Nettes Interview mit Jennifer Bullert von Radio Jade

Radio jade.png87,8 Sekunden mit…  Ein schönes kleines Sendeformat von Radio Jade. Jüngst hat Volontärin Jennifer Bullert mich dafür interviewt.

87,8 Sekunden

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Tag 255 | Interview

Bin auf eine neue Möglichkeit gestoßen, ohne viel Aufwand an Promi-Interviews zu kommen. Habe mich einfach mal gestern Abend nach der heute-Sendung beim Facebook-Chat mit dem neuen heute-Moderator Christian Sievers eingeklinkt und ein paar Fragen eingestreut. Wegen des großen Andrangs im Chat wurden nicht alle beantwortet, aber immerhin… ausbaufähig.

Sievers„Hallo Herr Sievers, erstmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Job. Sie machen das gut!

Christian Sievers: (Schickt als Antwort einen Smiley)

Isis, Ukraine, Ebola, Europa, Schottland, Katalanen – unruhige Zeiten, in denen Sie die heute-Sendung übernehmen. Welches Thema berührt Sie persönlich zurzeit am meisten?

Sievers: Ich habe fünf Jahre lang im Nahen Osten gelebt. Das Schicksal der Flüchtlinge dort, von denen ich einige persönlich getroffen habe, vergisst man so schnell nicht.

Wie gelingt es Ihnen, nüchtern und sachlich zu bleiben, wenn es um Nachrichten geht, die Ihnen persönlich an die Nieren gehen oder über die Sie eigentlich nur lachen oder den Kopf schütteln können?

Sievers: Aus der Sendung raushalten und dann privat lachen oder Kopf schütteln.

Den Rest des Interviews klaue ich einfach aus Fragen anderer Chat-Teilnehmer und den Antworten:

Wie ist so ein typischer Tagesablauf eines heute-Moderators? Wann ist man morgens im Sender, wann geht man? Was macht man den ganzen Tag im Sender?

Sievers: Sitzungen ab 10 Uhr. Viel diskutieren, lesen, telefonieren. Sendung um 19 Uhr, FB-Chat danach…

Wie viele Mitarbeiter hat ihre Redaktion? Ist das die gleiche wie beim heute Journal, oder sind dies getrennte Redaktionen?

Sievers: Das sind getrennte Redaktionen unter einem Dach. (wg. Mitarbeiterzahl frage ich morgen meinen Chef)

Wie viele Meldungen waren heute noch in petto, die dann aus Zeitgründen unter den Tisch fallen mussten? Und welche waren das, wenn’s der Fall war?

Sievers:  Es gibt jeden Tag viele tausend weitere Meldungen. Eine, die schon in der Sendung drin war und dann aus Zeitmangel wieder rausflog, war: „Strompreise stark gestiegen“.

Was sind Ihre (sichersten und schnellsten) Informationsquellen? DPA, AP, etc.?

Sievers: Wir haben alle wichtigen Agenturen hier. Außerdem internationale TV-Sender und den Eurovision News Austausch. Tageszeitungen. Twitter.

Sie waren lange Korrespondent in Israel. Was nehmen Sie aus der Zeit mit? Haben Sie Hebräisch gelernt?

Sievers: Eine große Bewunderung für die Menschen in Nahost. Israelis und Palästinenser. Riesen-Lob für das gute Essen dort. Und Sehnsucht nach der Sonne… Hebräisch habe ich gelernt und kann es trotzdem nicht wirklich.

Wie erfuhren Sie als Deutscher in Israel das deutsch/israelische Verhältnis, insbesondere bei der Unter-50-Generation?

Sievers: Ein superwichtiges Thema. Tel Aviv – Berlin, die Verbindung klappt hervorragend. Beide Städte sind sich sehr ähnlich. Die Menschen auch. Wenn man sagt, man kommt aus Berlin, hört man in Israel immer: „Ah super, da komme ich gerade her.“ oder „Da fahre ich morgen hin.“

Ihre Erfahrungen als Auslandskorrespondent all die Jahre, hilft das bei der Anmoderation der Themen oder steht diese Erfahrung außen vor?

Sievers: Das hilft sehr. Ich glaube, dass man viele Fähigkeiten eines Reporters auch als Moderator gut gebrauchen kann: Die richtigen Fragen stellen. Auf den Punkt bringen.

Eine Frage noch: Gibt es bei heute eigentlich einen Dresscode oder könnten Sie theoretisch auch im Polohemd moderieren?

Sievers: Theoretisch ja, aber praktisch nicht. Die Zuschauer erwarten einen gewissen Look, wenn man Nachrichtensendungen macht.

Beim Spiegel würde jetzt stehen: „Wir danken Ihnen für das Gespräch!“ War ja leider gar keins…

Tag 201 | Wulff

Wer das soeben erschienene Interview des Spiegel mit Christian Wulff lesen will, muss dafür bezahlen. Das ist zum einen mal was Nettes für treue Spiegel-Abonnenten, die sich vierteljährlich ihren Beitrag zur Erhaltung des deutschen Qualitätsjournalismus vom Konto abziehen lassen und sich manchmal fragen, warum sie sich nicht mit den kostenlosen Angeboten von Spiegel online begnügen. Zum anderen ist das Interview auch wirklich seinen Preis wert, denn in dem Streitgespräch schonen sich Ex-Bundespräsident und Spiegel-Redakteure nicht im Geringsten. Während beide Seiten nicht von ihrer Position lassen, sich fast jederzeit völlig korrekt verhalten zu haben, geht der Leser schon recht nachdenklich aus diesem spannenden Lehrstück über ethische Fragen in Politik und Journalismus heraus.

Wie gesagt: Wer es lesen möchte, muss es kaufen.

Tag 121 | Autorisiert

„Kann ich den Text noch mal lesen, bevor er gedruckt wird?“ Während meiner Ausbildung hat man mir eingebleut, dass es darauf nur eine Antwort gibt: „Nein!“ Ausnahme war immer und ist in der Regel noch das autorisierte Interview. Der Befragte erhält den Text noch mal zum Gegenlesen, um zu prüfen, ob er sich wirklich so ausgedrückt haben will wie es der Fragesteller niedergeschrieben hat. Unter Journalisten ist inzwischen umstritten, ob diese Autorisierung überhaupt sinnvoll ist oder ob  das Feilschen um Formulierungen nicht aus einem real geführten Gespräch ein kaum noch authentisches Kunstprodukt macht. Inzwischen scheint aber das „Gegenlesen“ auch bei ganz normalen journalistischen Beiträgen, etwa Porträts von Personen, um sich zu greifen, wie der Chefredaktor des „Schweizer Journalist“, Markus Wiegand, kritisiert: „Vom Wahnsinn des Gegenlesens“