Tag 21 | Plagiat

Am Tag 20 meines ziellos begonnenen Projekts, jeden Tag einen Blogbeitrag zu veröffentlichen, merke ich plötzlich, dass eine alte (pardon, Christine, das ist nicht aufs Lebensalter bezogen) Bloggerfreundin offenbar am 1. Januar genau den gleichen merkwürdigen Vorsatz gefasst hat und nun Tag für Tag ein bisschen von sich preisgibt. Sonderbare Fügung, ich kannte noch nicht einmal ihren neuen Blog „Vintage Family“, nun zählt sie wie ich die Tage des neuen Jahres an den Fingern ab, vielleicht auch nur, bis sie im Laufe des Jahres wieder nach Friesland zieht, wie sie heute verraten hat. Es zwingt uns ja niemand, das durchzuhalten, allenfalls der Ehrgeiz, es meinem Kollegen Christoph Hinz nachzutun, der fünf Jahre lang jeden Morgen eine Katze malte, nachzulesen hier: Der Mann, der zweitausend Katzen malte. Da bleibt viel zu tun. Christines Blog jedenfalls findet Ihr hier: Vintage Family

Tag 20 | Freunde

Die Anbahnung von Kontakten auf Facebook hat ja was Naives. „Willst Du meine Freundin sein?“ – das hat man doch zuletzt als Dreizehnjähriger so gefragt und eine Antwort nach dem Motto „Ohne meinen Alltours sag ich nichts“ bekommen. Außerdem kann kein Mensch 345 Freunde haben. „Willst Du mein Bekannter werden?“ ist allerdings auch keine Option, denn das kann man ja nur als Wildfremder fragen, und wie soll ich bei einem Wildfremden entscheiden, ob mir wirklich behagen würde, seine Bekanntschaft zu machen? Da lob‘ ich mir Twitter. Da ist man einfach Follower, und ich muss niemanden fragen, ob ich ihm folgen darf, ich tue es einfach, und wenn ich es nicht mehr tun werde, wird er es kaum merken, es sei denn, er hätte nur einen Verfolger. Das wäre so, als ob man bei Facebook nur einen Freund hätte. Den sollte man dann aber wirklich nicht im Stich lassen.

Tag 19 | Der Tod und das Meer

Mal wieder ein Fernsehtipp: Heute Abend, 18 bis 18.45 Uhr im NDR-Fernsehen: „Nordseereport: Der Tod und das Meer“. Dazu heißt es in der Programmankündigung: Wenn Herbst- und Winterstürme die Nordsee aufwühlen, kann es gefährlich werden an der Küste. Der heutige Nordseereport greift das Thema Lebensgefahr und Rettung auf. NDR-Moderatorin Antje Wöhnke nimmt an einer Seenotrettungsübung teil und macht die Erfahrung, wie schwierig es ist, Rettungsmittel in dem aufgewühlten Wasser einzusetzen. Alle Teilnehmer bekommen hautnah mit, wie wichtig es ist, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Zusätzlich begleitet ein Team des Nordseereports eine Übung der Rettungsflieger, die zum Einsatz kommen, wenn es auf einem Schiff Probleme gibt. Die Sendung erinnert an eines der schwersten Schiffsunglücke in der Deutschen Bucht. Bei starkem Seegang und Sturm sank 2006 der Fischkutter „Hoheweg“ in der Außenweser, vier Seeleute kamen dabei ums Leben. Der Kutter sank offenbar so schnell, dass die Besatzung keinen Notruf mehr absetzen konnte. Weitere Themen in der Sendung: Rettungshunde mit besonderem Spürsinn, das Wrackmuseum auf der niederländischen Insel Terschelling und der Krimiautor Klaus-Peter Wolf, der am Nordseedeich Inspiration für seine schaurigen Geschichten findet.

Tag 18 | Jugendbegleiter

Würde mich jemand nach dem Namen der Lottofee fragen, würde ich ohne großes Zögern antworten: „Karin Tietze-Ludwig“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass erstens ich schon etwas älter bin und zweitens die Lottofee nicht täglich präsent ist. Denn auf die Frage nach den aktuellen Nachrichtenmoderatoren würde ich ja auch nicht Werner Veigel nennen, sondern Ingo Zamperoni. Karin Tietze-Ludwig ist es also nicht, die hat schon vor 16 Jahren aufgehört. Ihre Nachfolgerin ist Franziska Reichenbacher. Die hätte ich nun eher bei Müsli eingeordnet, aber nein: Sie macht ihren Job schon so lange, dass sie wohl auch eines Tages ins Fernsehmuseum kommt, zusammen mit den Werner Höfers, Bernhard Grzimeks, Wim Thoelkes und Ernst Hubertys der TV-Geschichte. Heute Abend geht sie übrigens zum 700. Mal auf Sendung und wird uns erzählen, dass wir wieder nichts gewonnen haben. Sollte es anders sein – ich würde mir den Namen Franziska Reichenbacher bis ans Lebensende merken.

Tag 17 | Aus gegebenem Anlass

Wenn ein Mann den Geburtstag seiner Frau vergisst, hat er nicht bemerkt, dass sie ein Jahr älter geworden ist. Gibt es ein schöneres Kompliment? (Josef Meinrad)

Tag 16 | Sparfüchse

Scan10007Wer den Pfennig nicht ehrt … Also ist man erfreut, aber auch etwas überrascht, wenn auf dem Girokonto eine Gutschrift von einem Cent eintrifft. Vor allem aber neugierig, wer so etwas wohl macht. In diesem Fall eine clevere Versicherung, die das Geld für Porto sparen wollte und das teure Unterfangen, alle Kunden über die erfolgte Sepa-Umstellung zu informieren, mit einem kleinen Trick löste: 0,01 Euro aufs Konto überweisen und den ganzen Sermon („Ihre Mandatsreferenz… unsere Gläubigernummer …) einfach in den Verwendungszweck schreiben. Ergebnis: Zuverlässige Zustellung für (sehr) kleines Porto.

