Seit Jahrzehnten funktioniert die Idee der Entwicklungshilfe mittels Mikrofinanzierung. Weltweit bekannt wurde sie erst mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus. Seit einigen Monaten aber sind Mikrokredite in Verruf geraten. Zu recht? Zu unrecht? Wer das beurteilen will, muss zunächst einmal Informationen haben. Eine Linksammlung zu wichtigen Beiträgen in der Debatte um Mikrokredite ist hier zu finden: https://friesenblog.wordpress.com/mikrokredite-2/
Jahr: 2011
Originell: Friesisches Brauchtum zum Jahreswechsel
Silvesterbräuche und Neujahrstraditionen gibt es viele, besonders im Nordwesten: Von Neejohrskoken bis Speckendicken, von Bomboisjes bis zu Spökenkram. Zu den ganz alten, nur noch an wenigen Orten gepflegten Traditionen gehört das Beiern.
In der Silvesternacht werden auf hohen Kirchtürmen die Glocken von Hand geschlagen. Ein merkwürdiges Wummern schallt weit übers Land, unheimlich, geheimnisvoll. Kräftiger Männerarme bedarf es dafür, und natürlich einer Flaschen “Glockensmeer”.
Über das Beiern hat Jürgen Eden einen schönen Film gemacht, er war in der Silvesternacht 2010/11 wieder einmal in Schortens, in einer der ältesten friesischen Kirchen dabei. Hier sein Video:
http://www.youtube.com/watch?v=uhotVuIlVJo
Foto: Helmut Burlager
Den richtigen Mikrofinanzpartner auswählen
Eine Stellungnahme von Opportunity International, Großbritannien
Opportunity International war in den letzten 40 Jahren führend in der Kleinkreditvergabe an arme Menschen in der ganzen Welt. Während dieser Zeit ist die Zahl der Mikrofinanzanbieter deutlich angestiegen. Ein Ergebnis dieses Wachstums ist eine größere öffentliche Prüfung der ausgeübten Methoden und Prioritäten der Mikrofinanzorganisationen.
Es ist daher wichtig, dass jeder, der Mikrofinanzierung unterstützen möchte, zunächst die Ziele, Prioritäten und Methoden des potentiellen Mikrofinanzpartners bewertet. Wir bieten eine Liste mit Fragen und Antworten an, die bei der Bewertung helfen soll. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Opportunity Internationals Mikrofinanzarbeit eine Vorreiterrolle einnimmt, anhand derer die Arbeit von anderen Mikrofinanzorganisationen bewertet werden kann.
Frage: Ist die Organisation vor allem daran interessiert, einen Profit zu erwirtschaften oder den Armen zu dienen?
Wichtig hierbei: Nicht alle Mikrofinanzorganisationen sind gemeinwohlorientiert. Manche kommerzielle Mikrofinanzanbieter konzentrieren sich vor allem darauf, Gewinne zu maximieren und den Unternehmenswert zu steigern. Es ist wichtig, herauszufinden, ob die Organisation vor allem im Interesse der Armen handelt oder eine Gewinnmaximierung anstrebt.
Die Hauptmotivation von Opportunity International war immer der Wunsch, Menschen in Armut zu stärken und ihnen ein Zugang zu Mikrofinanzierung zu ermöglichen. Da Opportunitys gemeinnützige Stiftungen die Mehrheiten an allen „Partnerbanken“ besitzen und nicht individuelle Aktienbesitzer, werden alle Gewinne wieder neu investiert, damit wir unsere Dienstleistungen ausbauen können und die Kosten für unsere Klienten reduziert werden können.
Frage: Welche Anzeichen gibt es dafür, dass eine Organisation tatsächlich in erster Linie Menschen in Armut unterstützt und nicht darauf fokussiert ist, Profit zu erwirtschaften?
Ein gemeinnütziger Rechtstitel ist nicht der einzige Anhaltspunkt, der darüber Aufschluss gibt, ob eine Mikrofinanzorganisation sich auch wirklich für Arme einsetzt. Andere Anhaltspunkte wie etwa die soziale Demografie der Klienten, der Einsatzort und der Umfang der Arbeit einer Organisation sowie ein Nachweis über bisherige Erfahrungen einer Organisation sind ebenfalls wichtig.
Soziale Demografie: Opportunity International möchte den ärmsten der arbeitenden Armen helfen. Dies wird zum einen daran deutlich, dass die durchschnittliche Höhe des Startkapitals für einen Klienten niedrig ist (er beträgt zum Beispiel in Malawi durchschnittlich 129 Euro) und zum anderen daran, dass Opportunitys Partner vor allem in Entwicklungsländern arbeiten.
Einsatzort und Umfang der Arbeit: Opportunity International arbeitet in 24 der ärmsten Länder der Welt. In diesen Ländern weiten wir unsere Arbeit von den städtischen Regionen in die ländlichen Regionen weiter aus, da vor allem in ländlichen Regionen Menschen keinen Zugang zu Mikrofinanzdienstleistungen haben. Die Arbeit in abgelegenen ländlichen Gegenden ist sehr kostspielig, aber essentiell, wenn Menschen die Chance gegeben werden soll, sicher und verlässlich Geld zu leihen und zu sparen.
angebotene Dienstleistungen: Opportunity International bietet vielfältige Mikrofinanzdienstleitungen an – Kredite, Sparmöglichkeiten und Versicherungen – da arme Menschen nicht nur Kredite haben wollen. Sie wollen ihr Geld sicher sparen und sich gegen unvorhergesehene Ereignisse versichern. Die Möglichkeit, Geld sicher zu sparen, ist besonders wichtig, da Menschen auf diese Weise die Möglichkeit eröffnet wird, einen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu bekommen, Nahrungsmittel zu kaufen und gegebenenfalls auf Notfälle reagieren zu können. Opportunitys Sparkonten bieten armen Menschen die Chance, ihr Geld sicher auf einem Bankkonto zu sparen anstatt es unter einer Matratze verstecken oder im Boden vergraben zu müssen.
