Die Nacht der Nächte in Jever

Püttbier bei der "Melkenklamppütt" in Jever mit Püttmeisterin Käthe Blumenthal, ihrem Nachfolger Dieter Lübben  und Gastgeber Otto Meents. Foto: Helmut Burlager
Püttbier bei der „Melkenklamppütt“ in Jever mit Püttmeisterin Käthe Blumenthal, ihrem Nachfolger Dieter Lübben und Gastgeber Otto Meents. Foto: Helmut Burlager

Die Stadt Jever wirkt heute morgen ein bisschen verkatert, in der Stadt wurde in der vergangenen Nacht „Püttbier“ gefeiert, ein Traditionsfest der fast 30 Brunnengemeinschaften, die teilweise mehrere Jahrhunderte alt sind und sich alljährlich am Montag nach Heilige Drei Könige zur Rechnungslegung und Neuwahl des Püttmeisters zusammenfinden. Die Wasserprobe gehört dazu, und natürlich wird sie mit Feuerwasser vollzogen.

Mehr über das Püttbier 

Eine Bildergalerie gibt’s beim Jeverschen Wochenblatt und hier den aktuellen Bericht

Eilhard Mitscherlich: Gelehrter Herr mit gutem Geschmack

DSC_9949Stolz blickt er, ein wenig von oben herab, hat auch allen Grund dazu: Eilhard Mitscherlich, berühmter Sohn des Jeverlandes, Chemiker und Mineraloge. Er verstand was von der Zusammensetzung der Dinge. Auch von Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser, jener Mixtur, aus der köstliches Bier entsteht. Ob er aber ganz freiwillig zum Werbeträger geworden ist? Irgendjemand wird wohl nachgeholfen haben. Ohne eine waghalsige Kletterpartie ging das bei dem hohen Herrn an der St.-Annen-Straße in Jever allerdings nicht.

Foto (c): Helmut Burlager

DieMilchMacht. Ostfriesische Milchgeschichte

Werbebroschüre für das Libby-Milchwerk in Leer, das ostfriesische Kuhmilch zu Kondensmilch verarbeitete.

Ausstellung im Heimatmuseum
in Leer ab 23. September

Von Burghardt Sonnenburg

Ostfriesland – Kühe kennt jeder – sie sind lila – und die Extraportion Milch macht müde Männer munter. Der ostfriesische Milchbauer lächelt oft über die Auswüchse der Milch-Werbeindustrie. Für ihn ist die Erzeugung eines der wichtigsten Lebensmittel der Welt ein hartes Geschäft. Im Spannungsfeld zwischen Stall und Weide, Ökonomie und Ökologie, Region und Europa ist heute nur wenig Raum für sonnige Kuhromantik. Trotzdem kommt dem Nutztier und der Milch mit all seinen Produkten – Butter, Käse, Joghurt, Quark, Butter und, zunehmend, Milchpulver – fast schon mythologische Qualität zu.

Seit Jahrtausenden kennt und nutzt der Mensch das Lebensmittel Milch. Schon Tacitus wusste zu berichten, dass die Germanen gerne „geronnene Milch“ verzehrten. Im Mittelalter gewinnen Butter und Käse an Bedeutung. Kunstvoll verzierte und zur Schau getragene „Butterberge“ kennzeichnen die Tafel wohlhabender Bauern und Bürger in der Frühen Neuzeit.

Für die ostfriesische Wirtschaft sind die Produktion von und der Handel mit Butter und Käse wichtig. Seit den 1960er Jahren gewinnt die Produktion von Milchpulver zunehmend an Bedeutung. Zeit für einen Rückblick und Ausblick auf die Geschichte der Milch in Ostfriesland.

Die Sonderausstellung „DieMilchMacht“ zeigt die Entwicklung der Milchwirtschaft in der Region von der Römerzeit bis in die Gegenwart hinein. Dabei werden sowohl wirtschaftliche und soziale Aspekte angesprochen als auch politische und ökologische Fragen. Vor allem der Übergang von der „traditionellen“, extensiv betriebenen Milchwirtschaft „von Hand auf dem Land“ hin zur „modernen“ industriellen Verarbeitung und Vermarktung von Milchprodukten in den Molkereien stehen dabei im Blickpunkt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Geschichte des ostfriesischen Molkereiwesens: Zahlreiche Objekte, Bilder und Darstellungen aus der Sammlung Gerhard Busemann (Jemgumgeise) bilden hier die Grundlage und ergänzen die Schau.

