Mit Mikrokrediten zur Unternehmerin geworden

Celina Yelpoe und Moses Lambon erzählen vom Erfolg ihrer Arbeit in Ghana

Von Helmut Burlager

Jever – „Wunderbar“ ist eines der wenigen deutschen Wörter, die Moses Lambon aus Bole in Ghana gelernt hat, seit er vor zwei Wochen nach Deutschland gekommen ist. Er benutzt es oft. Zum Beispiel, als Edzard de Buhr vom Eine-Welt-Kreis Jever eine Spende von 5000 Euro für die Arbeit von Opportunity International in Ghana verspricht. Und auch die anderen Briefumschläge mit Geldscheinen, die an diesem Abend im evangelischen Gemeindehaus Jever für den Aufbau von kleinen Genossenschaftsbanken in Ghana übergeben werden, kommentiert Moses Lambon mit einem strahlenden Lächeln und einem fröhlichen „Wunderbar!“

Celina Yelpoe und Moses Lambon aus Bole in Ghana eröffneten den Abend mit fröhlichem Gesang, wie es bei jeder Veranstaltung in ihrer Heimat üblich ist. Rechts daneben Eilert Nickel, der als Dolmetscher fungierte, und Kai Becker, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit  von Opportunity International. Foto (c): Helmut Burlager
Celina Yelpoe und Moses Lambon aus Bole in Ghana eröffneten den Abend mit fröhlichem Gesang, wie es bei jeder Veranstaltung in ihrer Heimat üblich ist. Rechts daneben Eilert Nickel, der als Dolmetscher fungierte, und Kai Becker, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von Opportunity International.
Foto (c): Helmut Burlager

Gut zwei Dutzend Zuhörer haben sich eingefunden, um von dem Gast aus Ghana und seiner Begleiterin Celina Yelpoe, einer Hühnerfarmerin aus der Gegend um Bole, zu erfahren, wie die Entwicklungsarbeit der Stiftung Opportunity International Deutschland funktioniert. Eingeladen hatten dazu der Eine-Welt-Kreis und der Freundeskreis Weser-Ems von Opportunity International. Durch den Abend führt Opportunity-Mitarbeiter Kai Becker, der seit zwei Wochen mit den beiden Afrikanern durch Deutschland und die Schweiz tourt, von einer Veranstaltung zur anderen. Geldgeber und potenzielle Spender sollen an diesen Abenden erfahren, wie die Mittel eingesetzt werden, die auch aus der Weser-Ems-Region nach Ghana fließen.

Celina Yelpoe ist dafür ein gutes Beispiel. Sie betrieb ein winziges Geschäft als ambulante Wasserverkäuferin an der Straße, der Gewinn reichte kaum zum Leben. Eines Tages machte eine andere Frau sie auf die Möglichkeit aufmerksam, über die Entwicklungsbank Sinapi Aba Trust, Partnerorganisation von Opportunity, an Schulungen und Kleinkredite heranzukommen, um ihr Geschäft zu erweitern. Beide gingen zu dem örtlichen Kreditberater, erfuhren aber, dass zur Gründung einer kleinen Genossenschaftsbank mindestens fünf Frauen nötig seien. Die suchten sie im Bekanntenkreis zusammen, dann begann das achtwöchige Training,in dem die Klientinnen auf ihre künftige Geschäftstätigkeit und die Zusammenarbeit in der „Trust-Bank“ vorbereitet wurden. Danach erhielten sie ihre ersten Kredite. Sie investierten in ihre Geschäfte, unterstützten sich gegenseitig, zahlten das Darlehen in kleinen Beträgen zurück und lernten in den wöchentlichen Treffen mit dem „Loan Officer“, ihrem Kreditbetreuer, viel über die richtige Art, mit dem verdienten Geld klug umzugehen, um die Situationen ihrer Familien zu verbessern.

