Tag 264 | Übergeben

Mich persönlich befremdet ja immer, wenn Marietta Slomka an „Heinz“ übergibt. Und der dann die Nachrichten vorliest. Insofern spricht mir der Beitrag von Hans Hoff im Medienmagazin DWDL aus der Seele. Ich übergebe mich- vom Unsinn der Schalten

Tag 262 | Abschied

Aufhören zu können, wenn es nicht mehr geht, das ist nicht jedem vergönnt. Nicht nur, aber gerade auch Journalisten laufen Gefahr, ein beachtliches Lebenswerk am Ende ins Lächerliche zu verlängern, weil sie nicht sehen, dass sie der Aufgabe mental wie manchmal auch physisch nicht mehr gewachsen sind. Bitter, wenn einer dann am Ende alles verliert, das Selbstwertgefühl ebenso die Hochachtung der anderen, und sich selbst zur tragischen Figur macht. Es gibt aber auch die anderen, die erkennen, dass alles seine Zeit hat (was man für sich selbst später dann auch erhofft). So einer ist der große Feuilletonist Fritz J. Raddatz, der soeben seinen Abschied vom Journalismus erklärt hat. Respekt für einen Großen unserer Zunft. Die Welt | Kultur

Tag 256 | Medien

Stefan Bergmann tritt zum 1. November in die Chefredaktion der Emder Zeitung ein. Foto: EZ
Stefan Bergmann tritt zum 1. November in die Chefredaktion der Emder Zeitung ein. Foto: EZ

Veränderung an der Spitze der Emder Zeitung: Der 46 Jahre alte Stefan Bergmann tritt zum 1. November in die Chefredaktion des Blattes ein. Er ist seit 2006 Chefredakteur der Münsterschen Zeitung, die jüngst an den örtlichen Konkurrenten Westfälische Nachrichten verkauft worden ist.

Stefan Bergmann übernimmt in Emden eine von der Größe her vergleichbare Zeitung. Die Münstersche Zeitung hat eine Auflage von 19.500 Exemplaren, die Emder Zeitung verkauft etwas mehr als 10.000 Exemplare. Sie gehört zu den wenigen Zeitungen dieser Größenordnung, die mit einer Vollredaktion arbeiten.

Seit Anfang der Achtzigerjahre produziert die Redaktion den überregionalen Teil wieder selbst, nachdem das Blatt bis dahin einen Mantel eingekauft hatte. Dies und ein aufsehenerregender Relaunch, der die EZ bis heute zu einem Exoten unter den Lokalzeitungen macht, war unter anderem das Werk des amtierenden Chefredakteurs Klaus Fackert (61).

Prägt die EZ seit Jahrzehnten: Klaus Fackert. Hier auf dem Cover seines Buches.
Prägt die EZ seit Jahrzehnten: Klaus Fackert. Hier auf dem Cover seines Buches.

Der war 1981 mit dem neuen Chefredakteur Herbert Kolbe nach Emden gekommen, hatte mit ihm zusammen die Zeitung umgekrempelt und in der Branche neue Maßstäbe gesetzt. 2006 übernahm Fackert die Chefredaktion. Seine Kolumne „Die Woche ist um“ war so erfolgreich, dass Fackert zum 25-jährigen Jubiläum ein Buch aus den besten Beiträgen machte. Nachdem er seit Monaten aus familiären Gründen sein Amt nicht mehr ausüben kann, wird die Chefredaktion nun um Stefan Bergmann erweitert.

Tag 255 | Interview

Bin auf eine neue Möglichkeit gestoßen, ohne viel Aufwand an Promi-Interviews zu kommen. Habe mich einfach mal gestern Abend nach der heute-Sendung beim Facebook-Chat mit dem neuen heute-Moderator Christian Sievers eingeklinkt und ein paar Fragen eingestreut. Wegen des großen Andrangs im Chat wurden nicht alle beantwortet, aber immerhin… ausbaufähig.

Sievers„Hallo Herr Sievers, erstmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Job. Sie machen das gut!

Christian Sievers: (Schickt als Antwort einen Smiley)

Isis, Ukraine, Ebola, Europa, Schottland, Katalanen – unruhige Zeiten, in denen Sie die heute-Sendung übernehmen. Welches Thema berührt Sie persönlich zurzeit am meisten?

Sievers: Ich habe fünf Jahre lang im Nahen Osten gelebt. Das Schicksal der Flüchtlinge dort, von denen ich einige persönlich getroffen habe, vergisst man so schnell nicht.

Wie gelingt es Ihnen, nüchtern und sachlich zu bleiben, wenn es um Nachrichten geht, die Ihnen persönlich an die Nieren gehen oder über die Sie eigentlich nur lachen oder den Kopf schütteln können?

Sievers: Aus der Sendung raushalten und dann privat lachen oder Kopf schütteln.

Den Rest des Interviews klaue ich einfach aus Fragen anderer Chat-Teilnehmer und den Antworten:

Wie ist so ein typischer Tagesablauf eines heute-Moderators? Wann ist man morgens im Sender, wann geht man? Was macht man den ganzen Tag im Sender?