Die Ausstellung ist als Lern- und Mitmachausstellung konzipiert. Über eigenes Erleben – melken, buttern, Sahne schlagen, Umgang mit der Handzentrifuge – erlangt der Besucher ein Gespür für die historische Milchverarbeitung auf den Bauernhöfen und bekommt gleichzeitig Einblicke in die Arbeitsweise moderner Molkereien. Spezielle Angebote für Kindergärten und Schulen (Sonderführungen, Workshops, Milchrallye, Milchquiz) runden das Angebot ab.

Die Ausstellung eröffnet am 23. September 2012 und ist bis zum 31. Dezember 2012 im Heimatmuseum Leer zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Kontakt: Heimatmuseum Leer | Neue Straße 12-14 | 26789 Leer | Tel. 0491 2019 | www.heimatmuseum-leer.de

Blühende Schifffahrt

Seefahrtbegeisterung und nationaler Stolz. Man fuhr mit dem Schiff zur „Kaiserparade“ im September 1912

Wie merkwürdig sich manche Dinge im Laufe der Geschichte wiederholen. Es war im September 1912, genau hundert Jahre vor der Einweihung des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven, an den die ganze Region so große Hoffnungen knüpft, als das Jeversche Wochenblatt in seiner Ausgabe vom 1. September einen gewaltigen Boom meldete. In Wilhelmshaven blühten die Geschäfte, weil die Schifffahrt florierte. „Die gegenwärtige Zeit der geschäftlichen Hochflut gibt den Wilhelmshavener und Rüstringer Geschäftsleuten, insbesondere den Kaufleuten, Schlachtern, Bäckern usw. Gelegenheit, den Beweis ihrer Leistungsfähigkeit zu erbringen. Die Anforderungen, die jetzt an sie herantreten, sind nicht gering und manchem mag der Kopf schwirren. Sind doch in diesen Tagen 27 Linienschiffe und Kreuzer und mehrere Torpedobootsflottillen mit einer Kriegsschiffbesatzung von insgesamt rund 20.000 Mann hier anwesend. Erschwerend fällt dabei ins Gewicht, daß ein solcher Geschäftsandrang nur ein kurzer vorübergehender ist, Vorausbestellungen bei den meisten Lebensmittel-Bedürfnissen von den Schiffen wenig oder gar nicht erfolgen können und die Geschäftsleute sich daher mit vielen Artikeln aufs Geratewohl ausrüsten müssen, wobei sie immerhin einige Gefahr laufen, damit sitzen zu bleiben. Es wurden bisher jedoch im allgemeinen alle Ansprüche befriedigt. Eine kolossale Anfuhr von landwirtschaftlichen Produkten aller Art war heute auf dem Wochenmarkte auf dem Bismarckplatz zu verzeichnen; fast alle Artikel waren gut am Preise und fanden leicht Absatz. Sehr willkommen wäre den Geschäftsleuten das Vorhandensein eines Privat-Verkehrsdampfers zur Bedienung der auf Reede liegenden Kriegsschiffe gewesen, doch leider existiert ein solcher seit dem Verkauf des Schleppers August Bahr nicht mehr.“

Während man sich an Land also Gedanken über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Schiffffahrts-Booms machte und sich auf höhere Umsätze freute, ging es auf der Wasserseite wie in diesen Tagen des September 2012 auch vor hundert Jahren um das Thema Sicherheit auf See. In derselben Ausgabe des Wochenblatts wurde über die Seeamtsverhandlung nach einem Schiffsunfall im Emder Hafen berichtet, bei dem der Frachtdampfer Ems bei der Einfahrt von dem Regierungsdampfer Logum gerammt und beschädigt worden war. „Der Dampfer Logum wurde geführt von dem Matrosen Heikes an Stelle des beurlaubten Kapitäns. Hiervon ausgehend kritisierte der Reichsbevollmächtigte Kontreadmiral Lilie (Oldenburg) scharf den Umstand, daß die Logum von einem einfachen Matrosen geführt wurde, der nach eigner Angabe die Vorschriften des Seestraßenrechts nicht kennt. Die Verantwortung sei der Behörde zuzuschieben, die den Matrosen mit der Führung betraut habe.“

Lustfahrt – die Stimmung war gut im kaiserlichen Wilhelmshaven. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges boomte die Marinestadt.

Und dann war in Norddeich noch die Funkstation ausgefallen: „Zur Sicherung der Schifffahrt hat die Reichspostverwaltung für die Telefunkenstelle zu Norddeich besondere Maßnahmen getroffen“, heißt es in einem Korrespondentenbericht. „Die Schadhaftwerdung des Rufzeichengebers im Korrigierwerk hatte unmittelbar eine bedrohliche Gefährdung der Schifffahrt durch Unterbrechung zur Folge“, berichtete das Jeversche Wochenblatt. Es wurden Ersatzapparate gebaut, um den unterbrechungsfreien Seefunkverkehr zu sichern. So lernte man vor hundert Jahren auch schon aus Pleiten, Pech und Pannen.

