Tag 270 | Auf der Flucht

Die Bilder, die es in dieser Woche aus Ayn al Arab in Syrien in unsere Fernsehnachrichten geschafft haben, müssen vielen Deutschen schon deshalb an die Nieren gegangen sein, weil sie so viel Ähnlichkeit haben mit den historischen Aufnahmen, die wir aus unseren eigenen Geschichtsbüchern kennen: Zehntausende von Menschen in langen Kolonnen unterwegs auf der Flucht vor Gewalt und Gefangenschaft, auf der Suche nach einem sicheren Platz, wo das Leben nicht mehr in Gefahr ist.

Die Umstände mögen andere gewesen sein, die Verzweiflung und Panik ist die gleiche, egal ob Flüchtlinge sich aus Ostpreußen oder Schlesien in langen Trecks auf den Weg machten oder ob Jesiden, Christen oder nicht-sunnitische Muslime in Syrien oder im Irak ihre Dörfer verlassen, weil sie mit dem Tod bedroht werden.

Deshalb ist befremdlich, mit wie wenig Empathie manche Menschen bei uns dem Leid der Flüchtlinge dort begegnen. So lange sie in Lagern nahe der Grenze zu ihrer Heimat eingepfercht sind, mag ja noch Mitgefühl für die Bürgerkriegsopfer da sein, aber sobald sie als Asylbewerber in Deutschland angekommen sind, ändert sich schlagartig die Einstellung. Die möchten doch bitteschön woanders bleiben, aber nicht auf unsere Kosten bei uns leben wollen, es ist ja eng genug hier, und uns schenkt auch keiner was und überhaupt, sie sehen anders aus und passen nicht zu uns …

So ähnlich war übrigens auch die Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten, als sie auf der Flucht vor den Russen nach Westdeutschland kamen. Man kann das in vielen Flüchtlingsbiografien nachlesen.

Der Städte- und Gemeindebund Friesland hat sich in dieser Woche für die Schaffung einer zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge im Landkreis ausgesprochen, weil die Wohnungen für Asylbewerber knapp werden. Machen wir uns nichts vor: Da kommen Diskussionen und sicher auch neue Probleme auf uns zu. Vielleicht sollten wir uns dann ab und zu vor Augen halten, dass Flucht und Verfolgung auch deutsches Schicksal war und ist.

Tag 269 | Ehrung

Landrat Sven Ambrosy hat den pensionierten Oberstudienrat Hartmut Peters (rechts) am Donnerstagabend mit der Frieslandmedaille für seine Verdienste um die Erforschung der NS-Vergangenheit des Jeverlandes geehrt.  Foto: Helmut Burlager
Landrat Sven Ambrosy hat den pensionierten Oberstudienrat Hartmut Peters (rechts) am Donnerstagabend mit dem Frieslandtaler für seine Verdienste um die Erforschung der NS-Vergangenheit des Jeverlandes geehrt.
Foto: Helmut Burlager

Das hätte er sich vor 30 Jahren auch nicht träumen lassen, dass er, der damals mit seinen Forschungsarbeiten zur NS-Geschichte des Jeverlandes und zur Verfolgung der Juden in der Nazizeit die Kleinstadtgesellschaft von Jever aufmischte, eines Tages mit der höchsten Auszeichnung geehrt werden würde, die der Landkreis Friesland zu vergeben hat. Hartmut Peters, Oberstudienrat i.R., ist am Donnerstagabend der Frieslandtaler verliehen worden. Der Landkreis würdigt damit seine Verdienste um die Aufarbeitung eines düsteren Kapitels der Regionalgeschichte. An diesem Wochenende wird am Ort der früheren Synagoge in Jever das Gröschler-Haus eingeweiht, ein Dokumentationszentrum und außerschulischer Lernort mit einer Ausstellung, die sich weitgehend auf Peters‘ Forschungen und die Arbeit der Schülergruppe fußt, die sich in den Achtzigerjahren daran machte, die NS-Vergangenheit offenzulegen. Ein  Bericht über die Ehrung am Sonnabend im Jeverschen Wochenblatt. Das Porträt von Hartmut Peters, das aus Anlass seiner Verabschiedung vom Mariengymnasium entstand, ist hier nachzulesen.

Tag 268 | Asyl

Asyl: OVG-Präsident gegen das Schüren von Ängsten

Der Präsident des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, Dr. Herwig van Nieuwland, hat Kritik an politischen Gruppierungen geübt, die in Zusammenhang mit den steigenden Zahlen von Flüchtlingen und Ayslbewerben Ängste gegenüber der Zuwanderung schüren.

Vor dem Hintergrund eines deutlichen Anstiegs der Asylverfahren vor den Verwaltungsgerichten sowie bedeutender Rechtsänderungen in diesem Bereich fand am 24. September 2014 am Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht die Fachtagung „Der neue Rahmen für das nationale Flüchtlingsrecht“ statt, an der 50 Verwaltungsrichterinnen und Richter aus Niedersachsen und Bremen teilnahmen. Unter der Leitung von Referenten des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden laut einer Pressemitteilung des Oberverwaltungsgerichts unter anderem die Neuerungen des Asyl- und Flüchtlingsrechts sowie aktuelle Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und deren Bedeutung für die nationale Rechtsprechung erörtert. Gegenstand der Diskussionen war neben den materiellen Voraussetzungen einer Schutzgewährung unter anderem auch das sogenannte Dublin-Verfahren, in dem der für die Durchführung des Asylverfahrens zuständige EU-Mitgliedstaat bestimmt werden soll.