Sievers: Sitzungen ab 10 Uhr. Viel diskutieren, lesen, telefonieren. Sendung um 19 Uhr, FB-Chat danach…

Wie viele Mitarbeiter hat ihre Redaktion? Ist das die gleiche wie beim heute Journal, oder sind dies getrennte Redaktionen?

Sievers: Das sind getrennte Redaktionen unter einem Dach. (wg. Mitarbeiterzahl frage ich morgen meinen Chef)

Wie viele Meldungen waren heute noch in petto, die dann aus Zeitgründen unter den Tisch fallen mussten? Und welche waren das, wenn’s der Fall war?

Sievers:  Es gibt jeden Tag viele tausend weitere Meldungen. Eine, die schon in der Sendung drin war und dann aus Zeitmangel wieder rausflog, war: „Strompreise stark gestiegen“.

Was sind Ihre (sichersten und schnellsten) Informationsquellen? DPA, AP, etc.?

Sievers: Wir haben alle wichtigen Agenturen hier. Außerdem internationale TV-Sender und den Eurovision News Austausch. Tageszeitungen. Twitter.

Sie waren lange Korrespondent in Israel. Was nehmen Sie aus der Zeit mit? Haben Sie Hebräisch gelernt?

Sievers: Eine große Bewunderung für die Menschen in Nahost. Israelis und Palästinenser. Riesen-Lob für das gute Essen dort. Und Sehnsucht nach der Sonne… Hebräisch habe ich gelernt und kann es trotzdem nicht wirklich.

Wie erfuhren Sie als Deutscher in Israel das deutsch/israelische Verhältnis, insbesondere bei der Unter-50-Generation?

Sievers: Ein superwichtiges Thema. Tel Aviv – Berlin, die Verbindung klappt hervorragend. Beide Städte sind sich sehr ähnlich. Die Menschen auch. Wenn man sagt, man kommt aus Berlin, hört man in Israel immer: „Ah super, da komme ich gerade her.“ oder „Da fahre ich morgen hin.“

Ihre Erfahrungen als Auslandskorrespondent all die Jahre, hilft das bei der Anmoderation der Themen oder steht diese Erfahrung außen vor?

Sievers: Das hilft sehr. Ich glaube, dass man viele Fähigkeiten eines Reporters auch als Moderator gut gebrauchen kann: Die richtigen Fragen stellen. Auf den Punkt bringen.

Eine Frage noch: Gibt es bei heute eigentlich einen Dresscode oder könnten Sie theoretisch auch im Polohemd moderieren?

Sievers: Theoretisch ja, aber praktisch nicht. Die Zuschauer erwarten einen gewissen Look, wenn man Nachrichtensendungen macht.

Beim Spiegel würde jetzt stehen: „Wir danken Ihnen für das Gespräch!“ War ja leider gar keins…

Tag 254 | Seite 1

Um noch mal kurz auf Christian Wulff zu kommen, der am vergangenen Montag in Jever bei der Vorstellung seines Buches vor allem mit den Boulevard-Medien abrechnete: Zu dem Thema gibt es jetzt auch ein Theaterstück. Ingolf Lück ist der Darsteller des Ein-Personen-Stücks, das jetzt in Gütersloh Premiere hatte. Darüber berichtet das Medienmagazin Zapp:

Realistisch? Medienkritik als Theaterstück

Tag 253 | Auf AB

Christian Wulff in Jever. Fragen aus dem Publikum. Thema Kai Diekmann. Ein Zuschauer: „Sprechen Sie heute noch Leuten auf die Mailbox?“

Wulff: „Ja, ich spreche noch auf Mailboxen. Ich liebe Mailboxen, weil man dann schnell loswird, was man zu sagen hat. Trotzdem war es dämlich. Ich habe zu spät überlegt, wem ich da auf die Mailbox gesprochen haben.“

Tag 251 | Vergessen

Lese gerade, dass Ruth Kappelsberger 86-jährig gestorben ist. Wer war noch mal Ruth Kappelsberger? Ach ja, eine der ersten deutschen Fernsehansagerinnen. Vom Bayerischen Rundfunk. Saß ständig mit in unserem Wohnzimmer, wenn wir auf Kulenkampff oder Dalli-Dalli warteten. 

Und was waren noch mal Fernsehansagerinnen?

Tag 250 | Pressefreiheit

Dass ein Chefredakteur in Deutschland sagen muss: „Wir lassen uns auf keinen Fall einschüchtern“, nachdem die Zeitung immer wieder von Rechtsradikalen bedroht und attackiert wird. „Kill them. Wir kriegen Euch alle!“  – schon beklemmend… 

Lausitzer Rundschau erneut von Nazis angegriffen

Tag 242 | Ins Fernsehen

Einladung zu einer Pressekonferenz. Der Gastgeber meint es offenbar gut mit den Printjournalisten. Oder wie soll ich diesen Satz verstehen? „Über eine rege Teilnahme freuen wir uns auch aufgrund der Tatsache, dass sich der NDR mit einem Kamerateam angekündigt hat.“ Na besten Dank!