Man muss die Jubiläen feiern wie sie fallen, stellt das Hamburger Abendblatt in einer Glosse fest und erwähnt auch 475 Jahre Jever. Dabei vergisst der Kollege allerdings einen ganz wichtigen Geburtstag: 220 Jahre Jeversches Wochenblatt. Zum Artikel: Tausend Töpfe
Kategorie: Medien
Geisterschreiber
Da ich jetzt gerade mal sechs Tage am Stück frei habe, könnte ich ja eigentlich auch einen Ghostwriter beauftragen: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/der-streit-der-geister/
Gegen die Marktschreierei
Ich bin überrascht und erfreut über die Reaktionen auf meinen gestrigen Tagebucheintrag zum Thema Mahnwachen: Vom Brüllen und vom Schweigen. Mir haben inzwischen etliche Leserinnen und Leser auf verschiedenen Wegen bestätigt, dass sie genauso empfinden: Angesichts der Tragödie in Japan ist die marktschreierische Debatte, die bei uns begonnen hat, einfach unwürdig. Vielen Dank für alle Rückmeldungen. Nach reiflicher Überlegung und durch andere bestärkt werden wir den Tagebucheintrag morgen auch in Print veröffentlichen. #Jeversches Wochenblatt
Redefreiheit – oder: etwas über die Worte
Redefreiheit – oder: etwas über die Worte.
Von Ulrich Kasparick
Ich habe nur die Worte – etwas über das Bloggen
Ein interessanter Beitrag über die politische Kraft, die Blogger und Social Networks inzwischen haben. Internet-Community versus Bild-Meinungsführerschaft. Von Plagiatsdiskussion, Nordafrika und Wellen im Netz:
Ulrich Kasparick: Ich habe nur die Worte – etwas über das bloggen.
Reporter ohne Grenzen verurteilt Angriffe gegen Medienvertreter
Pressemitteilung vom 23. Februar 2011:
Journalisten, die über die Unruhen in Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas berichten, waren in den vergangenen Wochen massiven Repressionen ausgesetzt. In Libyen, im Jemen, in Bahrain, im Iran, im Irak und in Algerien versuchen die Regierungen, die Medienmitarbeiter an ihrer Arbeit zu hindern: Reporter ohne Grenzen (ROG) dokumentierte in den vergangenen zwei Wochen zahlreiche tätliche Übergriffe gegen Journalisten und Festnahmen durch Sicherheitskräfte und Unterstützer der Regierungen. Zudem wurde in den meisten der Staaten die Online-Überwachung verschärft.
ROG verurteilt die Repressionen scharf und fordert mehr Respekt gegenüber der Arbeit der Journalisten. „Die Regierungen greifen auf Mittel der Gewalt und Einschüchterung zurück, um Berichte über die Proteste, die von den Ereignissen in Ägypten und Tunesien inspiriert sind, zu verhindern. Wir fordern alle Seiten auf, der Arbeit von Journalisten mehr Achtung entgegenzubringen. Die Öffentlichkeit in diesen Ländern hat ein Recht auf unparteiische und unabhängige Informationen“, so ROG.
In Libyen ist der von den Behörden verhängte Nachrichtenblackout weiter wirksam. Es ist für Journalisten praktisch unmöglich, ihrer Arbeit nachzugehen. Die wenigen ausländischen Korrespondenten, die bereits vor Ausbruch der Krise im Land waren, stehen unter starker Überwachung. Eine Reihe von ausländischen Journalisten versucht nun, von Tunesien aus nach Libyen zu gelangen.
Das Programm von „Al-Dschasira“ wird seit dem 20. Februar gestört. Der Nachrichtensender vermutet hinter den Sendeunterbrechungen den libyschen Geheimdienst. Die Programme der libanesischen TV-Stationen „National Broadcasting Network“, „Al-Jadeed“ und „Al-Manar“ wurden nach eigenen Angaben ebenfalls gestört.
Der libysche Zeitungsjournalist Atif al-Atrasch gilt nach einem Interview mit Al-Dschasira seit dem 18. Februar als vermisst. Der Mitarbeiter der Zeitung „Quryna“ hatte mit dem in Katar ansässigen Sender über die Demonstrationen in der Hafenstadt Bengasi im Norden des Landes gesprochen. In der vergangenen Woche waren zudem einige lokale Journalisten kurzzeitig verhaftet worden.
Nach Informationen von Netzwerk-Sicherheitsfirmen wurde das Internet in dem nordafrikanischen Land seit dem 18. Februar mehrmals abgeschaltet. Offenbar sind auch alle Telefondienste – Festnetz und Mobilfunk – seit dem 21. Februar unterbrochen.
