Der Hund auf dem Bürgersteig macht den Rücken krumm, Herrchen am anderen Ende der Leine bleibt stehen. Haben wir ihn endlich erwischt, den Missetäter, der dafür sorgt, dass man im Dunkeln nicht mehr spazieren gehen mag, weil hinterher garantiert die Schuhe versaut sind. Ganz abgesehen davon, wie das seit Monaten aussieht in unserer Straße. Haufen an Haufen, manche dezent an die Hecke gesetzt, viele direkt aufs Pflaster. „He, Sie wollen doch nicht etwa weitergehen, ohne das wegzumachen? Was ist das für eine Sauerei?“ Man wundert sich über sich selbst, wie laut man plötzlich geworden ist. Das Gegenüber kann es allerdings auch. „Was glauben Sie, was ich hier habe?“, schreit er, zieht dünne Plastiktütchen aus der Jackentasche hervor. „Und was glauben Sie, wie mir das stinkt, ständig angepöbelt zu werden, weil ich meinen Hund ausführe?“ Tja, da ist eine kleine Entschuldigung fällig, verbunden mit der Bitte um Verständnis, wie sehr einen das mittlerweile anekelt, dass manche Hundehalter sich so verhalten. Aber eben nicht dieser. Sorry. Irgendwann wird uns der Richtige über den Weg laufen. Das wird dann wirklich laut werden.
Kategorie: Leben
Tag 41 | Echt Nordwest

Das streiten sich die Niedersachsen und die Schleswig-Holsteiner also darüber, was der „echte Norden“ ist. Sollen sie doch. Wir Ostfriesen und Oldenburger sind ja nicht wirklich betroffen, denn Niedersachsen sind wir nicht freiwillig geworden, Schleswig-Holstein ist weit weg und den Titel, dass wir der „echte Nordwesten“ und hundert Prozent Friesland sind, kann uns sowieso keiner nehmen.
Tag 40 | Jewer

