Ausbildung statt Auswanderung

Nicht die Flüchtlinge bekämpfen, sondern die Fluchtursachen – was in den vergangenen Monaten in Deutschland zum politischen Mantra wurde, lebt die Entwicklungsorganisation Opportunity International schon seit ihrer Gründung vor 20 Jahren vor. In Jever engagiert sich seit zehn Jahren der Freundeskreis Weser-Ems für Opportunity und hat mittlerweile Spenden in Höhe von mehr als 700.000 Euro für Mikrofinanzprojekte speziell im afrikanischen Land Ghana eingeworben. Einen stattlichen Betrag hat jetzt zum wiederholten Male der Lions-Club Jever hinzugefügt. Am Donnerstag überbrachte der Clubpräsident Manfred Folkers symbolisch eine Spende von 2500 Euro an Rüdiger Möllenberg, Jochen Ewald und Dr. Karl Harms, die den Freundeskreis Weser-Ems gegründet haben.

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Jochen Ewald, Lions-Präsident Manfred Folkers, Rüdiger Möllenberg, Dr. Karl Harms bei der Übergabe der Spende und der Spendenurkunde von Opportunity. Foto: Helmut Burlager

Es sei „ein Herzenswunsch“ des Clubs gewesen, gerade die Arbeit von Opportunity zu unterstützen. Hatten die Lions in der Vergangenheit schon einmal eine genossenschaftliche Mikrobank für Frauen in einer armen Region Ghanas finanziert, so fließt die neue Spende in das Ausbildungsprogramm „YAP (Youth Apprenticeship Program), das dem steten Anstieg der Zahl perspektivloser junger Menschen in Afrika entgegenwirkt. In dem staatlich anerkannten Berufsausbildungsprogramm werden Jugendliche praxisnah zu qualifizierten Arbeitskräften ausgebildet und erhalten so die Chance auf eine gesicherte Zukunft in ihrem Land. „Es macht uns Spaß, das zu begleiten“, sagte Folkers, der Beschluss sei einstimmig gefallen. Rüdiger Möllenberg  bedankte sich, indem er eine Spendenurkunde überreichte.

Teemuseum Norden zeigt Alf Depser

„Spaziergang ans Ende der Welt“ heißt eine neue Ausstellung im Ostfriesischen Teemuseum Norden, die vom 14. Dezember bis zum 19. März läuft. Gezeigt wird Ostfriesland in Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken von Alf Depser.

Scan10018.jpgDepser, Maler und Grafiker, ist besonders durch seine vielen Veröffentlichungen in den Ostfriesischen Kunstkalendern seit den 1960er-Jahren bekannt geworden. In Nürnberg geboren und an der dortigen Staatshochschule für angewandte Kunst ausgebildet, zog er 1937 nach Ostfriesland. In 60 Jahren intensiven Kunstschaffens hat Alf Depser in Zeichnungen, Radierungen, Aquarellen und Holzschnitten das Bild der Küstenregion festgehalten.

Ostfriesisches Teemuseum, Am Markt 36 in 26506 Norden. www.teemuseum.de

Angekommen und ausgegrenzt

Tief beeindruckt von einem ungewöhnlichen Stück, einer brillanten Inszenierung und einer großartigen Leistung des 18-köpfigen Teams aus Schauspielern und Statisten hat das jeversche Publikum am späten Freitagabend (25.11.) das Theater am Dannhalm verlassen. „Die Schutzbefohlenen“, ein brandaktuelles Stück der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek über die Flüchtlingsströme nach Europa, berührte die Zuschauer tief.

Die_Schutzbefohlenen_15.jpgRegisseurin Eva Lange hat in großer künstlerischer Freiheit aus dem umfangreichen literarischen Text, der 2013 unter dem Eindruck einer Kirchenbesetzung durch Asylbewerber in Wien entstand, ein sehens- und hörenswertes Sprechstück gemacht, in dem neun Schauspieler der Landesbühne Niedersachsen-Nord die Rolle der Flüchtlinge übernehmen und neun in Wilhelmshaven lebende Flüchtlinge den Part der Einheimischen, der Politiker und Bürokraten. Das alles in einem so sparsamen wie spektakulären Bühnenbild, gestaltet von Gunna Meyer, das den Asylraum Kirche ebenso prägnant darstellt wie das Mittelmeer als goldglänzendes Leichentuch, das die Toten bedeckt, die es nicht nach Europa geschafft haben. Die Toten, von denen die angekommenen Flüchtlinge sich fragen, ob sie es nicht in Wirklichkeit besser getroffen haben. Angekommen zu sein im Land der Hoffnung, und doch nicht wirklich da zu sein – das ist das bedrückende Thema der „Schutzbefohlenen“, die viele Zitate an klassische Darstellungen des Themas Flucht und Ausgrenzung enthält.

