Tag 28 | Monözie

Mein persönliches Wort des Jahres steht schon fest, es ist die „Einhäusigkeit“. Laut Duden ist das die „Mo|n|ö|zie, die; – <griech.> (Bot. Einhäusigkeit, Vorkommen männl. u. weibl. Blüten auf einer Pflanze)“. Verwendet wurde es jetzt anlässlich einer Pressekonferenz der Stadt Wilhelmshaven, und es ging dabei nicht um den Botanischen Garten, sondern um die Krankenhäuser in der Stadt. Zwei gibt es davon, ein städtisches und ein katholisches, und die beiden sollen in den nächsten Wochen fusionieren. Das ist ja auch so eine Art gleichgeschlechtlicher Vereinigungsvorgang mit nachfolgenden Geburtswehen. Jedenfalls ziehen die beiden Krankenhäuser im Sommer dann unter ein Dach, anders ausgedrückt in ein Haus, oder um es mit den Worten der Klinikchefin und des Oberbürgermeisters auszudrücken: Es kommt die Einhäusigkeit. Welch ein schönes Wort. Ich sehe meinen Arbeitskollegen vor mir, der demnächst mit seiner Freundin zusammenziehen will, wie er sie an einem romantischen Abend bei Kerzenschein fragt: „Könntest Du Dir für unsere Zukunft eine Einhäusigkeit vorstellen?“ Und sie haucht: „Ja, ich habe schon lange von Monözie geträumt!“

Tag 27 | Schnee

Wochenenddienst in der Redaktion und erster Schnee in Friesland. Die Leute schicken Fotos, erzählen auf Facebook, was sie alles unternommen haben, wie sehr die Kinder sich freuen. Die Autos fahren, die Leute gehen spazieren, Väter ziehen Schlitten, Familien bauen Schneemänner. Alles geht. Gegen Abend kippt die Stimmung: Sehr besorgt fragen Kids und Eltern, die den ganzen Sonntag schön draußen unterwegs gewesen sind: „Ist morgen Schulausfall?“

Tag 23 | Kameraden

Der unvergessene Ferdinand Heinen, dessen Geburtstag sich Mitte Januar wieder jährte, ging in Jever an bestimmten Tagen nur ungern auf die Straße. Fragte man ihn nach dem Grund, sagte er verschmitzt: „Im Wochenblatt stand, dass beim Schützenverein heute Senioren-Schießen ist.“ Nun erklärt hoffentlich eine Ankündigung der Kyffhäuser-Kameradschaft in einer Wochenblatt-Ausgabe nicht den oft beklagten Mitgliederschwund bei Vereinigungen dieser Art. Da stand nämlich, dass in in Kürze wieder ein Kameraden-Schießen stattfindet.

Tag 20 | Freunde

Die Anbahnung von Kontakten auf Facebook hat ja was Naives. „Willst Du meine Freundin sein?“ – das hat man doch zuletzt als Dreizehnjähriger so gefragt und eine Antwort nach dem Motto „Ohne meinen Alltours sag ich nichts“ bekommen. Außerdem kann kein Mensch 345 Freunde haben. „Willst Du mein Bekannter werden?“ ist allerdings auch keine Option, denn das kann man ja nur als Wildfremder fragen, und wie soll ich bei einem Wildfremden entscheiden, ob mir wirklich behagen würde, seine Bekanntschaft zu machen? Da lob‘ ich mir Twitter. Da ist man einfach Follower, und ich muss niemanden fragen, ob ich ihm folgen darf, ich tue es einfach, und wenn ich es nicht mehr tun werde, wird er es kaum merken, es sei denn, er hätte nur einen Verfolger. Das wäre so, als ob man bei Facebook nur einen Freund hätte. Den sollte man dann aber wirklich nicht im Stich lassen.

Tag 18 | Jugendbegleiter

Würde mich jemand nach dem Namen der Lottofee fragen, würde ich ohne großes Zögern antworten: „Karin Tietze-Ludwig“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass erstens ich schon etwas älter bin und zweitens die Lottofee nicht täglich präsent ist. Denn auf die Frage nach den aktuellen Nachrichtenmoderatoren würde ich ja auch nicht Werner Veigel nennen, sondern Ingo Zamperoni. Karin Tietze-Ludwig ist es also nicht, die hat schon vor 16 Jahren aufgehört. Ihre Nachfolgerin ist Franziska Reichenbacher. Die hätte ich nun eher bei Müsli eingeordnet, aber nein: Sie macht ihren Job schon so lange, dass sie wohl auch eines Tages ins Fernsehmuseum kommt, zusammen mit den Werner Höfers, Bernhard Grzimeks, Wim Thoelkes und Ernst Hubertys der TV-Geschichte. Heute Abend geht sie übrigens zum 700. Mal auf Sendung und wird uns erzählen, dass wir wieder nichts gewonnen haben. Sollte es anders sein – ich würde mir den Namen Franziska Reichenbacher bis ans Lebensende merken.

