Nun könnte ich es ja machen wie der ADAC und behaupten, tausendzweihundert meiner Leser hätten darüber abgestimmt, ob es in Zukunft „Der Blog“ oder „Das Blog“ heißen soll. Das Ergebnis, 83,33 Prozent für die maskuline Form und nur 16,67 für den sächlichen Artikel, klänge dann total überzeugend. Nun haben aber bis gestern um diese Zeit nur zwölf Leute abgestimmt, deshalb ist der Ausgang der Wahl weder repräsentativ noch bindend. Aber da ich das auch keineswegs erwartet habe, sondern mit Anzahl und Ergebnis vollkommen einverstanden bin, heißt es ab jetzt klar: „Der Friesenblog“. Nicht das und auch nicht die Friesenblog, obwohl jemand meinte, wenn es nach einem bestimmten, offenbar feministisch angehauchten Blogger gehe, müsse es wohl „die Blog“ heißen, das sei dann ein sogenanntes „energisches Femininum“. Da sich diese Aussage nicht binnen 30 Sekunden per Google-Abfrage verifizieren ließ und sich auch durch 60-sekündiges Nachdenken nicht erschloss, was der Ausdruck wohl bedeuten könnte, ist „die“ nun also auch aus dem Rennen. Wär ja auch sonderbar gewesen, auf diese Weise zur Bloggerin zu werden.
Tag 23 | Kameraden
Der unvergessene Ferdinand Heinen, dessen Geburtstag sich Mitte Januar wieder jährte, ging in Jever an bestimmten Tagen nur ungern auf die Straße. Fragte man ihn nach dem Grund, sagte er verschmitzt: „Im Wochenblatt stand, dass beim Schützenverein heute Senioren-Schießen ist.“ Nun erklärt hoffentlich eine Ankündigung der Kyffhäuser-Kameradschaft in einer Wochenblatt-Ausgabe nicht den oft beklagten Mitgliederschwund bei Vereinigungen dieser Art. Da stand nämlich, dass in in Kürze wieder ein Kameraden-Schießen stattfindet.
Tag 22 | Der Die Das
Heute könnt Ihr mal abstimmen. Soll ich in Zukunft das Blog oder der Blog schreiben? Ich mach’s ja mal so, mal so. Die Duden-Rechtschreibung lässt beides zu. Für die Kurzform von Weblog (das Weblog?) oder Logbuch (das, natürlich) wäre der sächliche Artikel angemessen, aber „der Blog“ geht irgendwie leichter über die Zunge, und „das Friesenblog“ klingt doch ehrlich gesagt… Na ja, entscheidet Ihr!
Tag 21 | Plagiat
Am Tag 20 meines ziellos begonnenen Projekts, jeden Tag einen Blogbeitrag zu veröffentlichen, merke ich plötzlich, dass eine alte (pardon, Christine, das ist nicht aufs Lebensalter bezogen) Bloggerfreundin offenbar am 1. Januar genau den gleichen merkwürdigen Vorsatz gefasst hat und nun Tag für Tag ein bisschen von sich preisgibt. Sonderbare Fügung, ich kannte noch nicht einmal ihren neuen Blog „Vintage Family“, nun zählt sie wie ich die Tage des neuen Jahres an den Fingern ab, vielleicht auch nur, bis sie im Laufe des Jahres wieder nach Friesland zieht, wie sie heute verraten hat. Es zwingt uns ja niemand, das durchzuhalten, allenfalls der Ehrgeiz, es meinem Kollegen Christoph Hinz nachzutun, der fünf Jahre lang jeden Morgen eine Katze malte, nachzulesen hier: Der Mann, der zweitausend Katzen malte. Da bleibt viel zu tun. Christines Blog jedenfalls findet Ihr hier: Vintage Family
Tag 20 | Freunde
Die Anbahnung von Kontakten auf Facebook hat ja was Naives. „Willst Du meine Freundin sein?“ – das hat man doch zuletzt als Dreizehnjähriger so gefragt und eine Antwort nach dem Motto „Ohne meinen Alltours sag ich nichts“ bekommen. Außerdem kann kein Mensch 345 Freunde haben. „Willst Du mein Bekannter werden?“ ist allerdings auch keine Option, denn das kann man ja nur als Wildfremder fragen, und wie soll ich bei einem Wildfremden entscheiden, ob mir wirklich behagen würde, seine Bekanntschaft zu machen? Da lob‘ ich mir Twitter. Da ist man einfach Follower, und ich muss niemanden fragen, ob ich ihm folgen darf, ich tue es einfach, und wenn ich es nicht mehr tun werde, wird er es kaum merken, es sei denn, er hätte nur einen Verfolger. Das wäre so, als ob man bei Facebook nur einen Freund hätte. Den sollte man dann aber wirklich nicht im Stich lassen.
