Mit gutem Auge und wachem Geist

Rede anlässlich der Buchvorstellung “Wegen Reichtums geschlossen”, Bildband mit 450 Fotos des legendären Wochenblatt-Reporters Hugo Rase, herausgegeben von Ingo Hashagen und Klaus Andersen

Von Helmut Burlager

Ich möchte Ingo Hashagen und Klaus Andersen zu diesem Buch gratulieren, haben sie doch etwas geschafft, was weder das Verlagshaus, für das Hugo Rase so viele Jahre gearbeitet hat, noch seine Journalistenkollegen, noch das Schlossmuseum Jever in den 15 Jahren nach Hugos Tod geschafft haben: Aus dem typischerweise flüchtigen Werk eines Journalisten, in das schlimmstenfalls am nächsten Tag Fisch eingewickelt wird, etwas Bleibendes zu machen: ein Buch.

Das hätte Hugo Rase sich gewünscht. Wenn überhaupt eines in seinem langen Arbeitsleben offengeblieben ist, dann dies: ein Buch zu schreiben.

Hugo_Rase_303 Ich bin gebeten worden, ein paar Sätze über den Journalisten und meinen Kollegen Hugo Rase zu sagen, und wenn mir eines besonders am Herzen liegt, dann dies: Herauszustellen, dass Hugo eben nicht der „rasende Reporter“ war, zu dem er wegen der so naheliegenden Wortspielerei gerne gemacht wurde.

Er hatte viel um die Ohren, aber er war nicht hektisch. Er musste viele Termine wahrnehmen und eine Menge schreiben, aber er war dabei nicht oberflächlich. Im Gegenteil. Er feilte an seinen Sätzen herum, er diskutierte darüber mit seinen Kollegen, er war sorgfältig im Umgang mit der deutschen Sprache und auch mit dem, was zwischen den Zeilen zu lesen war. Er war – das wissen viele sicherlich nicht – ein Schöngeist. Belesen und klug.

Und schon habe ich den Bezug zu diesem schönen Buch, das Ingo Hashagen und Klaus Andersen gemacht haben. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mit zwei möglichen Missverständnissen aufzuräumen, die entstehen könnten, wenn jemand das Buch durchblättert und durchliest, der Hugo Rase nicht gekannt hat.

Erstens könnte der Eindruck entstehen, Hugo Rase sei in erster Linie ein Fotograf gewesen. Das war er auch. Ein guter sogar, mit einem Auge für den richtigen Bildausschnitt und den richtigen Moment, auf den Auslöser zu drücken – auch wenn es ihn zeitlebens geärgert hat, dass nicht er, sondern Franzl Tuhy es war, der im genau richtigen Moment abdrückte, als der Dachreiter der Stadtkirche beim traurigen Kirchenbrand herunterstürzte. Dafür hat er bei vielen anderen Gelegenheiten den Finger „am Abzug“ gehabt, wenn’s drauf ankam. Nur so konnte dieses Buch entstehen.

Aber er war eben nicht nur Fotograf, sondern auch ein guter Schreiber, der anschaulich schildern konnte, wie sich ein Ereignis zugetragen hat, warum es so war und wohin es führen könnte. Er wurde oftmals verkannt …

Das zweite Missverständnis, das entstehen könnte, ist Folgendes: Die teilweise pointierten Kommentare unter und neben den Fotos, die aus der Feder von Ingo Hashagen und teils auch von Klaus Andersen stammen, könnten dazu verleiten zu glauben, auch Hugo Rase hätte Texte dieser Art geschrieben. Das hat er nicht. Es wäre Hugo Rase eher nicht in den Sinn gekommen, zu kommentieren, wo er seine Aufgabe doch darin sah, zu beschreiben. Zu beschreiben, was war und was er gesehen und was er gehört hatte. Ein Foto vom Alten Markt mit dem Johann-Ahlers-Haus – Hugo hat sich sicher seinen Teil gedacht über das Bauwerk, das man dort in den Siebzigern hingestellt hat. Ich weiß nicht, ob er es eher schön fand oder eher hässlich. Aber geschrieben hätte er nur, dass es dort steht und nicht, dass es weg muss…

