Tag 227 | Offener Brief

Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch
Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch

In einem offenen Brief wirbt Horst von Bassewitz, Architekt und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, beim Wilhelmshavener Oberbürgermeister Andreas Wagner eindringlich für den Erhalt der Südzentrale in Wilhelmshaven. Gerade in einer von den Verlusten des Zweiten Weltkrieges so stark betroffenen Stadt dürfen die noch erhaltenen Geschichtszeugnisse nicht aufgegeben werden. Die Südzentrale entstand 1908-12 neben der Kaiser-Wilhelm-Brücke als Energieversorgungszentrale für den wachsenden Hafen Wilhelmshaven.

Von Bassewitz appelliert an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Politik und fordert diese auf „weitere Planungsschritte und politische Entscheidungen grundsätzlich im Bewusstsein der Achtung vor den Leistungen und Entscheidungen ihrer Vorgänger zu treffen“. Die intensiven und engagierten Diskussionen der Bürgergesellschaft über den Umgang mit dem historischen Erbe dürften bei den Entscheidungen der Kommune nicht unberücksichtigt bleiben.

Das bereits 1994 vom Bund an private Investoren verkaufte Gebäude ist seither dem Verfall preisgegeben. Alle bisherigen Pläne zur Erhaltung scheiterten, die Stadt Wilhelmshaven sieht sich nicht in der Lage, das Kraftwerk zu übernehmen. Die BGI Unternehmens- und Immobilienbeteiligungs GmbH in Ibbenbüren will das Gebäude nun abreißen und das Gelände neu entwickeln. Für eine gewerbliche Nutzung ist eine Bebauungsplanänderung für das derzeitige Sondergebiet Hafen notwendig.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu der wohl größten privaten Initiative in der Denkmalpflege in Deutschland entwickelt. Nur dank des großen bürgerschaftlichen Vertrauens kann sie ihren wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und zur Bewusstseinsbildung für die Denkmalpflege leisten.

Hier der Brief im Wortlaut

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Tag 127 | Der Film

dvd_suedzentrale„Die Südzentrale – der Film“  gibt es jetzt als DVD. Schon bei der Premiere im Februar entwickelte sich der ungewöhnliche Dokumentarfilm über das einzigartige Industriedenkmal zum regionalen Blockbuster. Mittlerweile haben an drei Aufführungsterminen 2500 Zuschauer den Film gesehen. Pünktlich zur „Langen Nacht der Kultur“ wurde die von vielen sehnsüchtig erwartete DVD fertiggestellt und konnte bereits in der UCI Kinowelt Wilhelmshaven erworben werden. Ab sofort ist sie auch in weiteren Verkaufsstellen in Wilhelmshaven erhältlich: „Speed & Cotton“ (Marktstr. 23), „Die Weinprobe“ (Rheinstr. 14), NordwestRepro (Freiligrathstr. 14, auch im Onlineversand unter t.ernst@nordwest-repro.de) sowie im Marinemuseum (Südstrand 125). Der Verkaufspreis beträgt 9,50 Euro, der Erlösüberschuss kommt der Arbeit des Vereins zum Erhalt der Südzentrale zugute. Bei NordwestRepro ist auch das Original-Filmplakat (Format DIN A1) für 6 Euro erhältlich.

Tag 124 | Abgesang

Südzentrale in Wilhelmshaven. Vergessener Ort? Oder schon verlorener Ort. Foto (c): Corinna Nickel
Südzentrale in Wilhelmshaven. Vergessener Ort? Oder schon verlorener Ort. Foto (c): Corinna Nickel

Noch kämpfen Wilhelmshavener, aber natürlich beileibe nicht alle, für die Rettung der „Südzentrale“. Der Filmbeitrag des NDR i der Reihe „Vergessene Orte“ klingt aber schon mehr wie ein Abgesang auf das Baudenkmal, Grundstimmung: pessimistisch.

Vergessene Orte: Südzentrale

Tag 36 | Werkzeug

Die Volontärin von Radio Jade, die ein Praktikum in der Printredaktion absolvierte, kehrte etwas unglücklich vom ersten Termin zurück. Sie habe sich so unwohl gefühlt ohne Mikrofon und gar nicht gewusst, wie sie arbeiten soll, nur mit Block und Stift. Unsereinem geht es ja genau anders herum. Ohne Papier und Schreibgerät in der Hand fällt es schwer, Informationen aufzunehmen. So hat jeder seine Werkzeuge und seine Gewohnheiten. Voller Bewunderung höre ich, wie unsere Kollegin Jutte Przygoda vom NDR allein durch Audio Bilder im Kopf ihrer Zuhörer entstehen lässt, wie hier im Beitrag über die Südzentrale.