Aus einer Ensembleleistung aus einem Guss stachen Jördis Wölk als Operndiva und Caroline Wybranietz als Europa besonders hervor. Regisseurin Eva Lange und Dramaturgin Lea Redlich gaben dem Publikum anschließend Gelegenheit zu einem Gespräch im Foyer. Die meisten Besucher aber gingen schweigend und sehr beeindruckt nach Hause.

Weitere Aufführungen im Stadttheater Wilhelmshaven: 30. November, mit anschließendem Publikumsgespräch; 17. Dezember und 9. Januar 2017, Beginn jeweils 20 Uhr. Karten im Vorverkauf an der Theaterkasse (Telefon 04421 / 940115).

Theaterkirche zum Stück in der Christus- und Garnisonkirche in Wilhelmshaven am 4. Dezember, Beginn 18 Uhr, Eintritt frei.

Aufführung im Spielgebiet: am 28. November 19.30 Uhr in Leer, Blinke, am 29. November um 19.30 Uhr in Emden, Neues Theater, am 7. Dezember 20 Uhr in Buxtehude, am 14. Dezember um 19.30 Uhr in Aurich, Stadthalle.

(Der Beitrag erschien am 28.11.2016 im Jeverschen Wochenblatt)

 

Theater-Leidenschaft

Nach einem beeindruckenden Theaterabend mit dem Stück „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek am Freitag in Jever teile ich diesen Werbespot der Landesbühne doppelt gerne:

Ostfriesland zwischen Buchdeckeln

Das Grüne Jahrbuch: 100. Ausgabe des Traditionskalenders aus Norden ist auf dem Markt

Irgendwie gehört er zu Ostfriesland dazu, der „Grüne Kalender“. Und das schon seit 1913. Damals erschien zum Jahresende, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die Erstausgabe von „Ostfreesland“, dem damals neuen „Kalender für Ostfriesland“ auf das Jahr 1914. Mit grüner Titelseite (an dieser Hausfarbe sollte sich bis zur Gegenwart nichts ändern) und mit der Titelzeichnung des Dornumer Malers und Grafikers Ludwig Kittel. Das Motiv – ein Torfkahn auf einem Kanal vor Windmühlen, Brücken und Viehweide – mag heute etwas altbacken wirken, der Wiedererkennungswert ist enorm. Vor wenigen Tagen ist der Jubiläumsband herausgekommen, die 100. Ausgabe des „Ostfreesland“-Jahrbuchs.

Ostfreesland 2017.jpgGegründet in einer Zeit, als solche Kalendarien Hochkonjunktur hatten, und als Nachfolgepublikation eines Jahrbuchs mit dem etwas sonderbaren Namen „Christophorus der Stelzfuß“, wurde „Ostfreesland“ in den ersten acht Jahren von Pastor Bernhard Leemhuis aus Hatshausen redigiert, der mit einer Mischung aus ostfriesischer Geschichte und Heimatkunde, hoch- und plattdeutschn Erzählungen, Anekdoten, Rätseln und umfangreichen kalendarischen Daten und Adressverzeichnissen offenbar den Geschmack des Publikums traf. Unter seiner Federführung hat sich der Kalender in Ostfriesland und weit darüber hinaus etabliert – die Auflage stieg auf bis zu 20.000 Exemplare – und blieb es bis heute. An der redaktionellen Rezeptur hat sich nicht viel geändert, auch wenn das Jahrbuch heute viel frischer und moderner daherkommt, sei es in den Schriften, in der Grafik, im Layout, sei es in der Fotografie. Zur hundertsten Ausgabe erhielt der Kalender mal wieder eine ordentliche optische Auffrischung. Die patriotische Tendenz, die den Kalender in den ersten kriegerischen Jahren seiner Existenz umweht hatte, wich ohnehin schon längst einer Haltung der besonderen Heimatliebe und Heimatverbundenheit, die auch heute noch aus jedem Beitrag spricht.

Themen des Jahrbuchs 2017 sind neben einem umfangreichen Sonderteil aus Anlass des 100. Jubiläums unter anderem das Reformationsjubiläum in Emden, die ewige Frage, ob Friesland singt oder nicht, eine Fotoreportage über Ostfrieslands Moore und ein weiteres Jubiläum: Der „Ostfriesische Kurier“, der wie „Ostfreesland“ im Soltau-Verlag erscheint, wird 2017 das 150-jährige Bestehen feiern.

Sollte sich jemand fragen, warum die 100. Ausgabe erst 104 Jahre nach der Gründung erscheint – hier ist die Antwort: Wegen Papierknappheit konnten in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs mehrere Jahrgänge nicht gedruckt werden.