Apropos Ahlers-Haus. Das war nur eine von Hugos Wirkungsstätten, wo er sich Informationen holte. Anders als mancher Journalistenkollege heute ist Hugo kein Schreibtischtäter gewesen. An seinem Schreibtisch, der so groß war wie ein größerer Umzugskarton von Obi, gab es auch keinen Grund sich wohlzufühlen. Er brauchte ihn, um dort auf seiner Olympia herumzuhacken, was bei Hugos voluminösen Händen einigen Lärm verursachte, und er brauchte ihn, um seinen Aschenbecher für die unvermeidlichen Filterlosen abzustellen oder auch mal ein Whiskyglas. Wobei ich miterlebt habe, dass mal dies, mal jenes über Bord ging, weil der Tisch gar zu winzig war, und in einem Fall geriet schließlich der danebenstehende Papierkorb in Brand, was einigen Alarm auslöste.

Zu den anderen Wirkungsstätten gehörten – neben den Sportplätzen übrigens, Hugo war ja auch Sportreporter – vor allem die Gaststätten. Hier fanden erstens die meisten Termine statt, hier holte er sich zweitens seine Informationen ab, die er oftmals exklusiv besaß, weil er sie am Tresen als erster erfahren hatte. Stand er bei Hans Dardemann an der Theke, so holte dieser zuerst zwei Gläser hervor, um sie mit Jägermeister zu befüllen, und dann seine Terminkladde, aus der Hugo sich sorgfältig notierte, was dort an interessanten Terminen für ihn stand.

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Hugo Rase mit seinen Kollegen Helmut Burlager, Helmut “Theo” Bath und Wilfried “Ackermann” Zucht.

Soll ich am Ende noch verraten, dass Hugo mich, den 20-jährigen Jungredakteur, der da von Ostfriesland nach Jever kam und – wie er, der damals schon fast Siebzigjährige, anfangs glaubte – an seinem Stuhl sägte, dass er mich also zunächst nicht besonders mochte und mir nichts von seinen vielfach exzellenten Informationen verriet. Allenfalls eine Telefonnummer, denn das Telefonbuch von Jever hatte er im Kopf.

Umso besser haben wir uns später verstanden, als wir beide begriffen hatten, dass wir keine Konkurrenten sind, sondern Brüder im Geiste eines guten, seriösen Journalismus. Ich freue mich aufrichtig, dass Hugo nun endlich „sein“ Buch bekommen hat.

Das Buch “Wegen Reichtums geschlossen”, Herausgeber Ingo Hashagen und Klaus Andersen, Brune-Mettcker-Verlag Jever (ISBN 978-3-87542-074-6, 22,90 Euro) ist für 22,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Lesetipp: Reporterglück oder die Männer der Leicas – Erinnerungen von Hugo Rase

Wegen Reichtums geschlossen

Fotografischer Streifzug durch 50 Jahre

„Ich habe ihn über alle Maßen geschätzt!“ Mit diesen Worten des früheren Regierungspräsidenten Bernd Theilen war alles ausgedrückt. Wie sehr der frühere Wochenblatt-Reporter Hugo Rase bei den Menschen in Jever auch 15 Jahre nach seinem Tod noch präsent ist, zeigte die Beteiligung an der Buchvorstellung am Montagabend im Graf-Anton-Günther-Saal: Mehr als 80 Interessierte waren der Einladung der Autoren Ingo Hashagen und Klaus Andersen sowie des Brune-Mettcker-Verlags gefolgt.

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Buchvorstellung im Graf-Anton-Günther-Saal. Den Bildband mit 450 Aufnahmen des Wochenblatt-Reporters Hugo Rase präsentierten (von links) Hajo Allmers, Robert Allmers, Ingo Hashagen, Erika Rase, Klaus Andersen und Bernd Theilen.

Bild: Burlager

„Wegen Reichtums geschlossen. Jever und Umgebung. Fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte fotografiert von Hugo Rase“ lautet der vollständige Titel des 160-seitigen Bildbandes. Aus tausenden vorliegender Fotos aus dem Fundus, den Erika Rase, die Witwe des verstorbenen Journalisten, verwahrt, haben Klaus Andersen und Ingo Hashagen 450 ausgewählt, nach Themengebieten wie Stadtbild, Gebäude, Denkmale, Personen, Schloss, Gewerbe, öffentliche Einrichtungen und Straßen, Getreuen, Rathausgeschichten, Kunst und Kommerz, Vereine und Verbände, Fliegerhorst Upjever usw. zusammengestellt. Sie haben  Entstehung und Hintergründe recherchiert und Bildtexte geschrieben. So entsteht ein facettenreiches Bild von Jever in der Nachkriegszeit und dem Jeverland, wo Hugo Rase von 1952 bis 1995 als Reporter hauptsächlich für das Wochenblatt, aber auch für andere Medien unterwegs war.