„Sie ist meine Erfolgsstory“, sagt Moses Lambon über Celina Yelpoe. Die hatte sich nämlich überlegt, dass sie mehr als mit Wasser vielleicht mit Eiern verdienen könnte. Ihr Kreditbetreuer fand die Idee gut, vermittelte ihr eine einmonatige spezielle Schulung, in der sie lernte, wie man mit Eintagesküken umgeht und sie großzieht, bis sie Eier legen. 50 Küken erwarb Celina mit Hilfe eines Mikrokredits, nach fünf Monaten fingen die Hühner an, Eier zu legen, und bald konnte die Klientin sich weitere 50 Tiere kaufen. Heute hat ihre kleine Hühnerfarm 1000 Hühner, die 900 Eier am Tag legen. Die verkauft Celina Yelpoe an Frauen, die die Eier hart kochen und an der Straße verkaufen – ein typisch ghanaischer Schnellimbiss. Inzwischen beschäftigt die Farmerin vier weitere Menschen, und in ihrer schönen, bildreichen Sprache umschreibt sie das mit dem Satz: „I put a smile on their faces“ – ich habe ein Lächeln auf ihre Gesicher gezaubert. So profitieren von den Kleinkrediten, mit denen Celina ihre Existenz aufbaute, inzwischen viele andere. Beispielsweise unterstützt die Frau 27 Witwen aus der Gemeinde wirtschaftlich. Nicht zuletzt ermöglicht sie mit ihrem stabilen Einkommen ihren eigenen drei Kindern eine gute Schulausbildung.. Auch auf diesem Gebiet engagiert sich Opportunity.

„Wir wollen ein besseres Ghana bauen“, sagt Moses Lambon, der als studierter Marketing-Fachmann lukrativere Jobs hätte bekommen können, aber in seiner Arbeit als Berater aufgeht. Und Leute wie Celina Yelpoe sind dankbar dafür. „Es gibt so viele Frauen, die auf eine Chance warten, aus der Armut herauszukommen“, sagt sie, und: „Women in Ghana are strong!“ – Frauen in ihrem Land seien stark.

Der Freundeskreis Weser-Ems von Opportunity International um Pastor Rüdiger Möllenberg und die Unternehmer Dr. Karl Harms und Jochen Ewald hat seit 2007 schon Spenden von mehr als 550 000 Euro für die Mikrofinanz-Arbeit in Ghana eingeworben, Mit den Spenden vom Mittwochabend dürfte man ungefähr auf die Schnapszahl von 555 555 Euro gekommen sein. Anfangs waren mal 100 000 Euro anvisiert worden, ein begrenztes Projekt der Jeveraner. Inzwischen ist ans Aufhören gar nicht mehr zu denken.

Mehr Infos unter  www.oid.org

Armut nachhaltig bekämpfen

„Die Möglichkeit zu sparen, Geld zu überweisen und Kredit aufzunehmen ist eine entscheidende Voraussetzung, um Armut nachhaltig zu bekämpfen.“ Das hat der Vorstandsvorsitzende der Sparkassenstiftung, Heinrich Haasis, auf einer Tagung anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Stiftung gesagt. Finanzdienstleistungen als Entwicklungsmotor

Nützt oder schadet Entwicklungshilfe?

Opportunity International erstmals beim Oldenburger Afrikatag vertreten

Oldenburg – Klein aber fein, so ließe sich der erste Auftritt des Freundeskreises Weser-Ems von Opportunity International beim Oldenbuger Afrikatag umschreiben. Zu der dritten Veranstaltung dieser Art in der Universätsstadt, getragen von 22 Oldenburger Insitutionen, die in irgendeiner Weise mit Afrika verbunden sind, hatten die Organisatoren erstmals auch Opportunity eingeladen.

Musik, Austausch, Information. Zum dritten Mal fand in Oldenburg ein Afrikatag statt. Erstmals war Opportunity International dabei vertreten. Foto (c): Helmut Burlager

Vor einem überschaubaren, aber sehr interessierten Teilnehmerkreis haben Schirmherr Dr. Karl Harms und Botschafter Helmut Burlager in einem der nachmittäglichen Workshops über Soziale Mikrofinanz im Allgemeinen und die Arbeit von OID im Besonderen vorgetragen und diskutiert. Sie berichteten in einem Klassenraum der Helene-Lange-Schule über die Entstehung des Freundeskreises Weser-Ems, die Projekte, die er in Ghana finanziert hat, über die Besuche vor Ort und über aktuelle Entwicklungen der Mikrofinanz.

