Tag 147 | Karrieren

Es ist gar nicht so leicht, die Namen all derjenigen noch zusammenzukriegen, die man im Laufe seines Lebens mit ausgebildet hat. Schön, wenn eine oder einer von ihnen mal unverhofft wieder reinschaut und erzählt, wie es ihr oder ihm ergangen ist. Von den Volontären, die beim Jeverschen Wochenblatt das Handwerkszeug für den Beruf des Redakteursberuf mitbekommen haben und die nicht im Hause geblieben sind, haben nahezu alle schöne Karrieren hingelegt. Gestern hat die Gesellschaft „mission:lebenshaus“ in Bremen in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass Julia Grimm deren neue Pressesprecherin für die drei Hospize in Jever, Wilhelmshaven und Bassum wird. Das ist doppelt schön, erstens weil wir der jungen Kollegin, die erst Ende dieses Monats ihr Volontariat bei uns beendet, diesen spannenden Job von Herzen gönnen, und zweitens, weil das Jeversche Wochenblatt das Hospiz in der Stadt von Anfang an sehr unterstützt hat und deshalb gerne sieht, dass „eine von uns“ dort jetzt mitarbeiten wird.

Und dann kam gestern noch Britta Kollenbroich vorbei, die inzwischen  in Hamburg arbeitet und in wenigen Tagen für die Deutsche Welle und für die Deutsche Presseagentur zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Brasilien reisen wird. Früher hat sie über den FSV Jever und den Heidmühler FC geschrieben. So kann es kommen, wenn man „was mit Medien“ macht. Und ein bisschen neidisch macht es uns auch.

Tag 146 | Kati

Jeder hat ja so seine Lieblingsmoderatorin im Radio. Ich zum Beispiel höre gerne sonntagmorgens Bettina Tietjens „Tietjen talkt“. Aber meine wahre Lieblingsmoderatorin sitzt gar nicht beim NDR, sondern in einem viel bescheideneren Studio in Wilhelmshaven oder manchmal auch in Jever. Ihre Stimme strahlt so viel Lebensfeude aus, dass es auf den Hörer abfärbt. Heute hat sie übrigens Geburtstag!

Tag 130 | Junge Welt

Zum 1. Mai hat mir jemand eine Zeitung in die Hand gedrückt, die ich schon lange nicht mehr wahrgenommen habe. Frisch kommt sie daher, modernes Layout in Rot und in Schwarz, als Tageszeitung wurde sie im Jahr 1947 gegründet, als jedermann noch wusste, welcher Klasse er sich zugehörig zu fühlen hat. Die Welt hat sich seitdem verändert, der Klassenkampf anscheinend nicht. „Moskau und Brüssel werben um Kuba“ lese ich auf Seite 1, und „Britische Transportarbeitergewerkschaft kämpft gegen Sparpläne und Stellenabbau“. „Rußland zieht Truppen ab“, heißt es auf Seite 2, auf Seite 3 wird berichtet, dass in Venezuela regierungsnahe Gewerkschafter zur Großdemonstration am 1. Mai aufrufen, die Stadt werde „ganz im Zeichen des Feiertags der Arbeiterklasse stehen“. „Klassenbewusstsein ist Voraussetzung für Erfolg, wird Nicolás Maduro zitiert, der das „Erbe von Hugo Chávez“ verteidigt. Die Erfolgsgeschichte von Griechenland sei „eine Propagandalüge“, heißt es auf Seite 5. Die US-Regierung bereite eine „“Wirtschaftskrieg“ gegen Russland vor. Und auf der letzten Seite ruft die antifaschistische Linke Berlin zu einer „revolutionären 1.-Mai-Demonstration in der Hauptstadt“ auf. Nun ja, genug gelesen. Einer kommt immerhin gut weg in der „Jungen Welt“. Das ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder, der Putin umarmt und geherzt  hat. Das finden die Linken gut: „Kaum drückt Schröder Putin, beendet die russische Armee ihr Militärmanöver an der ukrainischen Grenze.“

Tag 121 | Autorisiert

„Kann ich den Text noch mal lesen, bevor er gedruckt wird?“ Während meiner Ausbildung hat man mir eingebleut, dass es darauf nur eine Antwort gibt: „Nein!“ Ausnahme war immer und ist in der Regel noch das autorisierte Interview. Der Befragte erhält den Text noch mal zum Gegenlesen, um zu prüfen, ob er sich wirklich so ausgedrückt haben will wie es der Fragesteller niedergeschrieben hat. Unter Journalisten ist inzwischen umstritten, ob diese Autorisierung überhaupt sinnvoll ist oder ob  das Feilschen um Formulierungen nicht aus einem real geführten Gespräch ein kaum noch authentisches Kunstprodukt macht. Inzwischen scheint aber das „Gegenlesen“ auch bei ganz normalen journalistischen Beiträgen, etwa Porträts von Personen, um sich zu greifen, wie der Chefredaktor des „Schweizer Journalist“, Markus Wiegand, kritisiert: „Vom Wahnsinn des Gegenlesens“