Tag 15 | Coming out

Habe ich jemals zugegeben, dass der Sportarzt, als er vor Jahren meine Tauglichkeit für die Knabenmannschaft des SV Frisia Brinkum feststellen sollte, die Augenbrauen hochzog und mir, dem hoffnungsfrohen Nachwuchsfußballer, eine seltene Kombination aus Senk-, Spreiz- und Knickfuß bescheinigte? Hab ich nicht! Da meine nachfolgenden fußballerischen Leistungen der niederschmetternden Diagnose entsprachen und die Karriere bereits in der B-Jugend endete, habe ich das Thema gemieden, und bis auf meinen Schuhmachermeister weiß kaum jemand von meinem orthopädischen Missgeschick, selbst Facebook nicht. Es gibt  eben Dinge, die kein Coming out vertragen, schon gar nicht im Fußball. Wie kann es nun angehen, dass mir auf Twitter plötzlich @fussexperten folgen, die mir „Tipps und Info’s“ (pardon, für deren Rechtschreibung kann ich nichts) zu Fußproblemen in Alltag und Sport versprechen? Hab ich je übers Netz Schuheinlagen bestellt? Hab ich ein Forum von Fußkranken besucht? Hab ich die Werbung von „Gehwohl“ angeklickt? Hab ich nicht. Niemals! Nein, liebe Fußexperten, ihr könnt mir gerne folgen, ich folge nicht zurück. Das Internet wird mir unheimlich. Und außerdem geht es keinen etwas an, was mit meinen Füßen ist.

Tag 14 | Weihnachtsfeier

So, der Termin für die Weihnachtsfeier steht. Hat ja auch lange genug gedauert. Im Oktober hatten wir noch keine Lust auf die Planung, im November dachten wir, es hat ja noch Zeit, Anfang Dezember waren alle Termine bis Heiligabend schon dicht, und dann, na ja … Jetzt haben wir es also geschafft, die Weihnachtsfeier ist am 23. Januar. Passt super. Alle haben Zeit, jeder freut sich, keiner fühlt sich gestresst, die Liste (wer bringt was mit) hängt am schwarzen Brett, was will man mehr? Ganz kurz haben wir nachgedacht, ob wir die Weihnachtsfeier noch Weihnachtsfeier nennen dürfen oder sie in Neujahrsempfang umbenennen sollten. Nein, es bleibt bei Weihnachtsfeier. Von Neujahrsempfängen sind doch schon wieder alle genervt …

Tag 13 | Tee oder Kaffee?

Tee oder Kaffee? In Ostfriesland ist die Vorliebe klar: Tee. Oder doch nicht? Schließlich gibt es auch im Nordwesten Kaffeeröstereien, und auch der berühmte Pharisäer – das Getränk mit dem Sahnehäubchen, das den kleinen „Schluck“ verhüllen soll, der noch drin ist – besteht überwiegend aus Kaffee. Bei Frank Jakobs werden wohl Tee- und Kaffeegenießer auf ihre Kosten kommen und mehr über ihr heißgeliebtes Heißgetränk, dessen Herstellung und den richtigen Genuss erfahren. Heute Abend (13.1., von 19 bis 20 Uhr)  geht es im Hörfunk auf NDR 1 Niedersachsen in der Sendung „Plattdeutsch“ um die Frage aller Fragen, auf Platt: „Tee oder Koffje?“

Tag 12 | Karteileiche

Ich bin eine Karteileiche. Das merke ich jedesmal zu Jahresbeginn, wenn Spendenbescheinigungen ins Haus flattern und wieder fleißig vom Konto abgebucht wird von all den Vereinen, Verbänden und Hilfsorganisationen, in die man im Laufe des Lebens so eintritt oder denen man sich als Dauerspender verpflichtet hat. Manchmal auf einen Anruf hin oder aus einer Laune heraus, ohne mit großem Engagement dahinter zu stehen. Es geht ja meist auch nicht um weltbewegende Summen, hier zehn Euro im Monat, dort 24 Euro im Halbjahr. Aber übers Jahr läppert es sich schon. Es ist die reine Bequemlichkeit oder das Gefühl, niemandem weh tun zu wollen, dass man nicht einfach austritt, abbestellt, kündigt, widerruft. Es scheint leichter sein, aus der Kirche und der Gewerkschaft rauszukommen als aus dem örtlichen Sportverein, dem Bürgerverein, den ganzen Fördervereinen und Freundeskreisen, weil man ja die Vorsitzenden kennt oder die Schatzmeister oder vielleicht doch noch mal eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, die an eine Mitgliedschaft gebunden ist. Auch wenn man das seit Jahren nicht getan hat. Jahr für Jahr nimmt man sich also vor, das doch endlich mal zu bereinigen und mehr Geld dort zu investieren, wo es einem wirklich wichtig ist, in meinem Fall zum Beispiel bei Opportunity International oder für das Friedel-Orth-Hospiz. Aber am Ende werden es wohl doch die Erben erledigen müssen, den ganzen Kram zu beenden, wenn eines hoffentlich fernen Tages aus der Karteileiche eine echte geworden ist.