Tag 17 | Aus gegebenem Anlass

Wenn ein Mann den Geburtstag seiner Frau vergisst, hat er nicht bemerkt, dass sie ein Jahr älter geworden ist. Gibt es ein schöneres Kompliment? (Josef Meinrad)

Tag 16 | Sparfüchse

Scan10007Wer den Pfennig nicht ehrt … Also ist man erfreut, aber auch etwas überrascht, wenn auf dem Girokonto eine Gutschrift von einem Cent eintrifft. Vor allem aber neugierig, wer so etwas wohl macht. In diesem Fall eine clevere Versicherung, die das Geld für Porto sparen wollte und das teure Unterfangen, alle Kunden über die erfolgte Sepa-Umstellung zu informieren, mit einem kleinen Trick löste: 0,01 Euro aufs Konto überweisen und den ganzen Sermon („Ihre Mandatsreferenz… unsere Gläubigernummer …) einfach in den Verwendungszweck schreiben. Ergebnis: Zuverlässige Zustellung für (sehr) kleines Porto.

Tag 15 | Coming out

Habe ich jemals zugegeben, dass der Sportarzt, als er vor Jahren meine Tauglichkeit für die Knabenmannschaft des SV Frisia Brinkum feststellen sollte, die Augenbrauen hochzog und mir, dem hoffnungsfrohen Nachwuchsfußballer, eine seltene Kombination aus Senk-, Spreiz- und Knickfuß bescheinigte? Hab ich nicht! Da meine nachfolgenden fußballerischen Leistungen der niederschmetternden Diagnose entsprachen und die Karriere bereits in der B-Jugend endete, habe ich das Thema gemieden, und bis auf meinen Schuhmachermeister weiß kaum jemand von meinem orthopädischen Missgeschick, selbst Facebook nicht. Es gibt  eben Dinge, die kein Coming out vertragen, schon gar nicht im Fußball. Wie kann es nun angehen, dass mir auf Twitter plötzlich @fussexperten folgen, die mir „Tipps und Info’s“ (pardon, für deren Rechtschreibung kann ich nichts) zu Fußproblemen in Alltag und Sport versprechen? Hab ich je übers Netz Schuheinlagen bestellt? Hab ich ein Forum von Fußkranken besucht? Hab ich die Werbung von „Gehwohl“ angeklickt? Hab ich nicht. Niemals! Nein, liebe Fußexperten, ihr könnt mir gerne folgen, ich folge nicht zurück. Das Internet wird mir unheimlich. Und außerdem geht es keinen etwas an, was mit meinen Füßen ist.

Tag 14 | Weihnachtsfeier

So, der Termin für die Weihnachtsfeier steht. Hat ja auch lange genug gedauert. Im Oktober hatten wir noch keine Lust auf die Planung, im November dachten wir, es hat ja noch Zeit, Anfang Dezember waren alle Termine bis Heiligabend schon dicht, und dann, na ja … Jetzt haben wir es also geschafft, die Weihnachtsfeier ist am 23. Januar. Passt super. Alle haben Zeit, jeder freut sich, keiner fühlt sich gestresst, die Liste (wer bringt was mit) hängt am schwarzen Brett, was will man mehr? Ganz kurz haben wir nachgedacht, ob wir die Weihnachtsfeier noch Weihnachtsfeier nennen dürfen oder sie in Neujahrsempfang umbenennen sollten. Nein, es bleibt bei Weihnachtsfeier. Von Neujahrsempfängen sind doch schon wieder alle genervt …

Tag 13 | Tee oder Kaffee?

Tee oder Kaffee? In Ostfriesland ist die Vorliebe klar: Tee. Oder doch nicht? Schließlich gibt es auch im Nordwesten Kaffeeröstereien, und auch der berühmte Pharisäer – das Getränk mit dem Sahnehäubchen, das den kleinen „Schluck“ verhüllen soll, der noch drin ist – besteht überwiegend aus Kaffee. Bei Frank Jakobs werden wohl Tee- und Kaffeegenießer auf ihre Kosten kommen und mehr über ihr heißgeliebtes Heißgetränk, dessen Herstellung und den richtigen Genuss erfahren. Heute Abend (13.1., von 19 bis 20 Uhr)  geht es im Hörfunk auf NDR 1 Niedersachsen in der Sendung „Plattdeutsch“ um die Frage aller Fragen, auf Platt: „Tee oder Koffje?“