Auch im Jemen sind die Anti-Regierungsdemonstrationen seit Ende Januar begleitet von einer Serie der Gewalt gegen Medienvertreter. 15 Journalisten wurden bereits Ende Januar festgenommen. Am 18. Februar wurden weitere 18 Medienmitarbeiter verhaftet – sie arbeiten alle für die in Aden ansässige unabhängige Zeitung „Al-Jakeen“. Das Blatt hatte zuvor in großem Umfang über die jüngsten Demonstrationen in dem vorderasiatischen Land berichtet und auch die Namen von getöteten oder verletzten Menschen aufgelistet. Seit dem 11. Februar zählt ROG darüber hinaus mindestens 19 tätliche Angriffe auf einheimische und ausländische Journalisten – in den meisten Fällen durch Anhänger der Regierungspartei und Sicherheitskräfte.
In Bahrain schossen am 18. Februar Scharfschützen aus einem Helikopter heraus auf einen Reporter und einen Kameramann der „New York Times“. Die Journalisten beobachteten und filmten die gewaltsame Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Perlenplatz der Hauptstadt Manama. Am selben Tag und am selben Ort wurde ein Mitarbeiter des US-amerikanischen Fernsehsenders „ABC News“ angegriffen und geschlagen, seine Kamera wurde konfisziert. Mehreren ausländischen Journalisten wurde an diesem Tag nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen von Manama zudem die Einreise in das Land verwehrt.
Die Geschwindigkeit der Internetverbindungen wurde in Bahrain stark gedrosselt, Seiten mit Filmen und Bildern der Proteste blockiert. ROG begrüßt hingegen die Freilassung von mindestens 25 Menschenrechtsaktivisten und Oppositionellen am 22. Februar in dem Königreich. Darunter sind auch zwei Blogger, die seit September 2010 inhaftiert waren.
Im Iran hat das Regime die Zensur der Neuen Medien seit den Protesten am 20. Februar wieder verschärft: Die Geschwindigkeit der Internetverbindungen wurde stark gedrosselt und in einigen Teilen Teherans, Isfahans, Schiras und Maschads sogar vollständig gekappt. SMS-Dienste sind ebenfalls seit dem 20. Februar unterbrochen. Die Behörden versuchen damit, vor allem den Zugriff auf den Kurznachrichtendienst Twitter zu verhindern. Die Übertragung der Programme von BBC und „Voice of America“ unterliegt starken Störungen. Unabhängige Nachrichtenseiten und oppositionelle Seiten sind Cyberattacken ausgesetzt.
23. Februar 2011, Reporter ohne Grenzen (Pressemitteilung)
Totalumbau des Friesenblogs
Ab und zu muss aufgeräumt werden. Im Friesenblog haben sich mittlerweile so viele Beiträge – Texte, Fotos, Links, kleine und größere Geschichten zu
verschiedensten Themen – angesammelt, dass man leicht den Überblick verlieren konnte. Jetzt sind aus etlichen Artikeln Seiten geworden, die man in den Rubriken im Kopf der Seite anklicken kann.
Auf der Seite “Home” werden in Zukunft nur noch kleinere, aktuelle Einträge oder Querverweise auf neue Beiträge auf den Seiten stehen. Und wie gewohnt gibt’s Benachrichtigungen über Twitter und Facebook, und wer möchte, kann den Friesenblog hier auch per E-Mail-Benachrichtung abonnieren (siehe Button rechts). Hier und da könnte ein Link auf Artikel innerhalb des Blogs verloren gegangen sein, für Hinweise darauf wäre ich dankbar, ich werde es dann umgehend reparieren.
Allen Freunden, Leserinnen und Lesern auch in Zukunft viel Spaß, und über ein gelegentliches Feedback würde ich mich freuen.
Der Friesenblogger
… und noch ein schöner Zeitungs-Werbespot
Ein Klassiker…
Fritz lebt
Der letzte Jude von Jever ist auch knapp 30 Jahre nach seinem Tod unvergessen
Dokumentarstreifen von Elke Baur aus dem Jahr 1994 ist wieder im Handel erhältlich
Jever – „Fritz lebt“ – der Titel des Films
über den letzten Juden von Jever, der 1994 in die Kinos kam, erinnert eigentlich nicht an das Leben, sondern an den Tod von Fritz Levy. In der Nacht nach dem Suizid des 81-Jährigen hatten Unbekannte auf die Wand eines Supermarktes in der Wittmunder Straße den Satz „Fritz lebt weiter“ gesprüht. Die Filmemacherin Elke Baur verkürzte das Zitat, es ist bis heute programmatisch: Auch knapp 30 Jahre nach seinem Tod ist Levy in Jever wirklich unvergessen. Als ob er weiterspukte, als ständige Mahnung, so nicht mit Menschen umzugehen, wie mit dem Juden und dem Jeveraner Fritz Levy umgegangen worden ist.