So, nun wäre das auch erklärt. Das Friesische Brauhaus zu Jefer hat ein kleines Video veröffentlicht, in dem erläutert wird, warum alle Welt Jewer sagt, wenn es ums Bier geht und nicht um die Stadt. Allerdings: Das mag für Menschen gelten, die jenseits des Küstenkanals wohnen. Für Jeveraner bleibt es bei Jefer, auch wenn sie von Bier reden. Zum Video
Tag 38 | Lichtblick
Es wird ja ständig vom „Problem“ der Zuwanderung und der steigenden Asylbewerberzahlen gesprochen. Man könnte also vermuten, dass auch die andauernde Berichterstattung über solche Themen ein „Problem“ für die Mediennutzer darstellen könnte. Es ist eine angenehme Erfahrung, dass der Beitrag über den Tod des 24-jährigen Fidel Kuflu aus Eritrea, der nach zweijähriger Flucht in Schortens angekommen war und nun gestorben ist, ausnahmslos Reaktionen der Anteilnahme und der Hilfsbereitschaft ausgelöst hat. Bei der Familie, die sich um die trauernden Afrikaner kümmert, stand gestern das Telefon nicht still. Unbekannte Menschen drückten ihr Mitgefühl aus, fragten, wie sie die Eritreer unterstützen können. Manche werden heute mit auf den Friedhof gehen, wenn Fidel Kuflu um 10.30 Uhr in Sande, wo er im Krankenhaus starb, beigesetzt wird. Wie sagte die Nachbarin Henderika de Winter? „In solchen schweren Zeiten ist es so wichtig, dass man zusammenhält, egal welche Hautfarbe oder Religion man hat.“ Nichts hinzuzufügen.
Tag 37 | Lampedusa
Lampedusa ist weit weg. Die schrecklichen Bilder von gekenterten Seelenverkäufern, ausgezehrten Schiffbrüchigen, angeschwemmten Leichen und eingesperrten Asylbewerbern berühren uns, aber wir können ja nichts tun. Was, wenn wir erkennen, dass Lampedusa überall ist, dass wir die Probleme der Elendsmigration nicht von uns fernhalten können? Dass die dunkelhäutigen Frauen und Männer, die man in jüngerer Zeit in größerer Zahl in der Nachbarstadt Schortens sieht, über das Mittelmeer und Italien hierher gekommen sind, steht ja nicht auf einem Namensschild an ihrer Brust. Vor wenigen Tagen ist einer von ihnen, 24-jährig, im Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch gestorben, seine Organe, vermutlich strapaziert durch eine zweijährige aufregende Flucht von Eritrea nach Friesland, versagten ihren Dienst. Am Freitag wird Fidel, wie er hieß, in Sande beigesetzt, viele seiner afrikanischen Freunde, die genauso abenteuerliche Wege hinter sich haben, werden ihn beweinen. Lampedusa ist bei uns angekommen. Die ganze Geschichte dazu heute im Jeverschen Wochenblatt.
Tag 34 | Kollege
„Das ist die neue Ausgabe“, sagt der ziemlich abgerissen aussehende Typ am Eingang des Rewe-Marktes sehr freundlich und hält mir lächelnd das eingeschweißte Zeitungspaket entgegen. „Später“, sage ich und sehe, dass er ein bisschen enttäuscht ist. Er strahlt, als ich auf dem Rückweg wirklich anhalte und ihm ein Blatt abkaufe. 1,90 €. Print ist nicht gerade billig. Dafür bekommt der Verkäufer die Hälfte vom Preis. Das ist fair. Das Blatt heißt schließlich Fiftyfifty. Und es ist vermutlich sein einziger Broterwerb. Wo er heute Nacht wohl schläft?
Tag 32 | Cerveja
Irgendwas hat „Jever“ davon abgehalten, international wirklich Karriere zu machen, anders als Beck’s, Warsteiner und Krombacher, diees in jeder etwas lebendigeren Partymeile von Touristenzielen gibt. Was nicht heißt, dass Jever nur in Deutschland ein Begriff wäre. In Belo Horizonte in Brasilien zum Beispiel gibt es ein Gaststätte namens „Stadt Jever“, ein echter Publikumsmagnet, und wenn es dort auch nur in Ausnahmefällen „Jever“ gibt, so doch immerhin ein Bier Namens „Stadt Jever“, hergestellt von der brasilianischen Brauerei Wäls, ein Lagerbier mit 5 Prozent Alkohol. Wer es probieren will, muss nur mal nach Brasilien fliegen. Bier Stadt Jever
Tag 31 | Papier
Seit gestern ist mir doch etwas mulmig, was die Zukunft der gedruckten Zeitung angeht. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Papierausgaben journalistischer Produkte bald knapp werden. Ich erfahre es von meiner Blumenhändlerin. Beim Kauf eines Tulpenstraußes offenbart sie mir, was der ganzen Branche zu denken geben müsste. Die Zeitung sei für sie unverzichtbar, erklärt die Verkäuferin. Bei Temperaturen um null ginge es ja noch mit normalem Blumenpapier. Aber wenn es kälter werde… Sie zieht einen schwarzweiß bedruckten Bogen unter der Ladentheke hervor, wickelt die Blumen sorgfältig ein. „Was machen Sie denn, wenn die Leute die Zeitung nur noch im Internet lesen“, frage ich die Dame, um das Gespräch in Gang zu halten. „Ach, das ist nicht so schlimm, wir haben noch einen ziemlichen Vorrat“, erklärt sie. „Lassen Sie mich schauen.“ Sie zieht den nächsten Bogen Zeitungspapier hervor, schaut in die obere linke Ecke der Ausgabe des Blattes und verkündet stolz: „März 2003!“. Man mag sich das Papierlager hinten in der Gärtnerei gar nicht vorstellen. Zehn, zwanzig Jahre wird sie damit locker überstehen, das reicht bis zu ihrer Rente. Aber warum hortet sie Zeitungen? Weiß sie mehr als wir?
Tag 30 | Autos
„Ein Betrag jenseits der Million“, sagt Burlager. So steht es im Weser-Kurier. Wenigstens einer in der Familie, der mit den ganz großen Summen hantiert und auch noch glücklich dabei ist. Unsereiner bewegt ja nur Millionen von Buchstaben, um glücklich zu sein. So hat jeder seine Leidenschaften: Autos mit Geschichte(n)
Tag 29 | Abgefahren
Wie viele Stunden meines Lebens habe ich auf Bahnhöfen verbracht? Vor allem als Kind, wenn wir Fahrschüler auf den Bus warteten, war die Bahnhofsmission mit ihren Spielen und Büchern ein angenehmer Zufluchtsort. Das kam mir wieder in den Sinn, als ich den Beitrag von Bischof Jan Janssen (Oldenburg) bei der Kirche im NDR sah. Erstaunlich, und auch ein bisschen amüsant, wie viele Bezüge er zwischen Bahnhof und Glauben findet.
Auch wir sind nur auf der Durchreise

Foto: ELKiO, Hans-Werner Kögel