Präsident Dr. Herwig van Nieuwland erklärte dazu: „Das Flüchtlingsrecht und die Flüchtlingspolitik stehen nun schon seit längerer Zeit wieder ganz oben auf der Agenda von Politik und Gesellschaft. Die weltweiten Krisenherde nehmen zu, die Flüchtlingszahlen steigen an, die Kommunen melden große Probleme bei der Unterbringung der Flüchtlinge und der Gesetzgeber beschließt bereits wieder Verschärfungen des Asylrechtes, wie kürzlich die Aufnahme der Balkan-Staaten in die Liste der sicheren Herkunftsländer. Bestimmte Gruppierungen betreiben ihr politisches Geschäft, indem sie Ängste gegenüber der Zuwanderung schüren und damit Wahlerfolge erzielen. In dieser Situation war es wichtig, dass sich die Verwaltungsgerichtsbarkeit noch einmal des normativen Rahmens vergewissert, in dem unser Flüchtlingsrecht steht, ein Rahmen, der zunehmend durch Vorschriften der Europäischen Union und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs geprägt wird“.

Tag 267 | Talken

Hab mich immer gefragt, warum in Talkshows immer dieselben Nasen herumsitzen. Der Tagesspiegel hat die Antwort: Wie kommt man eigentlich in eine Polit-Talkshow?

Tag 266 | Egotrip

Ausbeutung und immer schlechtere Arbeitsbedingungen kompensieren Journalisten heutzutage, indem sie ihre Eitelkeit befriedigen. Durch immer mehr Ich-Geschichten. Sagt Michael Sontheimer in der taz. Interessanter Artikel:

Das ich im Journalismus

Tag 265 | Salesch

Verwaltungsgerichtsverfahren sind öde und humorlos. Dachte ich, bis ich heute Vormittag im Sitzungssaal des Oberlandesgerichts Oldenburg saß, wo die 1. Kammer des Verwaltungsgerichts Oldenburg über die Klage zweier Bürger gegen den Strandeintritt in der Urlaubsgemeinde Wangerland verhandelte. Vorsitzender Richter Lambert Janssen trug den Sachverhalt, um den es ging, mit so drögem Humor vor, dass die gut 50 Zuhörer ein ums andere Mal lachten. Was nun auch nicht ganz im Sinne des Vorsitzenden war. Das gehe hier ja zu wie bei Barbara Salesch, meinte er. „Aber da sind wir nicht!“ Und schon war wieder Ruhe. Die Klage auf freien Strandeintritt ist dann übrigens abgewiesen worden.

Tag 264 | Übergeben

Mich persönlich befremdet ja immer, wenn Marietta Slomka an „Heinz“ übergibt. Und der dann die Nachrichten vorliest. Insofern spricht mir der Beitrag von Hans Hoff im Medienmagazin DWDL aus der Seele. Ich übergebe mich- vom Unsinn der Schalten

Tag 263 | Arztbesuch

Habe heute übrigens zum ersten Mal die Hilfe eines Beulendoktors in Anspruch genommen. Ist so eine Art Schönheitschirurg fürs Auto, rechnet nur privat ab, die Kasse zahlt so etwas nicht. Immerhin,  er macht das ohne Narkose, hat ein überdimensionales OP-Besteck dabei, arbeitet mikroinvasiv und das Ergebnis ist frappierend. Das Auto sieht aus wie neu.

Tag 262 | Abschied

Aufhören zu können, wenn es nicht mehr geht, das ist nicht jedem vergönnt. Nicht nur, aber gerade auch Journalisten laufen Gefahr, ein beachtliches Lebenswerk am Ende ins Lächerliche zu verlängern, weil sie nicht sehen, dass sie der Aufgabe mental wie manchmal auch physisch nicht mehr gewachsen sind. Bitter, wenn einer dann am Ende alles verliert, das Selbstwertgefühl ebenso die Hochachtung der anderen, und sich selbst zur tragischen Figur macht. Es gibt aber auch die anderen, die erkennen, dass alles seine Zeit hat (was man für sich selbst später dann auch erhofft). So einer ist der große Feuilletonist Fritz J. Raddatz, der soeben seinen Abschied vom Journalismus erklärt hat. Respekt für einen Großen unserer Zunft. Die Welt | Kultur

Tag 261 | Tiefgang

Screenshot 2014-09-19 13.24.50Von wegen, die Junge Union sei immer nur brav und bieder. Dass der CDU-Nachwuchs auch anders kann, zeigt ein Beitrag auf Spiegel online. Tief rein gegriffen in die Sexismus-Kiste hat zum Beispiel die Junge Union Wittmund. Na sowas…