Der Text erschien zuerst in der Beilage „Friesische Heimat“ des Jeverschen Wochenblatts vom 15. September 2012 www.jeversches-wochenblatt.de

Lebendig auf den Scheiterhaufen

Hexenprozesse im Jeverland – bewegender Vortrag im Schlossmuseum

Jever – Im Jahr 1592 ist es in Jever zu einem regelrechten Massenprozess gekommen, nach dessen Abschluss 13 Frauen und zwei Männer hingerichtet wurden. Ein Hexenprozess, und die nach schwerer Folter verurteilten wurden auf grausame Weise hingerichtet. Über diesen und andere Hexenprozesse im Jeverland berichtete Prof. Dr. em. Almuth Salomon in einem Vortrag vor dem Jeverländischen Altertums- und Heimatverein. Aberglaube, Liebe, Missgunst, Neid und Habsucht – solcherart waren die Zutaten der spektakulären Verfahren, aus denen es für die Angeklagten kein Entrinnen gab. Ein interessanter Bericht über den Vortrag, Verfasser Jörg Stutz, ist hier nachzulesen: Jeversches Wochenblatt

 

Historiker Dr. Jürgen Schmädeke gestorben

Dr. Jürgen Schmädeke in Dangast.

Berlin/Jever – Im Alter von 74 Jahren ist in Berlin der bekannte Historiker Dr. Jürgen Schmädeke, Experte für den Reichstagsbrand und die Geschichte des Reichstages sowie für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, gestorben. Dank familiärer Beziehungen nach Friesland hielt sich der Wissenschaftler und Journalist häufig in Jever auf. Ein Nachruf des Friesenblogs auf einen guten Freund auf nachfolgender Seite:

Zum Nachruf: Ein Kind der Küste und Kenner der Hauptstadt

Beiträge von Jürgen Schmädeke im „Tagesspiegel“ sind hier nachzulesen: Buchrezensionen

Achim Reichel und die Große Manntränke

 

Heute vor 650 Jahren, am 15. Januar 1362, begann die Zweite Marcellusflut, hier im Norden besser bekannt als Grote Mandrenke.Die Sturmflut fiel erst am 17. Januar wieder ab. In ihrem Verlauf  zerlegt sie die Uthlande in Inseln, Halligen und Marschen, die Stadt Rungholt versank. Ein interessanter Beitrag im Landesblog.de

Ein Beitrag in der Beilage „Friesische Heimat“ des Jeverschen Wochenblatts findet sich hier: Grote Manndränke

Und ein Bericht in der Welt am Sonntag: http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13815867/Die-Flut-der-Tod-und-das-Watt.html

Jahre des Donners

Ein neues Buch über den Mythos “Starfighter”

2348 Bild KropfDrei Jahrzehnte lang bildete ein Flugzeug das Rückgrat der Deutschen Luftwaffe, das so umstritten war wie kein anderes. Für die Öffentlichkeit war die Lockheed F-104, besser bekannt als „Starfighter“, ein Skandalvogel, nicht nur wegen der nach Bestechung riechenden Umstände der Beschaffung des Waffensystems, sondern vielmehr wegen einer schrecklichen Absturzserie.

Von 916 Maschinen, die die junge Luftwaffe Anfang der sechziger Jahre beschaffte, stürzten im Laufe der Jahre 292 ab, 116 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Gleichzeitig war der Kampfjet, der als Bomber, Jäger und Aufklärer eingesetzt wurde, ein Flieger mit herausragenden Flugeigenschaften – eigentlich eher eine bemannte Rakete als ein Flugzeug im klassischen Sinne.

Foto_Autor_Max Der Ex-Flugzeugführer Hannsdieter Loy, mit 1500 Flugstunden auf der F-104 ein erfahrener Starfighter-Pilot und heute als Schriftsteller in Rosenheim lebend, hat jetzt ein Buch geschrieben, in dem er – in Romanform – mit dem Mythos Starfighter aufräumt. Loy (links im Bild mit Hund Max“) zieht das Resümee: Nicht das Flugzeug war ein Skandal, sondern die Art und Weise, wie es in die Luftwaffe eingeführt wurde. „Fehler im System“ nennt Loy in seiner Abrechnung „Jahre des Donners“ als Hauptgrund für die tödliche Serie. Zum Bericht

Mehr über die Südzentrale

Eine Seite mit vielen Fotos zum Thema Südzentrale, ein von Abriss bedrohtes Baudenkmal in Wilhelmshaven, findet sich hier: Zur Seite

Friesenblog berichtete hier: Vereinsgründung und hier Südzentrale, wars das?