Letztere boten auch den Ansatz für durchaus kritische Nachfragen und eine interessante Diskussion mit den Teilnehmern der Gesprächsrunde. Was unterscheidet „gute“ von „schlechter“ Mikrofinanz, wodurch hebt sich Opportunity von denjenigen ab, die Mikrokredite in Verruf gebracht haben? Die beiden Vortragenden stellten den sozialen, ganzheitlichen Ansatz und die Graswurzel-Arbeit von OID und der ghanaischen Partnerorganisation Sinapi Aba Trust heraus, sie betonten das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe anstelle von Almosen, das Prinzip der Nachhaltigkeit anstelle von Renditeerwartung und Gewinnmaximierung.

In Oldenburg war die Arbeit von Opportunity International vor wenigen Jahren bereits durch die erfolgreiche Weihnachtsaktion der Nordwest-Zeitung bekanntgeworden, die mehr als 100.000 Euro an Spenden für die Arbeit von OID einbrachte.

Ob Entwicklungshilfe überhaupt notwendig ist, darüber gab es allerdings auf dem 3. Oldenburger Afrikatag heftige Kontroversen. Während etliche der beteiligten Veranstaltergruppen mit unterschiedlichsten Projekten versuchen, Entwicklung in Afrika zu fördern, gab es in Podiumsdiskussionen Ansätze, solche Bemühungen als Einmischung in die ureigensten Angelegenheiten des Kontinents anzusehen. Ein entschiedener Gegner von Entwicklungshilfe ist der Oldenburger Professor Nico Paech, Beiratsmitglied von „attac“, ein Verfechter der sogenannten Postwachstumsökonomie, die davon ausgeht, dass statt Wirtschaftswachstum weltweit und besonders in den Industrieländern eine Wachstumsrücknahme notwendig ist. Er nannte es in einer Podiumsdiskussion anmaßend, wenn Europäer den Afrikanern sagten, was „Entwicklung“ für sie sein solle, und dass sie ihnen ihre Vorstellungen von Wohlstand und Glück aufdrängten.

Dem hielt Wolfgang Blum von der Norddeutschen Mission entgegen, Unterstützung für die afrikanischen Länder sei sehr wohl wichtig und sinnvoll, wenn sie auf der Ebene einzelner lokaler Projekte ansetze, die auf die Bedürfnisse der Bevölkerung träfen, und wenn diese von Partnern vor Ort entwickelt und umgesetzt würden. Dass staatliche, monetäre Entwicklungshilfe eher schade als nütze, dass sie Korruption und den Abfluss von Devisen aus Afrika begünstige, darin waren sich die Diskutanten überwiegend einig.

Bericht auf www.oid.org

UN-Aktionsplan zum Schutz von Journalisten

Berlin, 21.09.2011/djv – Der Deutsche Journalisten-Verband hat den neuen Aktionsplan der Vereinten Nationen als wirksamen Schritt zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten in Krisenregionen begrüßt. Der Plan sieht vor, die Sicherheit von Journalisten als neuen Indikator in die Jahresbilanz derjenigen Staaten aufzunehmen, die Entwicklungshilfe erhalten. Die Bilanz ist maßgeblich für Art und Umfang der geleisteten Entwicklungshilfe. Der Aktionsplan verlangt ferner, dass der Mord an einem Journalisten ebenso entschlossen aufgeklärt und bestraft wird wie es bei einem Polizistenmord der Fall ist.

„Wir hoffen, dass sich durch den Aktionsplan der Vereinten Nationen die Lage der Kolleginnen und Kollegen in den unterentwickelten Ländern schnellstens verbessert“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. „Kritische Journalisten müssen in vielen Ländern der Erde um ihr Leben fürchten. Kapitalverbrechen an Berichterstattern werden oft gar nicht oder nur unzureichend geahndet.“ Die Kopplung der Entwicklungshilfe an die Situation der Pressefreiheit sei die beste Maßnahme, um den Schutz der Journalisten zu gewährleisten. Der DJV erwarte, so Konken, dass die politischen Entscheidungsträger bei den Vereinten Nationen den Aktionsplan so schnell wie möglich Wirklichkeit werden ließen.