Der Film, der die Geschichte Fritz Levys erzählt und der zumindest in Jever ein Kinohit wurde, ist jetzt als DVD erhältlich. Angeboten wird er von Filmsortiment und vertrieben im Internet über Amazon, er kostet 21 Euro. Billiger ist er bei der Produzentin selbst zu beziehen: http://bit.ly/goP8gT Das Cover der DVD zeigt, wie damals das Filmplakat, ein Foto von Fritz Levy mit seinem Mischlingshund vor der Ruine seines Wohnhauses in der Bismarckstraße, aufgenommen hat es der Verfasser dieses Beitrags. Ansonsten aber ist es der Blick von außen, der diesen Film so besonders und der das jeversche Publikum im Jahre 1995 so betroffen machte. Schonungslos zeigte die Dokumentation auf, welches Schicksal der Jude Levy erlitten hatte, der den Nazis entkommen, ins Exil gegangen und dann in seine Heimatstadt zurückgekehrt war. Er war wieder zu Hause und fühlte sich doch fremd unter seinen Mitbürgern, von denen keiner ein Täter gewesen sein wollte.
1901 in Jever geboren, war Fritz Levy eines von sechs Kindern des angesehenen Viehhändlers und Schlachters Josef Levy. Er besuchte die Volksschule und das Mariengymnasium, begann ein Studium in Berlin, doch als 1918 sein Vater und sein Bruder tödlich verunglückten, kehrte er zurück, um mit seiner Mutter das Geschäft weiterzuführen. Ein Viehhändler aus Naturtalent – im hohen Alter bezeichnete er sich deshalb als „Viehlosoph“. 1934 gab er den Betrieb ab, wurde 1938 ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, kam nach vier Monaten wieder frei und verließ Deutschland im Jahre 1939 mit dem Ziel Shanghai. Zehn Jahre lebte er in China, danach kurz in San Francisco, schlug sich als Lastwagenfahrer durch. 1950 kehrte er nach Jever zurück. Gezeichnet durch Verfolgung und Flucht, hat er nicht wieder Fuß fassen können, wurde verletzt und geschmäht, eckte aber auch selbst vielfach an. Mehr und mehr wuchs er in seine Rolle als Provokateur hinein, wurde schließlich – vor allem von jungen, unangepassten Leuten unterstützt – in den Stadtrat gewählt. 1982 starb er.
Der Film schildert ihn als Eulenspiegel, der den Mitbürgern, die keine Nazis gewesen sein wollten,
den Spiegel vorgehalten hat. Elke Baur kombinierte historisches Material mit dokumentarischen Bildern und inszenierten Szenen. Gespräche mit Verwandten und Freunden Levys verknüpfte sie mit einer Off-Stimme, die aus dem Leben des Weiberhelden, Weltfahrers, Viehhändlers und ehemaligen KZ-Häftlings erzählt. „Baurs Film ist eine Hommage an Levys Eigensinn und an seinen Mut, immer weiter und weiterzumachen“, schrieb damals die Frankfurter Rundschau. Die Evangelische Zeitung rezensierte: „Die Lebens- und Leidensgeschichte dieses letzten Juden Jevers hat die mehrfach ausgezeichnete Filmemacherin Elke Baur in einem ergreifenden und einfühlsamen Dokumentarfilm nachgezeichnet. Mit Fotos, Stadt- und Landschaftsaufnahmen, mit Aussagen von Bekannten und Freunden, gelang ihr das Filmporträt eines ungewöhnlichen Menschen.“
Zitiert wird in dem Artikel Levys Freund, der Pastor Enno Ehlers, der im Film sagte: „Er war ein Mensch, der nach Deutschland zurückkam, um seine Heimat wiederzufinden, die er nie gefunden hat … Der liebe Gott hat mir einen Freund über den Weg geschickt, verstanden habe ich ihn auch nicht …“
Und Wochenblatt-Redakteur Klaus-Dieter Heimann schrieb nach der Filmpremiere in Jever: „Fritz lebt ist mehr als das Porträt eines Spökenkiekers. Levy steht für viele Menschen, die mit ihrem Witz, ihren Träumen und ihrem Anderssein anecken, auf Widerstand und Ablehnung stoßen. Typen wie ihn gab und gibt es überall. Dass Levy in Jever lebte, ist ein Zufall. Der Film sagt viel über Stimmungen, Strömungen und Neigungen der Nation – vor und nach 1945.
Der Beitrag ist dem Jeverschen Wochenblatt, Ausgabe vom 4. Februar 2011, entnommen. Foto/Copyright: Helmut Burlager
Weitere Fotos zu diesem Beitrag hier: https://friesenblog.wordpress.com/fritz-levy/
Hier habe ich noch ein paar weitere interessante und typische Fotos von Fritz Levy gefunden: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/pcat/348733/display/8532735