Ostfreesland 2017. Kalender für Ostfriesland. 256 Seiten, 10,95 Euro, Verlag Soltau-Kurier Norden

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Lions Club Jever schreibt Ehrenamtspreis für junge Leute aus

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Martin Schadewald und Manfred Folkers von Lions-Club Jever stellen die vierte Ausschreibung des Jugend-Ehrenamtspreises vor. Foto: Burlager

Der Lions-Club Jever schreibt zum vierten Mal einen Jugend-Ehrenamtspreis aus. Der Serviceclub will damit wie schon bei den drei vorausgegangenen Ausschreibungen junge Leute auszeichnen, die sich besonders engagieren, und zugleich die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für die Gesellschaft würdigen.

Bis zum 11. Dezember können Kandidaten für die Auszeichnung nominiert werden. Vergeben wird der mit 500 Euro dotierte Preis am 25. Januar in einer Feierstunde in Jever.

Gerade in der ländlichen Region ist ehrenamtliches Engagement ein Eckpfeiler des gesellschaftlichen Lebens. Für den notwendigen Nachwuchs in allen Bereichen des Ehrenamtes zu sorgen, ist eine besondere Herausforderung. Deshalb sind Jugendliche, Jugendvereine und –gruppen, die sich für das Gemeinwesen engagieren, sei es in der Kinder- und Jugendarbeit, bei der Feuerwehr oder in der Nachbarschaftshilfe, im kulturellen, sportlichen, kreativen, sozialen oder politischen Bereich, so wichtig. Viele Angebote im Jeverland gäbe es ohne solches Engagement nicht.

Für den Jugend-Ehrenamtspreis, den die Fördergesellschaft des Lions-Clubs Jever vergibt, können junge Menschen nominiert werden, die nicht vor dem 1. Januar 1991 geboren wurden und ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Landkreis Friesland ausüben. Das Ehrenamt muss noch aktiv mit einem größeren Zeitaufwand oder höheren persönlichen Einsatz und und sollte schon seit mindestens drei Jahren ausgeübt werden. Der Jury gehören der Präsident des Lions-Clubs, Manfred Folkers, sowie Thomas Hohmann, Dr. Peter Pietsch, Martin Schadewald und Reinhard Thomssen an.

Der Nominierungsbogen kann im Internet unter www.lions-club-jever.de heruntergeladen werden, gern sendet ihn der Lions-Club auch Interessierten zu, die sich an den Initiator des Ehrenamtspreises, Martin Schadewald, Telefon 04461 / 5707 (Mail: martin.schadewald@web.de) wenden können. Abgegeben werden können die Nominierungsbögen beim Lions-Club Jever, zu Händen Martin Schadewald, Lindenallee 18, 26441 Jever, oder bei jedem anderen Mitglied des Lions-Clubs.

Rund 100 Vereine und Institutionen, die Jugendarbeit betreiben, sind im Jeverland bereits direkt angeschrieben und gebeten worden, Vorschläge für die Auszeichnung einzureichen.

Historische Tondokumente von Hein Bredendiek

Plattdeutsche Literatur-CD erschienen

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Hein Bredendiek im Jahr 1996. Foto: Helmut Burlager

Jever/Oldenburg. Soeben erschienen ist die Literatur-CD „Bredendiek snackt – Auszüge aus einem literarischen Leben“. Herausgeberin der CD ist die Oldenburgische Landschaft. Der aus Jever gebürtige Hein Bredendiek (1906-2001) hat sich mit seinem literarischen Werk einen Namen als ernstzunehmender plattdeutscher Autor gemacht. In seinen Erzählungen, Kurzgeschichten und Andachten nutzte Bredendiek die ganze Kraft der plattdeutschen Sprache.

Die Doppel-CD enthält größtenteils unveröffentlichte Tondokumente. Diese sind jetzt erstmals überarbeitet und digitalisiert worden. Ein beiliegendes Booklet enthält Informationen zu Leben und Werk Hein Bredendieks.

Die Tondokumente sind eine Auswahl aus Insgesamt 47 Stunden Tonmaterial, das auf historischen Tonbändern und Audiokassetten aus den 1960ern bis in die 1990er Jahre erhalten geblieben ist und jetzt komplett digitalisiert werden konnte. Die Tochter Hein Bredendieks, Elke Thuma, hat das CD-Projekt unterstützt. So steuerte sie privates und bisher unveröffentlichtes Fotomaterial ihres Vaters bei.

„Die Auswahl auf der CD bietet einen schönen Querschnitt durch das literarische Schaffen Hein Bredendieks“, so Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft. „Bredendiek stellt auch als Vorleser überzeugend unter Beweis, was Plattdeutsch bei ganz verschiedenen Themen im Ausdruck leisten kann. Und außerdem: Man hört ihm gerne zu“.

„Bredendiek snackt: Auszüge aus einem literarischen Leben“, Hg. Oldenburgische Landschaft, Isensee Verlag, Oldenburg 2016, ISBN 987-3-7308-1309-6, Preis 14,- €.