Tag 26 | Südzentrale

Fassade Corinna Nickel DSC_0431„In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“ 

Na, neugierig geworden? Am 2. Februar wird in Wilhelmshaven der Film über die Südzentrale, ein vom Verfall bedrohtes wunderschönes Industriedenkmal gezeigt. Hier geht’s zur Ankündung, enthalten ist auch ein Link zu dem Trailer, der auf Youtube zu sehen ist: Südzentrale – der Film

3000 Unterschriften zum Erhalt der Südzentrale

Übergabe an den Rat am 23. November

verein_1a Wilhelmshaven – Nach der Rodungsaktion auf dem Gelände der Südzentrale Anfang des Jahres schien der Abriss des historischen Marinekraftwerks beschlossene Sache zu sein. Dank unermüdlicher Aktivitäten engagierter Bürger zum Erhalt der Südzentrale steht das Baudenkmal aber immer noch. Ein Symposium zum Thema im Juni, die Gründung des gemeinnützigen Vereins zum Erhalt der Südzentrale, vor allem aber der fortlaufende Kontakt zu den Eigentümern und die Vermittlung neuer Gespräche zwischen diesen und städtischen Entscheidungsträgern konnten die Vernichtung des einzigartigen Industriedenkmals bis heute abwenden.

Südzentrale_Wilhelmshaven_ImkeZwochDem Verfall preisgegeben: Die historische Südzentrale in Wilhelmshaven. Foto: Imke Zwoch

Im Vorfeld der Kommunalwahl sprachen sich alle jetzt im Rat vertretenen Parteien und Wählervereinigungen und auch der jetzt amtierende Oberbürgermeister Andreas Wagner für den Erhalt des Gebäudes aus. Das entspricht dem starken Wunsch aus der Bürgerschaft: Seit Juli unterzeichneten etwa 3000 Menschen die Petition zum Erhalt der Südzentrale.

Direkt vor der ersten Sitzung am kommenden Mittwoch (23. November, Beginn 14 Uhr) werden die Unterschriftenlisten dem neuen Rat übergeben. Bis dahin werden weitere Unterschriften gesammelt, um den Ratsvertretern ein klares Votum mit auf den Weg zu geben.

Wer aktiv dazu beitragen möchte, kann das Formular auf der neu gestalteten Webseite www.suedzentrale.de herunterladen und ausdrucken und selbst im Bekanntenkreis über die Zielsetzung informieren und Unterschriften sammeln. Auf der Website gibt es auch weitere Infos zur Geschichte des Gebäudes und zum Verein (mit Beitrittsformular, Jahresbeitrag 24 Euro), dazu eine Bildergalerie und ein eindrucksvolles interaktives Panoramabild.

Die Unterschriftenlisten bitte bis zum 22. November weiterleiten an die Geschäftsstelle des Vereins zum Erhalt der Südzentrale, Weserstr. 78 a, 26382 Wilhelmshaven. Kontakt: info@suedzentrale.de.

(Quelle: Imke Zwoch, Verein zum Erhalt der Südzentrale)

Mehr über die Südzentrale

Eine Seite mit vielen Fotos zum Thema Südzentrale, ein von Abriss bedrohtes Baudenkmal in Wilhelmshaven, findet sich hier: Zur Seite

Friesenblog berichtete hier: Vereinsgründung und hier Südzentrale, wars das?

Verein zur Rettung der Südzentrale gründet sich

Panorama 2 

Wilhelmshaven – Die Befürworter der Rettung des Baudenkmals Südzentrale in Wilhelmshaven wollen einen Verein gründen und treffen sich dazu am Mittwoch, 22. Juni 2011, um 18 Uhr im Fährhaus Wilhelmshaven in der Hentschelstraße 15c. Das war, neben der Verabschiedung einer Resolution, das konkrete Ergebnis einer Tagung unter dem Titel “Südzentrale – war’s das?” am vergangenen Sonnabend.

Gut hundert Teilnehmer fanden sich zu dem ganztägigen Symposium im Marinemuseum Wilhelmshaven ein. Neben Vertretern der Denkmalpflege aus Hannover, Hildesheim, Braunschweig, Cloppenburg, Oldenburg und Düsseldorf, die nochmals eindringlich den stadt- und baugeschichtlichen Wert des seit 1987 unter Schutz stehenden Kraftwerks Südzentrale darstellten, kamen aber auch Vertreter der lokalen Wirtschaft und – in mehreren Diskussionsrunden – viele engagierte Bürger zu Wort.

Noch immer scheint die Vision, dass die Kommune die Südzentrale erwerben könnte, nicht abwegig – vorausgesetzt, mit kreativen Finanzierungen unter Einbringung bürgerschaftlich akquirierter Mittel, beispielsweise in Form einer ‚Sanierungsaktie‘, würde gemeinschaftlich der Kraftakt für eine attraktive Südstadt Wilhelmshavens gestemmt, so Unternehmer Tom Nietiedt.