Tag 19 | Der Tod und das Meer
Mal wieder ein Fernsehtipp: Heute Abend, 18 bis 18.45 Uhr im NDR-Fernsehen: „Nordseereport: Der Tod und das Meer“. Dazu heißt es in der Programmankündigung: Wenn Herbst- und Winterstürme die Nordsee aufwühlen, kann es gefährlich werden an der Küste. Der heutige Nordseereport greift das Thema Lebensgefahr und Rettung auf. NDR-Moderatorin Antje Wöhnke nimmt an einer Seenotrettungsübung teil und macht die Erfahrung, wie schwierig es ist, Rettungsmittel in dem aufgewühlten Wasser einzusetzen. Alle Teilnehmer bekommen hautnah mit, wie wichtig es ist, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Zusätzlich begleitet ein Team des Nordseereports eine Übung der Rettungsflieger, die zum Einsatz kommen, wenn es auf einem Schiff Probleme gibt. Die Sendung erinnert an eines der schwersten Schiffsunglücke in der Deutschen Bucht. Bei starkem Seegang und Sturm sank 2006 der Fischkutter „Hoheweg“ in der Außenweser, vier Seeleute kamen dabei ums Leben. Der Kutter sank offenbar so schnell, dass die Besatzung keinen Notruf mehr absetzen konnte. Weitere Themen in der Sendung: Rettungshunde mit besonderem Spürsinn, das Wrackmuseum auf der niederländischen Insel Terschelling und der Krimiautor Klaus-Peter Wolf, der am Nordseedeich Inspiration für seine schaurigen Geschichten findet.
Tag 18 | Jugendbegleiter
Würde mich jemand nach dem Namen der Lottofee fragen, würde ich ohne großes Zögern antworten: „Karin Tietze-Ludwig“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass erstens ich schon etwas älter bin und zweitens die Lottofee nicht täglich präsent ist. Denn auf die Frage nach den aktuellen Nachrichtenmoderatoren würde ich ja auch nicht Werner Veigel nennen, sondern Ingo Zamperoni. Karin Tietze-Ludwig ist es also nicht, die hat schon vor 16 Jahren aufgehört. Ihre Nachfolgerin ist Franziska Reichenbacher. Die hätte ich nun eher bei Müsli eingeordnet, aber nein: Sie macht ihren Job schon so lange, dass sie wohl auch eines Tages ins Fernsehmuseum kommt, zusammen mit den Werner Höfers, Bernhard Grzimeks, Wim Thoelkes und Ernst Hubertys der TV-Geschichte. Heute Abend geht sie übrigens zum 700. Mal auf Sendung und wird uns erzählen, dass wir wieder nichts gewonnen haben. Sollte es anders sein – ich würde mir den Namen Franziska Reichenbacher bis ans Lebensende merken.
Tag 17 | Aus gegebenem Anlass
Wenn ein Mann den Geburtstag seiner Frau vergisst, hat er nicht bemerkt, dass sie ein Jahr älter geworden ist. Gibt es ein schöneres Kompliment? (Josef Meinrad)
Tag 16 | Sparfüchse
Wer den Pfennig nicht ehrt … Also ist man erfreut, aber auch etwas überrascht, wenn auf dem Girokonto eine Gutschrift von einem Cent eintrifft. Vor allem aber neugierig, wer so etwas wohl macht. In diesem Fall eine clevere Versicherung, die das Geld für Porto sparen wollte und das teure Unterfangen, alle Kunden über die erfolgte Sepa-Umstellung zu informieren, mit einem kleinen Trick löste: 0,01 Euro aufs Konto überweisen und den ganzen Sermon („Ihre Mandatsreferenz… unsere Gläubigernummer …) einfach in den Verwendungszweck schreiben. Ergebnis: Zuverlässige Zustellung für (sehr) kleines Porto.
Tag 15 | Coming out
Habe ich jemals zugegeben, dass der Sportarzt, als er vor Jahren meine Tauglichkeit für die Knabenmannschaft des SV Frisia Brinkum feststellen sollte, die Augenbrauen hochzog und mir, dem hoffnungsfrohen Nachwuchsfußballer, eine seltene Kombination aus Senk-, Spreiz- und Knickfuß bescheinigte? Hab ich nicht! Da meine nachfolgenden fußballerischen Leistungen der niederschmetternden Diagnose entsprachen und die Karriere bereits in der B-Jugend endete, habe ich das Thema gemieden, und bis auf meinen Schuhmachermeister weiß kaum jemand von meinem orthopädischen Missgeschick, selbst Facebook nicht. Es gibt eben Dinge, die kein Coming out vertragen, schon gar nicht im Fußball. Wie kann es nun angehen, dass mir auf Twitter plötzlich @fussexperten folgen, die mir „Tipps und Info’s“ (pardon, für deren Rechtschreibung kann ich nichts) zu Fußproblemen in Alltag und Sport versprechen? Hab ich je übers Netz Schuheinlagen bestellt? Hab ich ein Forum von Fußkranken besucht? Hab ich die Werbung von „Gehwohl“ angeklickt? Hab ich nicht. Niemals! Nein, liebe Fußexperten, ihr könnt mir gerne folgen, ich folge nicht zurück. Das Internet wird mir unheimlich. Und außerdem geht es keinen etwas an, was mit meinen Füßen ist.