Nachweis über Erfahrungen: Opportunity International hat 40 Jahre Erfahrung darin gesammelt, armen Menschen Mikrofinanzdienstleistungen anzubieten.
Frage: Wie bewahrt eine Organisation ihre Klienten davor, in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen?
Wichtig hierbei: Ohne eine vernünftige Betreuung kann ein Kredit kein Segen, sondern ein Fluch sein.
Beziehungen aufbauen: Opportunity International baut zu allen Klienten eine Beziehung auf. Indem wir die individuelle Situation unserer Klienten kennenlernen, können wir auf ihre speziellen Bedürfnisse eingehen. Als ein verantwortungsbewusster Kreditgeber vergeben wir keine Kleinkredite an Menschen, die nicht in der Lage sind, diese zurückzuzahlen.
Schulungen zu Wirtschaftsthemen: Unsere Klienten erhalten Schulungen zu Wirtschaftsthemen, die ihnen dabei helfen sollen, vernünftig mit ihrem Geld umzugehen. Dank der Spenden, die wir von der britischen Regierung und anderen großen Spendern erhalten haben, können wir den Umfang unserer Schulungen vergrößern.
Frage: Welche Garantie gibt es, dass die Organisation sich auch in Zukunft um die Bedürfnisse von Armen kümmert?
Es ist wichtig zu untersuchen, welche Absicherungen eventuell existieren, um sicher zu gehen, dass die Organisation sich auch zukünftig für Arme engagiert.
Wie bereits dargestellt verfolgt Opportunity International mit dem Engagement für Arme eine gemeinnützige Mission. Wir streben danach, unsere Dienstleistungen für arme Menschen zu verbessern, indem wir kontinuierlich den Einfluss unserer Arbeit evaluieren und gegebenenfalls verbessern.
Als Kind im Land des Erbfeinds
Zu den Dingen, die mir aus meiner frühesten Kindheit in Erinnerung geblieben sind, gehört das alte Nordmende-Röhrenradio meines Großvaters, das auf einem Bord über seinem Lehnstuhl stand. Er saß dort mit dem Ohr am Lautsprecher und der Hand am rechten Drehknopf, auf der Suche nach Kurz-, Mittel- und Langwellenstationen. Und dann lauschte er den rauschenden und knisternden Sendern.
Sobald ich lesen konnte, studierte ich die fremdartig klingenden Namen der Städte, die auf der von hinten beleuchteten Skala aufgeführt waren, Beromünster, Hilversum, Bruxelles, Dunkerque. „Dünkirchen“, sagte mein Großvater, „das ist Dünkirchen, das ist weit weg, in Frankreich.“ Er war im Krieg dort gewesen.
Der erste Ausländer, den ich näher kennenlernte und der mein Jugendfreund wurde, hieß Jean-Marie, er kam aus Dünkirchen. Wir waren dreizehn oder vierzehn, er war wie ich Eisenbahnerkind aus einfachen Verhältnissen, er sprach anfangs so schlecht Deutsch wie ich Französisch, und wir trafen uns auf einer internationalen Jugendfreizeit des Bundesbahnsozialwerks. Eisenbahnerkinder durften damals umsonst durch Europa fahren, und so haben wir uns ein paar Jahre lang Sommer für Sommer gegenseitig besucht. Aus dem armseligen Ostfriesland der sechziger Jahre kam ich also mit dem Zug ins noch armseligere Nordfrankreich, die Familie von Jean-Marie nahm mich freundlich auf. Sie gaben mir Miesmuscheln zu essen und Artischocken, ich durfte Roséwein trinken und am Pastis nippen, der nach Lakritz schmeckte. Es war herrlich.
Merkwürdig waren nur die Ausflugsziele. Sie fuhren mit mir an die Küste und
zeigten mir, wo die Alliierten gelandet waren. Zur Gedenkstätte für die gefallenen
Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Trafen wir unterwegs oder in der Stadt Bekannte der Familie, so sprachen sie über mich, den kleinen „Boche“. Ich begriff nicht viel, nur dies: Sie strichen mir übers Haar und staunten, dass so ein kleiner, blonder und unschuldig dreinblickender „Allemand“ sich nach Nordfrankreich traute. Und dass er so vollkommen ungefährlich aussah.
Abends, zu Hause, erzählte der Vater voller Stolz heroische Geschichten von
Krieg und Widerstand. Jean-Marie verdrehte die Augen. Wenn wir seine Freunde trafen, sprachen wir nicht über Krieg, sondern über Musik und Comics und die Unterschiede zwischen französischen und deutschen Mädchen. Soweit wir diese schon beurteilen konnten.
Jean-Marie habe ich später aus den Augen verloren, selbst das Internet hat uns
nicht wieder zusammengebracht. Was geblieben ist, ist meine Zuneigung zu einem Land, von dem man meinem Großvater noch erzählt hat, dort lebe der „Erbfeind“, gegen den er ins Feld ziehen müsse. Wenn ich in ein paar Wochen wieder hinfahre, fahre ich zu Freunden.
Der Beitrag erschien im Juni 2009 im Rahmen einer Serie “Mein Europa” im Jeverschen Wochenblatt (Friesisches Tageblatt)