In wenigen Wochen ist der 100. Geburtstag von Hugo Rase, der in Braunschweig zur Welt kam und nach dem Krieg  in Jever hängenblieb. Dieser Geburtstag wie auch das im kommenden Jahr zu feiernde 475-jährige Stadtjubiläum sind der Anlass für die Buchveröffentlichung im Brune-Mettcker-Verlag, für den Robert Allmers bei der Präsentation sprach und den Autoren dankte: „Es ist ein tolles, interessantes Buch herausgekommen“, sagte er. Mike Müller sagte in Vertretung der Bürgermeisterin, es sei schön für die Stadt, dass dieses Buch gerade zum Jubiläum erscheine. Gewürdigt werde damit auch eine „unvergessene Persönlichkeit“. Hugo Rase war von der Stadt Jever mit der Schlossermedaille für sein journalistisches Lebenswerk geehrt worden.

Klaus Andersen hatte den Abend eröffnet und dem Verlagshaus für die gute Zusammenarbeit gedankt, vor allem aber auch Erika Rase, die das Buch erst möglich gemacht habe. „Für viele wird es ein Erinnerungsbuch werden“, prophezeite Andersen, und so war es auch an diesem Abend, als in einer Diaschau Bilder aus dem Buch gezeigt wurden und mancher sich und andere wiedererkannte auf Bildern aus vergangenen Zeiten. Ingo Hashagen berichtete über das Entstehen des Buches und die Recherchearbeit, die darin steckt. Vielen Bürgern sei für Auskünfte und Hilfe bei den Nachforschungen zu danken.

In einem Grußwort ging Regierungspräsident a. D. Bernd Theilen auf die mehrfach in dem Band wiederzufindenden Fotos von Politikerbesuchen in Friesland ein und schilderte eigene Erlebnisse aus seiner Zeit mit Hugo Rase. Über den Journalistenkollegen Hugo Rase und den als „rasender Reporter“ oftmals verkannten und unterschätzten Schöngeist, der hohe Ansprüche an sich und seine journalistische Arbeit stellte, erzählte Wochenblatt-Redaktionsleiter Helmut Burlager, der fast 20 Jahre lang mit Hugo Rase zusammengearbeitet hat. Dessen Traum sei es immer gewesen, ein Buch zu schreiben. Dazu kam es zu Lebzeiten nicht, dafür nun posthum zu einem schönen Bildband. Er ist ab sofort im Buchhandel und in den Geschäftsstellen des Wochenblatts erhältlich. (ISBN 978-3-87542-074-6, 22,90 Euro).

Hier kann man das Buch bestellen

Lesetipp: Reporterglück oder die Männer der Leicas – Erinnerungen von Hugo Rase

Gute alte Zeit

Als gestern Abend im Rathaus in Jever ein Buch mit 450 Fotos des legendären Wochenblatt-Reporters Hugo Rase vorgestellt wurde, kamen Erinnerungen hoch an die „gute alte Zeit“, als bei der Zeitung noch mit Bleiplatten gedruckt wurde. Es war laut, zischte und ratterte, man trank bei der Arbeit auch mal ein Bier oder einen Whisky, und im Büro zu rauchen, war eher selbstverständlich als verpönt. Mit einem seiner filterlosen Stummel, erinnern sich ältere Kollegen noch heute, hat Hugo am helllichten Tag einen Papierkorb in Brand gesetzt …

Hugo Rase wäre in diesem Jahr 100 geworden. Das zu seinen Ehren und aus Anlass des bevorstehenden 475-jährigen Stadtjubiläums erschienene Buch „Wegen Reichtums geschlossen“ – Fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte fotografiert von Hugo Rase, Texte von Ingo Hashagen und Klaus Andersen, herausgegeben vom Brune-Mettcker-Verlag Jever, ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. ISBN: 978-3-87542-074-6. Es kostet 22,90 Euro.