Mikrofinanz ist für die Menschen da

Stefan Knüppel von Opportunity International fordert klare Regeln

Frankfurt – Selbstmorde im indischen Andhra Pradesh, Knüppeleine Premierministerin in Bangladesh, die den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus als „Blutsauger der Armen“ bezeichnet und aus der von ihm gegründeten Grameen Bank drängte – die vergangenen Monate waren turbulent für die Mikrofinanzbranche. Jan Binder führte ein Gespräch mit dem Vorstand von Opportunity International Deutschland, Stefan Knüppel (Foto). Weiterlesen: https://friesenblog.wordpress.com/mikrokredite-2/mikrofinanz-ist-fr-die-menschen-da/

Entwicklungshilfe: Hunger ist nicht das Hauptproblem

Die Welt am Sonntag berichtet über Esther Duflo und ihre bemerkenswerten Thesen zur Entwicklungshilfe: Hunger ist nicht das Hauptproblem – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – Wirtschaft – WELT ONLINE

Südsudan: Investitionen in die Zukunft

Welthungerhilfe unterstützt Rückkehrer beim Neubeginn

Bonn, 15.04.2011. Mehr als 250.000 Menschen sind seit Oktober letzten Jahres vom Nordsudan in den Süden des Landes zurückgekehrt. Viele von ihnen haben im Januar 2011 in ihrer alter Heimat für einen neuen und unabhängigen Staat gewählt und wollen nun eine neue Existenz in ihrer alten Heimat aufbauen. Die Welthungerhilfe wird in ihre Zukunft investieren und helfen, bessere Lebensbedingungen für die Rückkehrer zu schaffen. In zwei Projekten werden in den kommenden Wochen Flüchtlinge unterstützt, die aus dem Norden in die Provinz Bahr el Ghazal zurückgekehrt sind. 5.000 Haushalte bekommen Planen und Baumaterialien, um sich erste Notunterkünfte zu errichten. Außerdem werden faltbare Wasserkanister verteilt, damit die Familien sauberes Trinkwasser transportieren und aufbewahren können. Die meisten Rückkehrer haben nur wenige Habseligkeiten mitbringen können und stehen völlig mittellos da.
Die Infrastruktur im neuen Staat ist in einem desolaten Zustand, denn es fehlen die grundlegenden Einrichtungen wie Schulen, Krankenstationen und Straßen. Die Welthungerhilfe unterstützt daher gemeinsam mit internationalen Partnern die medizinische Grundversorgung der Rückkehrer in drei Gesundheitszentren. Der ansässigen Bevölkerung stehen diese Zentren ebenfalls offen, um von Anfang an mögliche Konflikte zwischen den Neuankömmlingen und den lokalen Familien zu vermeiden.
„Wir werden diesen neuen Staat mit allen Kräften unterstützen. Die Menschen, die so friedlich im Januar beim Referendum gewählt haben, brauchen Rückenwind für den Neubeginn“, erklärt Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe, die Arbeit im Südsudan.
Die Welthungerhilfe war in der Vergangenheit über viele Jahre bis 2009 im Südsudan tätig und wird gemeinsam mit ihren europäischen Partnern der Alliance2015 den Aufbau des neuen Staates unterstützen. Sie plant in diesem Jahr weitere Nothilfe- und Rehabilitierungsmaßnahmen, die sowohl die akuten Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung befriedigen als auch die rasche Integration der zahlreichen Rückkehrer voranbringen. Dazu gehören die Verbesserung der Trinkwasserversorgung, der Ausbau der Bildung und Gesundheitsvorsorge sowie die Ernährungssicherung der Familien.
Die Welthungerhilfe bittet um Spenden für die Menschen im Südsudan
Welthungerhilfe
Kontonummer 1115, Sparkasse Köln-Bonn, BLZ 370 501 98
Stichwort: Sudan

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Sie leistet Hilfe aus einer Hand: Von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungshilfe mit einheimischen Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Seit der Gründung im Jahr 1962 wurden mehr als 6.200 Projekte in 70 Ländern mit 2 Milliarden Euro gefördert – für eine Welt ohne Hunger und Armut.