhaus geöffnet.

Die Synagoge virtuell besichtigen

Gröschler-Haus öffnet am Tag des offenen Denkmals

Die prächtige Synagoge der jüdischen Gemeinde Jever ist in der Pogromnacht vom 9. November 1938 von den Nazis angezündet worden, sie wurde komplett zerstört. Trotzdem kann man sie am Sonntag, 14. September 2025, ab 11 Uhr besichtigen. Im Gröschler-Haus in der Großen Wasserpfortstraße 19, dem Dokumentationszentrum am ehemaligen Standort der jeverschen Synagoge, wird anlässlich des Tages des offenen Denkmals die virtuelle Rekonstruktion der 1938 zerstörten Synagoge gezeigt. Zu sehen sind in der Ausstellung auch die erhaltenen Relikte der Synagoge und die Keller-Mikwe. Geöffnet ist das Gröschler-Haus von 11 bis 14 Uhr.

Virtuelle Innenansicht der Synagoge von Jever (Reunion Media)

Das Erinnerungszentrum Gröschler-Haus befindet sich in einem Gebäude, das 1954 auf dem Grundstück der 1938 zerstörten Synagoge errichtet wurde. Bei Umbaumaßnahmen kamen in den vergangenen Jahren eine Reihe von baulichen Relikten des Gotteshauses ans Licht. Diese sowie der im unzerstörten Anbau der Synagoge erhaltene Raum der jüdischen Schule und die im Keller erhaltene Mikwe sind zu besichtigen. Die virtuelle Rekonstruktion der Synagoge in 3D-Echtzeitsimulation mit VR-Brille und gleichzeitiger Projektion auf einen 2D-Screen steht  außerdem zur Verfügung.  Die realen und virtuellen Führungen werden durch Mitglieder des Arbeitskreises Gröschler-Haus  im Jeverländischen Altertums- und Heimatverein begleitet. Der Eintritt ist frei.

Am Nachmittag wird außerdem eine Führung über den jüdischer Friedhof von Jever im Ortsteil Schenum, Adresse Hohewarf 8, angeboten. Der Eintritt ist ebenfalls frei. Der Friedhof ist ein wichtiges Zeugnis der jüdischen Geschichte von Jever. Die erhaltenen Grabsteine gleichen einem steinernen Buch der Erinnerung.

Jüdischer Friedhof von Jever (Foto: Gröschler-Haus)

Der älteste, erhaltene Grabstein auf dem 1779 errichteten Friedhof stammt aus dem Jahr 1795. Das Kriegsende 1945 vereitelte den Plan der Nationalsozialisten, den Friedhof für die Lagerung von Straßenbaumaterialien einzuebnen. Die britische Militärregierung und der aus Berliner Zwangsarbeit befreite Erich Levy (1891 – 1967) setzten die Wiederherstellung der verwüsteten Grabstätten durch. Levy  ließ hier Denkmäler zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der NS-Zeit und die 1938 zerstörte Synagoge errichten. Zuletzt wurde hier der 1950 aus dem Exil zurückgekehrte Friedrich „Fritz“ Levy (1901- 1982) beerdigt. Auch wegen seiner gut erhaltenen Substanz ist der Friedhof ein für die gesamte Region bedeutsames Denkmal.