War’s schön? Aber klar doch!

Von Helmut Burlager
„War’s schön im Urlaub?“ Ja klar war es schön im Urlaub.  Soll man jammern, wenn man dem Winter entflohen ist und sieben Tage lang Sonnenschein und 38 Grad im Schatten hatte? Soll man lamentieren, weil die Klamotten nach dem Frühstück schon durchgeschwitzt waren? Weil die Straßen staubig, der Regenwald stickig, die Tage lang, die Wege weit und holprig waren?
Nein, es war wirklich schön in Ghana, das landschaftlich und touristisch nicht an die beliebten Destinationen Kenia, Südafrika oder Namibia heranreicht. Dafür ist es vom Tourismus eben auch noch nicht verdorben. Die Menschen begegnen Europäern offen, freundlich und meist ohne den Hintergedanken, dass bei ihnen was zu holen sei. Und sie sind dankbar, dass sich jemand für sie interessiert, dass es Leute gibt, die ihnen bei ihrer Entwicklung helfen wollen. Der Freundeskreises Weser-Ems von Opportunity International, der diese Woche aus Ghana zurückkehrte, hat sich davon überzeugt, dass die mehr als 280000 Euro, die mittlerweile aus unserer Region dorthin flossen, gut angelegt sind.
Nun könnte man sagen, wozu geben wir das Geld weg, es gibt doch im eigenen Land genug finanzielle Probleme. Haushaltslöcher überall, und es muss strikt gespart werden, was auch die „kleinen Leute“ zu spüren bekommen, weil ihnen höhere Gebühren abverlangt oder Vergünstigungen gestrichen werden. Das ist alles unerfreulich. Und relativiert sich doch, wenn man Menschen getroffen hat, die von einem Dollar am Tag oder weniger leben müssen und die dennoch optimistisch in die Zukunft schauen, weil es – auch dank unserer Hilfe – in ihrem Land vorangeht.
Ein Bild, das mir vor Augen steht, sind Arbeiter, die neben ihren Lehmhütten mit der Spitzhacke einen Graben durch steiniges Gelände ziehen. Sie verlegen in der Sahelzone: ein Glasfaser-Breitbandkabel!

http://www.oldmarytown.de/obervolta.htm

http://www.oldmarytown.de/ghana-rundbrief-03-10.htm

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Warum wir nach Ghana kamen

Von Helmut Burlager

Es war vor zweieinhalb Jahren. Von der Existenz eines Freundeskreises Weser-Ems von Opportunity International wusste ich, weil ich als Journalist meine eigene Zeitung aufmerksam lese – mehr nicht. Es war Jochen Ewald, einer der drei Initiatoren des Freundeskreises neben Rüdiger Möllenberg und Dr. Karl Harms, der mich ansprach: Ob ich nicht Lust hätte, mit nach Ghana zu fahren. Der Freundeskreis wolle sich dort anschauen, was mit dem Geld gemacht worden sei, das in den vergangenen Monaten für OID gesammelt worden sei. Ich stimmte spontan zu. Im März 2008 ging es los. Accra, Ho, Voltaregion – eine Woche lang erhielten wir tiefen Einblick in das Leben in den östlichen Landesteilen Ghanas, knüpften Kontakte, ließen uns von Klienten der Mikrobank Sinapi Aba Trust erzählen, wie sich ihr Leben durch Kleinkredite verändert hatte. Und plötzlich war ich mittendrin: Nicht mehr (nur) Journalist, sondern einer von denen, die überzeugt waren, dass mit Mikrokrediten ein Königsweg gefunden ist, wie Entwicklungs- und Schwellenländern zu helfen ist. Wie sich mit wenig Geld die Lebenssituation armer Menschen verändern lässt. Für uns war damals schon klar: In zwei Jahren geht es wieder nach Ghana. Längst ist Brigitte aktiv mit dabei. Und wir sind gemeinsam mit Jochen, Benno und Rüdiger wieder dort gewesen, wie nachfolgende Berichte, von Brigitte Meiners für das Jeversche Wochenblatt verfasst, zeigen.

Quellen: Die Berichte sind der Tageszeitung Jeversches Wochenblatt entnommen.