Tag 120 | ePaper

Apropos Tag der Arbeit. Rasant verändert sich die Arbeitswelt für Journalisten, ob sie es wollen oder nicht. Papier zu bedrucken, ist zwar zum Glück noch nicht aus der Mode gekommen, aber immer mehr Menschen finden auch Gefallen daran, die Zeitung auf dem Tablet oder am Computerbildschirm zu lesen. Die Zeitungs-Marketing-Gesellschaft (ZMG) hat dazu aktuelle Zahlen veröffentlicht. Die ePaper-Auflage der deutschen Zeitungen ist demnach im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent gestiegen. Die Zahl der Abonnements verdoppelte sich im gleichen Zeitraum sogar auf 257.000. Aktuell werden in Deutschland 564.000 ePaper verkauft. Mehr als eine halbe Million Leser entscheidet sich für die digitale Ausgabe ihrer Zeitung, so die Auswertung der aktuellen IVW-Erhebung durch die ZMG. Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben sich die ePaper-Verkäufe damit um rund 60 Prozent gesteigert. Allein die Tageszeitungen verzeichnen 436.000 ePaper-Verkäufe pro Tag. Pressemitteilung der ZMG

Jeversches Wochenblatt – ePaper

Tag 113 | Roboter

Alle Welt redet von Roboterjournalismus. Da geht es um Nachrichten vom Fließband. Computerprogramme machen aus standardisierten Informationsbrocken standardisierte Beiträge. Also nichts anderes als wir Menschen in Redaktionen leider in viel zu vielen Arbeitsstunden machen müssen. Was sollten wir also gegen Maschinen haben, die uns diese lästige Arbeit abnehmen?

Tag 111 | Robust

Der Jenaer Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Seufert glaubt, dass die Regionalzeitungen nicht aussterben werden. Zwar sind seit 1991 rund hundert Lokalausgaben eingestellt worden und ihre Zahl werde noch weiter sinken. Die meisten Verlage haben aber trotz sinkender Einnahmen und Leserschwund geschafft, kaum Gewinneinbußen hinnehmen zu müssen, so Seufert im Interview mit newsroom.de

Tag 106 | Ehemalige

Jan Keno Janssen
Jan-Keno Janssen volontierte beim Jeverschen Wochenblatt. Heute ist er Redakteur beim Computermagazin c’t.

Wollte ich erzählen, was aus all den jungen Leuten geworden ist, die wir in der Wochenblatt-Redaktion ausgebildet haben, müsste ich mir nicht mehr so viele Gedanken darüber machen, womit ich meinen Blog bis zum Jahresende fülle. Die meisten, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht geblieben sind, haben heute spannende Jobs. Jan-Keno Janssen zum Beispiel ist so einer, der nicht nur bleibenden Eindruck hinterlassen hat (es gilt das Redaktionsgeheimnis), sondern bis heute von sich reden macht. Jetzt zum Beispiel in einem Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung, in dem er über seine Erfahrungen als Google-Glass-Tester erzählt. Zum Interview

Tag 99 | Breaking News

Wisst Ihr, was ich an meinem Beruf so liebe? Den täglichen Umgang mit spannenden Nachrichten und relevanten gesellschaftlichen Themen. Gestern zum Beispiel bei der Auswertung des Polizeiberichts der Inspektion Aurich dieses spektakuläre Fundstück: „Biotonne umgefahren: Ein unbekannter Verkehrsteilnehmer fuhr in der Nacht zu Montag, 07.04.2014, eine Biotonne um und flüchtete anschließend unerkannt. Die Tonne stand an der Straße Moorweg zur Entleerung bereit, jedoch nicht unmittelbar an der Fahrbahn. Die Tonne ist für eine weitere Nutzung für Bioabfall nicht mehr tauglich. Zeugen des Unfalles werden gebeten, sich bei der Polizei Aurich, 04941/606-215, zu melden.“ Da darf man auf die Aufklärung des Falls gespannt sein.

Tag 94 | Leben und Tod

Ein junger Fotograf, der sich in der Wochenblatt-Redaktion die ersten Sporen verdiente, bevor er in die weite Welt aufbrach, bat mich an einem der letzten Arbeitstage, ihm dabei behilflich zu sein, bei der Bundeswehr für Afghanistan akkreditiert zu werden. Ich versuchte nicht wirklich, es ihm auszureden, aber ich habe mir auch keine Mühe gegeben, sein Ansinnen zu unterstützen, Kriegsfotograf zu werden. Er ist dann ein großartiger Porträtfotograf geworden, der wunderschöne Frauen wunderschön ins Bild setzt. Als ich gestern die Nachricht vom Tod der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus in Kabul las, habe ich wieder an den jungen Kollegen gedacht. Er hätte sicher Erfolg gehabt, wäre er den zuerst eingeschlagenen Weg gegangen. Ich bin froh, dass er es anders gemacht hat.