Dass neue Nutzungen gerade von Hallenbauten ehemals industrieller Nutzungen zudem nicht in teure Hochglanzprojekte ausarten müssen, unterstrich Industriedenkmalpfleger Axel Föhl an internationalen Realisierungen. Paradebeispiel: das Sulzer-Areal in Winterthur, Schweiz, in dessen Hallen sukzessive leichte Stahlstrukturen eingezogen werden. Auf luftigen, offenen Galerien erhält die örtliche Fachhochschule hier nun anregende Räume für Lehre, Forschung, Kommunikation. Solche Beispiele und die durchgehend konstruktive Stimmung des Symposiums motivierten zum Abschluss die anwesenden Wilhelmshavener “Mutbürger”, eine Resolution zum Erhalt der Südzentrale zu verabschieden. Und die Gründung eines Fördervereins wurde in Angriff genommen: Er soll das vorhandene große bürgerschaftliche Engagement rund um die Südzentrale bündeln und in produktive Maßnahmen umsetzen.

Wortlaut der Resolution vom 19. Juni 2011:

“Die Südzentrale ist ein unwiederbringliches Kulturdenkmal der Gründungsgeschichte der Stadt Wilhelmshaven und ein Industriedenkmal von internationalem Rang. Der Abriss muss verhindert werden. Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, umgehend das Gespräch mit dem Eigentümer der Südzentrale aufzunehmen.

Wir fordern einen öffentlichen Diskurs über das Schicksal der Südzentrale unter verantwortlicher Mitwirkung der städtischen Verwaltung. Wir fordern die erneute Überprüfung der Grundlagen der erteilten Abrissgenehmigung.Wir fordern auf, den Eigentümer auf die Pflicht zur Sicherung und Erhaltung des Baudenkmals hinzuweisen.

Mit heutigem Datum befindet sich ein Verein zum Erhalt der Südzentrale in Gründung, der es sich zur Aufgabe macht, das bürgerschaftliche Engagement zum Erhalt der Südzentrale zu vertreten und konstruktiv Planungen, Ideen und Mitteleinwerbung zu diesem Zwecke zu betreiben.”

Übermittelt von:

Corinna Nickel, Bettina Brosowsky, Forum Wilhelmshaven – Erhaltet die Südzentrale

Südzentrale – war’s das?

Suedzentrale

Wilhelmshaven – Die Südzentrale in Wilhelmshaven wurde 1908/09 als Kraftwerk der Marine in luftiger Jugendstil-Architektur erbaut und ist seit 1991 eingetragenes Baudenkmal. Seit Betriebsaufgabe 1993 ist es Verwahrlosung und Verfall ausgesetzt.Der stadtgeschichtliche Wert des Bauwerks ist bei den Entscheidungsträgern in den Hintergrund gestellt worden. In den vergangenen Jahren ist weder eine erforderliche Nachnutzung noch notwendige Substanzsicherung ernsthaft angedacht worden. Einem erneuten Abrissantrag wurde Anfang des Jahres entsprochen, obwohl konkrete Planungen über eine zukünftige Nutzung des Areals fehlen.

Sued Ein Panoramabild (Innenansicht) der Südzentrale gibt’s hier (links). Einfach draufklicken.

Mit Vorträgen, Ausstellungen, Architekten-Workshop und Theater-Performance hat das Forum zum Erhalt der Südzentrale in den vergangenen zehn Jahren immer wieder versucht, auf die Besonderheit und einzigartige Qualität des Gebäudes hinzuweisen.Das Symposium, zu dem das Forum am Samstag, 18. Juni 2011, ab 11 Uhr einlädt, zeigt Potentiale des Ortes und (verpasste) Chancen auf. Es soll deutlich werden, inwieweit die Südzentrale heute noch Ausgangspunkt einer zukünftigen Planung und Entwicklung sein kann.

Fachredner werden mit Kurzreferaten den Auftakt der Veranstaltung begleiten. Darunter u. a. Axel Föhl, Wolfgang Neß und Hermann Schiefer aus der staatlichen Denkmalpflege, Prof. Dr. Uwe Meiners (Museumsdorf Cloppenburg), Martin Thumm und Christoph Gerlach (Hochschule für Wissenschaft und Kunst Hildesheim), Jörg Michael Henneberg, Vorsitzender der Stiftung für wilhelminische Studien, Tom Nietiedt, Micaela-Schweers-Sander, Ernst-André Winter u. a. Statements von Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Ingo Sommer und Henning Venske unterstützen den Dialog. Im Anschluss an die Vorträge gibt es eine offene Diskussion.

Eingeladen sind alle Interessierten, die sich in dieser Diskussion um die Südzentrale mit einbringen möchten.

Veranstalter: Forum Wilhelmshaven – Erhaltet die Südzentrale sowie die Oldenburgische Landschaft

Ort: Deutsches Marinemuseum, Südstrand 125, Wilhelmshaven

Bitte kurze Anmeldung zur Veranstaltung, Kontakt: Corinna Nickel 0172.432 46 58